ARTE und der Glaubenskrieg um die Milch: Fernsehen, postfaktisch.

 

Schale, Kännchen und Flasche Milch vor blauem Hintergrund

Milchidylle: rein, weiß, gut? Von wegen, sagt ARTE. Bild: Daria Yakovleva

Ich liebe das Wort des Jahres 2016, postfaktisch. Jedes Jahr wählt die Gesellschaft für Deutsche Sprache so ein Wort, das gesellschaftliche Debatten geprägt oder begleitet hat. Selten ist das so gelungen wie jetzt:

Das Kunstwort postfaktisch verweist darauf, dass es heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« führt zum Erfolg.

Wie das auf hohem Niveau geht, mit der gefühlten Wahrheit und dem Widerwillen, Tatsachen zu akzeptieren, zeigt ARTE.

Die haben einen Dokumentarfilm über Milch gebracht, am 10.1.2017 bei ARTE-Thema: „Milch – ein Glaubenskrieg“, so der Titel.

In diesem Format greift der Sender „aktuelle Debatten aus Kultur, Wissenschaft und Politik“ auf, es soll Fakten bringen, verschiedene Aspekte beleuchten, zur Diskussion inspirieren, andere Perspektiven zeigen.

Ob es um Milch wirklich so eine gesamtgesellschaftlich Kontroverse gibt, sei mal dahin gestellt. Der Milchverzehr ist in den letzten Jahren mehr oder weniger gleich geblieben, bei Käse sind die Zahlen gestiegen. De facto wird alleine in Deutschland jeden Tag tonnenweise Milch in irgendeiner Form konsumiert*. Milch ist, wie diese Zahlen zeigen, eines der meistverzehrten und dazu am besten kontrollierten und untersuchten Lebensmittel überhaupt.

Es gibt aber eine kleine Szene, die gegen Milch agitiert und erstaunlich viel Aufmerksamkeit bekommt. Das sind Leute, die Milch nicht für ein normales Nahrungsmittel mit Vor- und Nachteilen halten, sondern für ein gefährliches biologisches Dopingmittel.

Und so hat die Redaktion von ARTE-Thema Milch zur großen Streitfrage erklärt und schickt einen renommierten Filmemacher auf Spurensuche. Er soll vorführen, was an der Milch so verdächtig ist und stellt die Anfangsfrage:

Aber ist Milch wirklich so gesund? Seit Jahren tobt eine heftige Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern. Kritiker behaupten, Milch kann moderne Zivilisationskrankheiten wie Allergien, Diabetes und Migräne auslösen – und sogar Krebs.

Befürworter wie Gegner werfen sich gegenseitig aggressive Stimmungsmache vor. Die Folge: Milch und Milchprodukte gehören heute zu den umstrittensten Lebensmitteln überhaupt.
Die Verbraucher sind zunehmend verunsichert: Wem soll man glauben? Wir wollen Klarheit: Ist Milch gesund oder macht Milch krank?“

Die Gretchen-Frage

Eine tiefschürfendes Problem, ganz klar. Die Sache muss dringend aufgeklärt werden, genau wie der Glaubenskrieg um Kondensstreifen am Himmel, die Erde als Scheibe und die Mondlandung – total umstritten, keiner weiß, wie es wirklich ist, wir brauchen endlich klare Antworten.

Wie ARTE diese Frage konstruiert, repräsentiert die Philosophie des postfaktischen Zeitalters in Reinkultur: gesund oder ungesund? Schwarz oder weiß? Gut oder böse? Alles oder nichts?

Man ist sehr gut bedient, wenn man da misstrauisch wird.

Gerade weil im Restleben diese Haltung eher nicht empfohlen wird. Denken in Extremen und starre Schwarz-Weiß-Einteilungen treten, sagen Psychiater, auffallend häufig zusammen mit allerlei seelischen Störungen und wahn- oder zwanghaften Einstellungen auf.

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Der seelischen Gesundheit zuträglich soll es aber sein, wenn man Zwischentöne kennt, Kompromisse macht, Mittelwege und Maß einhält, Vor- und Nachteile erkennt, Risiken abwägt und realistisch bleibt: Die Welt ist nicht schwarz oder weiß, niemand ist nur gut oder nur böse, und zwischen allem und nichts gibt es noch eine Menge.

Und wer bei Lebensmitteln diese Frage nach „gesund oder ungesund“ stellt, disqualifiziert sich garantiert für eine vernünftige Auseinandersetzung über Ernährung.

Das muss reichen

Nein, hier folgt jetzt keine Erklärung dazu, dass Menschen von einer Mischung in der Nahrung leben, Allesfresser, oder, passender, Mischköstler sind und daher Lebensmittel nur im Verhältnis zueinander und in der Mischung funktionieren.

Das kann man nachlesen, Hinweise gibt es auf Nachfrage, aber nur gegen Strafgebühr. Denn Quarkundso.de setzt bei seinen Qualitätslesern Vernunft voraus.

Jetzt aber zurück zum Film. Natürlich ist die Frage am Anfang dramaturgisch motiviert –Storytelling, wie es im Neusprech heißt: In der Exposition sollen so deutlich wie möglich Gegenpole erscheinen, am besten ein grundsätzliches Dilemma, das möglichst tragische Konflikte verspricht.

Das macht die Frage nach „gesund oder ungesund“ aber nicht legitim.

Denn es bleibt dabei: Wer Lebensmittel in „gesund oder ungesund“ einteilen will, hat den Schuss nicht gehört. Und wischt offensiv jeden Kontext, den gesunden Menschenverstand, die Evolution mit der erstaunlich schnellen genetischen Anpassung des Menschen ans Milchtrinken und mindestens 8.000 Jahre Erfahrung mit Milch und Milchprodukten weg.

 

Keine ganz gleichen Lager

Egal – Drama muss sein. Daher dreht sich die Doku volle 45 Minuten um verschiedene Beteiligte am vorgeblichen „Glaubenskrieg“: Milch-Lobbyisten, Wissenschaftler, Ärzte, Bauern, Journalisten, Industrievertreter, Patienten, alles war dabei.

So ganz paritätisch sind die Lager zwar nicht besetzt: Die Milchgegner sind, anders als in der Realität, stärker vertreten, schon rein zahlenmäßig. Aber das will erstmal nichts heißen.

Denn am Ende kommt es ja auf die Argumente und auf das Fazit an, nicht wahr? Auf die Botschaft, die der Zuschauer mitnehmen soll, und die unterwegs vielleicht schon aufschimmert, am Ende aber offenbar wird.

Und das wird sie auch.

Zuvor werden in der Spurensuche alle Seiten der Milch beleuchtet, wirklich, es wird alles aufgeführt, was nur gegen die Milch sprechen könnte.

Darunter ist auch eine schwedische Studie von 2014, die berühmt-berüchtigte Michaelssen-Studie. Da hat ein Forscher aus Uppsala Zahlen präsentiert, nach der Milch das Osteoporose-Risiko erhöhen und nicht etwa senken könnte, so dass Milchtrinker durch Knochenbrüche früher zu Tode kommen. „Drei Gläser Milch am Tag sind tödlich“, titelte die Bild-Zeitung.

Diese Studie hat einige Einschränkungen, und der Zusammenhang der Knochenkrankheit mit einem bestimmten Milchzucker, der D-Galaktose, den Michaelsen aufstellt, ist keineswegs belegt. Die Ärztezeitung schreibt dazu:

Da es sich um eine epidemiologische Studie handelt, lässt sich nicht belegen, dass der Milchkonsum tatsächlich die Ursache für den Anstieg von Mortalität und Frakturen ist. Sogar eine reverse Kausalität kann nicht ausgeschlossen werden – dass Menschen viel Milch trinken, weil bei ihnen ein erhöhtes Osteoporoserisiko erkannt wurde.

Trotzdem präsentiert ARTE diese Studie von 2014 samt Forscher als Kronzeugen gegen die Milch – ohne die Kritik an der Michaelsen-Studie zu erwähnen.

 

Kalte Zahlenfuchserei gegen warmes Mitgefühl

Nicht, dass die Befürworter nicht zu Wort kommen: Der Milchlobbyist schwärmt von den 2000 Käsesorten Frankreichs und seiner langen Tradition, die Forscher Bernhard Watzl vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe und Mediziner Jean-Michel Lecerf vom Institut Pasteur erklären die für die Milch eindeutig günstige Studienlage.

Sie betonen, dass die Kritiker nur Einzelstimmen sind und keine relevanten Daten vorweisen können, dass also die Forschungslage und dazu noch die Erfahrung von Millionen von Menschen und die jahrtausendealte Praxis gegen die vehemente Kritik sprechen, dass Milchprodukte von Milliarden von Menschen konsumiert werden und Milch alles in allem ein ausgezeichnetes Lebensmittel ist.

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Sie verschweigen dabei übrigens keineswegs, dass ein Übermaß an Milch ungünstig ist und dass es Hinweise auf die Verbindung von extrem hohem Konsum von Magermilch (!) – über ein Liter am Tag – mit Prostatakrebs.

Doch im Verlauf entpuppen sich Auswahl und Inszenierung der Protagonisten immer mehr als David-Goliath-Strickmuster: Da die Großen, hier die Kleinen. Da die Etablierten mit Geschäftsinteressen, hier die Außenseiter als Anwälte der Opfer.

Der Gegensatz ist subtil ausinszeniert, zwischen den Polen Warm und Kalt: da die abgehobenen Ernährungsforscher aus riesigen Instituten, hier einzelne Ärzte, die sich ihrer Patienten persönlich annehmen.

Dort die anonyme Zahlenfuchserei der Wissenschaftler, hier die einfühlende, persönliche Erfahrung der Praktiker im Umgang mit leidenden Menschen. Interviews in Labors, Gängen und Treppenhäusern gegen Bilder aus Behandlungszimmern in warmen Farben.

Beim Massentierhalter aus Meck-Pomm gegen den Biobauern aus der Schweiz ist der Fall klar: Der aalglatte Agrarindustrielle aus dem Norden wirkt mit seinem kalten BWL-Jargon – „lange Nutzungsdauer der Kuh“, „eine Kuh muss man managen“ – eindeutig unsympathisch und desavouiert sich selbst.

Dagegen macht der Anblick der Kühe mit echten Hörnern, die auf die Weide geschickt werden, sofort glücklich. Und Lust auf Milch und Käse.

Aber das ist ein Thema für sich – die Bedingungen in der Milchviehhaltung, die hochgezüchteten Superkühe mit Monstereutern. Die Kritik an dem System ist berechtigt.

Warum dieser Part überhaupt eine Rolle im Film spielt, liegt nicht etwa am Tierwohl. Sondern an einer These der Milchgegner: Sie halten besonders die Milch der Turbotiere für schädlich. Und zwar, weil Milch dank moderner Molkereitechnik von vielen verschiedenen Kühen stammt. Das sei gesundheitsgefährdend.

 

Milch: Immunangriff auf den Körper?

Hier tut sich neben dem an sich gut beleumundeten Ernährungsmediziner Max Ledochowoski – „Milch hat, wie wir das heute kennen, mit dem ursprünglichen Nahrungsmittel Milch nurmehr sehr wenig gemeinsam“ – besonders der Chefarzt einer Privatklinik in der Schweiz hervor, ein Dr. Thomas Rau.

Den besucht das ARTE-Team, und Rau erklärt, dass in den Molkereien die Milch tausender Turbo-Tiere zusammengeschüttet wird, samt ihren Hormon- und Antibiotika-Resten:

„Sie haben ein immunologisches Wirrwarr. Bei uns in der Region sind es 30.000 Kühe, deren Milch zusammengegossen wird, und daraus werden die Produkte hergestellt. Das heißt, wir haben 30.000 individuelle immunologische Profile, die da aufgenommen werden…. eine Lawine von immunologischer Information, die auf unsere kleinen Kinder niederprasselt.“

Diese Behauptung muss man sich näher ansehen, denn sie klingt so plausibel, dass man es mit der Angst bekommt.

Je nach Thema kommt sie auch gegen Fleisch allgemein, gegen Schweinefleisch im Besonderen,gegen Milch und Käse, Eier, Fisch oder gleich gegen alle tierischen Produkte, gerne aber auch gegen Weißbrot, tropische Früchte, Kakao oder Kaffee aufs Tapet: alles ein Immunangriff auf den Körper.

Aber sie ist nur ein Popanz, eine esoterische Finte aus Halbwahrheiten, die zum Standardrepertoire der Eso- und Naturheilszene gehört.

Dahinter steckt eine schlichte physiologische Tatsache, die absichtlich verzerrt wird: Beim Essen kommen Fremdstoffe in den Körper, und die rufen das Immunsystem auf den Plan. Es ist ein natürlicher Vorgang, der sich im Blut messen lässt, denn nach einer Mahlzeit steigen bestimmte Werte an.

Das sind die aktivierten Immunzellen, die mal nachschauen kommen, ob es sich womöglich um gefährliche Invasoren handelt.

Doch diese Eindringlinge kann der Körper nicht nur parieren, seine Abwehrkräfte sind sogar darauf eingestellt und geradezu auf dieses Training angewiesen: ohne Konfrontation mit Nahrung keine gesunde Immunabwehr.

Esoteriker, Heilpraktiker, Scharlatane, Fleischfeinde und Fastenprediger nehmen diese messbare Immunreaktion aber gerne zur Hand, um vor dem Lebensmittel ihrer Wahl zu warnen.

Den zahlenden Kunden drehen sie damit ihre Produkte und Behandlungen an, darunter teure Blutuntersuchungen, Ernährungspläne, Fastenkuren, Darmreinigung, Entgiftung, Immunstärkung, Ersatzlebensmittel, Pillen oder Pulver.

 

Wen haben wir denn da?

Dazu sollte man noch wissen, dass Dr. Thomas Rau kein Unbekannter ist. Er ist ein Star der sogenannten „Biologischen Medizin“ und hat zwar eine regelrechte Ausbildung als Internist. Aber inzwischen residiert Rau in einer eigenen alternativen Klinik und rechnet seine besonderen Künste gerne privat ab.

