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Corona, Ernährung und das Immunsystem, Teil 2: Was wirkt und was nicht

Es hört nicht auf mit den Tipps, wie man das Immunsystem gegen das Coronavirus stärken kann, natürlich mit Obst und Gemüse. Selbst Fachleute beteiligen sich daran, wie der „Ernährungsdoc“ Matthias Riedl vom NDR. Doch wir wissen schon: So einfach geht es nicht. Und aussichtsreicher als das Immunsystem zu stärken ist etwas anderes: es nicht zu schwächen.

Beitrag vom 3.4.2020

Köpfe von Weißkohl und Rotkohl

Kohl schmeckt, und die günstige Wirkung seiner Senföle ist von Alters her bekannt. Aber killt Kohl Corona-Viren?

Die Sache mit dem Immunsystem ist nicht in einem einzigen Beitrag abzuhandeln, das war schon letztes Mal klar. Weil die Menschen wegen der Corona-Krise weiterhin zuhause eingesperrt sind, ist also ein zweiter vertiefender Beitrag dazu angezeigt – schon alleine deshalb, weil die Ratschläge, mit allerlei Obst, Gewürzen und Gemüse gegen die Seuche vorzugehen, weiter wuchern.

Unzählige Akteure tun sich damit hervor, auch solche, die eigentlich vom Fach sind, zum Beispiel Dr. Matthias Riedl, bekannt als „Ernährungsdoc“ beim NDR: Er beschwört in der Sendung „Visite“ die „keimtötende Wirkung“ von Ingwer, Kohl und Zitrone.

Ein Dr. Kurt Mosetter aus Konstanz, ebenfalls Arzt und dazu Heilpraktiker, empfiehlt in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau:

„Die Ernährung ist unsere Medizin! Es gilt, viel Grünzeug, Gemüse und Obst zu essen, am besten frisch und regional zubereitet. Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren oder Avocados helfen auch.“

Das ist lustig, weil „frisch und regional“ für diese Beeren im Winter und für die Avocado gar nicht geht.

 

Wenn alles möglich ist: das Expertengespräch

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Nun muss man aber eines klarstellen: Journalisten, die solche Interviews in Ratgeberformaten führen, müssen nicht nachhaken.

Alles, was ihre Gesprächspartner verzapfen, verantworten diese selbst, die Journalisten fragen nur Informationen ab, im Fachjargon heißt das „Sachstandsinterview“.

Dabei erwarten sowohl die Interviewer als auch ihr Publikum, dass die Interviewpartner echte Experten sind und die Fakten korrekt darstellen. In anderen Interviewformen ist das Nachfragen dagegen nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht.

Politik-Journalisten zum Beispiel fühlen ihren Interviewpartnern gerne auf den Zahn, legendär ist zum Beispiel das Interview, in dem Marietta Slomka bei Siegmar Gabriel so hartnäckig nachbohrte, dass der SPD-Vorsitzende die Fassung verlor.

Auch Grünen-Chef Robert Habeck kam ins Stammeln, als Oliver Köhr von der ARD ihn darauf hinwies, dass die Pendlerpauschale für alle gleich gilt und nicht, wie von Habeck angenommen, nur für Autofahrer.

Bei Gesundheitsinterviews, speziell in Ratgeberformaten, wird aber praktisch nie kritisch nachgefragt. Das liegt nicht nur daran, dass die Autoren und Moderatoren oft gar keine Ahnung vom Thema haben. Es liegt zu einem guten Teil daran, dass die Redaktion eine telegene oder sonst willige Fachperson mit frechen Nachfragen nicht verprellen möchte – man muss ja froh sein, wenn man Experten hat! Die darf man nicht vor laufender Kamera desavourieren.

 

Noch Fragen? Danke, nein.

Und so kommt es, dass in der NDR-Sendung Visite 23.3.2020, betitelt mit „Coronavirus: Tipps für Diabetiker“, eine Moderatorin den Fernseharzt Dr. Matthias Riedl, diesmal vorgestellt als Diabetologe, zum Immunsystem befragt, und zwar im Namen von Zuschauern, die die Fragen eingeschickt hatten.

„Gibt es Lebensmittel, die das Immunsystem stärken und gleichzeitig eine antivirale Wirkung haben?“

Dr. Riedl beginnt seine Antwort mit gutem Grund sehr ausweichend. Als Fachmann weiß er, dass es solche Lebensmittel nicht gibt. Die Antwort wäre also ein klares „Nein.“ gewesen.

Das möchte er so offensichtlich nicht sagen: Es wäre geradezu unterlassene Hilfeleistung und ein Betrug am Gebührenzahler! Man muss dem Publikum geben, was es will. Außerdem hätte er dann den Auftrag der Redaktion nicht erfüllt – und die Moderatorin auch nicht.

Also betont Dr. Riedl, es sei jetzt „so wichtig wie noch nie, auf die verlangten 300 Gramm Gemüse am Tag zu kommen“, um damit

„… die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken…“

Damit ist die Platte angesprungen. Ein Zurück gibt es nicht, und Riedl fährt fort:

„.. da sind es zum Beispiel Kohlsorten, die keimhemmende Wirkung entfalten, durch die sekundären Pflanzenstoffe, die bieten eben nicht nur Vitamine und Spurenelemente, aber diese sekundären Pflanzenstoffe haben Nebeneffekte, ich denke da zum Beispiel an Meerrettich, beispielweise, der ähnlich keimhemmende Wirkung hat (…) Und natürlich viel trinken, ideal wäre Ingwertee mit Zitrone, der ist nachgewiesenermaßen keimtötend.“

(Transkript aus dem Video von NDR-Visite TC Min. 4:49 bis 5:25 mit Antwort der Moderatorin. Hier ausgelassene Passagen beziehen sich auf Nüsse und Vitamine.)

Spontane Reaktion der Moderatorin auf die Ratschläge und den Knaller am Ende, mit der keimtötenden Wirkung von Ingwertee und Zitrone: „Toll!“.

Hätte Quarkundso.de das Interview geführt, wäre die Antwort ebenso kurz ausgefallen. Aber anders. Nämlich als: „Hä?“

 

Mit Lebensmitteln Keime im Körper töten – bitte nicht!

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Denn wir haben nicht verstanden, was Dr. Riedl gemeint hat. Wen oder was meint er mit „Keimen“, etwa das Corona-Virus?

Das war doch die Frage der Zuschauer: Was stärkt das Immunsystem und tötet das Corona-Virus – antivirale Wirkung, hieß es in der Frage.

Und „keimhemmend“ und sogar „keimtötend“, „nachgewiesenermaßen“, was meinte er damit? Wie killen Kohl, Ingwer und Zitrone das Corona-Virus? Und wo?

Die Sache ist wichtig. Schließlich sind wir in einer Pandemie, es geht um Leben und Tod, es gibt keine Medikamente, keine Impfung, Menschen leben in Angst, wollen etwas für ihre Gesundheit tun und wissen, was wirklich wirkt.

Auch verspricht die Moderatorin in der Anfangsmoderation „Aufklärung gegen die Angst“. Um aufzuklären hätte sie, eine Fachkraft mit langjähriger Erfahrung, aber ruhig nachfragen dürfen. Denn es ist ja allgemein bekannt, dass es gegen das Corona-Virus kein Mittel gibt. Auch kein „natürliches“ oder „sanftes“.

Schon gar kein Lebensmittel.

Wir holen dazu kurz ein paar Überlegungen nach: Keime töten mit Ingwer, Kohl und Zitrone müsste sich, wenn das ginge, gleich im Mund abspielen, beim Essen. Dort landen die aktiven Substanzen aus den Pflanzen, zum Beispiel die Senföle aus dem Kohl, das Gingerol und ätherische Öle aus dem Ingwer und die Zitronensäure.

Im Mund aber leben Myriaden von nützlichen Keimen, die man auf keinen Fall abtöten will! Sie bilden, wenn die Mundflora gesund ist, einen Schutzfilm auf Zähnen und Zahnfleisch, der Karies und Zahnfleischentzündungen verhindert. Solche Probleme machen böse Keime.

Wenn die Guten aber als sogenannter Biofilm überwiegen, wehren sie die Bösen ab. Also sollte bitte nichts allgemein Keimtötendes in den Mund kommen, es sei denn, der Arzt hat es verschrieben – Quelle: NDR, Sendung Visite über Mundgesundheit, der Link steht unten.

 

Was hat der Fernseharzt gemeint?

Teller, Scheiben von Zitrone, Ingerwurzel, Teeglas mit milchiger Flüssigkeit

Heißer Ingwertee mit Zitrone regt die Speichelproduktion an, killt aber keine Viren.

Dasselbe gilt für den Darm, wo Ingwer, Zitrone und Kohle am Ende landen.

Würden sie dort Keime abtöten, geriete ja die nützliche Darmflora durcheinander. Von den vielen Bakterien da unten hat nun wirklich jeder schonmal gehört. Die darf man doch nicht töten!

So kann es Dr. Riedl also nicht gemeint haben.

Aber was wollte er dann sagen?

Wollte er etwa nahelegen, dass Ingwer, Zitrone, Kohl und Meerrettich nur Corona-Viren angehen, ganz gezielt, und die nützlichen Bakterien verschonen, die im Mund und im Darm leben?

Im O-Ton klingt es tatsächlich so, deshalb sagt die Moderatorin „Toll!“.

Würde Dr. Riedl derlei ernsthaft behaupten, wäre er ein Scharlatan. Das wollen wir zugunsten des Ernährungsdocs und des NDR nicht hoffen. Wir unterstellen auch keine böse Absicht. Das tun wir nie. Er hat sich nur mehr oder weniger absichtlich vage ausdrückt und die Frage nur: Was kann der Fernseharzt gemeint haben? Und was wäre daran „toll“?

Da der NDR die Sache nicht aufklärt, bleibt die Drecksarbeit mal wieder an uns hängen, an Quarkundso.de, der Abteilung fürs allgemeine Ausputzen. Wenn auch nur ansatzweise im Raum steht, dass man gegen Coronaviren mit Obst und Gemüse etwas machen kann, sollten die Menschen in der weltweiten Krise die Wahrheit erfahren.

