Gefundenes Fressen

Küchenzeile: Die Limosteuer kommt, weniger Zucker soll Kinder schützen – dabei sind Erwachsene das Problem

Männer genießen unbeschwert - das hat Folgen.

Weniger Zucker in Süßgetränken zum Schutz der Kinder, darauf hat die Regierungskoalition sich geeinigt. Doch wenn es um Prävention von Übergewicht geht, muss eine ganz andere Zielgruppe in den Blick kommen: erwachsene Männer

Jetzt soll sie also kommen, die Zuckerabgabe, vulgo Limosteuer. Die Entscheidung muss allerdings noch durch den Bundestag, die Zuckerabgabe ist noch nicht Gesetz. Aber die Regierungskoalition und das Kabinett haben sich geeinigt.

Geschafft hat es der Sparplan, den die Finanzkommission für Gesundheit am 30.3.2026 vorgelegt hat.

Quarkundso.de hatte sich dazu ja schon vorher, Mitte März geäußert, mit einem Plädoyer ganz im Sinne der Finanzkommission: Geld einnehmen, das der Staat Geld für Prävention und Gesundheitsschutz verwenden kann.

Dafür Steuern auf Alkohol und Tabak rauf, und unnötige Lebensmittel wie Limo, Marmelade und Chips teurer machen.

Wir sind sehr stolz auf unsere Weitsicht und fordern einen fairen Anteil am Honorar der Verfasser solcher Sparpläne. Wir hätten es natürlich billiger gemacht. Aber nicht viel.

Egal – eine Lebensstilumlage für die Folgen der allgemeinen Prasserei hatten wir unseren Vorschlag genannt, wir halten eine solche für legitim und notwendig.
Details dazu in unserem Beitrag vom 18. März 2026, bitte nachlesen, wird abgefragt.

Kinder als moralisches Feigenblatt

Erstaunlich eingeengt hat sich in der Debatte nach Veröffentlichung des Sparkonzepts das Spektrum der Argumente für die Limosteuer.
Die Spar- und Geldbeschaffungsmaßnahme der Kommission ist von den Akteuren der Debatte inzwischen umgemünzt worden in den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor zu viel Zucker.

Auch dieses Vorschieben der Kinder haben wir in unserem Beitrag vom 18. März schon im Visier gehabt – als ein moralisches Feigenblatt.
Gerade Politiker, die lange gegen die Limosteuer gekämpft und jetzt endlich eingelenkt haben, schmücken sich damit, allen voran Jens Spahn.

Nach dem Entschluss des Kabinetts, die Sparpläne samt Limosteuer zu befürworten, war die CDU in Erklärungsnot. Bislang hatte sie Zucker- oder Limosteuer vehement abgelehnt und für eine Gänglung der mündigen Verbraucher, überdies für wirtschaftsfeindlich und wirkungslos gehalten.

Nach der Einigung im Kabinett müssen aber plötzlich die Kinder herhalten. Spahn erklärte:

„Stark gesüßte Getränke sind gerade für Kinder und Jugendliche Dickmacher-Gefahren. Dort drohen gesundheitliche Risiken. Wenn es gelingt, über eine Zuckerabgabe den Zuckeranteil in diesen Getränken (…) zu reduzieren, dann würden wir einen echten Beitrag leisten für mehr Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen.

Ich finde, man muss die Debatte vor allem aus dieser Richtung heraus führen. Darum geht es nämlich zuerst: um gesunde Kinder und Jugendliche und weniger Zuckerkonsum.

In dem Kontext kann man dann mit einer Zucker-Abgabe für einen speziellen Bereich – das ist was anderes als eine Zuckersteuer generell auf Zucker – Zucker-Abgabe in diesem Bereich gesüßte Getränke, auch gut umgehen. Das können wir im Ergebnis gut mittragen.“

Quelle: Pressekonferenz zur Einigung der Koalition auf den Sparplan der Kommission

Der Sinneswandel ist erstaunlich, vor allem deshalb, weil Kinder nicht das Problem sind.

Der Trend zum Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen stagniert in Deutschland seit zehn Jahren – wir haben nicht immer mehr dicke Kinder.
Auch sinkt der Zuckerkonsum allgemein, das zeigen die Verkaufszahlen: Zwischen 2020 bis 2026 sank der Zuckerverzehr von über 36 Kilo pro Kopf und Jahr auf rund 30 Kilo, Tendenz weiter abwärts.

Der Grund liegt möglicherweise in einem höheren Gesundheits-bewusstsein, wie neben einigen Markforschungsfirmen auch das Robert-Koch-Institut festgestellt hat: Weniger Zucker fördert die Gesundheit, zu viel Zucker macht dick und in der Folge krank, das hat die WHO seit über 10 Jahren als Parole ausgegeben.

Und siehe da: Es scheint zu funktionieren.

Bedenkliches Übergewicht bei Erwachsenen

Gut, nicht ganz.

Die Daten zum Zuckerkonsum von Kindern sind schwierig zu erheben.
Denn bei kleineren Kindern antworten die Eltern auf Fragen von Ernährungsforschern, und sind vielleicht nicht allzu korrekt, weil sie lieber verschweigen, dass übersüßte Frühstücksflocken auf dem Tisch stehen und der Nachwuchs im Kinderwagen mit Fruchtquetschies ruhiggestellt wird.
Bei Jugendlichen muss man auch mit Verzerrungen rechnen, weil ihre Antworten vielleicht aus schlechtem Gewissen geschönt sind. Trotzdem weisen die Verbrauchszahlen darauf hin, dass der Zuckerkonsum insgesamt, auch bei Erwachsenen, sinkt.
Man könnte also fast sagen, dass eine Trendwende schon geschafft ist, ganz ohne Steuer.