Darunter fallen auch die berüchtigten Entgiftungen, „per Infusionen und Heilmitteln, aber auch mit den Paracelsus Entgiftungsinfusionen, eine besondere Spezialität unserer Klinik“ (Webseite der Klinik). Das klingt schon verdächtig nach Art des Hauses. Allerlei Verabreichungen von Mineralien und Vitaminen gehören dazu, natürlich auch Darmsanierungen und Darmaufbau, die Flaggschiffe des Eso-Repertoires.

„Spezialtherapien wie Iratherm“ stehen ebenfalls im Katalog. Iratherm ist eine Ganzkörperwärmebehandlung, die unter anderem bei einer „biologischen Krebstherapie“ zum Einsatz kommt und angeblich Krebszellen töten sowie die Wirkung von Bestrahlung und Chemotherapie unterstützen soll.

Das ist wissenschaftlich nicht nur nicht erwiesen – die Iratherm-Geräte gelten auch als gefährlich und die Behandlung wird von deutschen Krankenkassen nicht bezahlt. Aber den Krebs hat Dr. Rau ohnehin schon besiegt, enthüllt seine Klinik-Homepage:

Nach über 20 Jahren des sehr intensiven Aufbaus der Biologischen Krebstherapien der Paracelsus Clinic können wir eindeutig sagen, dass eine ganzheitliche Tumortherapie wirkt, wenn verschiedene Modalitäten der Behandlung, sehr individualisiert und langzeitig (bis zu zwei Jahren) zur Anwendung kommen. Immer sind die Ernährung und die Entgiftung von grosser Wichtigkeit, ebenso die konsequente Behandlung mit Antioxydantien (Vitamine, Spurenelemente, Base).

Das ist zweifelsfrei eine Weltsensation, ebenso nobelpreisverdächtig wie jener Buchbeitrag, in dem Dr. Rau erklärt, dass und wie Schüssler-Salze wirken: „feinstofflich“ und per „Energieübertragung“. Das sei wissenschaftlich erwiesen, schreibt er.

 

Erfahrene Praktiker gegen die Wissenschaft

Die Macher der Doku erwähnen derlei mit keinem Wort.

Nein, Autor und Redaktion ordnen den Eso-Doktor nicht nur nicht ein, sondern stellen ihn ganz selbstverständlich als Leiter einer „Klinik für Ganzheitsmedizin“ in eine Reihe mit den Wissenschaftlern von großen Instituten, die auf Seiten der akademischen Forschung – und der Milch – argumentieren, etwa der weltweit renommierte Jean-Michel Lecerf. Letzterer wird im Film noch des versteckten Lobbyismus und der Industrienähe angeklagt.

Aber der Ganzheitspraktiker aus der Schweiz darf mitreden und unbehelligt von kritischen Nachfragen seine Thesen verkünden. An den Regeln der Wissenschaft lässt er sich dabei nicht messen – denn was ist schon Wissenschaft?

„Wer ist da wissenschaftlich und wer nicht? Was heißt überhaupt Wissenschaftlichkeit? Das sind Betrachtungen einer relativ großen Gruppe von Menschen unter irgendwelchen Kriterien. Und haargenau das mache ich ja, indem ich eine riesige Gruppe seit 30 Jahren von Patienten … betrachten … für mich ist das empirisch wissenschaftlicher als alle die verlogenen Studien.“

Rau behauptet auch, dass 95 Prozent aller Krebspatienten in seiner Klinik gegen Molkenproteine allergisch seien. Da er diese Patienten „zu Hunderten“ in seiner Klinik habe, sei das von demselben Wert wie eine Studie.

Weitere ärztliche Interviewpartner im Film, der österreichische Ernährungsmediziner Ledochowski aus Innsbruck und der Hautarzt Melnik aus Osnabrück, äußern sich ähnlich: In ihrer Praxis gehen sie danach vor, was dem Patienten gerade hilft.

Forscher in Schutzkleidung an Bank, Mikrobiologe
Forschen ist schön. Macht aber viel Arbeit.

 

Kleine Zipperlein kann man vielleicht kurieren

Der Knackpunkt ist, dass das für den praktischen Arzt ebenso legitim wie trivial ist: Viele Menschen haben Beschwerden, die an individuellen Befindlichkeiten, Unverträglichkeiten, Gewohnheiten oder Stoffwechseleigenschaften liegen.

Diese können durch kleine Umstellungen im Lebensstil beseitigt werden und der Arzt hilft, danach zu forschen. Schließlich ist nicht jedes Nahrungsmittel und jede Ernährungsform für alle gleich gut – eine Binsenweisheit.

Viele der praktischen Erfahrungswerte von niedergelassenen Ärzten, etwa bei Migräne oder Verdauungsbeschwerden, stehen seit dem 19. Jahrhundert in Lehrbüchern und funktionieren nach dem Motto „Schadet nicht, hilft vielleicht“. Sie sind den Versuch wert und werden einfach mal ausprobiert, wobei sie nicht immer funktionieren.

Damit widersprechen sie aber keineswegs der Wissenschaft.

Und taugen schon gar nicht dazu, Lebensmittel kategorisch als „gesund“ oder „ungesund“ zu qualifizieren: Nur weil manche Menschen von Zwiebeln Verdauungsstörungen bekommen, kann man keinen Grundsatzstreit darüber vom Zaun brechen, ob Zwiebeln gesund sind oder krank machen.

Mann hält sich Hände verkrampft vor den Bauch

Aua, Bauchweh! Kommt bei vielen Lebensmitteln mal vor. Dann einfach weglassen.

Darauf ist ARTE bei der Milch aber aus, und so kommentiert der Sprechertext erstaunt:

„Ernährungswissenschaftler Prof. Watzl betrachtet ärztliche Erfahrungen wie bei Dr. Aranda nicht als Belege für allgemeingültige Aussagen.“

Ach nee. Und ziemlich dumm gelaufen. So ist es halt – als wissenschaftlich belegt gilt nur, was, nun ja, wissenschaftlich belegt ist.

Wer als Arzt jedoch vollends nach eigenem Gusto vorgeht, muss aufpassen, dass er auf der sicheren Seite bleibt und sich auf kleine Befindlichkeitsstörungen und nicht-lebensbedrohliche Krankheiten konzentriert.

Sonst könnte er ziemliche Probleme bekommen.

 

Postfaktische Beliebigkeit: Alle haben gleich Recht

Die ARTE-Leute ziehen ihre holzschnittartige Dramaturgie aber gnadenlos durch. Und so kommt es am Ende ganz dick, in Form der Takehome-Message, einer Adresse an die Zuschauer, die es in sich hat.

„Die Diskussion unter den Experten geht weiter: Milch, ja oder nein? Die Meinungen bleiben geteilt. (…) Unsere Reise hat uns gezeigt: Milch kann viel mehr Beschwerden auslösen als die meisten denken. Und manchen Menschen geht es durch Milchverzicht besser.
Ob Milch aber im großen Umfang krank machen kann, bleibt umstritten. Welchen Experten man mehr glaubt, muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden.“

In diesem Fazit steckt neben der primitiven Schwarz-Weiß-Konstruktion auch der Kern der postfaktischen Denke: die Befreiung aus dem engen Korsett der Wissenschaft, die irrationale Beliebigkeit bei der Beurteilung von Fakten und „Experten“, und das Lob der Ignoranz, aufgewertet als persönliche Entscheidung des Einzelnen.

Irrationale und Verschwörungstheoretiker müssen ihren Aberglauben in diesem Weltbild nicht mehr beweisen. Sie müssen sich nicht auf Argumente, Studien, Hintergrundwissen, wissenschaftliches Denken und Fachleute einlassen.

Es reicht – laut ARTE – ausdrücklich, wenn man sich selbst entscheidet.

So kann man Esoteriker neben Wissenschaftler stellen, Spinner neben Forscher, Scharlatane neben Könner, Kurpfuscher neben Ärzte. Alle sind gleichermaßen Experten und alle haben gleich Recht.

Eso-Quark trotz Pressekodex

Jetzt könnte einem das egal sein, wenn es um ein reines Glaubensbekenntnis geht. Schließlich kann jeder nach seiner Fasson selig werden.

Doch erstens haben die angeblichen Milch-Experten von der kritischen Fraktion weder die Forschungslage auf ihrer Seite noch können sie gegen die überwältigend gute praktische Erfahrung mit Milch ankommen – wohlgemerkt: Milliarden von Menschen in Europa, Russland, Amerika, Afrika trinken täglich Milch.

Dazu kommen Käse, Jogurt und Butter, die in allen milchtrinkenden Gesellschaften sehr hoch angesehen sind oder gar, wie das Butterfett in Indien, seit Jahrtausenden (!) als Heilmittel betrachtet werden.

Vor allem aber ist ARTE ein öffentlich-rechtlicher Sender, finanziert von Gebührengeldern. Und Thema am Dienstag ist ein politisches Sendeformat, das gesellschaftliche Debatten nach journalistischen Kriterien aufbereiten und präsentieren will.

Da steht die Redaktion von ARTE eigentlich in der Pflicht, sich zu gesicherten, seriösen Fakten von ausgewiesenen Fachleuten zu bekennen.  Die abweichende Meinung darstellen geht dann trotzdem. Was aber nicht geht, ist, sich einfach von der Wissenschaft zu verabschieden, indem man dem Publikum suggeriert, Erkenntnisse seriöser Forscher seien beliebig.

Da hat wohl die Plattitüde, dass der Zuschauer „sich selbst seine Meinung bilden“ soll – Lieblingsmaxime schlechter Redakteure – am Ende des Films die Marschroute vorgegeben.

Nur bildet sich der Zuschauer seine Meinung immer selbst, völlig egal, was Journalisten sagen – wobei er dieser Zunft sowieso nichts mehr abkauft.

Es wäre besser gewesen, die Autoren und Redakteure von ARTE hätten sich an den erfrischend lässigen Jean-Michel Lecerf gehalten. Sein wunderbarer O-Ton wäre das richtige Fazit gewesen:

„Dass die Milch für einige nicht geeignet ist, ist völlig normal. Dass die Milch nicht perfekt ist, ist völlig normal. Dass die Studien komplex und widersprüchlich sind, ist normal. Wir untersuchen. Wir beobachten. Ich bin nicht in einem Krieg. Es ist die Anti-Milch-Fraktion, die auf einem Kreuzzug ist.“

©Johanna Bayer

Die Milch-Doku von ARTE auf Youtube. In der ARTE-Mediathek ist die Sendung nicht mehr online.

Im Netz: Ist das Wurst oder muss das weg? Minister Schmidt und der Fleischersatz

 

 

Es ist so ungerecht! Alle faulenzen nach Weihnachten, nur die Abteilung Aktuelles von Quarkundso.de schiebt Sonderschichten.

Teller mit wurstartigen Gebilden, Salat, Zitrone

Nicht Wurst: Veganer Fleischersatz in der Diskussion. Bild: Shutterstock/Paul Brighton

Und das nur wegen des groben Unfugs rund um Ernährungsminister Schmidt von der CSU.

Der Mann hatte am 28.12.2016 verlauten lassen, dass er eine klarere Kennzeichnung von vegetarischen Produkten will – was aus Tofu oder Soja ist, soll sich weder Wurst noch Schnitzel nennen dürfen.

Das seien Fleischprodukte, und derlei Bezeichnungen für Vegetarisches zu verwenden, sei Verbrauchertäuschung. Schließlich wolle der Kunde wissen, was er kauft.

Das lief unter anderem als Meldung der DPA über alle Kanäle, heraus kamen Schlagzeilen wie: „Das Aus für die vegane Currywurst“, „Kampfansage an die ‚vegane Wurst‘“, oder „Veggie soll nicht Wurst heißen“.

 

Katzenzungen, Schweineohren, Schaumkuss

Das Netz kochte über.

Hohn und Spott ergossen sich über den armen Minister. Tenor: Gibt es nichts Wichtigeres? Und: Spinnt der? ist das vielleicht ein Trottel! Das weiß doch jeder, dass es weder Leber noch Käse im Leberkäse gibt, und dass eine Blutorange kein Blut enthält!

Was ist mit Überraschungseiern, die sind doch aus Schokolade und keineswegs Eier, will der Schmidt die auch verbieten? Was ist mit Katzenzungen, oder mit Gummibärchen? Müssen Schweineohren aus Blätterteig in der Bäckerei umbenannt werden? Darf man nicht mehr „Hundekuchen“ sagen, wenn Schmidt mit sowas durchkommt?

Witzbolde überboten sich dabei, unter dem Hashtag #verbrauchertäuschung die unendlichen Möglichkeiten des metaphorischen Sprachgebrauchs und des deutschen Kompositums vorzuführen: Jägerschnitzel ohne Jäger, Bergbauernmilch nicht vom Landwirt, Babyöl nicht mit Baby drin, und was ist wohl eine Fleischtomate?

An dem Spiel rund um die Verblödung des Beamten beteiligten sich auch öffentlich-rechtliche Sendeanstalten wie der SWR:

 

 

Viele schlugen sogar im Duden nach, vermutlich zum ersten Mal in ihrem Leben. Oder sie legten sich mit Grafik ins Zeug, wie das bekannt kreative und geistreiche Social-Media-Team des SPD-Parteivorstands:

 

 

Gut, die hatten offensichtlich nicht im Duden nachgesehen, zumindest nicht im Kapitel zur Zeichensetzung.

Dass aber „Wurst“ laut Herkunftswörterbuch wohl archaisch seinen Ursprung in so etwas wie „irgendein Gemengsel“, aber nicht unbedingt in Fleischwaren hat , wurde durch das ganze Netz gereicht.