 

Irgendwie gesund

Wir arbeiten also nach, der Einfachheit halber in Stichpunkten:

– Nichts von allem, was Dr. Riedl genannt hat, tötet das Corona-Virus.

– Es gibt auch sonst keine Nahrungsmittel oder Inhaltsstoffe von Pflanzen oder Gewürzen, die im Körper gezielt Viren töten oder die gezielt das Immunsystem gegen Viren stärken. Seriöse Quellen dafür sind allgemein zugänglich, darunter das Robert-Koch-Institut und die Weltgesundheitsorganisation WHO. Viele unseriöse Quellen behaupten natürlich das Gegenteil.

– Eine keimhemmende Wirkung von Kohl, Meerrettich, Kresse und Radieschen gibt es – nur anders: Sind sie verdaut, finden sich im Urin Reste der in ihnen enthaltenen Senföle. Diese meint Dr. Riedl mit „sekundäre Pflanzenstoffe“. Auch sammeln sich solche Reste in den Bronchien an. Dort können sie einer bestimmten Konzentration tatsächlich bestimmte Erreger und Bakterien töten, zum Beispiel bei Blaseninfekten. Allerdings sind die Studien dazu nicht mit Kohl und Meerrettich gemacht worden, sondern mit Tabletten, in denen die Pflanzenstoffe in hoher Konzentration eingenommen wurden. Sie können tatsächlich auch das Wachstum von Zellen hemmen, wenn diese von Viren befallen sind, etwa bei leichten Erkältungen. Da helfen Meerettich und Co. von Alters her und gelten als Naturheilmittel für leichte Erkältungen wie einen Schnupfen.

– Ingwertee und Zitrone töten gar keine Keime, jedenfalls ihre Inhaltsstoffe nicht, wenn Menschen sie essen. Was aber erwiesen ist, und was der Fernseharzt gemeint hat, ist, dass nach dem Trinken von Ingwertee mit Zitrone die Mundschleimhaut auf das Gemisch reagiert: Sie ändert Enzyme im Speichel und produzieren mehr davon. Dass Speichel ganz bestimmte Bakterien, nämlich Streptokokken und Staphylokokken, töten kann, ist bekannt. Sogar Tiere lecken deshalb instinktiv ihre Wunden ab. Ingwer und Zitrone erhöhen beim Menschen schlicht die Produktion des Enzyms Lysozym, das dafür verantwortlich ist.

Alle von Dr. Riedl genannten Lebensmittel sind also irgendwie gesund: Sie verändern den Speichel positiv, erhöhen die Durchblutung der Schleimhäute, und wenn Reste der Senföle aus Kohl oder Rettich im Darm ankommen, stimulieren sie die Darmschleimhaut. Alles das hilft – irgendwie – dem Immunsystem. Potenziell können sie auch das Wachstum von Viren befallener Zellen hemmen.

Aber sie zerstören keine Corona-Viren.

 

Corona und das Immunsystem: eine unendliche Geschichte

Grüne Kugel,gespickt mit kleinen Dornen, das sind Ansatzstellen für andere Zellen

Immunzelle, sogenannte T-Helferzelle.

Diesen Job muss schon das Immunsystem selbst erledigen, womit wir wieder beim Thema wären.

Doch dieses Immunsystem ist eine komplizierte Sache. Es hat unterschiedliche Methoden, also Immunantworten, dazu verschiedene Zelltypen, mit denen es auf Feinde reagiert.

Auch gibt es mehrere Eintrittspforten für Bakterien, Viren und andere Erreger in den Körper, und Barrieren dagegen. Diese bestehen aus nützlichen, geduldeten Mikroben und, nun ja, Keimen.

Sie leben im Mund, in der Nase, auf der Haut, überhaupt auf allen Schleimhäuten mit Außenkontakt, und als dichter Teppich auf der Darmschleimhaut, das bekanntlich der wichtigste Teil des Immunsystems ist.

Alles das genau aufzudröseln, würde diesen Text ins Unendliche verlängern. Wir kündigen daher eine weitere Folge an, es wird eine lange Serie werden. Für heute müssen ein paar praktische Tipps reichen, und zwar, Achtung, konkret gegen das Corona-Virus.

Anders als andere raten wir aber nicht in erster Linie dazu, „das Immunsystem zu stärken“.

Wir wissen ja, siehe erster Teil vom 18.3.2020, dass das nicht so einfach geht und auch nicht immer sinnvoll ist. Stattdessen raten wir von Quarkundso.de zu etwas anderem: das eigene Immunsystem nicht zu schwächen.

 

Wichtig in der Pandemie: 7 Regeln, um das Immunsystem nicht zu schwächen

Daher kommen hier die 7 ultimativen Ratschläge gegen eine Corona-Infektion, exklusiv für die Qualitätsleser von Quarkundso.de:

  1. Alles, was die Schleimhäute in Mund, Rachen und Nase schädigt, unterlassen, ob zuhause oder anderswo. Denn an diesen Stellen fällt das Virus ein, und dort muss es zuerst bekämpft werden.
  2. Das bedeutet vor allem: nicht rauchen. Wir wiederholen: NICHT RAUCHEN. Alle Ausreden der Art „Aber die vier bis fünf Zigaretten am Tag …“, oder „Wenn man sonst nichts darf, wird man doch wenigstens …“ zählen nicht. Rauchen schädigt die Lunge, Raucher sind daher vom Virus und schweren Verläufen der Lungenkrankheit stärker gefährdet, Ende der Durchsage.
  3. Trockene Heizungsluft vermeiden, sie macht die Schleimhäute anfällig. Gerade jetzt, wo alle zuhause bleiben müssen, ist das schwierig. Aber etwas steuern kann man: Nicht so stark heizen, die Temperatur vielleicht ein, zwei Grad runterdrehen, regelmäßig lüften, nachts kühl schlafen, auf die Luftfeuchtigkeit achten. Optimal sind 50 bis 60 Prozent, es gibt einfache kleine Geräte, die das messen können (online bestellen).
  4. Nicht nur vor der Glotze sitzen, sondern jeden Tag am Tageslicht und der frischen Luft spazieren gehen, mindestens eine halbe, besser eine Stunde. Das hilft den Schleimhäuten und der Lunge, und auf verschiedenen Wegen dem Immunsystem, nicht zuletzt, weil die Haut an die Sonne kommt und Vitamin D herstellen kann. Trotz der strengen Ausgangssperren ist Spazierengehen deshalb erlaubt.
  5. Nicht abschlaffen, sondern die Durchblutung trainieren, denn das Blut bringt die Immunzellen dorthin, wo sie gebraucht werden. Schnelles Gehen, Joggen, Übungen zuhause auf dem Trimmrad oder vor Youtube sind also wichtig, jeden Tag mindestens 30 Minuten.
  6. Alkohol reduzieren oder ganz weglassen, so oft und so lange wie möglich. Alkohol ist ein Zellgift, das die Produktion wichtiger Immunzellen hemmt. Die WHO empfiehlt in der Pandemie, Alkohol zu meiden. Die Verkaufszahlen zeigen allerdings, dass genau das nicht verstanden wird: Die Deutschen trinken in der Corona-Krise noch mehr als sonst. Damit schädigen sie ihr Immunsystem nachweislich.
  7. Schlafen, schlafen, schlafen. Guter Schlaf hilft dem Immunsystem tatsächlich am meisten, auch das ist schon lange bekannt. Umgekehrt gilt: Menschen mit Schlafmangel und Schlafstörungen, aber auch Schichtarbeiter sind anfälliger für Krankheiten, besonders, Achtung, für Erkältungen, auf die das Corona-Virus aufspringen kann.

Das wäre es also für heute, wer diese Ratschläge befolgt, schwächt seine Abwehrkräfte jetzt nicht, in Zeiten der Pandemie.

Außerdem gilt weiterhin: Immer schön die Hände waschen – und regelmäßig Quarkundso.de lesen. Aber das wissen unsere Qualitätsleser schon.

@Johanna Bayer

 

Links

NDR Visite vom 24.3.2020 rund um Corona und die Frage, ob Diabetiker stärker gefährdet sind, Ausschnitt aus der Sendung in der NDR-Mediathek

 

Infonetzwerk EUFIC über Lebensmittel und Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel, die angeblich Corona-Viren bekämpfen oder das Immunsystem stärken können: keine wissenschaftliche Evidenz, auch mit Verweis auf die WHO – Auszug von der Seite:

Gibt es Lebensmittel, die unser Immunsystem gegen COVID-19 stärken?

Derzeit gibt es keine überzeugenden Beweise dafür, dass Lebensmittel oder Ernährungsgewohnheiten unser Immunsystem „stärken“ und COVID-19 verhindern oder behandeln können.

(…)

Gibt es Nahrungsergänzungsmittel, die unser Immunsystem gegen COVID-19 stärken können?

Derzeit gibt es weder Beweise noch von der EU genehmigte gesundheitsbezogene Angaben, dass ein Nahrungsergänzungsmittel unser Immunsystem „stärken“ und Virusinfektionen wie COVID-19 verhindern oder behandeln kann. Wir sollten dies berücksichtigen, wenn wir Informationen von Personen oder Organisationen, die etwas anderes behaupten, beurteilen.

Quelle: EUFIC, siehe Link oben

Geld und so in Zeiten von Corona: Spenden Sie jetzt! Das bleibt natürlich völlig freiwillig. Einfach ins Sparschwein stecken, es steht mit diesem Bild oben rechts im Menü.

Wer draufklickt, landet bei PayPal, braucht zum Spenden aber kein eigenes PayPal-Konto. Vielen Dank!

Essen in Zeiten von Corona: Mit Ernährung das Immunsystem gegen Viren stärken? Vorsicht!