Nur das Übergewicht bei Erwachsenen geht nicht zurück. Es stagniert allerdings nicht, wie bei den Kindern. Es steigt immer weiter an.

Die Entwicklung ist so bedenklich, dass man endlich den Blick auf diese Zielgruppe lenken muss. Nicht auf die Kinder.

Sie vorzuschützen schadet der Debatte, weil es ganz woanders brennt: bei den Erwachsenen im mittleren und höheren Lebensalter, zwischen 30 und 70. In diesen Gruppen ist der Anteil Adipöser und Übergewichtiger in den letzten Jahren signifikant gestiegen.

Die Männer sind das Problem – nicht die Kinder

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Besonders hoch ist der Anteil an Übergewicht aller Formen bei den Männern: rund 61 Prozent von ihnen sind übergewichtig oder fettleibig, dagegen nur 38 Prozent der Frauen, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Den Kinderschutz zu beschwören, während es doch die Männer im arbeitsfähigen Alter sind, die Präventionsziel sein sollten, ist seltsam.

Wir können nur ahnen, dass neben dem Feigenblatt-Syndrom („Es geht um unsere Kinder!“) so etwas wie vorsorgende Erziehung eine Rolle spielt – die Hoffnung, dass weniger Limo und Zucker in der Kindheit dazu führt, dass die Erwachsenen, vor allem die Männer, nicht dick werden.

Tatsächlich konsumieren Männer erheblich mehr Limos und Softdrinks als Frauen, so der Verband der privaten Krankenkassen. Überhaupt essen Männer mehr von allem als Frauen, übrigens auch Schokolade und Süßwaren. Außerdem trinken sie doppelt so oft und viel mehr Alkohol, auch rauchen sie signifikant öfter.

Also müssten doch erwachsene Männer Präventionsziel werden, die im Erwerbsleben stehen. Die, sobald sie den Kinderschuhen und allen Erziehungsversuchen entwachsen sind, leben, wie es sich für einen Mann gehört. Sich den Bauch vollschlagen mit Currywurst und Steaks, auf ihr Feierabendbier schwören und sich auf keinen Fall jemals wieder etwas vorschreiben lassen wollen.

Wo hier Prävention ansetzen kann, ist bisher scheinbar ungewiss – aber Prävention mit dem Ziel Männer greift wohl kaum bei der centweisen Verteuerung von Limos.

Gesundheit ist Bürgerpflicht!

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Wir schlagen daher jetzt eine radikale Kehrtwende in der Präventionspolitik vor und nehmen die mündigen Bürger, die Erwachsenen, speziell die erwachsenen Männer, in die Pflicht.

In Präventionskonzepte sollte, finden wir, das Eingang finden, was für Beamte schon von Gesetzes wegen gilt: die Pflicht, sich körperlich gesund zu erhalten und mit vollen Kräften arbeits- und dienstfähig zu sein.

Warum eigentlich nicht?

Wenn der Staat das als Grundlage einer Verbeamtung machen kann, wenn er erwachsenen Anwärtern derlei qua Beamtenrecht in die Dienstverträge schreibt, warum kann eine Gesundheitserhaltungspflicht nicht der Leitgedanke von Prävention sein?

Auch im Sozialrecht gibt es Mitwirkungspflichten bei Leistungsbezug – und beziehen nicht alle Leistungen der Krankenkassen, wenn sie an den Folgen von Übergewicht leiden?

Das ist doch mal ein Hebel, den man bei Erwachsenen ansetzen könnte.

Vernunft ist zumutbar

Stattdessen raunen Gesundheitsschützer von „Verhältnisprävention“, worunter sie verstehen, dass in der Kantine der Obstkorb vorne und der Sahnepudding hinten steht. Oder dass im Supermarkt kein Naschzeug und keine Pennerfläschchen mit Wodka an der Kasse locken.

Aber wer das Zeug kaufen will, findet es überall.

Wir plädieren daher jetzt energisch für eine Gesundheitserhaltungspflicht: Alle erwachsenen Bürger sollten die Pflicht haben, die eigene Gesundheit bestmöglich zu erhalten und alles dafür zu tun, dass sie schnell genesen, wenn es mal schief geht.

Zu dieser Pflicht gehört in erster Linie das Halten eines gesunden Normalgewichts. Niemand wird gezwungen, sich eine Modelfigur anzuhungern. Es geht nur um Normalgewicht, BMI 25, vielleicht ein paar Pfund zuviel. Pfund, nicht Kilos.

Auf Hilfe bei Krankheit haben natürlich weiterhin alle das Recht. Aber für das bedenkliche Übergewicht muss klar Bewusstsein geschaffen werden – und zwar bei Erwachsenen. Die sind betroffen, sie sind verantwortlich, sie sitzen an den Schaltstellen – und die Vernunft, sich selbst so gut wie möglich gesund zu erhalten, ist zumutbar.

©Johanna Bayer

Untersuchung des Verbandes privater Krankenkassen zu Limosteuer

Hintergrund: Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren 

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