Unter anderen tat sich Robert Habeck damit hervor, Landwirtschafts- und Umweltminister von Schleswig-Holstein, studierter Philosoph und hohes Tier bei den Grünen. Er gab dem NDR ein Interview und riet zur Begriffsklärung:

Da empfehle ich einen Blick in den Duden – da steht nicht, dass Wurst Fleisch hat, sondern es ist die Art des Aufstrichs und die Form der Produkte. Das ist sozusagen ein Kurzschluss. In Sojamilch ist auch nicht Milch drin und wenn man von alkoholfreiem Bier spricht, redet man ja immer noch von Bier. Die Inhaltstoffe definieren also nicht das Produkt.

Der Duden, aha. Und die Inhaltsstoffe definieren nicht das Produkt, interessant. Der NDR-Journalist ließ das völlig unwidersprochen stehen und alle waren sich erstmal einig. Das ist an sich schön.

Nur war das, was Habeck von sich gab, was durch das Netz schwappte und dem Bundesernährungsminister Schmidt auf die Füße fiel, zwar gewollt, aber nicht gekonnt, nur manchmal witzig, stattdessen insgesamt so schrill wie schräg.

Das gilt sowohl für die Mutmaßungen über die deutsche Sprache als auch für das Thema Kennzeichnung von Lebensmitteln.

 

Verbrauchertäuschung: Imagepolitur misslungen

Quarkundso.de, aus der Feiertagsruhe aufgestört, mischt sich in Abstrusitäten der Netz-Gemeinde nur ungern ein.

Aber in diesem Fall soll es doch einen bescheidenen Versuch zur, hm, Sondierung der Lage geben, also dazu, worum es geht. Daher spielt in diesem Beitrag die übliche Vorlage aus den Medien nur am Rande eine Rolle, nämlich das NDR-Interview mit Robert Habeck.

Vorab noch: Natürlich geht es nicht darum, dem täppischen Ernährungsminister in Berlin beizuspringen. Der hat einfach zu hoch gepokert, als er mit der platten Käuferschutz-Masche bei den Bürgern sein Image aufpolieren wollte, von wegen Lebensmittelklarheit und Schutz vor Verbrauchertäuschung.

Es geht bei der Sache offensichtlich auch um anderes – um Wettbewerb, um wirtschaftliche Interessen, um Gleichbehandlung, um Klarheit in den Rechtsgrundlagen der Lebensmittelkennzeichnung. Das hätte er ruhig offen sagen können. An dem Thema ist er schon seit Längerem dran. Und so argumentieren ja auch andere.

Aber was den Ämtern und Wirtschafsverbänden, sogar den Verbraucherzentralen erlaubt ist, ist einem CSU-Minister noch lange nicht erlaubt – wo kämen wir denn da hin! Die Netz-Meute samt dem SPD-Parteivorstand, der den Tweet des Social-Media-Teams verantwortet, ist bei Vorstößen der Gegenseite unerbittlich. Geht gar nicht.

 

Wer bestimmt, was Wurst ist?

Quarkundso.de aber hat versucht, sich trotz Ferien etwas kundig zu machen und nachzuforschen. Allerdings nicht im Duden. Den kann die ganze Redaktion sowieso auswendig. Wer hier arbeitet, hat auf das dicke gelbe Buch den Amtseid abgelegt.

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Doch der Duden und sein Herkunftswörterbuch sind in der Diskussion um die Veggie-Wurst gar nicht einschlägig.

Seit wann schlägt die Verbraucherzentrale im Duden nach, wenn sie der Industrie vorwerfen will, dass die für verschiedene Zuckerarten chemische Begriffe auf die Etiketten druckt? Seit wann schaut Foodwatch in den Duden, wenn es darum geht, dass „Seelachs“ kein Lachs ist, sondern ein Dorsch?

Um es klar zu sagen: Was Wurst ist, steht nicht im Duden.

Sondern in ganz anderen Nachschlagewerken, darunter dem Lebensmittelbuch der Deutschen Lebensmittelkommission, in Gesetzestexten und diversen Loseblattsammlungen mit – vielen – EU-Verordnungen und Richtlinien.

In diesen dicken Folianten, verwirrend, wie sie sind, steht doch einigermaßen klar zu lesen, dass Wurst ein Fleischprodukt ist – da ist Tier drin.

Lebensmittelbuch, Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse von 2015, Absatz 2:

„Wurstwaren“ (Würste und wurstartige Erzeugnisse) sind bestimmte, unter Verwendung von geschmackgebenden und/oder technologisch begründeten Zutaten zubereitete schnittfeste oder streichfähige Gemenge aus zerkleinertem Fleisch (1.1), Fettgewebe (1.21) sowie sortenbezogen teilweise auch Innereien (1.51) sowie bei besonderen Erzeugnissen sonstige Tierkörperteile (1.511)

 

Der Volksmund darf reden, wie er will

Der bauernschlaue grüne Landwirtschaftsminister Habeck, der den Blick in den Duden sogar „empfiehlt“, liegt also mit seinem guten Rat wohl daneben.

Auch bei Sojamilch betritt Minister Habeck vermintes Terrain: Was Milch ist, regelt ebenfalls das entsprechende Gesetz, es ist die Milch in erster Linie von Kühen, im Spezialfall von Schafen und Ziegen. Nichts sonst.

Daher darf Sojamilch laut EU-Verordnung im Handel nicht als „Milch“ bezeichnet werden. Nur umgangssprachlich sagt der Kunde „Sojamilch“, wenn er die weiße Ersatzflüssigkeit meint. Dem Käufer aber schaut niemand aufs Maul, der Volksmund darf das weiße Zeug nennen wie er will.  Da redet nicht einmal der Duden rein.

Nur müssen die Hersteller „Sojadrink“ oder ähnliche Umschreibungen auf die Packung drucken. Das Produkt als „Milch“ zu bewerben, ist verboten.

Auch darf in ganz Europa per EU-Verordnung zum Beispiel nur als Butter verkauft wird, was aus Milchfett ist, und zwar von Kühen. Stammt die Milch von Schafen oder Ziegen, muss das klar gekennzeichnet sein. Vegane Imitate ohne Säugetiermilch dürfen sich allenfalls „Margarine“ nennen, oder – neutral und korrekt – „Streichfett“. Aber nicht „vegane Butter“.

 

Wissen, wo man es nachschlagen kann

Erstaunlich eigentlich, für so einen grünen Landwirtschaftsminister, dass der nicht vorher nachsieht, wenn er sich zu Lebensmitteln äußert.

Und dass er zwischen Alltagssprache und dem gewerblichen Umgang mit Lebensmitteln nicht unterscheiden mag. Gut, von Haus aus ist Habeck nicht nur Philosoph, sondern auch Germanist, da liegt der Duden näher.

Was die Germanistik angeht, verfügt Quarkundso.de aber ebenfalls über Insider-Kenntnisse, die in diesem Fall rücksichtslos veröffentlicht werden dürfen. Aus erster Hand können wir versichern, dass Germanistik-Studenten sofort nach der Einschreibung eingebläut wird: „Sie müssen nicht alles wissen. Aber Sie müssen wissen, wo Sie es nachschlagen können!“

Alkoholfreies Bier, das Habeck als Beispiel – wieder falsch – anführt, ist natürlich auch im Lebensmittelbuch verzeichnet, es gibt sogar ein Biergesetz. Dort steht, dass Bier alkoholfrei hergestellt werden darf. Wenn man also dem als „Bier“ bezeichneten Gärgetränk aus Gerste, Hopfen, Malz und Wasser den Alkohol nach dem Brauen entzieht, ist das auch Bier. So ist die Rechtslage.

Was sonst noch gebraut wird, ist kein Bier – Brottrunk zum Beispiel.

 

Wurstbürger auf Twitter: Wir denken selbst

Es ist müßig, anzuführen, dass andere blumige Produktnamen der Art „Schweineohren“ (Blätterteiggebäck), „Schaumkuss“ (Süßigkeit aus Eiweiß mit Schokoüberzug), „Katzenzungen“ (Schokoladenerzeugnis), „Berliner“ (Schmalzgebäck) und „Schusterjungen“ (Brötchen) sämtlich in Leitsätzen, Richtlinien der Innungen und der IHK, in Gesetzesblättern und Verordnungen beschrieben sind.

Alle die cleveren Beispiele, die auf Twitter gegeben wurden, zeigen daher kurzzeitig aufgeweckten Sprachskeptizismus, aber weder Sachverstand noch angemessenes Rechtsverständnis.

Exemplarisch für das Reichsbürgertum in der Veggie-Frage steht die Äußerung eines Wurstbürgers auf Twitter. Er fegt die Rechtsgrundlagen mal eben zur Seite und definiert, was für ihn persönlich Wurst ist: eine Form.

 

 

Die “Für-mich-ist-das-aber-so”-Haltung ist fatal und genau das, was man in anderen Angelegenheiten gefühltes Wissen nennt. Das kann Privatsache sein. Wenn sich dem aber ein Politiker anschließt, ist es nicht nur platter Populismus, sondern postfaktisch und ignorant.

Andererseits ist das mit dem Lebensmittelrecht eine grauenvolle Gemengelage: Wettbewerbsrecht – wer darf was auf Packungen drucken? -, Verbraucherschutz – was draufsteht, muss auch drin sein –, und Qualitätssicherung; dann geht es noch gegen Täuschungsabsicht, und es kommt noch sonstiges Gewerberecht dazu, von wegen unlauterer Wettbewerb, etwa mit falschen Angaben zu den Zutaten, oder mit Gesundheitsaussagen.

Da steigt keiner so leicht durch, außerdem reden zu viele mit, was der Lebensmittelkommission schon Ärger eingebracht hat. Sie steht gerade vor einer Reform.

Aber gerade weil alles so schwierig ist auf dem Gebiet, ist es wichtig, immer wieder auf Klarheit zu drängen. Das gilt unabhängig davon, ob der Minister durch die Fleischlobby angestiftet wurde oder nicht.

Immerhin ist er gelernter Jurist, da kann man vom erwarten, dass er sich zumindest um Durchblick bemüht.

 

Was draufsteht, muss drin sein

Klarheit gibt es nur, wenn sich eben die  Juristen durch endlose EU-Verordnungen wühlen. Dann stößt man darauf, dass Korrektheit im Lebensmittelbereich vornehme Pflicht ist, festgelegt in Paragrafen wie diesen: §7, Lauterkeit der Informationspraxis. Dort heißt es:

(1) Informationen über Lebensmittel dürfen nicht irreführend sein, insbesondere

(…)

d) indem durch das Aussehen, die Bezeichnung oder bildliche Darstellungen das  Vorhandensein eines bestimmten Lebensmittels oder einer Zutat suggeriert wird, obwohl tatsächlich in dem Lebensmittel ein von Natur aus vorhandener Bestandteil oder eine normalerweise in diesem Lebensmittel verwendete Zutat durch einen anderen Bestandteil oder eine andere Zutat ersetzt wurde;

Mit Bezug auf solche Regelungen haben die Verbraucherzentralen 2015 vor dem Europäischen Gerichtshof durchgesetzt, dass auf künstlich aromatisierten Früchtetees nicht riesige Bilder von Obst erscheinen dürfen, obwohl nur chemisch nachgebaute Aromastoffe drin sind.

Und jetzt geht es um die Wurst: Was ist in der Wurst? Wenn kein Fleisch drin ist, ist es dann eine Wurst?

Es liegt nahe, dass Landwirte, Bauern, Metzger, Fleischindustrie und Fleischlobby das klären wollen. Wettbewerbsrechtlich, sozusagen.

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Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015

Es liegt auch nahe, dass die interessierten Kreise von der anderen Seite, Vegetarier, Veganer und Hersteller entsprechender Produkte, das auf keinen Fall klären wollen. Denn Fleisch-Mimikry ist ein Imagegewinn und ein Verkaufsargument.

Schon aus psychologischen Gründen schmücken die Veggie-Produzenten ihre Ware gerne mit vertrauten Namen: Ihre nachgebauten Nahrungssimulationen sollen so aussehen, so schmecken und eben auch so heißen wie die echten Produkte, um zu suggerieren, dass sie ein angemessener Ersatz sind.

Das Versprechen an die Verbraucher lautet: „Du brauchst kein Tier zu töten und hast doch alle Vorteile Deines gewohnten Essens!“.

 

Nachgebaut oder das Original?

Ganz weit vorne ist dabei der Großerzeuger Rügenwalder Mühle, der ungeniert seine vegetarischen Produkte als Salami, Frikadelle, Fleischwurst, Nuggets oder Schnitzel vermarktet.

Anders wäre es wohl korrekter, prinzipiell, aber auch nach geltender Rechtslage: Alle Imitate von Wurst und Fleisch, die in Gestalt, Aufmachung und Geschmack Wurst und Fleisch offensiv nachempfunden sind, sollten Wurstersatz oder Wurstimitat, Fleischersatz oder Fleischimitat heißen.

Also ein blumiger Eigenname, sagen wir „Superkracher“, und darunter eindeutig: „Wurstersatz aus Weizeneiweiß“, oder „Wurstimitat aus Sojamasse“. Wie bei Tee und Jogurt müsste auch die Geschmackssimulation eindeutig bezeichnet werden: nicht als „Fleischwurst“ sondern „mit Fleischgeschmack“ oder „ mit Fleischaroma“.

Das wäre – als sogenannte Verkehrsbezeichnung – ehrlich.

Das geben sogar die Verbraucherzentralen zu. In einem Positionspapier zur Sache fordern sie mit dem gewohnten behördenkritischen Gestus genau das, was auch Schmidt will und was sowieso schon in den Gesetzen steht: Die Kennzeichnungsregelungen müssen für vegetarische Nachbauten besser umgesetzt werden.

Dabei geht es nicht nur um die Verbraucher, sondern auch um die Hersteller, die das echte Fleisch und natürliche Zutaten verwenden, aber mit ihren teuren Produkten gegenüber billigen Imitaten in die Röhre schauen würden.