Wer sich jetzt gegen das Corona-Virus wappnen will, denkt ans Essen: Viel Obst und Gemüse, wegen der Vitamine! Doch so einfach geht es nicht – Quarkundso.de klärt auf.

Beitrag vom 18.3.2020, 0.15 Uhr

Angriff der Corona-Viren: Die Pandemie hat Anfang 2020 die ganze Welt ergriffen.

 

Wir haben Corona-Krise und Quarkundso.de unterbricht die übliche Nörgelei, um für seriöse Informationen zu sorgen. Wir gehen jetzt energisch gegen Fake-News, falsche Versprechen, Scharlatane, Esoterik und Panikmache vor.

Na gut, damit bleibt alles beim Alten. Nur achten wir jetzt besonders auf Nutzwert, weswegen es in jedem Beitrag dieser Tage handfeste Tipps gibt.

Heute geht es um die Gefahr, sich anzustecken, und um das Immunsystem, wobei automatisch das Essen ins Spiel kommt: Wie stärke ich durch richtige Ernährung mein Immunsystem gegen die Viren?

Ja, das ist eine gute Frage. Die stellen jetzt nicht nur viele, es gibt auch viele, die Antworten geben – leider die falschen.

Das Muster ist immer gleich: Natürlich muss es „ausgewogene Ernährung“ sein, was immer damit gemeint ist. Es folgt der heiße Tipp, viele Vitamine zu sich zu nehmen, dann kommt die Liste der Lebensmittel, aus denen letztere stammen sollen. Das sind immer „viel Obst und Gemüse“.

 

Schluss mit dem Quatsch

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Damit machen wir jetzt ein für alle Mal Schluss, dieser Unsinn muss aufhören.

Erstens gehört zu einem fitten Immunsystem vor allem Schlaf, Bewegung, frische Luft, Sonnenlicht, gute Gene und allgemeine Gesundheit, das vorab. Vor allem aber lässt sich das Immunsystem nicht mal eben mit ein paar Tellern Salat oder ein paar Äpfeln auf Vordermann bringen.

Die Körperabwehr ist nämlich eine komplizierte Sache. Wer allgemein gesund ist und ein- oder zweimal im Jahr einen Schnupfen hat, muss sie jetzt jedenfalls nicht besonders stärken.

Er oder sie macht alles richtig und sollte lieber möglichst wenig an seinen Ernährungsgewohnheiten ändern, damit das so bleibt.

Nebenbei gesagt ist auch die allgemeine Vorstellung, das Immunsystem sei unbedingt „zu stärken“, durchaus fragwürdig, für erstaunlich viele Menschen: Mehr als ein Drittel aller Deutschen hat ein anderes Problem.

Das betrifft alle Allergiker, Asthmatiker, dazu Menschen, die an Neurodermitis, diversen Arten von Rheuma; Multipler Sklerose, Morbus Crohn und anderen Autoimmunkrankheiten leiden, außerdem Patienten, denen ein Organ eingepflanzt wurde: Sie sollen ihr Immunsystem gerade nicht extra aktivieren.

Die große Gruppe der Allergiker und Autoimmunkranken haben diese Krankheiten nämlich, weil ihr Immunsystem nicht zu schwach, sondern zu stark, weil überaktiv ist. Darüber hinaus ist es gestört und falsch programmiert.

Deshalb soll es nicht weiter angeregt, sondern lieber gedämpft und reguliert werden, damit die aggressiven Immunzellen das körpereigene Gewebe nicht angreifen, oder etwa eingepflanzte Spenderorgane.

 

Nicht stärken, sondern beruhigen

Hinter Niesanfällen kann eine Allergie stecken.

Daher greift der Schluss zu kurz, dass Leute, die oft Infekte oder eine laufende Nase haben, automatisch an einem schwachen Immunsystem leiden.

Ihre Nase kann auch laufen, weil ein überaktives Immunsystem auf jeden Reiz oder Eindringling zu scharf schießt.

Ärzte raten diesen Betroffenen also eher nicht, zum Beispiel die beliebten Immunmittel aus Sonnenhut (Echinacea) oder exotischen Pflanzen auf eigene Faust einzunehmen.

Das stereotyp empfohlene „frische Obst und Gemüse“ taugt zur Regulierung des Immunsystems auch nicht, jedenfalls nicht alleine.

Anderes muss mit ins Spiel kommen, und das gilt auch für alle Gesunden oder nur saisonal Geschwächten: Omega-3-Fette, die vor allem in tierischen Lebensmitteln stecken, bestimmte Bakterienkulturen, wie sie in Sauerkraut, Jogurt oder auch speziellen Jogurt-Drinks mit zugesetzten Bakterienkulturen vorkommen, überhaupt auch in Milch, Fisch, Butter und Eier, weil diese unter anderem gute Fette, Zink und gleich mehrere wichtige Vitamine, darunter Vitamin D, liefern.

Zink und Vitamin D zum Beispiel gelten als stabilisierend für das Immunsystem – und Überraschung! Frisches Obst und Gemüse sind dafür nicht die Hauptlieferanten.

 

Wo stecken die Vitamine drin?

Obst ist gut. Reicht aber nicht, um das Immunsystem fit zu halten.

Aber genau bei diesem Thema fliegen viele Ratgeber aus der Kurve: Sie reiten auf den Vitaminen herum, nennen dann aber genau die Lebensmittel nicht, in denen diese drinstecken.

So geschehen zum Beispiel bei Netdoktor.at:

„9 Tipps gegen ein schwaches Immunsystem“ kündigt das Portal an, und erwähnt ausdrücklich die Pandemie:

„Wir haben 9 Tipps, die Ihr schwaches Immunsystem stärken und sich vor Viren schützen. In Zeiten des grassierenden Coronavirus besonders wichtig.“

Die ersten Ratschläge lauten dann auch gleich:

„Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst
Sonnenlicht und Vitamin D“

Weiter heißt es:

Bakterien, Viren, Pilze und andere Parasiten: Um uns herum tummeln sich unzählige schädliche Mikroorganismen, manche sind vor allem für Ältere und Immungeschwächte bedrohlich, wie zum Beispiel das Coronavirus.

Ob Schnupfen oder andere Infektionen: Warum werden manche Menschen krank, und andere nicht? Viele sind deutlich anfälliger für Virusinfektionen. Schuld daran ist oft ein schwaches Immunsystem.

Wir haben für Sie einige Tipps gesammelt, wie man mit einfachen Maßnahmen ein schwaches Immunsystem stärken kann.

1. Richtige Ernährung für die Abwehrkräfte

Für ein gut funktionierendes Immunsystem braucht der Körper viele verschiedene Vitamine und Nährstoffe. Dazu zählen insbesondere:

• Vitamin A
• Vitamin B6
• Vitamin B12
• Vitamin C
• Vitamin D
• Vitamin E
• sekundäre Pflanzenstoffe
• Zink
• Selen
• Eisen
• Kupfer

Immer mehr Wissenschafter vermuten einen direkten Zusammenhang zwischen der Darmgesundheit und dem gesamten Immunsystem – daher ist auch ballaststoffreiche Kost bei einem schwachen Immunsystem ein guter Tipp. Bio-Lebensmitteln aus heimischem Anbau wird zusätzlich ein besonderer Gesundheitsnutzen zugesagt.

Die meisten dieser Inhaltsstoffe sind durch eine ausgewogene Ernährung ausreichend gedeckt. Als besonders gut für die Immunabwehr gelten jedoch beispielsweise:

• Brokkoli
• Kohl
• Karotten
• Tomaten
• Knoblauch
• Spinat
• Zitrusfrüchte
• Dunkle Beeren und Trauben
• Nüsse

Fleisch: wertvoll für das Immunsystem.

Doch der Blick in eine Vitamintabelle zeigt:

Für die Vitamine A, B6, B12 und D, dazu Zink, Selen und Eisen sind Fleisch, Fisch, Eier und Milch hervorragende, wenn nicht sogar die besten Quellen.

B-Vitamine kommen in pflanzlichen Lebensmitteln so gut wie gar nicht vor, weshalb strenge Vegetarier dafür Pillen schlucken müssen.

Auch Eisen wird aus Pflanzen vom Köper nicht so gut aufgenommen, und für Zink ist Fleisch die beste Ressource.

Dazu verliert der Netdoktor aber kein Wort, auch nicht, dass Immunzellen, Achtung, aus Protein bestehen. Und um diese zwecks Abwehr in Massen herzustellen, damit sie Krankheitserreger attackieren können, braucht der Körper, nun ja, wiederum Protein.

Wie aus einem hartnäckigen Reflex wiederholen selbst Fachleute diese Leier mit Obst und Gemüse für das Immunsystem, als ob verschaltete Synapsen mit „Vitaminen“ automatisch „Obst und Gemüse“ verbinden – wider besseres Wissen.

Sollte das Verschweigen des richtigen Zusammenhanges aber bewusst sein, ist die Ideologie klar: Fleisch, Fisch, Eier und Milch mögen zwar voller Vitamine, Mineralstoffe und wertvoller Proteine stecken. Aber man will die tierischen Produkte nicht empfehlen.

Erstens, weil sie aus unbestimmten Gründen als „ungesund“ gelten, was von interessierten Kreisen, darunter Fastenkliniken, Naturheiler, Homöopathen, Veganern und Vegetariern, befeuert wird.

Zweitens, weil man wegen Klima und Tierschutz jetzt in Bezug auf Essen nicht gerne die Wahrheit sagt, sondern lieber umlenkt auf „pflanzliche Kost für das Klima“.

Dabei könnte und sollte man gerade den Corona-Infizierten und den Risikogruppen reinen Wein einschenken – den Abwehrkräften zuliebe: „Ab und an sollte es ein Stück Fleisch sein, oder Fisch, oder ein Ei. Brate Dir doch mal eine Leber für das Vitamin A. Und wenn Du Dir ab und an noch ein schönes Bio-Frühstücksei machst und ein Glas Weidemilch trinkst oder einen Jogurt isst, dann freut sich Dein Immunsystem!“.