 

Fein still halten und auf den Populismus setzen

Absatzfördernd ist das natürlich nicht. Deshalb freut sich die Veggie-Front bei dem Vorstoß von Schmidt über ihre Unterstützergruppe im Netz. Doch da, beim Absatz, liegt der Hase im Pfeffer: Es geht ums Geschäft.

Was das angeht, sind die Veggies keinen Deut besser als die Schweinezüchter. Und sie spekulieren auf den heimlichen Konsens, nachdem Pflanzliches zu fördern und Fleischliches zu verdammen ist. Schon von wegen der Ökologie, aber auch wegen der Gesundheit. Finden sie.

Auf dem Ticket fährt auch Habeck, der selbst zwar kein ausgesprochener Vegetarier ist, aber als Grüner seiner Klientel ebenso verpflichtet ist wie Schmidt von der CSU seinen konventionellen Bauern.

Auffällig ist jedenfalls, dass genau diese Kreise, große Hersteller wie Rügenwalder Mühle, sowie die offiziellen Verbände der Vegetarier und Veganer, in der Sache fein stillhalten. Sie sind wohl sauer, dass man ihnen draufgekommen ist, können aber rechtlich nichts dagegen sagen.

Dafür lassen sie das Netz, ein paar ihnen wohlgesonnene Journalisten und ihre Interessenvertreter bei den Parteien über Schmidt herumalbern. Aber die Produzenten und Veggie-Verbände wissen genau, dass Schmidt  Recht hat und dass sie wohl, wahrscheinlich sogar auf EU-Ebene, den Kürzeren ziehen werden.

 

Das dicke Ende kommt noch

Wie auch immer, die klare Kennzeichnung ist nichts, womit man spaßen sollte. Und sie ist auch deshalb wichtig, weil wir einer Zukunft entgegensehen, in der uns immer mehr künstlich nachgebaute Imitate statt echtem Essen untergejubelt werden.

Und zwar im großen Stil. Nicht nur von Veganern, sondern auch von der Industrie und sogar von Staats wegen.

Die Industrie will bessere Margen ohne teure Rohstoffe, dafür muss sie billige Ersatzstoffe verkehrsfähig machen. Der Staat will die Fresswelle eindämmen.

Dazu wird schon längst zum Beispiel an den Rezepturen von Käse, Backwaren und Fertiggerichten herumgeschraubt, um den Salz-, Zucker- und Fettkonsum zu senken, alles kalorienärmer und sonst irgendwie „gesünder“ zu machen. Ganze Institute experimentieren mit Nanofettkügelchen und Salzersatz (!), und mit zugesetzten Ballaststoffen in der Pizza, alles vorgeblich für die Gesundheit.

Quarkundso.de fordert daher den Bundesernährungsminister Schmidt dringend dazu auf, mit seiner strengen Kennzeichnungslinie fortzufahren! Dann wird er hoffentlich alle weiteren Nahrungssimulationen auch klar benennen – als Panscherei und Gesundheitsschwindel.

©Johanna Bayer

 

Links

Interview des NDR mit dem Landwirtschaftsminister von Schleswig-Hostein, Robert Habeck,

Lebensmittelbezeichnungen – Service des Landesamtes für Lebensmittel und Gesundheit Bayern

Leitsätze Fleisch aus dem Lebensmittelbuch, BMEL

Die Position der Verbraucherzentralen: Kennzeichnungsrichtlinien einhalten!

In der SZ: Werner Bartens will die Ernährungswissenschaften abschaffen – Vorsicht, der Mann ist Arzt!

 

Schale mit Nüssen

Die Nuss als Wunderwaffe – besonders gut fürs Herz. Bild: Shutterstock/Dionisvera

Nach dem anstrengenden letzten Beitrag braucht Quarkundso.de eine Verschnaufpause.

Ehrlich, es kostet unheimlich viel Kraft, so etwas aufzusetzen wie das Pamphlet gegen den SPIEGEL.

Man muss akribisch durch den Text gehen, alles nachschlagen, investigative Anrufe und Mails absetzen und dann Unmengen von Buchstaben sortieren.

Schlimm, gerade in der Weihnachtszeit, wo man doch Milde walten lassen, Mandelplätzchen essen und gewürzte Getränke schlürfen will.

Zum Glück hat jemand anders den Job übernommen und gleich den finalen Schlag gegen Ernährungsunsinn gelandet: Werner Bartens, leitender Redakteur im Wissenschaftsressort bei der SZ. Er fordert in einem Artikel vom 9.12.2016 rundheraus: „Schafft die Ernährungswissenschaften ab!“

Wirklich, das steht da wörtlich. Gut, der Beitrag ist als Glosse gekennzeichnet, also quasi als nicht ernst zu nehmen. Nur zum Spaß.

Aber die Breitseite sitzt: Bartens wettert gegen Studien zur Ernährung, diesen „Stuss mit Nuss“, und verlangt, den Quatsch endlich zu unterbinden – jene endlosen Versuchsreihen zu einzelnen Nahrungsmitteln und isolierten Bestandteilen, die angeblich gesund sein sollen.

Alles Pseudoforschung, schimpft er, die nichts bringe, ob am Menschen, an der Maus oder an Zellen exerziert; unehrenhaft, konstruiert, von der Industrie diktiert, von korrupten Forschern designt und von Störfaktoren dermaßen beeinflusst, dass man schier zu jeder Substanz das gewünschte Ergebnis konstruieren könne.

 

Die Nuss als Wunderwaffe

Stein des Anstoßes sind für Bartens besonders die vielgepriesenen Nüsse  – die waren allerdings schon Superfood, als man in Deutschland Goji und Acai noch für Brettspiele hielt: Von Alzheimer, Asthma, Diabetes und Schlaganfall über Prostata- und Darmkrebs bis hin zu Infektionen und Depressionen sollen die Schalenfrüchte so ziemlich alles beseitigen, was den Menschen zur Strecke bringen kann.

Vor allem aber schützen sie angeblich das Herz vor Infarkt und die Blutgefäße vor Schäden.

Die neueste Studie dazu ist im renommierten British Medical Journal erschienen und stammt aus Norwegen. Es ist eine Meta-Analyse, die 20 andere Studien aus den letzten acht Jahren auswertet.

Am Ende fassen die Autoren zusammen:

Higher nut intake is associated with reduced risk of cardiovascular disease, total cancer and all-cause mortality, and mortality from respiratory disease, diabetes, and infections.

Düster konstatieren sie dann, dass wohl mindestens 4,4 Millionen von Menschen gestorben sind, weil sie nicht genügend Nüsse gegessen haben.

In 2013, an estimated 4.4 million deaths may be attributable to a nut intake below 20 grams per day in North and South America, Europe, Southeast Asia, and the Western Pacific. These findings support dietary recommendations to increase nut consumption to reduce chronic disease risk and mortality.

Herr Doktor ist nicht zimperlich

Da ist der Bartens ausgeflippt.

Übrigens nicht zum ersten Mal. Schon 2011 hat er in der SZ eine solche Tirade losgelassen, er tingelt mit dem Thema seit Jahren auch durch Talkshows und über Podien, um die anwesenden Ernährungswissenschaftler auf die Palme zu bringen.

Schadenfroh kann man an dieser Stelle ein paar Salznüsse einwerfen und feixend zuschauen – herrlich, Schlammcatchen zwischen Promi-Journalist und Forschern! Immer großes Kino.

Und Bartens ist nicht zimperlich, außerdem ist er Mediziner mit Doktortitel, daher weiß er, wovon er redet – in mehrfacher Hinsicht. Dazu kommen wir noch.

Jedenfalls musste sich Hannelore Daniel, berühmte Ernährungswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Physiologie, öffentlich von ihm anhören, sie weise ein „gönnerhaftes Gehabe“ auf mit ihrem Forscherdünkel, und ihr „aufgeplustertes Abwehrverhalten“ (wörtlich) zeige nur, dass sie sich den Verfehlungen ihrer Zunft – den sinnlose Studien – nicht stellen wolle.

 

“Bevormundungsterror” der Ernährungswissenschaft

Die Lebensmittelindustrie bezichtigte Bartens bei Plasbergs „Hart aber fair“ nebenbei noch der „Panscherei“ und nannte sie „teilweise eine Drecksbranche“, den Veganern Attila Hildmann und Ursula Karven servierte er bei Sandra Maischberger, dass ihre zurechtgelegte Ideologie jeder faktischen Grundlage entbehrt.

Besonders auf den „Bevormundungsterror“ durch unsinnige Ernährungsratschläge schimpft er. Wenn es nach Bartens geht, dann reicht es, einfach genussvoll zu essen und keine Angst vor ein paar Kilo Übergewicht zu haben.

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Da hat er wohl nicht ganz Unrecht – und wieder kann man sich einer gewissen Schadenfreude nicht erwehren, die ein paar wichtigtuerische Volkserzieher betrifft.

Aber derart einer ganzen akademischen Disziplin die Berechtigung abzusprechen – “Schafft die Ernährungswissenschaften ab!” – ist schon gewagt.

Schließlich halten sich mehrere Universitäten in Deutschland einen Fachbereich mit Ernährungswissenschaften, und einige große Institute bekommen einen Haufen öffentliches Geld, damit sie, nun ja, vernünftige Studien durchführen.

Überhaupt hält man auch andernorts, geradezu in jedem Land der Welt, viel auf diese Ernährungswissenschaften.

 

Wenn die Ehre auf dem Spiel steht

Das steigert den Unterhaltungswert der Attacke natürlich erheblich: Wer wird in den Ring steigen, wer will Bartens widersprechen, wer stellt die Ehre der Geschmähten wieder her?

Quarkundso.de jedenfalls nicht. Die ganze Redaktion lehnt sich amüsiert zurück, knabbert ein paar Kokosmakronen und ist weit davon entfernt, in die Bresche zu springen, um organisierte Müsli- und Vollkornasketen zu verteidigen.

Die müssen schon selbst sehen, wie sie aus der Nummer rauskommen und ihr Image aufpolieren. Werner Bartens ist nämlich nicht alleine mit seiner Meinung – tatsächlich stehen die konventionellen Ernährungsempfehlungen vielerorts in der Kritik, weil sie eben keine wirklich wissenschaftliche Grundlage haben.

Auch ähneln die 10 Regeln der DGE inzwischen so sehr Omas Wissen – iss mäßig, aber regelmäßig, ausgewogen und vielseitig, nicht zu viel Süßes, genügend trinken – dass man sich fragt, warum diese ehrenwerte Gesellschaft dafür jedes Jahr fünfeinhalb Millionen Euro kassiert.

Gut, das ist nicht alles, was sie zu tun hat. Die DGE muss ja noch die ganze Forschung beurteilen. Und darin hat sie weiß Gott keine leichte Aufgabe, auch dazu kommen wir noch.

 

Wer forscht denn da?

Aber warum derweil nicht noch ein wenig zündeln? Das ist doch lustig.

Man könnte, ganz im Sinne von Werner Bartens, noch eine dünkelhafte Kaste und ein paar aufgeblasene Pfründenverwalter mit reinziehen, um eine ordentliche Schlammschlacht zum Thema “Wer ist Schuld am Ernährungsunsinn?” anzuzetteln.

Da bietet der Artikel einen schönen Ansatzpunkt: Stimmt, wie kann man nur so bescheuert sein und schwachsinnige Behauptungen zu Nüssen und Herzgesundheit, Cranberries und Blaseninfektionen, Zimt und Diabetes aufstellen?

Das ist doch alles… wie sagt Bartens so richtig? „Keine Wissenschaft“.

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Aber wer macht oder will diese Forschung? Was sind das für Leute? Wer will das wissen mit den angeblichen Wirkstoffen in Lebensmitteln, und warum?

Wer untersucht Olivenöl, Fischöl, Heidelbeeren, Artischocken und Kurkuma? Wer stellt die Fragen, wer reitet darauf herum, dass Ernährung Krankheiten vorbeugen, Krebs heilen, das Hirn gesund halten und Herzinfarkt verhüten kann?

Tja. Wenn man versucht, diese Frage zu beantworten, kommt Erstaunliches zutage: Die Ernährungswissenschaftler sind es nicht. Herr Bartens hat sich wohl nicht ganz den richtigen Sündenbock ausgesucht.

 

Diese elenden Weißkittel

Denn es sind die Ärzte.

Mediziner, diese Halbgötter, die sich unheimlich viel auf ihre Zunft einbilden, aber bei den großen Volkskrankheiten im Nebel stochern. Sie sind es, die hauptsächlich auf der fantasierten Gesundheitswirkung von Lebensmitteln und Inhaltsstoffen beharren.

Werner Bartens müsste daher eigentlich den Ärger bei seinen gewissenlosen Medizinerkollegen abladen, vor allem bei bestimmten Fachrichtungen.

Da gibt es nämlich notorische Studienpanscher, die mehr oder weniger absichtlich Heilsbotschaften aus fragwürdigen Untersuchungen in die Welt pusten – Mediziner, wohlgemerkt, nicht Ernährungswissenschaftler.

Am schlimmsten sind die Kardiologen.

Das sind genau die, die dauernd was über Herzgesundheit und Ernährung herausfinden wollen. Warum? Weil sie keine Lösung für das Problem haben.

Sie können Herzinfarkte nicht verhindern und Patienten, die schon einmal einen Infarkt hatten und besonders gefährdet sind, selten retten. Sie haben einfach noch nicht herausbekommen, was wirklich die Ursache für Herzinfarkt ist: Cholesterin? Wenn ja, welches? Oder sind es die Triglyzeride? Entzündungsfaktoren? Zucker? Risse in den Gefäßwänden? Verklumpte Eiweiße? Die Gene? Stress?

 

Sie wollen doch nur helfen

Bis heute ist unklar, was genau dazu führt, dass in den Adern Fett- und Kalkablagerungen entstehen, die irgendwann platzen und als Gerinnsel die Herzkranzgefäße verstopfen. Nur ein paar Risikofaktoren zeichnen sich ab, zuvorderst Rauchen, Übergewicht und Diabetes.