„Ab und an“ heißt übrigens: ein- oder zweimal in der Woche, zum Beispiel. Ein Glas ist ein kleines Glas von 250 Milliliter, Jogurt, Butter und Käse gehen täglich. Und das ist alles im Rahmen sämtlicher Klimadiäten, keine Sorge.

 

Unbemerkt angesteckt: die Superverbreiter

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Das Geraune um die Vitamine in Gemüse und Obst „für das Immunsystem“ ist zurzeit jedenfalls irreführend, ebenso wie das Bewerben von angeblich immunstärkenden Vitamingaben.

Scharlatane versuchen, damit ein Geschäft machen, davor haben gerade die Verbraucherzentralen gewarnt, am 17.3.2020.

Es ging, siehe Link unten, um fragwürdige Hersteller und vorgebliche Heiler, die auf der Vitamin- und Mineralstoffwelle reiten und versuchen, die Angst der Menschen vor Corona-Infektionen auszunutzen.

In Zeiten der allgemeinen Verunsicherung ist dieser Betrug doppelt schamlos und schädlich, weil diese Schwindler nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Aufklärung und der Bildung von Wissen schaden.

Wie es aber wirklich mit dem neuen Corona-Virus und dem Immunsystem steht, sollte sich jeder klarmachen, der sich um seine eigene Gesundheit und die seiner Lieben sorgt: Das Virus kann alle Menschen befallen – auch die mit starken Abwehrkräften.

Das ist ein böser Trick, denn die Widerstandsfähigen merken davon nichts.

Sie haben einen symptomfreien oder unauffälligen Verlauf, und stecken Schwächere, Ältere und Risikopersonen an – sie werden sogenannte Superverbreiter.

Das ist aus der Perspektive des Bevölkerungsschutzes ein Teil des Problems, deshalb hat die Regierung dieser Tage Notfallmaßnahmen erlassen, Geschäfte und Grenzen geschlossen, Versammlungen verboten und Heimarbeit empfohlen.

Eine wirklich spannende Geschichte zur Erforschung des Phänomens der Superverbreiter hat 2015 die WELT aufgeschrieben, steht gleich unten in den Links, bitte lesen, wird nächstes Mal abgefragt.

(UPDATE: Auch der SPIEGEL hat jetzt das Thema aufgegriffen: Vorsicht, junge Leute können Superverbreiter werden, wichtig, bitte lesen, Link steht unten)

 

Männer und Raucher gefährdet

Grafik mit runden Virenkörpern, die viele stachelige Fortsätze haben

Viren mutieren und wandeln sich ständig.

Noch ein Wort zu den Risikogruppen:

Bekanntlich sind das Alte, Schwache und Menschen mit Vorerkrankungen, darunter Asthmatiker und Diabetiker.

Doch es gibt mehr: Raucher sind stärker gefährdet, was kein Wunder ist, denn ihre Lunge ist vorgeschädigt, die Atemwege gereizt.

So kann sich das Corona-Virus leichter einnisten. Eine eiserne Regel lautet daher: Nicht rauchen.

Auch zeigen die Daten aus China und Korea, dass in allen Alters- und Betroffenengruppen Männer häufiger an dem Corona-Virus sterben. Der Grund steht noch nicht fest, einer kann aber wieder das Rauchen sein, denn weltweit rauchen mehr Männer als Frauen.

Dahinter könnte aber auch Achtung, ein unbekannter Faktor aus dem Immunsystem stecken.

Das Immunsystem von Männern reagiert etwas anders als das von Frauen, viel Testosteron unterdrückt zum Beispiel eine Immunantwort, das ist schon lange bekannt.

Die körpereigene Abwehr gibt weitere Rätsel auf, wenn neue Viren irgendwo auf der Welt der tierisch-menschlichen Ursuppe entspringen. Darauf weist der Verlauf besonders schwerer Grippewellen hin, etwa in der Pandemie von 1918 mit der sogenannten Spanischen Grippe.

In allen Ländern fielen dieser Virenvariante auffallend viele Erwachsene aus der jüngeren Lebensphase zum Opfer, zwischen 20 und 40 Jahre. Das ist ein Alter, in dem die körpereigenen Abwehrkräfte voll auf der Höhe sind. Bei anderen Grippeepidemien starben dagegen mehr Kinder, Ältere und Vorerkrankte.

Bis heute rätseln Forscher, was der Grund dafür sein könnte, dass ein neuartiges Virus gerade robuste, gesunde Menschen dahinrafft. Eine Spur führt zum Immunsystem, denn hier liegt der Unterschied zu den anderen Gruppen. Doch die Frage ist bis heute offen.

 

Essen gegen die Pandemie – die ultimativen Tipps von Quarkundso.de

Hühnersuppe hilft traditionell gegen Erkältungen.

Aber Schluss mit Rätselraten, kommen wir zu Lösungen und zur Praxis: Wie soll man denn nun wirklich essen?

Wir legen uns fest: Wenn Sie gesund sind, essen Sie eine vielfältige Mischkost mit Gemüse, Fisch, Fleisch, Milch, Jogurt, Käse, Nudeln, Brot, ganz normalen Sachen, die Sie mögen.

Und essen Sie möglichst abwechslungsreich.

Wenn Sie gerade erkrankt sind, hoffentlich nicht an Corona, sondern nur an einem harmlosen Schnupfen oder einem grippalen Infekt: Essen Sie wie oben.

Nur weniger, vielleicht auch einfach nach Lust und Laune. Denn wer Fieber hat, hat weniger Hunger oder mag nur bestimmte Dinge. Das ist eine ganz normale Reaktion des Körpers, der man nachgeben sollte.

Erwiesenermaßen hilft hier übrigens ein ganz altes Hausrezept, das weder frisches Obst noch frisches Gemüse enthält: Omas Hühnersuppe.

Die Brühe aus einem lange ausgekochten Huhn – bis drei Stunden und mehr – hilft bei Erkältungen und grippalen Infekten wirklich, wie Forscher zeigen konnten. Der Hintergrund ist die entzündungshemmende Wirkung des lange ausgekochten Kollagens aus Knochen und Haut des Suppenhuhns, eine Rolle könnten auch die günstigen tierischen Fettsäuren aus dem Geflügelfett spielen.

Wie auch immer: Vielfalt und Abwechslung sind wichtig für das Immunsystem, vor allem aber das allgemeine Wohlbefinden, damit der Körper nicht aus dem Gleis gerät. Das würde Stress bedeuten, und der wiederum schädigt nachweislich das Immunsystem.

©Johanna Bayer

Leider irreführend: Netdoktor.at zu Ernährung bei Corona

Die Verbraucherzentralen warnen vor unseriösen Heilsversprechen rund um Vitamine

Geniale Geschichte: DIE WELT von 2015 über Superverbreiter

UPDATE: Nachdem dieser Beitrag auf Quarkundso.de am 18.3.2020 um 0.15 erschienen ist, berichtet auch der SPIEGEL am Nachmittag des Tages über Superverbreiter: Junge Menschen unter 30 könnten zu Virenschleudern werden. Das sind die mit dem „starken Immunsystem“ – lesen! Wir bleiben dran!

 

Geld und so in Zeiten von Corona: Spenden Sie jetzt! Das bleibt natürlich völlig freiwillig. Einfach ins Sparschwein stecken, es steht mit diesem Bild oben rechts im Menü.

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Die Tagesschau: Fleischessen und das Klima – eine Abrechnung

Der Weltklimabericht ist erschienen. Doch anstatt ihn gründlich zu lesen, schreien alle nach einer einzigen Lösung: Weg mit dem Fleisch! Vor allem das Steak muss dran glauben, weshalb Rindfleisch plakativ mit dem klimatechnisch harmlosen Gemüse verglichen wird. Aber der Vergleich stimmt hinten und vorne nicht – Quarkundso.de rechnet ab. (Beitrag vom 9. August 2019)

Rindfleisch in Metzgertheke: Entrecote, Rumpsteak, verschiedene Stücke

Bei Steaks soll jetzt Schluss mit lustig sein. Aber für wen?

 

Jetzt hat es so richtig geknallt, mit dem Fleisch und dem Klima.

Tagelang diskutierte Deutschland schon die Fleischsteuer, dann kam am 8. August der Bericht des Weltklimarates und jetzt ist es raus: Wir müssen dramatisch weniger Fleisch essen, vor allem Rindfleisch – das ist ja der Wahnsinn, dieser Sojaanbau, die Regenwälder in Brasilien, die ganzen furzenden Kühe!

So die Tagesschau am 8.8.2019 in gleich zwei Einspielern. Einer war speziell zum Fleischkonsum gemacht, und es wurde vorgerechnet, was die Produktion von einem Kilo Rindfleisch an klimaschädlichem CO2 ausstößt, und zwar im Vergleich mit Gemüse in Gestalt einer symbolischen Karotte.

Mal wieder. Wir können ihn nicht mehr sehen, diesen Vergleich zwischen Gemüse und Rindfleisch, mit den vielen Tausend Gramm CO2-Ausstoß, oder gerne auch den 15.000 verbrauchten Litern Wasser, die beim Fleisch vorgeblich anfallen.

Die CO2-Variante sieht dabei so aus wie in dieser Grafik, die die Tagesschau am 8.8.2019 einspielte und die hundertfach seit Jahren kursiert – Karotte gegen Steak:

 

Screenshot der Tagesschau-Grafik vom 8.8.2019: Karotte gegen Steak.

 

Fleisch, Klima und CO2: Natürlich müssen wir reduzieren – aber rational

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Vorab: Ja, es geht nicht mehr so weiter wie bisher mit dem Raubbau an der Erde. Industrie, Verkehr, industrielle Landwirtschaft und viel zu viele Menschen ruinieren den Planeten, Tiere werden qualvoll gehalten und getötet. Das muss sich massiv ändern.

Und wir, vor allem die Bewohner der reichen Industriestaaten, müssen unseren Konsum eindämmen. Daran geht kein Weg vorbei.

Doch diese billigen Plattitüden mit dem Rindfleisch und überhaupt dem Fleisch gegen Karotten, Gurken oder Salat, die müssen auch aufhören. Sie stehen so auch gar nicht im Bericht des Weltklimarates.

Die ganze Debatte rund um die Klimawirkung von Ernährung muss endlich korrekt, sinnvoll und rational geführt werden. Dafür – und für das Klima, die Nachhaltigkeit und gutes Essen für alle! – zieht Quarkundso heute ins Feld.

Es muss schnell gehen, schließlich müssen wir die Welt retten.

Daher werfen wir jetzt einen schmutzigen und bösen kleinen Beitrag zum Konsum von Fleisch und speziell Rindfleisch in das ganze deutsche Verzichtsgeschwurbel für das Klima – los geht’s:

 

1. Die Deutschen liegen beim Fleischessen nur im Mittelfeld. Unter den Industriestatten isst eine ganze Reihe von Nationen mehr Fleisch aus die Deutschen, insbesondere mehr Rind. Vom weltweiten Durchschnitt – 44 Kilo – sind wir gar nicht so weit weg. Denn wir essen nur, ja, nur rund 60 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr. Das ist nicht besonders viel – und es wird seit über 10 Jahren nicht mehr, der Verzehr stagniert. Das Gerede von „unserem exzessiven Fleischkonsum“ und der „Gier nach Fleisch“ ist für Deutschland also Unsinn.

2. Die ganz großen Player beim Rindfleisch sind die USA. Amerikaner, aber auch Australier und überhaupt die Länder des angelsächsischen Kulturkreises, dazu Brasilien und Argentinien sind die Fleischfresser. Diese Länder sind alle mit mehr als 90 Kilo pro Kopf und Jahr dabei, die USA mit über 100 Kilo. In Europa essen unter anderen Spanier, Österreicher, Italiener, Franzosen sowie Briten erheblich mehr Fleisch als die Deutschen, nämlich um die 80 Kilo pro Kopf und Jahr. Aufsteiger sind in Europa die Russen, dort nimmt der Konsum massiv zu, weltweit steigt er am meisten in China.

3. Rind ist die Fleischsorte, die in Deutschland am wenigsten verzehrt wird. Rindfleisch ist teuer und der Deutsche ist geizig. Außerdem lieben die Deutschen von jeher das Schwein, deshalb essen sie davon 35,7 Kilo pro Kopf und Jahr, zwei Drittel vom Gesamtfleischverzehr. Es folgen Huhn und Pute mit 13,2 Kilo pro Kopf und Jahr, und dann erst das Rind mit weniger als 10 Kilo. Mit Schweinefleisch wäre die Grafik aber nicht ganz so plakativ gewesen, denn ein Schwein verbraucht vier- bis fünfmal weniger Futter als ein Mastbulle. Die CO2-Bilanz des Schweineschnitzels liegt auch nicht, wie die des Steaks, 90 Mal höher als das sinnbildliche Gemüse, sondern nur etwa 20 Mal: Die Produktion von einem Kilo Schweinefleisch erzeugt rund 3250 Gramm CO2 im Vergleich zu den 13.300 pro Kilo beim Rind. Noch weniger fällt bei der Aufzucht von Hühnern und Hühnerfleisch an.

Der echte Massenkonsum in Deutschland vollzieht sich also am Schwein, nicht am Rind. Jeder Deutsche isst statistisch gesehen am Tag nur 27 Gramm Rindfleisch – aber jeder Amerikaner 70 Gramm, bei seinen 25 Kilo Rindfleisch pro Kopf und Jahr. Im Wochenvergleich ist das beeindruckend: Deutsche essen ein Steak in der Woche, ein kleines von 180 Gramm. Amerikaner futtern dagegen praktisch ein ganzes Pfund, 480 Gramm Rindfleisch. Und die anderen Massenkonsumenten wie Australien auch.

4. „Wir“, die Deutschen, müssen nicht viel weniger Fleisch essen. Nur ein bisschen weniger – dafür müssen die anderen ran, die Fleischfresser-Nationen: Konsum auf die Hälfte, zack, Ende. Der Raubbau am Regenwald geschieht nicht wegen Deutschland. Natürlich müssen die Deutschen auch verzichten. Aber auf was anderes, dazu kommen wir gleich noch.

 

Gemüse macht nicht satt

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5. Die Karotte in der Grafik ist falsch – als Symbolbild, und überhaupt. Es ist irreführend, von „Gemüse“ im Vergleich zu Fleisch oder Steak zu sprechen und die Zahlen zu vergleilchen. Denn was da steht, ist weder der CO2-Wert von Gemüse noch der einer Karotte, diese 153 Gramm CO2. Es sollte laut Tagesschau ein Durchschnittswert von „pflanzlicher Nahrung“ sein, so der Text im Beitrag. Genau genommen also: von Gemüse, Obst und Getreide zusammen. Gemüse hat aber einen CO2-Fußabdruck von 100 bis 300 Gramm CO2 pro Kilo, Getreide wie Weizen liegt in der Nähe, um die von der Tagesschau genannten 153 Gramm pro Kilo. Nur essen wir den Weizen nicht einfach so, sondern als Brot oder Nudeln – das sind verarbeitete Produkte, deren CO2-Werte wieder wesentlich höher liegen.

Von Karotten und Salat aber, die unter 153 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilo liegen, kann niemand leben: Man wird davon nicht satt, nicht einmal als Vegetarier. Menschen werden satt von Fleisch, und wenn sie das nicht kriegen können, von Getreide – also von Brot, Reis und Nudeln. Allenfalls kommen noch Kartoffeln und Hülsenfrüchte dazu. Letztere und der Weizen enthalten außerdem relevante Mengen von Eiweiß und Kalorien, im Gegensatz zu Gemüse. Deshalb sind Getreide, Knollen und Hülsenfrüchte die pflanzlichen Hauptlebensmittel. Nicht Karotten.

Das ewige Gerede von Gemüse gegen Fleisch zeichnet also ein sehr falsches Bild von der menschlichen Ernährung, auch für die Zukunft. Die symbolische Karotte und der symbolische Salatkopf, die da immer stehen, müssen aus den Grafiken weg. Die sind nur Beilage, Essen ist was anderes.

6. Noch CO2-intensiver als Fleisch sind Butter, Käse und Milch. Nur setzt die niemand gerne in die Grafiken. Das passt einfach nicht in die Sündensymbolik der ungebremsten Fleischeslust. Auch würde es Vegetarier, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und ganz viele andere verunsichern, von den Bauern und Molkereien mal ganz abgesehen. Butter, Käse und Milch sind mit bestimmten Werten aufgeladene Lebensmittel, Milch einzuschränken ist fast sakrosankt. Lieber geht man ans Fleisch. Seltsam, eigentlich. Gleichzeitig gilt: Wer sich vegetarisch ernährt, braucht auch Butter, Käse und Milch, schon aus ernährungsphysiologischen Gründen. Das gilt weltweit und selbst für die Vorzeigevegetarier, die Inder. Da können wir in Deutschland noch so auf Rindfleisch verzichten, aus der Nummer mit Milch, Fleisch und Käse kommt die Welt ziemlich schlecht raus – weniger Fleisch an sich ist gar nicht die Lösung. Nachhaltige Tierprodukte und nachhaltige Tierhaltung, das wär`s.

7. Nicht das Essen an sich ruiniert das Klima. Es ist eine fehlgesteuerte Landwirtschaft, die ganze Ökoregionen und Landstriche verwüstet, namentlich der Exportwahn in Südamerika, weil man dort das billig produzierte Fleisch an die reichen Ländern verkaufen will und dafür den Regenwald rodet. Derselbe Wahn grassiert in Deutschland, wo die Schweinemäster Fleisch, das sie in Deutschland nicht loswerden, nach Russland und China verkaufen, und zwar möglichst teuer. Das hat nichts mit „unserer Gier nach Fleisch“ oder „unserem exzessiven Fleischhunger“ zu tun. Sondern mit einer Landwirtschaftspolitik, die Land und Tiere als ihre Produktionsmasse betrachtet und der es nicht ums Essen geht. Sondern um Wachstum und Profit. Dafür nimmt die Branche auch eine ungesunde Konzentration in Kauf: Tausende von kleinen Betrieben müssen jedes Jahr aufgeben, dafür pferchen die größeren immer mehr Tiere auf engem Raum zusammen und brüsten sich mit „Effizienz“. Genau die aber schindet die Tiere und ruiniert Land und Grundwasser. Hier muss man ansetzen. Es ist nicht die Landwirtschaft an sich, die der Umwelt schadet. Denn die brauchen wir auch in Zukunft – aber eine nachhaltige. Denn Alternativen gibt es nicht: Menschen müssen immer essen. Die Welt braucht also Bauern, die mit der Umwelt gut umgehen und gute Nahrungsmittel liefern. Was die Welt nicht braucht, dazu mehr weiter unten.

8. Bei Obst und Gemüse treten wir gerne noch nach. Obst und Gemüse kommen von überall her auf die deutschen Märkte, aus Spanien, Holland, Chile, China, Nordafrika, der ganzen Welt. Besonders Obst reist um den Globus. Der exzessive Anbau von wasserreichen Sorten wie Gurken, Tomaten, Erdbeeren und Salat ist aber in vielen Regionen dramatisch umweltschädlich, in Südspanien vertrocknen ganze Landstriche wegen der Frischware für gesundheitsbewusste Deutsche. Das Hipster-Gemüse Avocado ist auch schon als Wasserfresser und Landschaftsschädling entlarvt, ebenso die trendigen, sündteuren Mandeln. Das für die Ernährung unerhebliche Frischobst ist wiederum ein Luxusprodukt, das man gut und gerne zugunsten von ein paar Konserven streichen kann – Obst wird überschätzt. Tut mir Leid, wir müssen es sagen: Frischer Salat und frisches Obst im Winter sind unnötig. Darauf können wir in Deutschland gut und gerne verzichten. Wir haben ja Kohl und heimische Wintergemüse, damit haben unsere Urgroßeltern und alle Generationen vor uns die langen harten Winter überlebt. Oder etwa nicht? Und warum wir nicht? Also bitte. Weg mit dem überflüssigen Zeug. Spart auch sehr viel CO2, dafür darf es dann ab und an ein Steak, Schnitzel oder Braten sein.