Viel mehr wissen die Ärzte nicht, alle anderen wie Heilpraktiker oder Esoteriker schon gar nicht, übrigens. Trotzdem müssen zumindest die Mediziner von Berufs wegen etwas tun.

Also verschreiben sie Cholesterinsenker und Blutverdünner, legen Bypässe und setzen Stents ein, verordnen Diäten, autogenes Training und Bewegung, notfalls wird transplantiert, und alles zu Milliardenkosten.

Nebenher treiben sie aber fleißig Ernährungsstudien: Vielleicht lässt sich ja etwas entdecken, was im Vorfeld das Risiko senkt und was die Leute gerne tun. Essen, zum Beispiel. Dann würden den Ärzten nicht so viele Patienten unter den Händen wegsterben.

Ist ja auch dumm, sowas.

Und damit wir uns nicht missverstehen: Die Absicht ist keine schlechte – die wollen nur helfen.

 

Historisches Unheil: die Fettlüge

Dabei haben sie aber, was Murks mit Ernährungsstudien angeht, besonders viel erreicht: Die Kardiologen und ihre Verbände, darunter die American Heart Association, haben für die Verbreitung der großen Fettlüge gesorgt. Die kam ihnen damals, in den 1960er Jahren, gerade recht, nachdem ein karrieresüchtiger Biologe (!) behauptet hatte, dass gesättigte Fettsäuren und tierische Fette Schuld am Herzinfarkt seien.

Der Mann hieß Ancel Keys und steht heute für den wohl folgenreichsten Fehler der modernen Wissenschaftsgeschichte: die Verteufelung von traditionellen Nahrungsfetten.

Die Ärztezunft nahm den Schwindel aber sofort gierig auf und befeuerte damit eine beispiellose Kampagne, mit der billige Margarine und raffinierte Industrieöle unter dem Deckmantel der Herzgesundheit weltweit in den Markt gedrückt wurden.

Diese Fettlüge ist inzwischen passé. Aber die Kardiologen machen weiter.

 

Endlose Liste mit „gesunden“ Lebensmitteln

Nach den fragwürdigen Pflanzenölen, die leider nicht das gewünschte Ergebnis brachten, nahmen sie sich ein Lebensmittel und einen Inhaltstoff nach dem anderen vor: Olivenöl, Fischöl, Mandeln, Walnüsse, Kokosnüsse, alle Nüsse, Leinsamen, Buchweizen, Artischocken, Rotwein, Weißwein, Lycopin aus Tomaten, Kakao, grünen Tee, bittere Schokolade, Antioxidantien, Radikalenfänger, Polyphenole, Flavonole und andere Wunderstoffe – die Liste ist endlos.

Da ließen sich die Onkologen, die Krebsärzte, natürlich nicht lange bitten und sprangen auf den Zug auf: Klar müssen die Krebsauslöser aus der Nahrung kommen, und was vor Krebs schützt, ebenso.

Internisten, Rheumatologen, Onkologen, Allergologen, alle machen diese Studien, man kann hinschauen, wo man will: die meisten Antreiber von Ernährungsexperimenten sind Mediziner.

Wenn Werner Bartens also auf die Ernährungswissenschaften eindrischt, meint er die Medizin.

Das ist wirklich lustig, denn er ist ja nicht nur selbst Arzt, sondern auch noch ausgebildeter Internist, ausgerechnet aus der Fachrichtung Kardiologie: Seine Doktorarbeit schrieb er über genetische Faktoren beim Herzinfarkt.

Daher weiß er wohl so gut Bescheid – gut, auf den Ärzte-Job hatte er nach ein paar Jahren keine Lust mehr und wurde lieber Journalist, vermutlich, weil ihn die sinnlosen Forschungssimulationen genervt haben.

Denn wir haben ihn ja richtig verstanden. Und herrlich, dass das mal jemand sagt: was Ärzte treiben, ist “keine Wissenschaft”.

 

Schlechte Forschung gibt es überall

Auch der Erstautor der aktuellen Meta-Analyse zu den Nüssen, die Bartens so aus dem Häuschen brachte, ist Arzt – natürlich Kardiologe. Sieben weitere Autoren der Studie sind ebenfalls Ärzte, nur zwei haben hilfreiche Nebenfächer wie Biostatistik und Biochemie studiert.

Die inkriminierte Nuss-Studie aus den 1990er Jahren stammt selbstverständlich auch von einem Arzt, einem, wie sollte es anders sein, Internisten. Der hat sich die Arbeit dummerweise von den Nuss-Farmern in den USA sponsern lassen. Seine Studie war wegweisend und löste die Nuss-Euphorie aus, zahllose Untersuchungen – von Medizinern – folgten.

Nur: Niemand ruft danach, die Medizin abzuschaffen, weil es unter ihrem Deckmantel sinnlose Versuche, missglückte Experimente, schlechte Forschung, bestechliche Doktoren und geltungssüchtige Chefärzte oder Institutsleiter gibt.

Mit Recht darf man auch vermuten, dass es umgekehrt hervorragende Ernährungswissenschaftler gibt, die sich zum Beispiel mit Physiologie, dem Stoffwechsel, mit Kinder- und Mangelernährung, mit individualisierter Beratung und Therapie beschäftigen.

Einige sind Quarkundso.de bekannt, Namen auf Anfrage.

 

Völlig außer Kontrolle: Ernährungsthemen im Internet

Woran es aber oft hapert, ist die Kommunikation. Gegen falsche Behauptungen, geschönte Folgerungen, verzerrte Interpretationen, schlechte Artikel und reißerische Pressemitteilungen selbst von Universitäten und Forschungseinrichtungen ist noch kein Kraut gewachsen.

In der zweiten Zündstufe sind die Kollegen von Herrn Bartens gefordert. Also, seine journalistischen Kollegen, Anwesende eingeschlossen. Von den selbsternannten Ernährungsberatern, Fitness-Coaches und dem komplett außer Kontrolle geratenen Internet gar nicht erst zu reden.

Was diese Aufgabe angeht, steht Quarkundso.de jedoch an vorderster Front und erklärt sich hiermit bereit, neben dem Ernährungs- und dem Gesundheitsministerium auch das Forschungs- und das Informationsministerium zu übernehmen.

Aber erst nach Weihnachten.

Im neuen Jahr könnte damit immerhin alles in einer Hand liegen. Dann hört der Zank zwischen den Disziplinen auf und es wird vernünftig geforscht. Erste Maßnahme: Mehr seriöse Nuss-Studien. Schließlich wirft man lieber ein paar Nüsse ein als Betablocker und Blutverdünner.

©Johanna Bayer

“Stuss mit Nuss” – die Glosse von Werner Bartens in der SZ

Die aktuelle Metaanalyse zu Nüssen im British Medical Journal

Auf Youtube: Mitschnitt einer Podiumsdiskussion mit Werner Bartens und Hannelore Daniel auf den Bayerischen Ernährungstagen – Bartens nimmt kein Blatt vor den Mund. Andere aber auch nicht. Zur Sache geht´s bei ab 24:40 

SPIEGEL online über Besseresser und “Essen 2.0″: Billiger geht’s nicht

Stück Sahnetorte mit Kirsche und Schokostreuseln auf Teller.

Traditionell köstlich: die unschuldige Schwarzwälder Kirschtorte kommt bei  SPON schlecht weg. Bild: Shutterstock / Gts

In der Not frisst der Teufel auch beim SPIEGEL Fliegen. Genauer: bei SPIEGEL online. Denn online, das heißt schnell reagieren, mal was Einfaches machen, Meldungen raushauen, Buzzwords reinflicken und ein Thema bringen, weil der STERN es gerade gemacht hat, und zwar genau das Gegenteil.

Sowas hat sich SPON jetzt über Essen geleistet: einen Artikel, überschrieben „Die Besseresser“.

Es geht darin um Trends, genauer: um „Essen 2.0 – aus alt mach neu“, unter dem Motto „Ersetzen statt Verzichten“, so die Überschriften.

Was sich die Autorin dabei gedacht hat, ist klar: wieder eine Arbeitsprobe beim renommierten SPIEGEL – wenn es dort schon kaum Geld gibt. Und der eine oder andere Hintergedanke war wohl auch dabei, dazu kommen wir später.

Ob sich die Redaktion außer gewissen strategischen Überlegungen in Richtung Clickbaiting was dabei gedacht hat, bleibt vorläufig im Dunkeln.

 

So kann man das nicht stehen lassen

Jedenfalls hatte der STERN Anfang Oktober eine große Titelgeschichte über „Das Märchen vom gesunden Essen“ gebracht und darin unbarmherzig festgestellt: Alles, was einem gewisse Webseiten, Portale, Esoteriker und selbsternannte Food-Experten über „gesunde Ernährung“ weismachen wollen, ist Humbug.

Abgewatscht wurden unterwegs ein paar prominente Ess-Gurus, darunter eine bekannte Bloggerin, die Clean Eating propagiert, Hannah Frey. Und es kamen Experten zu Wort, ausführlich zum Beispiel die international bekannte Food-Trendforscherin Hanni Rützler.

Fazit des STERN: Essen ist nur Essen.

Sektenähnliche Systeme und strenge Regeln sind unnötig, Hauptsache man ernährt sich vielfältig und achtet aufs Gewicht. Das ist Stand der Wissenschaft, wie am Ende Christoph Klotter, Ernährungspsychologe an der Hochschule Fulda, zu Protokoll gibt.

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Doch beim SPON konnte das jemand so nicht stehen lassen.

Und gab einen Text in Auftrag, der alles, was der STERN einem vermiesen wollte, blind bejubelt:

Clean Eating ist toll und total gesund, überhaupt ist gesundes Essen ganz toll, gesund essen geht ganz leicht, zum Beispiel nichts mehr vom Tier, und gesund ist total gesund, mit Avocados, Linsen, Bohnen und Soja, und tierische Produkte sind ungesund, und Fett, Fleisch und Zucker sind ungesund, und alle essen jetzt regional und bio, das  ist gesund, und beim gesunden Essen ist alles ganz einfach. Und gesund.

Das wären mal so die Hauptaussagen in Kürze.

 

Wenn der Praktikant mit dem SEO-Generator

Dieser SPON-Beitrag ist so grottenschlecht, dass man glauben könnte, ein SEO-Praktikant habe den Text zusammengeschustert, während die Redakteure vor dem SPIEGEL-Hochhaus gegen Etatkürzungen protestierten.

Nach einigem Fremdschämen hat Quarkundso.de angesichts dieses Machwerks allerdings die Fassung verloren. Wirklich – die Contenance, mit der hier sonst um geistreiche Kritik gerungen wird, ist perdu.

Das, was jetzt kommt, ist daher nicht gerade die feine Art. Aber auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.

Das liegt daran, dass in dem SPON-Artikel alle paar Zeilen ein dicker Klopper drin ist: von Klischee und Kitsch über haltlose Behauptungen und peinliche Falschaussagen, unrecherchierten Unsinn und fragwürdige Verwendung von Zitaten und Fachbegriffen bis zum Deppenkomma ist alles dabei.

Wie konnte das passieren? Das wird noch zu klären sein.

 

Von wegen Besseresser – wer isst denn so?

Fangen wir vorne an, bei Überschrift und Teasertext.

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Screenshot SPON-Artikel unter dem Titel “Die Besseresser”

Ernährung: Essen 2.0 – aus alt mach neu – Ersetzen statt verzichten

Die Besseresser

Bolognese mit Hackfleisch? Das war gestern. Heute gesellen sich Linsen zu Tomate und Zwiebeln. In traditionellen Gerichten werden Fleisch, Fisch und Weizen gegen Bohnen, Algen oder Gemüse getauscht – aus guten Gründen.

Das ist ein Einstieg wie aus dem Lehrbuch der Schmieren-PR: einfach mal was ins Blaue hinein behaupten, um dann hemmungslos darüber fantasieren zu können.

Bolognese mit Hackfleisch soll out sein und „von gestern“? Wer, bitte, streut sich Linsen über die Nudeln und tut so, als sei das „Bolognese“?

Exakt das Gegenteil ist der Fall: Unverändert und seit vielen Jahren stehen die Nudeln mit Hackfleischsoße an der Spitze der Liste beliebter Kantinengerichte in Deutschland. Darüber schafft es nur die Currywurst, selbst am Schnitzel sind Spaghetti Bolognese vorbeigezogen.

Also nochmal die Frage: Wer und wie viele simulieren eine italienische Nudelsoße aus Hülsenfrüchten? Welcher Koch kann es sich in einer Kantine erlauben, Nudeln mit Linsen zu servieren? Gut, drüben im Schwabenland. Da gibt es vielleicht mal Spätzle mit Linsen (und Würstchen, übrigens). Aber die Schwaben tun nicht so, als ob sie irgendetwas ersetzen würden, oder als fabrizierten sie etwa Bolognese.

Nun sind wir erst ganz am Anfang, und ein Teaser soll in den Beitrag reinziehen. Aber rechtfertigt das eine so steile Rampe ins Postfaktische?

Zumal dieselbe Autorin einige Monate früher ebenfalls auf SPON feststellt:

Zugegeben, Hülsenfrüchte haben keinen guten Ruf. Viele Menschen scheuen den Verzehr aus Angst vor Blähungen. Grund sind schwer verdauliche Kohlenhydrate, die im Enddarm landen und dort von Bakterien zersetzt werden, was zur Gasbildung führt.

Offensichtlich lautete diesmal der Redaktionsauftrag anders. Dann geht auch das Gegenteil. Wobei – nichts gegen Hülsenfrüchte. Es geht Quarkundso.de  nur um das Verhältnis zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Nicht darum, ob Erbsen, Linsen und Bohnen wertvoll in der Ernährung sind oder nicht.

 

Klassische Rezepte: ungesund?

Nach dem gewagten Anfang kommt jedenfalls genau jene Foodbloggerin zu Wort, die beim STERN als Beispiel für das schwer gehypte Clean-Eating-Konzept vorgeführt wurde, Hannah Frey.

Sie ist 28 Jahre alt, hat einen sehr erfolgreichen Blog und in Bremen Gesundheitswissenschaften studiert, Abschluss: Bachelor. Außerdem gibt sie Yoga- und Entspannungskurse, privat ernährt sie sich vegetarisch nach einer eigenen Variante von Clean Eating.

Dieses trendige Gesamtpaket hat wohl jemanden beim SPON in den Fingern gejuckt.

Während der STERN Frau Frey als eine unter vielen vorführt, die ein beliebiges Esskonzept clever vermarkten, preist SPON-Autorin Bettina Levecke die Bloggerin als „Gesundheitswissenschaftlerin“ an.

Und betrachtet sie als ausgewiesene Expertin für „gesunde Ernährung“.

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Dafür qualifiziert sich Hannah Frey mit sinnfreien Pauschalurteilen, etwa über die klassische Mousse au Chocolat: Solche traditionellen Rezepte enthielten „sehr viel tierisches Fett und Zucker“, und „beides ist nicht gesund”.

So etwas Plattes, Plumpes in den heutigen Zeiten auf einem Qualitätsportal zu lesen tut Quarkundso.de schon sehr weh.

 

Die gute, alte Küche kann einpacken

Nimmt man derlei ernst, kann nur eines daraus folgen: der Untergang des Abendlandes, kulinarisch gesehen.

Ernsthaft. Die ganze französische Hochküche, die bürgerliche Küche, die gepriesene italienische Kochkunst, die österreichische, die böhmische, die ungarische, überhaupt alle europäischen Landesküchen können einpacken.

Schluss mit Panna Cotta, mit Gulasch, Knödeln und Kaiserschmarrn – und mit all den Gerichten, die zum gloriosen „french paradox“ beigetragen haben: dem Phänomen, dass die Franzosen so viel mehr tierisches Fett konsumieren als andere und dabei weniger Herzinfarkt, Diabetes und Übergewicht haben. Aus ist es also für Crème brulée, Paté, Rilletes und Confit.

Das ist nämlich alles „ungesund“. Die „Besseresser“ à la Frey haben das erkannt und tauschen das Zeug aus – „aus guten Gründen”. Ist das allgemeiner Konsens? Wohl nicht. Es ist auch nicht der Kern des Clean-Eating-Konzepts, nebenbei bemerkt. Da geht es eigentlich gerade um natürliche, hochwertige Produkte, handgemacht und nicht industriell prozessiert.

 

Phrasen aus der Folterkammer der Diätassistenten

Müßig zu erwähnen, dass Hannah Frey sogar bei ihrem Imitat aus zerdrückten Avocados, Kakaopulver und Agavensirup vor höllischen Folgen warnt. Sie spricht tatsächlich von „Sünde“:

„… der „Fettgehalt der Avocado und die Süße der Agave“ sorge zwar auch nicht schlanke Hüften, „”aber wenn man schon mal sündigt, dann eben wenigstens ohne schlechtes Gewissen”, so Frey.“

Das sind Phrasen aus der Folterkammer der Diätassistenten, wie sie seit den 1960er Jahren unendlichen Schaden angerichtet haben.

Und seit Jahren ringen Tausende von modernen Medizinern, Ernährungswissenschaftlern und Ökotrophologen darum, diese Parolen aus den Köpfen der Menschen wieder rauszubringen.

 

Kann Essen wirklich Sünde sein?

Denn inzwischen ist längst klar: Es ist kontraproduktiv, im Zusammenhang mit Lebensmitteln von „Sünde“ und „sündigen“ zu reden, es macht Übergewichtigen ihr Leben noch schwerer und ruiniert ein gesundes, entspanntes Essverhalten – mal ganz davon abgesehen, dass es sachlich haltlos ist.

Nein, niemand „sündigt“, wenn er eine – klassische – Mousse au Chocolat zum Nachtisch isst. Und ein „schlechtes Gewissen“ muss man erst recht nicht haben.

Man kann das tun. Jeden Tag. Wie die Franzosen. Man muss halt aufs Gewicht achten, das ist alles.

Aber warum betet die SPIEGEL-Autorin solche Dummheiten her, als ob es keine anderen Fakten, keine Zusammenhänge, kein Wissen, keinen Hintergrund, keinen Kontext gäbe?

Als ob nicht Ernährungsexperten davon abraten, einzelne Lebensmittel oder Nährstoffe zu verteufeln? Und wieder und wieder betonen, dass alles von der Mischung, dem Maß, der Verträglichkeit und ganz besonders davon abhängt, ob man sein Gewicht im Griff hat?

Ja, warum, SPON? Vor allem: Warum kommt keine andere Position im Artikel vor? Warum fehlt die von Berufs wegen eigentlich verpflichtende Nachfrage dazu, ob das denn stimmt, was Frau Frey verzapft?

 

Geschickte Montage von Zitaten

Doch gehen wir weiter im Text: Die Autorin hat nämlich noch richtige Experten in petto, Promis aus der Ernährungsszene. Zumindest gibt es Zitate, nämlich von Thomas Ellrott und von Hanni Rützler, die auch im STERN auftrat.

Beide scheinen zu bestätigen, was die Clean-Eating-Frau zuvor ausgeführt hat und was Autorin Levecke uns gerne glauben machen möchte: Fett ist ungesund. Zucker ist ungesund. Fleisch und tierische Produkte sind ungesund, klassische Rezepte und Zutaten sind ungesund.

Direkt hinter das Gesundheitsgefasel aus der Clean-Eating-Privatversion montiert die SPON-Autorin daher die Statements der Experten:

Keine Frage, gesundes Essen ist im Trend. “Die Zeiten, in denen Essen vor allem günstig und schnell sein sollte, gehen langsam zu Ende”, sagt Thomas Ellrott, Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie in Göttingen. “Verbraucheranalysen zeigen deutlich, dass bei der Lebensmittelauswahl Gesundheit ein immer wichtigeres Motiv wird.”

Klar, oder? „Aus guten Gründen” gilt: Die Käufer haben eingesehen, dass man „ungesunde Zutaten“ wie Fett, Zucker und überhaupt Tierisches lieber ersetzen sollte.

Weg mit der Gesundheitskeule

Aber Thomas Ellrott spricht in Wahrheit lediglich von dem Motiv „Gesundheit“ beim Einkaufen, Kochen und Essen. Der Beweggrund vieler Kunden mag dabei zwar „Gesundheit“ sein – aber das bedeutet auf keinen Fall, dass das, was Fanatiker für „gesund“ halten und was die Clean-Eating-Paläo-Gluten-Frei-von-Rohkost-Vegan-Front uns glauben machen will, tatsächlich „gesund“ ist.

Vor allem heißt es nicht, dass Thomas Ellrott derlei glaubt oder bestätigt.

Das glaubt er nämlich nicht und sagt es auch nicht. Ellrott ist Profi. Er sitzt im Präsidium der DGE und weiß es besser: Seit Jahren plädiert er ausdrücklich dafür, die Gesundheitskeule aus der Ernährungserziehung herauszuhalten.

Wenn Eltern ihren Kindern dauernd in den Ohren liegen, dass sie dies essen und das lassen sollten, weil das angeblich „gesund“ sei, so Ellrott, störe das die Entwicklung eines, ja, gesunden Essverhaltens. Dazu hat er der ZEIT ein Interview gegeben, und man kann seine Position überall nachlesen.

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Soll Schluss sein mit traditionellen Desserts wie diesem Flan Caramel: zu viel Tier, zu fett, zu süß?

Nur – warum stellt die SPON-Autorin seine Aussagen anders dar? Warum montiert sie das Zitat, als ob Thomas Ellrott bei Hannah Frey einen Clean-Eating-Kurs besucht hätte?

 

Ein Trend ist nicht die Wirklichkeit

Auch Trendforscherin Hanni Rützler kommt zur Sprache, es geht um „Ersatzprodukte ohne tierische Bestandteile“, im Klartext: vegan.

„Ersatzprodukte ohne tierische Bestandteile landen mittlerweile nicht mehr nur bei überzeugten Veggies auf den Tellern”, sagt Rützler, “auch immer mehr Omnivoren versuchen, Fleisch zu ersetzen.”

Abgesehen davon, dass „Omnivoren“ als Fachbegriff hier falsch benutzt wird, (denn alle Menschen, egal, was sie essen, sind Omnivoren) ist die Frage, was hier „versuchen“ heißt.

Mal was Neues probieren, eine Mandelmilch oder einen Haferdrink, zum Beispiel? Das ist für viele interessant. Vielleicht essen einige auch statt Fleisch öfter Nudeln mit Tomatensoße, oder ein Käse-Omelett. Aber auf Dauer vegan, mit „Ersatzprodukten ohne tierische Bestandteile?“

Das ist definitiv nicht die Realität von mehr als 99 Prozent der Deutschen.

Natürlich wollen viele ihren Fleischkonsum reduzieren und qualitativ verbessern. Zumindest behaupten sie das.

Und zwar dann, wenn ihnen ein Reporter ein Mikro oder ein Wissenschaftler einen Fragebogen unter die Nase hält. Deshalb kommt immer wieder raus, dass angeblich ein Drittel, die Hälfte, zwei Drittel oder gleich alle dazu bereit sind, mehr Geld für besseres Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren auszugeben, weniger Fleisch zu essen, kein Fleisch mehr zu essen und sich „gesünder zu ernähren“.

Die Zahlen aber zeigen die Wahrheit: Weder bricht der Fleischkonsum drastisch ein noch steigt der Verkauf von Hülsenfrüchten oder der Marktanteil von Ersatzprodukten dramatisch an. Bio-Fleisch bleibt in der teuren Nische, und weder ernährt sich die Masse der Deutschen vollkommen anders noch kaufen sie „keine Tierprodukte mehr“. Auch nehmen die Dicken hierzulande weder im großen Stil ab noch werden die Deutschen „gesünder“.

Der eigentliche Punkt aber ist: Hanni Rützler spürt von Berufs wegen Trends und Tendenzen nach, übrigens höchst seriös und international anerkannt.

In ihren „Food-Reports“, etwa in dem von 2017, benennt sie viele aktuelle Richtungen. Dabei entwirft sie ein ganzes Mosaik von unterschiedlichen Strömungen, die sich in verschiedenen Milieus beobachten lassen, diesmal zum Beispiel Trends zum Aromastoffen, zu noch mehr Convenience oder zu „brutal lokal“, also zur Regionalität.

Einer unter vielen ist in diesem Jahr Trend zu Imitaten, zum „Doubeln von Food“, wie Rützler schreibt. Motto: „Beyond Food“. Wie passend – vielleicht ist die Ersatzwirtschaft tatsächlich das Ende dessen, was wir bisher unter Genuss verstanden haben? Könnte gut sein.

Wie sich solche Trends aber entwickeln, ob sie zur Ernährungsrealität werden, ob sie bleiben, steht auf einem anderen Blatt: Zwischen Hype, Trend, Entwicklung und Wirklichkeit bestehen Unterschiede.

Frau Rützler weiß das. Frau Levecke beim SPON weiß es aber besser. Vor allem will sie es anders haben.

 

Die Schwarzwälder Kirschtorte ist die Krönung

Deshalb deklariert sie den aus Blogs und Laien-Rezepten herausgelesenen Ersatzhype „Essen 2.0“ als gemachte Sache und faselt darüber munter weiter.

Dann kommt die Krönung – etwas, was beim SPIEGEL eigentlich gar nicht passieren dürfte. Schließlich verfügen große Häuser über ausgebildete Redakteure. Außerdem gibt es noch eine Qualitätskontrolle durch die Abteilung Dokumentation.

Die geht akribisch durch das Geschreibsel der armen Freien und verlangt selbst für die simpelsten Fakten aus der Allgemeinbildung Belege: „Woher wollen Sie wissen, dass der Magen Säure produziert? Wir haben das im Internet nicht gefunden. Bitte kopieren Sie uns das Fachbuch, das Sie verwendet haben und schicken Sie es uns umgehend als Beleg zu.“

Das dient dazu, dass das Renommee des Blattes von fahrlässigen Autoren nicht beschädigt wird und die klagefreudigen Gegner des Hauses keine Angriffsfläche finden.

Nun scheint aber – online first – beim digitalen Ableger SPON die Abteilung Dokumentation gar nicht erst tätig zu werden. Oder es musste halt mal schnell gehen, oder man hat das Ding einfach auf Treu und Glauben durchgewunken.

Schließlich kann beim Essen jeder mitreden, und im Übrigen geht es doch um die Story, nicht wahr? Wie auch immer – Frau Levecke serviert einen fetten Patzer:

Sogar aus der Schwarzwälder Kirschtorte – der Kalorienqueen der ungesunden Sünden – lässt sich mit Mandeln, Datteln und frischen Kirschen eine Rohkostvariante nachbauen.

Muss ich es sagen?

Nein, nicht dass Schwarzwälder Kirschorte selbstverständlich keine „ungesunde Sünde“ ist, das ist ja schon geklärt. Sondern dass sich das mit der „Kalorienqueen“ beim Blick in eine Kalorientabelle erledigt hätte.

Denn die Schwarzwälder Kirschtorte ist nicht die größte Kalorienschleuder in der Kuchentheke.

Das ist ein Lapsus, der aus echter Unkenntnis (keine Ahnung von der Sache), aus Faulheit (ich brauche nicht in ein Buch zu gucken, wird schon stimmen) und aus – Achtung! – mangelnder beruflicher Integrität und fehlender Ausbildung zustande kommt.

Brownies, Nahaufnahme

US-Bomber: Brownies sind der Hammer, mit 411 Kalorien auf 100 Gramm.

Ach so, wer es wissen will: Die Schwarzwälder Kirschtorte rangiert weit hinter Schweinsöhrchen aus Blätterteig, Donauwelle, Baumkuchen, Nussecke, Linzer Torte und den US-Bombern Cheesecake und Brownies, die gerade in Foodie-Kreisen besonders beliebt sind.