9. Jetzt aber: Wie klimaschädlich sind unser Leben und unser Essen denn eigentlich? Wo müssen wir sparen, in Deutschland?

Dazu veröffentlichte die Tagesschau, ebenfalls anlässlich der Klimadebatte, schon im Juli diese Grafik:

 

Tortengrafik

Screenshot aus der Tagesschau vom 11.7.2019: CO2-Emissionen aus privaten Haushalten.

Die Botschaft der Torte

Die sinnigerweise als Torte darstellten Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt, sind also über Zweifel einigermaßen erhaben.

Und sie zeigen, dass Essen und Ernährung nur einen kleinen Teil der CO2-Belastung durch private Haushalte ausmachen: Heizen, Wohnen und Autofahren sind fünfmal schlimmer. Fünfmal!

Die Botschaft der Torte ist tatsächlich, dass Ernährung mit dem kleinen Anteil von 12,3 Prozent auf der vorletzten Stelle des klimaschädlichen Privatverbrauchs steht – fast das kleinste Stück vom Kuchen. Wohnen und Verkehr sind mit über 62,6 Prozent hauptsächlich verantwortlich für die CO2-Emissionen der Deutschen.

Im Klartext: Autofahren, Heizen, Strom, Kamin, Ausflüge, Swimming-Pool, Sauna im Haus, Urlaubsreisen, Kurzstreckenflüge, Motorrad, Rasenmäher, Shoppingtrips, Kaffeeautomaten, Thermomix, Repräsentationsküchen, Monsterglotze, Internet im Dauerbetrieb – das sind die Klimakiller in Deutschland. Und nicht nur hier.

 

Verzichten: Jeder, wo er kann – der Klimakatalog von Quarkundso.de

10. Und jetzt kommen wir richtig zur Sache: Verzichte, wer verzichten muss. Und zwar jeder auf seinen Fetisch. Das ist die pragmatische Sanktion von Quarkundso.de. Wir haben dafür schon einen visionären Maßnahmenkatalog, den wir der Menschheit zur Verfügung stellen, samt Sündenböcken und Problemkindern bei Umwelt und Klima – bitte lesen, wird demnächst abgefragt.

    • Der Fetisch der USA, Australiens und einiger anderer – nicht der Deutschen – ist das Fleisch. Halb so viel Fleisch in den USA und den einschlägigen Fleischfresserländern, vor allem Rindfleisch, Ende der Diskussion.
    • Die Deutschen kommen anderswo dran: Ihr größter Fetisch ist das Auto. Da müssen sie sich eindeutig einschränken und wir scheuen nicht vor radikalen Vorschlägen zurück: Pro Familie nur ein Auto. Allein lebende und kinderlose Großstädter dürfen kein Auto besitzen, Rentner müssen rechtzeitig den Führerschein abgeben, Bau von großmotorigen SUV-Panzern mit Monster-Spritverbrauch wird beendet, außer es sind Nutzfahrzeuge auf dem Land und dienen dem Transport. Sonst reichen E-Autos und Kleinwagen, die Bahn wird gefördert, der öffentliche Nahverkehr wird kostenlos – geht alles ganz schnell per Dekret, ebenfalls Ende der Diskussion.
    • Wichtig auch: Ende mit der unsäglichen Formel 1 und mit allen Autorennen als Sport, Ende mit Motorrädern als Zweit- oder Drittfahrzeig, Ende auch mit allen stinkenden, lärmenden Spaßgefährten wie Karts. Diesen Wert muss die Gesellschaft eindeutig setzen, denn Verbrennungsmotoren sind nicht zum Spaß da. Wenn, dann dienen sie in Nutz- und Lastenfahrzeugen vernünftigen Zwecken. Wer Spaß will, soll auf den Rummelplatz gehen oder Räuber und Gendarm spielen. Gar keine Diskussion.
    • Der zweite Fetisch der Deutschen ist eindeutig das Reisen: Die Deutschen sind nämlich Urlaubsweltmeister. Sie reisen am meisten, Flüge in den Urlaub sind zum Statussymbol geworden. Die Zahlen der Flüge und Fluggäste steigen dabei ungebrochen an, weil Fliegen viel zu billig ist und immer mehr Leute sich längere Flugreisen leisten können. Geschäftsmänner wiederum fliegen lieber von München nach Köln, als vier Stunden mit dem Zug zu fahren, auch aus Statusgründen. Und weil sie schnell wieder nach Hause wollen, um in ihren fetten SUV zu steigen und in ihr Wochenendhaus zu fahren. Das wahnwitzige Urlaubsfliegen muss aufhören, da neigen wir durchaus zur Strenge: jeder nur noch halb so viel, ehrlicherweise reicht sowieso ein Flug pro Jahr. Wer drei- oder viermal im Jahr wegfliegt, zum Tauchen, zum Relaxen oder Detoxen, der muss sich einschränken, Ende. Was die Inlandsflüge der statusbewussten Geschäftsleute angeht, ist das Verbot zum Glück schon greifbar.
    • Wohnen und Heizen sind in Deutschland natürlich ein Riesenthema, sagt die Torte. Da müssen wirklich alle sparen. Besonders Gutverdiener, Reiche und Villenbesitzer sind am Zug, da kann es wirkungsvolle Einschnitte geben: Heizöl und Strom nach Einkommen besteuern, oder per CO2-Abgabe, wäre eine Idee. Und natürlich mehr Anreize zum Sparen für alle, denn wie sagte Thilo Sarrazin noch zu den Heizkosten bei Hartz-IV- Empfängern: „Ziehen Sie einen dicken Pulli an“. Für Gutverdiener und Reiche gilt daher: „Hüllen Sie sich in Ihr Kaschmir und sparen Sie bitte wirkungsvoll CO2. Ja, gerade Sie.“
    • Das alles würde dafür sorgen, dass wir erheblich näher ans Klimaziel kommen könnten. Dabei muss der Fleischkonsum in Deutschland gar nicht drastisch, sondern nur moderat gesenkt werden, auf den jetzt weltweiten Durchschnitt von 44 Kilo pro Kopf und Jahr. Das ist schnell machbar, sogar leicht. In Deutschland bleibt, wenn man das durchrechnet, ein Pfund Fleisch pro Woche für jeden übrig. Ein ganzes Pfund! Das ist ein Fest.
    • Ganz wichtig: Nachhaltige Tieraufzucht – Schweine zum Beispiel müssen wieder Essenreste bekommen. Die EU hat das Füttern damit verboten, weil es mal einen Skandal um Maul- und Klauenseuche gab. Das Verbot muss aufgehoben werden, inzwischen gibt es gute Erhitzungsmethoden, mit denen man Essensreste aus Gastronomie, Großküchen und Industrie sterilisieren kann – zack, wird die Schweinemast umweltschonender, Sojaimporte für Schweinefutter gehen dann massiv zurück und den Schweinen geht es auch viel besser. Das Thema „Teller statt Tonne“, die Lebensmittelverschwendung, wäre damit auch abgefrühstückt: Essensreste und abgelaufene oder nicht verkäufliche Lebensmittel gehen wieder in die Nahrungskette.
    • Deutschland kann seinen Inlandsbedarf an Fleisch, Milch, Butter und Käse komplett selbst decken. Und das sollte es auch tun, nicht mehr. Schluss mit dem Export für ausländische „Märkte“. In der bedrohlichen, klimagestörten Zukunft gibt es nämlich keine „Märkte“ mehr. Es gibt nur noch klimatisch begünstigte Regionen und die Klimaverlierer in den heißen Ländern. Der Weg zu einer global nachhaltigen Landwirtschaft sind regionale Versorgungsstrukturen und Fairness in Erzeugung und Verteilung.

Das wäre er fürs Erste, der Klimakatalog von Quarkundso.de. Mehr gerne auf Anfrage, verbunden mit der Übernahme des Klima- und Ernährungsministeriums. Und natürlich der Fütterung des Sparschweins oben rechts im Menü.

©Johanna Bayer

 

Wir weisen nochmals auf unsere Kommentarregeln hin: Beleidigende und anonyme Kommentare werden nicht veröffentlicht oder beantwortet. Für Kevin und seine Freunde: Spammen und Haten sinnlos. Justiziables geht direkt an den Anwalt, Rest siehe Kommentare zu diesem Beitrag.

 

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Wer draufklickt, landet bei PayPal, braucht zum Spenden aber kein eigenes PayPal-Konto. Vielen Dank!

Die SZ kritisiert eine Studie zur Ernährung methodisch – aber was soll das Ganze eigentlich?

Der Chef des Wissenschaftsressorts bei der SZ, Werner Bartens, zerreißt eine Ernährungsstudie wegen ihrer Methodik. Richtig so – doch der wahre Sinn oder Unsinn dieser Forschung bleibt verborgen. Quarkundso.de enthüllt, worum es wirklich geht und wer aus welcher Ecke schießt.

Spaghetti mit Hackfleischsoße

Spaghetti Bolognese schmecken einfach zu gut – lieber nicht essen?

Werner Bartens von der SZ ist einer der großen alten Männer der Ernährungskritik, genauer: der Kritik an den Ernährungswissenschaften überhaupt.

Deren Arbeit hält er für nicht aussagekräftig bis irreführend, ihre großen Beobachtungsstudien für sinnlos, allgemeine Ernährungsratschläge für Humbug.

Er ist nicht der Einzige, der so denkt, die Position teilt er sich mit Udo Pollmer und noch ein paar notorischen Nörglern. Auch Quarkundso.de gehört im weitesten Sinn zur Nörgel-Fraktion, daher sind wir meistens auf der Seite von Werner Bartens.