Das kann man in jeder handelsüblichen Kalorientabelle nachsehen, man weiß es aber auch, wenn man rudimentäre Kenntnisse von echtem Essen hat – und nicht, wie Autorin Levecke und Bloggerin Frey, auf Imitate und Ersatzprodukte steht: Schlagsahne, Kirschen und luftiger Biskuit bringen weniger Kalorien auf die Waage als Buttercreme, Frischkäse und Rührteig mit Schokolade

Spätestens hier hätte die Redaktion schalten müssen – wenn sie die Floskel mit der „Kalorienqueen“ nicht sogar selbst in den Artikel reinredigiert hat. Denn merke: Patzt der Autor, ist die Redaktion Schuld, weil sie nicht aufgepasst hat. Verantwortlich im Sinne des Presserechts.

 

Gehen wir ans Eingemachte

An so einem Punkt schaut die Abteilung Dokumentation bei Quarkundso.de übrigens nicht nur in die Kalorientabelle.

Sondern googelt auch den Namen der Autorin. Ergebnis: Frau Levecke macht erst seit Kurzem in Ernährungsthemen, und das für einschlägige Szene-Postillen aus dem Lager Schrot&Korn, veganes Leben etc. Da hat sie zu veganer Ernährung, vegan für Schwangere und veganen Eltern geschrieben.

Möglicherweise ersetzt hier eine private Lebenserfahrung Berufs- und Fachwissen, und so wird der SPON-Artikel nichts weniger als tendenziös: es fehlt die Distanz zum Thema, es fehlt eine Einordnung, es fehlt eine andere Sichtweise, dafür dominieren schlichte Unkenntnis und verzerrte Wahrnehmung.

Das merkt man gerade am Umgang mit den Zitaten der Experten – und von Anfang an beschlich Quarkundso.de dabei ein ganz böser Verdacht:

Könnte es etwa sein, dass Frau Levecke für diesen Beitrag weder mit Hanni Rützler noch mit Thomas Ellrott persönlich gesprochen hat?

Hat sie vielleicht nur ein paar Zitate aus deren Veröffentlichungen verwurstet und sich diese per E-Mail von den Pressestellen der beiden Experten freigegeben lassen? Und dabei nicht gesagt, wie später ihr Artikel aussieht? Oder in einem echten Telefoninterview herausgefunden, was die beiden wirklich wollen und meinen? Wollte sie einfach ihre Meinung verbreiten, und nicht die der Experten?

Und hat die SPON-Redaktion das geschluckt, weil es ja nur online ist?

 

Was soll das?

Der Verdacht hat die Investigativ-Abteilung von Quarkundso.de auf den Plan gerufen.

Und tatsächlich: Die hat – jeweils aus erster Hand – erfahren, dass Frau Levecke tatsächlich nie mit Hanni Rützler persönlich gesprochen hat, und dass Thomas Ellrott den Artikel und insbesondere den Einbau seiner Zitate alles andere als ideal findet.

Auch wusste er nichts über den Gesamtaussage des Artikels und würde nie unterstützen, dass das Ersetzen von Zutaten generell als „gesund“ oder dass Clean Eating, Frei von, Vegan und welches System auch immer per se als besonders “gesund“ etikettiert werden.

Tja. Das war dem Text anzumerken, aber es bleibt die Frage: Wer oder was wollte das bei SPON? Und was wollte er oder sie uns damit sagen?

 

Aufhören, wenn es am schönsten ist

Ganz am Ende hat „Gesundheitswissenschaftlerin“ Hannah Frey, wie sollte es anders ein, das letzte Wort.

Sie darf, zusammen mit Ernährungsfachfrau Levecke, zum Schluss dem Psychologen Ellrott noch einmal in die Parade fahren. Denn aus seinen Zitaten lässt sich leider doch ein wenig herauslesen, dass das mit dem angeblich gesunden Essen vor allem der Selbstsuggestion dient:

Laut Ellrott sei bewusste Ernährung damit auch eine moderne Form der Selbstpflege. Der Ernährungspsychologe spricht vom sogenannten Halo-Effekt – “Halo” ist das englische Wort für Heiligenschein: “Das gesunde Essen strahlt auf unser inneres Empfinden aus, wir fühlen uns besser, gesünder, umweltbewusster oder auch moralisch überlegen.”

Das kann Frau Levecke natürlich nicht unkommentiert lassen. Sie stellt es richtig:

Aber neben den möglichen philosophischen Hintergründen gibt es auch ganz praktische Vorteile: “Gesunde Zutaten wie Obst und Gemüse sind leichter verdaulich”, sagt Hannah Frey. “Eine Linsenbolognese mit Zucchininudeln liegt einfach nicht so schwer im Magen wie das Original.”

Das ist so schlecht, dass es fast schon wieder gut ist, und nein, ich führe das jetzt nicht mehr aus (die dummen Italiener, wie konnten sie nur Spaghetti mit Fleischsauce erfinden, ungesund und schwer wie Blei im Magen, schön doof).

Ich erwäge nur noch kurz, dass Frau L. sich wohl verschrieben hat und nicht „philosophisch“, sondern „psychologisch“ meinte, das Fachgebiet von Thomas Ellrott. Aber an dieser Stelle auch noch begriffliche Schärfe zu verlangen, sprengt jetzt wirklich den Rahmen.

Screenshot vom Blog der Hannah Frey

Nein, keine Ernährungsberatung – zum Glück. So frei aus der Hüfte zu schießen kann nämlich ins Auge gehen.

 

Zum Glück ist aber die Clean-Eating-Propagandistin Hannah Frey wenigstens so schlau, zwar Kochbücher zu schreiben, aber keine Ernährungsberatung anzubieten. Das kann man auf ihrer Webseite nachlesen.

 

 

Sie würde auch in Teufels Küche kommen, mit dem dummen Zeug.

Macht aber nichts – für SPIEGEL online reicht es ja.

©Johanna Bayer

 

SPON-Artikel „Die Besseresser“ von Bettina Levecke vom 17.11.2016 – und Achtung, er ist schon geändert worden, nach Intervention. Vielleicht wird er bald nochmal geändert. Dann bitte bei der Abteilung Dokumentation von Quarkundso.de nachfragen, da gibt es das Original als PDF mit Stand vom 28.11.2016.

Autorin Levecke über Hülsenfrüchte in SPON am 3.3.2016

Thomas Ellrott im ZEIT-Interview: “Eltern, hört endlich auf, von gesundem Essen zu reden!”

… und was Hanni Rützler wirklich über das Gesundheitsgefasel denkt

Hannah Frey bietet KEINE Ernährungsberatung an, sie weiß wohl, warum, s. ganz unten in ihren FAQ.

Was wirklich Trend ist, steht zum Beispiel in diesem Artikel über die neue regionale Bewegung. Oder in diesem aus der TAZ, zur Foodszene in Berlin und dem Frust der Otto Normalesser.

Wo wir gerade von echten Lebensmitteln sprechen: Kalorienübersicht von der Apotheken-Umschau, eine unter vielen. Die Quelle von Quarkundso.de ist die Kalorien-&Nährtwerttabelle von Gräfe und Unzer (so ein Buch).

Gesund oder ungesund? Schwarz-Weiß-Denken schadet bei der Gewichtskontrolle(Studienzusammenfassung auf Englisch)

In der TAZ: Das Klima retten durch Fleischverzicht und Fleischsteuer? Vielleicht lieber anders.

Fleischtheke und Verkäuferin

Weg von der Fleischtheke! Wir wollen doch das Klima retten. Bild: Shutterstock/racom

Damit niemand denkt, Quarkundso.de würde nur rumkritteln, wird jetzt gelobt. Dafür habe ich mir die TAZ ausgesucht.

Die ist an sich für Quarkundso.de kein lohnendes Ziel, weil aus Berlin, einem kulinarisch öden Gebiet.

Dort ansässige Redakteure und Journalisten sind als Ex-Hausbesetzer und/oder grünbewegte Kiezbewohner an Essen nur als Mittel zur Politik interessiert.

Schnödes Genießen ist nicht ihr Ding. Schreiben können die aber. Wenn sie also was zum Thema Essen machen, dann scharfe Kommentare, die sich gegen unseren exzessiven Konsum richten. Oder schöne Reportagen.

Letztere drehen sich dann um politisch korrekte Ernährungsthemen, also um Imker und Bienen, oder um neue Restaurants von Veganern, oder alte Gemüsesorten, die in den Gärten verwitterter Datschen von Hand gezogen werden.

Das qualifiziert aber nur ausnahmsweise für Quarkundso.de, da im Allgemeinen zu vorhersehbar und zu langweilig. Aber jetzt kommen sie dran, und zwar im Guten.

 

Irgendjemand muss die Welt ja retten

An dieser Stelle sollen auf keinen Fall Missverständnisse aufkommen: Quarkundso.de bekennt sich ausdrücklich zu Umweltschutz und bewusstem Essen, zu verantwortungsvollem Konsum und zu ebensolchem Umgang mit der Natur.

Die Welt muss gerettet werden und irgendjemand muss den Job ja machen. Danke, Berlin.

Aber ein bisschen Spaß beim Essen darf schon noch sein. Ehrlich. Wenn wir wegen der Klimakatastrophe bald nicht mehr Auto fahren, in Urlaub fliegen, pro Kleinfamilie ein Reihenhaus besitzen und zweimal im Jahr den Inhalt des Kleiderschranks komplett erneuern dürfen, wollen wir doch wenigstens was Gutes essen.

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Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015

Allerdings scheint es eher so zu sein, dass kaum jemand daran denkt, sich des Klimas wegen beim Autofahren, beim Häuslebauen oder beim Shoppen wesentlich einzuschränken: Die Deutschen bewegen unnötig viel Blech mit bulligen SUVs und Spaßmaschinen, auf Autobahnen rasen sie weiterhin wie die Irren, Millionen fliegen Kurzstrecke und wehe, im gemütlichen Reihenhaus schafft die Heizung weniger als 24 Grad Wohlfühltemperatur.

Aber am Essen wollen plötzlich alle rumschrauben.

Essen, diesen unnötigen Luxus, hat man jetzt im Visier, besonders jene Gier nach Fleisch, die das Volk beherrscht. Dass Fleischessen von vielfältigem Übel und einzudämmen sei , ist im Moment flächendeckender Konsens, und dafür macht sich auch die TAZ stark.

Ein Weg wäre die Fleischsteuer, damit Fleisch teurer wird, aber man ist bei der TAZ auch grundsätzlich für eine massive Verringerung des Fleischkonsums: Alle Deutschen sollen höchstens halb so viel Fleisch essen wie bisher.

Denn das sei nicht nur gut für das Klima, sondern auch viel gesünder, schreibt TAZ-Autor Jost Maurin in mehreren Artikeln, darunter einem Kommentar mit dem Titel „Schlechtes Klima für Fleischfresser“ vom 2.11.2016.

 

Nur ein Vorschlag schafft es in die Öffentlichkeit

Diese Diskussion um Fleischkonsum und Fleischsteuer besteht seit einiger Zeit, auch ausgelöst durch den aktuellen Klimaschutzplan 2050.

Den hat Umweltministerin Hendricks gerade vorgelegt und darin Hunderte von Maßnahmen beschrieben, um Treibhausgase einzudämmen: Industrie, Verkehr, Handel, Landwirtschaft, Energieunternehmen, Hausbesitzer, alle sollen einen Beitrag leisten und Emissionen einsparen.

Logo Wissenschaftsblog 2015

Wahl zum Wissenschaftsblog 2015: Sonderpreis der Redaktion “Wissenschaft kommuniziert”

In die öffentliche Diskussion schaffte es aber kaum ein Detailvorschlag – einer der wenigen ist der mit der Halbierung des Fleischkonsums.

Den hatte Hendricks mal in einen Entwurf geschrieben: Die Deutschen sollten von ihren durchschnittlichen 60 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr auf ungefähr 30 Kilo runterkommen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE, empfehle das ja auch, wegen der Gesundheit, heißt es zur Begründung: So viel Fleisch, 60 Kilo im Jahr, etwa ein Kilo in der Woche, sei ungesund.

Der Vorschlag flog zwar wieder raus, weil Wirtschaftsministerium und Kanzleramt den Passus strichen. Aber er hält sich hartnäckig in der Diskussion.

Und TAZ-Autor Maurin bringt auf seiner Mission – höchstens noch halb so viel Fleisch essen – dazu den Vorschlag mit der Mehrwertsteuer aufs Tapet: Fleisch wird bisher mit sieben Prozent ermäßigt besteuert, man könnte es teurer machen und 19 Prozent draufschlagen, den normalen Mehrwertsteuersatz. Das würde den Fleischkonsum verringern.

Diese Idee stammt nicht aus dem Klimaschutzplan, sondern von Agrarexperten aus dem Umfeld des Landwirtschaftsministeriums. Aber leider, so Maurin, hört Landwirtschaftsminister Schmidt nicht einmal auf seine eigenen Leute und lehnt jede Verteuerung ab.

Dem widerborstigen Beamen hält der TAZ-Mann entgegen, dass die Landwirtschaft ganze acht Prozent Anteil vom Ausstoß von Treibhausgasen hat.

 

Ob der Minister so Unrecht hat?

Acht Prozent? Das ist wenig.

Bei diesem geringen Anteil geht es laut TAZ schon um die Wurst? Die Landwirtschaft muss massiv Emissionen einsparen und die Bevölkerung muss mindestens auf die Hälfte, am besten aber ganz auf Fleisch verzichten – bei diesem geringen Anteil der gesamten Landwirtschaft an den Treibhausgasen?

Hm. Ob da nicht der Minister ein wenig Recht hat? So klingt das wirklich nicht plausibel. Sondern eher konstruiert.

Zwar könnte man, wie es Jost Maurin auch tut, den Anteil der „Agrarbranche“ noch nach Kräften hochrechnen, aber solche Zahlenspiele geraten leicht unlauter und geben kein klares Bild ab.