Da unsere Kernkompetenz aber das Nörgeln in alle Richtungen ist, hatten wir auch Herrn Bartens schon vor der Flinte. Der Artikel „Stuss mit Nuss“ etwa, in dem er die Ernährungsforschung generell abwatscht, ist zu pauschal und trifft die Falschen – denn die emsigsten Experimentierer sind Ärzte, nicht Ernährungswissenschaftler (hier bitte nachlesen, wird abgefragt).

 

Der wahre Unsinn bleibt versteckt

Aber immer nur Mosern bringt nichts, man muss auch mal konstruktiv sein und assistieren.

Denn Bartens hat in der SZ gerade eine Ernährungsstudie aus den USA zu Recht kritisiert. Nur wollte er es nicht zu kompliziert machen und ist weder ins Detail gegangen noch hat er den wahren Sinn und Unsinn der Studie enthüllt. Er begnügt sich mit dem üblichen Zerreißen von Zahlen und Versuchsdesign.

Das erfüllt zwar seinen Zweck: beim SZ-Leser Zweifel an dieser Art von Studien zu säen. Aber es fehlt die Erklärung, warum in solche Forschung Millionen gesteckt werden.

Das fragen sich die Leser sicher, wie jeder vernünftige Mensch, der wissen will, warum abstrus wirkende Versuche finanziert werden, nicht aber Kindergartenplätze, Lesebrillen oder Radwege.

Diese Kärrnerarbeit muss mal wieder Quarkundso.de übernehmen, wie so oft, wenn die anderen sich die Arbeit nicht machen wollen.

Allerdings lohnt sich es sich diesmal. Denn in Rede stehen Annahmen, die nicht nur ein paar Studiendesigns, sondern ganze Debatten über Ernährung bestimmen. Sie wuchern im Internet und haben sich in den Köpfen dauerhaft eingenistet, als wirkmächtiges Denkschema.

Daher springen wir Herrn Bartens mit ein paar zusätzlichen Infos zur Seite – schließlich zieht die Nörgelfraktion an einem Strang.

 

Western Diet: viel Fett, Zucker und Fleisch

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Hier erstmal die dürren Fakten: Eine Wissenschaftlerin hat an der Wake Forest University im Süden der USA mit knapp 40 Affenweibchen einen Nahrungstest gemacht. Die Hälfte der Gruppe bekam Futter, das wie die typisch amerikanisch-urbane Ernährung zusammengestellt war, mit viel tierischem Fett, tierischem Eiweiß, Zucker, Salz, Maissirup, Maisöl, Milch, Schmalz und Butter.

Unter Forschern heißt das auch „Western“ oder „Cafeteria Diet“ und beschreibt laut Shively das, was Amerikanerinnen im Allgemeinen so zu sich nehmen (WEST-Futter).

Wohlgemerkt: Amerikanerinnen.

Die andere Gruppe bekam Nahrung, die eine „mediterrane Ernährung“ simulieren sollte (MED-Futter). Also irgendwas vom Mittelmeer – wie man es sich in den USA vorstellt: hauptsächlich Pflanzliches; darunter viel Obst, Nüsse, Gemüse, etwas Fisch, wenig Fleisch und sehr viel Olivenöl.

Wohlgemerkt: Wie man es sich in den USA vorstellt. Nicht, wie man in Italien, Südfrankreich oder Spanien wirklich isst. Bekanntlich sieht das sehr anders aus.

Ergebnis: Diejenigen Äffinnen, die die „Western Diet“ bekamen, fraßen mehr, wurden dicker und entwickelten öfter Fettlebern und Diabetes Typ 2. Die Tiere, die das angebliche Mittelmeerfutter bekamen, fraßen nicht ganz so viel, nahmen nicht ganz so arg zu und bekamen nicht so oft eine Fettleber.

 

Fragen an die Forschung: Was soll das?

Werner Bartens dekliniert dazu nun die bekannte Mängelliste herunter:

Von Tieren kann man nicht auf Menschen schließen.

Es waren viel zu wenige Affen, 38 insgesamt. Das sind nur wenige Tiere oder Probanden pro Gruppe, daher nicht aussagekräftig.

Die Versuchszeit war zu kurz.

Die Lebenszeit von Affen entspricht nicht der von Menschen.

Es sei nur ein Aufblasen der Statistik, wenn die Forscher etwa die Lebenszeit der Affen in die von Menschen umrechnen. Und eine so kleine Probandenzahl reiche heute nicht einmal für eine normale medizinische Doktorarbeit, höhnt Bartens.

Tja. Speziell Letzteres stimmt nicht. Studien mit kleinen Probandenzahlen können sehr wohl solide gemacht sein und sind gerade bei biologischen und physiologischen Effekten sogar üblich.

Aber es drängt sich auch die Frage auf, ob die Forscherin, die das Experiment geleitet hat, die Kritikpunkte nicht selbst hätte bedenken können. Treibt man jahrelang Studien und bringt unschuldige Tiere um, weil man nicht kapiert hat, dass Affen keine Menschen sind?

Noch dazu ist die Arbeit in einem renommierten wissenschaftlichen Journal erschienen, in „Obesity“, und von der obersten nationalen Gesundheitsbehörde der USA, dem NIH, finanziert worden. Erste Adresse, landesweite Bedeutung.

Warum also gibt es solche teuren Versuche? Ging es wirklich darum, die „Überlegenheit der mediterranen Ernährung“ zu beweisen, wie es im Teaser zum Artikel in der SZ heißt? Die ist doch längst bewiesen, oder nicht?

 

Tiermodell statt Menschenversuch

Das plumpe Bashing, mit dem sich Herr Bartens begnügt, erhellt die Lage nicht. Daher hat sich die Rechercheabteilung von Quarkundso.de dahinter geklemmt.

Folgendes kommt ans Licht: Carol A. Shively, Leiterin der Studie, ist keine Ernährungswissenschaftlerin. Sie ist Ärztin und spezialisiert auf Neurowissenschaften. In erster Linie beschäftigt sie sich mit dem Gehirn, dem Belohnungssystem und dazugehörigen Botenstoffen.

Auf diesem Feld ist sie auch Expertin für „Tiermodelle“, wie es im Jargon so schön heißt. Das sind Versuchstiere, die auf bestimmte Eigenschaften gezüchtet werden, die auch Menschen haben und an denen man Medikamente, Ernährungsweisen, Therapien oder Haltungsbedingungen testen kann, als Modell eben.

Für allerlei Forschungsvorhaben, gerne auch zur Gesundheit von Frauen, verwendet Shively Makaken, meerkatzenartige Primaten. Deren Gehirne, Verhalten und Stoffwechsel ähneln viel mehr dem Menschen als bei Mäusen und Ratten, die sonst für Versuche herhalten müssen.

Und Shively hat schon eine ganze Reihe von Versuchen an diesen Primaten gemacht, sogar in Nature publiziert, dem wichtigsten Forschungsmagazin der Welt. Dumm ist sie also nicht, methodisch kann sie was, ihre Affenmodelle sind etabliert. Grobe Fehler kann man ihr kaum vorwerfen.

 

Um Essen wie am Mittelmeer geht es nicht

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Wenn man sich also anschaut, was die Wissenschaftlerin sonst so treibt, ahnt man, welche Stoßrichtung die Studie hat: Es geht nicht wirklich um Essen wie am Mittelmeer.

Stattdessen geht es um Überfressen in den USA. Und um Auslöser, die dazu verführen, mehr zu essen als gut ist, und zwar speziell bei Frauen im mittleren Lebensalter.

Im Klartext: Im Hintergrund geht es um Sucht.

Das ist ein Spezialgebiet von Shively, sie beschäftigt sich besonders mit dem Belohnungssystem im Gehirn und seiner Rolle bei Depression; Stress und Sucht.

Und so hat sie auch die Studie angelegt: Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Überfressen („hyperphagia“) und übermäßige Kalorienaufnahme („increased caloric intake“) zu beleuchten und zu erklären, so steht es auch im Studienpapier.

Was nun die amerikanischen Frauen im mittleren Lebensalter angeht, die als Folie für das Versuchsdesign herhalten mussten: In dieser Gruppe sind Übergewicht ebenso wie Depressionen häufig, Stress spielt eine Rolle und sowohl Ärzte als auch Sozialarbeiter versuchen verzweifelt, der Gesundheit zuliebe wenigstens am Essverhalten der Betroffenen zu schrauben.

Aber alle scheitern seit Jahrzehnten daran – und Carol A. Shively hat sich scheinbar in den Kopf gesetzt, den Grund im Essen zu finden. Genauer: an Stoffen im Essen, an seiner Zusammensetzung. Und am Geschmack: Wohlgeschmack triggert das Belohnungssystem. Unter Umständen kann das zu suchtartigem Verhalten – Überessen – beitragen.

 

Was nicht schmeckt, hält schlank – logisch

Diese Vorstellung Shivelys erwähnt Werner Bartens auch in seinem SZ-Artikel, dazu zitiert er am Ende ein Interview mit der Forscherin zu ihrem Fütterungsexperiment:

„Die westliche Diät wurde von der Industrie entwickelt, die ihre Erzeugnisse besonders schmackhaft macht, sodass wir zu viel davon essen“, lässt sich Carol Shively zitieren, die Hauptautorin der Studie. „Wir hoffen, dass unsere Ergebnisse die Menschen ermutigen, sich gesünder zu ernähren.“

Eine markante Position. Zu Ende gedacht würde sie bedeuten. dass man lieber Dinge essen sollte, die nicht so gut schmecken, damit man schlank bleibt – eine schier übermenschliche Forderung, die jeder biologischen und kulturellen Grundlage entbehrt.

Denn Geschmack in tote Dinge wie Gemüse, Körner oder rohes Fleisch zu bringen, war ein Motor der menschlichen Evolution. Es wird nie gelingen, Menschen dazu zu bewegen, von sich aus zu essen, was ihnen nicht schmeckt, weil das angeblich schlank macht – außer man zwingt sie dazu.

So ging es den Makaken im Labor: Sie hatten keine Alternative. Sie mussten das Zeug fressen.