Da kann man sich getrost an diese Grafik des Umweltministeriums halten: Der Treibgas-Anteil der Bauern bleibt bei unter zehn Prozent.© BUMB

Natürlich gilt: Keiner kann sich rausreden, die Klimaziele müssen erreicht werden und jeder muss beitragen. Trotzdem ist wirklich die Frage, welcher Bereich welche Einschnitte wofür hinnehmen muss und was sinnvoll ist.

Und da hat der Minister Schmidt, obwohl er von der CSU ist, nicht ganz Unrecht: Essen ist ein Grundrecht und die Landwirtschaft hat eine wirklich besondere Bedeutung – die sollten wir nicht leichtfertig an den Pranger stellen, sondern genau hinsehen. Und vielleicht anderswo mehr einsparen.

 

In derselben Redaktion: andere Meinung

Die TAZ lässt aber auch jemand anderen zu Wort kommen, das ist das Schöne. Es ist ein Kollege des Autors Maurin, ebenfalls aus dem Ressort Wirtschaft und Umwelt. Der sieht das Ganze erfrischend anders. Zwei Tage später, am 4.11., schreibt er seinen Kommentar zur Sache und nimmt den Vorschlag mit der Fleischverteuerung auseinander.

Diesen Kommentar muss man sich in Ruhe durchlesen, unten steht der Link.

Treffend argumentiert Richard Rother, dass man mit dem Klimaargument wirklich jede Steuererhöhung beim Essen begründen könnte – schließlich findet sich immer ein Lebensmittel, das noch klimafreundlicher ist, bis runter zum Leitungswasser.

Fleisch, sagt er dann richtig, ist aber zu wertvoll, ein Grundnahrungsmittel, das gerade für niedrige Einkommensgruppen und deren Kinder wichtig ist. Die würden benachteiligt, selbst wenn etwa Hartz-IV-Familien mehr Geld für die Lebenshaltung bekommen würde: Es wäre einfach der falsche Anreiz und würde keine ausgewogene Ernährung fördern.

Stattdessen könnte man, so Rother, wirklich unsinnige Steuerermäßigungen abschaffen, etwa beim Tierfutter, und überhaupt müsste man den Mehrwertsteuerdschungel mal lichten. Da ist noch viel Luft drin – Einnahmen, die man zugunsten einer tier- und klimafreundlichen Landwirtschaft verwenden könnte.

Rothe plädiert dann für Verantwortung und gute Ernährungsbildung, um vernünftige Essgewohnheiten zu entwickeln – gegen Verschwendung und riesige Fleischberge auf dem Teller.

 

Schluss mit dem Geschummel

Der Kommentar ist einfach großartig, weil er den Kern der Sache trifft und nicht so platt auf dem Generalvorwurf „Wir essen doch alle viel zu viel Fleisch – so viel Fleisch ist ungesund“ herumreitet.

Und ja, dass weniger Fleisch besser wäre und Fleisch teurer werden muss, ist trotzdem richtig – damit die Massentierhaltung endlich eingedämmt und der Tierbestand reduziert wird.

Allerdings ist die Frage, wieviel weniger das sein muss.

Und es ist die Frage, was wir damit erreichen wollen. Die Nitratbelastung, das Grundwasser, Kosten für Kläranlagen, der Gestank und das Leid der Tiere sind bei der Massentierhaltung tatsächlich große Probleme – nicht in erster Linie ihr Anteil an den emittierten Treibhausgasen.

Da sind vornehmlich andere Player gefragt, ganz vorne: Kohlekraftwerke, zum Beispiel. Auch private Haushalte. Und die lieben Autofahrer. Dazu kommen wir noch.

Auf jeden Fall muss dieses Geschummel mit dem Klimaschutz durch Fleischverzicht endlich aufhören. Und das Getrickse mit der angeblichen Gesundheit.

Beides ist Unsinn, weil Fleischverzicht nicht das Klima rettet. Weil Fleisch nicht pauschal ungesund ist. Und weil Fleischverzicht nicht pauschal gesund ist.

 

Eine Lektion in Küchenpsychologie

Warum wir unseren Fleischverzehr, wenn nicht gleich ganz aufgeben, dann mindestens halbieren müssen, leuchtet Quarkundso.de nicht ein.

10, 20 oder 30 Prozent reduzieren wären doch ein leichterer Einstieg in eine Veränderung? So viel Küchenpsychologie müsste doch inzwischen durchgesickert sein: Ernährungsgewohnheiten kann man nicht von heute auf morgen umkrempeln.

Das haben die öden Diättipps der Art „Müssen es denn Chips vor dem Fernseher sein? Knabbern Sie doch an Karotten!“ gezeigt, die keiner befolgt. Auf einer unrealistischen Maximalforderung zu bestehen führt eben nicht zum Ziel.

Funktionierende Diätkonzepte von Medizinern setzen stattdessen auf kleine Veränderungen, bei denen die persönlichen Vorlieben erhalten bleiben. Es darf dann mal ein Stück Schokolade sein, und die geliebten Kartoffelchips haben auch ihren Platz. Gespart wird anderswo.

Auch dazu gleich noch mehr.

 

So viel Fleisch essen wir gar nicht

Dass die Deutschen doppelt so viel Fleisch essen, wie es angeblich laut DGE gesund ist, ist auch so ein Gerücht.

Dabei behandeln TAZ-Autor Jost Maurin, aber auch viele andere, die Umweltministerin eingeschlossen, die DGE-Regel von maximal zwei- bis dreimal die Woche Fleisch (300 – 600 Gramm) wie den Grenzwert einer gefährlichen Chemikalie: Huhuhu, doppelt so hoch wie erlaubt – ungesund!!!

Das ist absichtlich irreführend.

Nicht nur, weil die Menge von 300 bis 600 Gramm natürlich überhaupt kein Grenzwert ist, nur eine unverbindliche Empfehlung.

Sondern auch, weil die DGE schon seit Jahren auf dem Ökotrip ist und die Nachhaltigkeit als Grund für ihre Fleischration anführt. Nicht die Gesundheit. Der Öko-Effekt hat viel mehr zu dem Richtwert von 300 bis 600 Gramm beigetragen als jedes andere Argument.

Das Gespenst vom überhöhten Fleischkonsum an die Wand zu malen, ist auch faktisch falsch, weil die Deutschen nicht reihenweise tot umfallen, obwohl sie schon seit 60 Jahren viel mehr Fleisch essen als es die DGE empfiehlt.

In dieser Zeit, seit 1950, hat sich der Fleischkonsum verdoppelt und parallel dazu ist die Lebenserwartung gestiegen: von 64 beziehungsweise 68 Jahren (Männer/Frauen) auf 78 und 83 Jahre (Männer/Frauen). Das sind in beiden Fällen über 20 Prozent – und sie steigt weiter.

Mit unseren 60 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr liegen wir im Vergleich unter Industriestaaten sowieso nur im Mittelfeld. Die großen Fleischesser sind andere: die USA, Brasilien, Argentinien, Kanada, Australien. Die kommen auf bis zu 120 Kilo pro Kopf und Jahr. Über zwei Kilo in der Woche.

Wenn man von viel reden will: Das ist viel.

Selbstverständlich kann man sich nicht damit aus der Affäre ziehen, dass man mit dem Finger auf andere zeigt. Aber welche Karten man in der Debatte ausspielt, sollte man sich schon gut überlegen: Sparen – ja. Aber nicht, weil es angeblich so grauenvoll viel und ungesund ist, was wir verschlingen.

Sondern weil wir die Umwelt schonen und den Tieren ein besseres Leben gönnen müssen, bevor wir sie aufessen. Auf diese Argumente kommt es an. Alles andere ist Volksverdummung und kontraproduktiv.

 

Für Klima und Gesundheit: nur noch halb so viel!

Andererseits sticht etwas bei der Formel „Höchstens die Hälfte, für Klima und Gesundheit“ ins Auge: Sie ist betörend simpel, für jeden verständlich und einfach anzuwenden.

Möglicherweise ist das der Grund, warum Klimaschützer und Umweltaktivisten so auf die Halbierung des Fleischkonsums drängen.

Wenn man darüber nachdenkt, wird die Sache immer einleuchtender. Ehrlich – das ist super: Einfach nur noch Hälfte von, sagen wir, unnützem Kram, dann sind Klima und Gesundheit ruckzuck wieder im Lot!

Quarkundso.de wird daher bei der Weltrettung selbstverständlich nicht kneifen und hat den eigenen Fleischverzehr bereits reduziert (Details auf Anfrage).

Dafür fordert Quarkundso.de aber zum Ausgleich, bei anderen – überflüssigen – Lebensmitteln und schlechten Gewohnheiten von Privatleuten diese unschlagbare Faustregel anzuwenden: „Höchstens halb so viel – für Klima und Gesundheit!“.

Hier die kreativen Vorschläge der Redaktion*:

 

Höchstens halb so viel Bier! 2015 lag der Bierkonsum bei 105 Litern pro Kopf und Jahr – das ist für jeden, vom Baby bis zum Greis, ein Bier am Tag. Was das in absolutem Saufen für die notorischen Feierabendtrinker heißt, mag man sich gar nicht ausdenken. Dabei ist Bier für die Ernährung höchst nutzlos und noch nicht einmal ein Lebensmittel. Außerdem enthält es nicht nur den giftigen Alkohol, sondern macht auch noch dick und lässt Männern Brüste wachsen. Ab sofort also nur noch die Hälfte: Höchstens jeden zweiten Tag ein Bier, lieber aber überhaupt keins. Das spart Emissionen im Hopfenanbau und wird auch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen empfohlen.

Halb so viel Schokolade! Die Deutschen essen mehr Schokolade als die Schweizer, 11,5 Kilo pro Kopf und Jahr, 31 Gramm am Tag. Das sind für jeden etwa zwei Riegel einer Schokotafel. Aber Schokolade ist teures Importzeug, der Kakao-Ernte beruht auf unfairen Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit, von klimaschädlicher Verpackung (Alufolie!) und dem Transport mal ganz abgesehen. Ab sofort also höchstens noch die Hälfte – aber am besten gar keine Schokolade mehr. Das macht Freude, gerade zur Weihnachtszeit, weil man das Klima rettet. Aber der Verzicht lohnt sich, das sagt auch der Verband Deutscher Zahnärzte.

Ganz wichtig: Nur noch halb so viel Kuchen! Der wird weit überwiegend aus Weizenmehl gebacken, und Deutschland muss Weizen importieren, darunter fast zwei Millionen Tonnen aus Tschechien. Da fallen also wieder Emissionen im Transport an, und seien wir mal ehrlich: Kuchen, Stückchen, Torten und Kekse machen doch nur dick und jagen den Blutzucker in die Höhe. Diabetes lässt grüßen. Also bitte gar nichts mehr oder maximal die Hälfte – nicht mehr jeden Tag süße Backwaren in sich reinstopfen, sondern höchstens zweimal die Woche. Das empfiehlt übrigens auch die DGE. Wegen des Übergewichts.

Entscheidend: Halb so viel Autofahren! Die Emissionen aus dem Straßenverkehr sind doppelt so hoch wie die aus der Landwirtschaft. Wir hatten das oben schon. Damit ist die Richtung klar: Nur noch jeden zweiten Tag Autofahren. Die Fahrzeuganzahl pro Familie wird halbiert: Wo es zwei Autos gibt, bleibt nur noch eine Familienkutsche übrig. Höchstens. Dafür werden Fahrräder angeschafft. Das ist auch viel gesünder und wird vom Deutschen Sportbund empfohlen.

Dass es ein Tempolimit geben muss, ist sowieso klar und stand auch schon einmal im Klimaschutzplan: 130 km/h auf der Autobahn, 30 km/h in Ortschaften. Quarkundso.de geht jetzt weiter und verlangt die Hälfte: Überall dort, wo es schon eine Geschwindigkeitsbeschränkung gab, gilt davon das halbe Tempo. Vorher 80 bedeutet jetzt also Tempo 40, vorher 30 bedeutet jetzt 15. Am besten geht man gleich zu Fuß. Auf Autobahnen gilt generell nur 100. Das ist die Hälfte von 200, wer je schneller gefahren ist, hat eh ein Rad ab. Und glaubt mir – das Tempolimit würde richtig was bringen, was Spritverbrauch und Emissionen angeht. Auch für die Gesundheit – man denke an die tödlichen Unfälle durch Raser. Diese Position vertritt auch die Deutsche Verkehrswacht.

 Zuletzt, weil der Winter kommt: Halb so viel heizen! Nicht in jedem Raum, sondern nur in jedem zweiten Zimmer die Heizung aufdrehen. Wer das toppen will, reduziert überall die Raumtemperatur auf die Hälfte – 12 Grad statt 24 Grad. Dicken Pulli an, wie Thilo Sarrazin riet, dann geht das schon. In den privaten Haushalten liegt nämlich noch viel Einsparpotenzial. Übrigens empfiehlt ähnliche Temperaturen auch der Deutsche Kneipp-Bund: Gezielte Kältereize stärken das Immunsystem, und ständig überheizte Räume schaden der Haut und der Lunge.

 

Diese Vorschläge zum umfassenden Klima- und Gesundheitsschutz sind natürlich erst der Anfang. Sobald Quarkundso.de das Gesundheits- und das Ernährungsministerium übernommen hat, werden Maßnahmen nach diesem Rezept flächendeckend eingeführt.

Sie werden die Welt retten.

Und bei optimaler Klimabilanz durch das „Höchstens noch die Hälfte“-Programm ist dann ein Stückchen Fleisch wieder drin. Versprochen.

*Achtung! Teilweise ernst gemeint.

©Johanna Bayer

TAZ-Kommentar “Schechtes Klima für Fleischfresser” vom 2.11.2016

TAZ-Kommentar “Ran an die Buletten!” vom 4.11.2016

Spiegel-Meldung zur Besteuerung von Milch und Fleisch

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