 

Mütter, Omas, Köche, Konditoren: Sie bringen uns um!

Omas Himbeertorte: absichtlich besonders schmackhaft. Aus Liebe.

Der Vorwurf an die Industrie, sie würde Lebensmittel absichtlich besonders schmackhaft machen, damit Menschen zu viel davon essen, ist erst recht sinnlos.

Man müsste genau denselben Vorwurf in erster Linie an Mütter und Omas richten, die ihre Lieben verwöhnen, und natürlich an alle meisterhaften Köche, Bäcker und Konditoren auf der Welt.

Folgt man aber den Gedanken von Shively konsequent, bleibt der Schluss:

Essen wie am Mittelmeer, das in der Studie – angeblich – getestet wurde, schmeckt nicht so gut wie industriell gefertigtes Fastfood aus der amerikanischen Industrie.

Deshalb essen Affen – und Menschen – nicht so viel davon und bleiben schlank.

Der Gedanke ist natürlich komplett abstrus. Aber das ist die Logik.

Nur weiß jeder, dass das Essen am Mittelmeer ganz besonders köstlich ist und deshalb einen Siegeszug rund um den Globus angetreten hat.

 

Von wegen Mittelmeer-Diät

Liest man daraufhin das Papier der Forscherinnen noch einmal genau durch, dann zeigt sich: Das MED-Futter für die Affen entspricht gar nicht der echten Kost in Mittelmeerländern.

Es wurde für die Studie eigens entwickelt. Und enthielt konzentriertes Pulver aus Walnüssen, Extra-Portionen an Olivenöl, es war sehr speziell zusammengestellt – ein Kunstfraß, überwiegend vegetarisch, orientiert unter anderem an griechisch-orthodoxen Fastenspeisen, ohne Wein (!) und angereichert mit hohen Dosen von Superfoods, die so in der echten mediterranen Ernährung gar nicht vorkommen.

Diese Mischung wurde, berichten die Autoren, vor dem Versuch zwei Jahre lang darauf getestet, ob sie den Affen schmeckt. Das hat wohl nicht ganz geklappt: Nicht weniger als fünf Tiere im Versuch machten nicht mit, drei gingen sogar ein – alle scheinbar in der MED-Gruppe.

Dass das wohlschmeckende WEST-Futter Affen dazu animiert, viel davon zu fressen und dass in der MED-Gruppe die Tiere insgesamt weniger dick wurden, ist dann nicht mehr schwer nachzuvollziehen. Bei Menschen würde mit Sicherheit Ähnliches herauskommen.

 

Macht dick, was schmeckt?

Hamburger mit Pommes frites

Schmeckt Fastfood wirklich besser? Das ist die Frage

Wenn aber das WEST-Futter im Experiement, die industrielle „Cafeteria-Diet“, besser schmeckte als das künstliche MED-Futter und die Affen in der WEST-Gruppe deshalb mehr gefressen haben, was sind dann die Folgerungen aus der Studie?

Was schmeckt, macht dick?

Wenn etwas schmeckt – iss es nicht?

Was nicht schmeckt, ist gesund?

Wenn etwas nicht schmeckt – unbedingt essen?

Und in letzter Konsequenz: Wenn Menschen essen, was ihnen schmeckt, muss man sie dann dazu zwingen, etwas zu essen, was ihnen nicht schmeckt? Wegen der Gesundheit?

Das ist alles ist biologischer und psychologischer Unsinn. Außerdem zeigen gerade die echten Mittelmeerbewohner mit ihrem grandiosen Essen: Was schmeckt, muss nicht dick machen! Man kann damit sein Gewicht halten, gesund bleiben und länger leben als anderswo.

 

Einheitsfraß aus der Retorte

Was angesichts dieses Experiments aber aufscheint, ist die Horror-Vision von einem Einheitsfraß aus dem Labor: eine einzige, „gesunde Ernährung“ für alle; eine normierte pflanzliche Kost, im Labor angereichert, die sicherheitshalber nicht so gut schmeckt, damit Menschen nicht zu viel davon essen.

Es gibt tatsächlich nicht wenige, die solche asketischen Diktatorenfantasien haben: Bekannte Größen der Ernährungsszene schwärmen von Buchweizengrütze und Steckrüben wie im Krieg, andere von veganen Imitaten und Rohkost für alle, damit die angeborene Lust auf Fleisch und Fett gar nicht erst aufkommt.

Auch die Verschwörungstheorie, dass die Industrie absichtlich Superreize ins Essen mischt, um Menschen abhängig zu machen, gehört in dieses Denkschema.

Sie ist weit verbreitet und extrem hartnäckig. Spätestens seit dem Film „Supersize me“ ist die halbe Welt davon überzeugt, dass Fastfood süchtig macht, entweder, weil es den Geschmackssinn besonders anregt oder weil Suchtstoffe reingemischt werden; zu den üblichen Verdächtigen gehören Glutamat und Zucker.

Zwar ist wissenschaftlich längst geklärt, dass nichts davon stimmt.

Aber viele Aktivisten aus der Verbraucherschutzszene hängen an ihrem Feindbild, einzelne Autoren und Verbände machen den Generalverdacht sogar zu ihrem Glaubenssatz: „Die Industrie macht uns süchtig und krank!“.

Dabei ist schon die Grundannahme falsch: dass das industrielle Essen besonders gut schmeckt.

Sie ist sogar grundfalsch. Frisch gekochtes Essen ist Fertiggerichten immer überlegen. Fastfood, Frittiertes, Cola und überzuckerter Süßkram sind auf die Dauer extrem öde und geradezu abstoßend, wenn man die Alternative kennt: echtes Essen.

 

Affen essen anders

Makaken oder Menschen – darin sind sie gleich: Wenn sie dick werden, werden sie krank.

Wem das Industriezeug besser schmeckt, so dass er oder sie sich systematisch damit überfrisst, hat Probleme, die mit Essen nichts zu tun haben. Eher mit Armut, mangelnden Alternativen, Arbeitslosigkeit, Drogen, Depression oder Gruppendruck.

In diesem Punkt hat Werner Bartens Recht, der davor warnt, solche Tierversuche einfach auf den Menschen zu übertragen.

Denn erstens werden die Affen nicht artgerecht gefüttert in diesen Experimenten und wurden es auch nicht bei Carol Shively – kein Wunder, dass sie krank werden.

Vor allem aber können die Faktoren, die dazu führen, dass Menschen sich so einseitig ernähren wie gewisse Bevölkerungsgruppen in den USA, in Studien kaum nachgebildet werden.

Wenn man aber akzeptiert, dass die Makaken der Forscherin Shively als gutes Modell für den Menschen dienen, wie es Forscher weithin tun, dann bedeutet das am Ende: Der gesündeste Einheitsfraß nützt nichts, wenn man dick ist.

 

Das Problem ist das Übergewicht

Das zeigt die Studie nämlich, wenn man ein Detail beachtet: Die Äffinnen von Carol A. Shively waren schon übergewichtig, bevor der Versuch überhaupt losging. Sie kamen schon mit BMI 40 und Leberverfettung ins Labor.

Schließlich sollten sie als Modell für menschliches Übergewicht dienen, also wurden fettleibige Affen geliefert. Dazu kam das kalorienreiche Futter im Test, für beide Gruppen übrigens gleich kalorienhaltig und mit gleichem Fettanteil, nur aus unterschiedlichen Quellen. Da wurden alle Tiere noch dicker, ob WEST – oder MED-Gruppe.

Die Gruppe mit dem Mittelmeerfutter verlor nämlich keineswegs Gewicht. Sie nahm ebenfalls zu, wenn auch nur leicht. Trotzdem litten auch die MED-Tiere an den bekannten Folgen: Diabetes Typ 2, metabolisches Syndrom, Fettleber. Stimmt schon, etwas weniger als bei den anderen, und der eine oder andere Wert war etwas günstiger.

Aber sie fraßen auch nicht ganz so viel – das lag vielleicht am Geschmack des Retortenfutters. Tatsächlich heilte die MED-Diät die vorhandenen Fettlebern nicht, sie führt dazu, dass das Leberfett um 14 Prozent weiter anstieg.

So bleibt am Ende ein solider Befund, der für Affen und Menschen gilt: Wenn sie dick werden, werden sie krank.

©Johanna Bayer

 

Werner Bartens in der SZ: „Gib dem Affen Oliven“

Sciencedaily-Interview mit Carol A. Shivers

Originalstudie von Shivers et.al. 2019

Quarkundso.de zur Generalkritik von Werner Bartens an den Ernährungsstudien: Vorsicht, der Mann ist Arzt!

 

 

Framing-Alarm! Sprache schafft Bewusstsein – auch beim Essen?

ist das neue Überzeugen und polt das Denken um, sagen Kommunikationsberater. Mag sein – doch die Erfahrung bei der Ernährung zeigt: Beim Essen funktioniert Framing schmerzhaft nicht. Dafür erweist sich als überraschend schädlich, wie Essen permanent geframed wird, und zwar in „gesund“ und „ungesund“. Das ist kontraproduktiv – Quarkundso.de fordert ein Gesetz gegen Ungesundheitsgeschwätz.

 

Teller, zwei Toastscheiben, zwei Spiegeleier

Alles, aber auch alles „ungesund“: Eier (vom Tier!). Toast (Weizen!). Röstung (Acrylamid!). Wahrscheinlich auch noch in Butter gebraten – wie hat Oma das nur überlebt?

 

Wir müssen jetzt framen. Framing gehört einfach dazu. Framing ist das neue Überzeugen, diesmal mit Tricks aus der Kognitionspsychologie und Kognitionslinguistik.

Was mit Kognition macht nämlich immer Eindruck.

Deshalb berufen sich Leute, die andere beeinflussen oder nur schnell die Welt ändern wollen, gerne auf Geheimnisse des Gehirns: von Coaches über fragwürdige Psychoklempner wie Neurolinguistische Programmierer oder die Scientology-Sekte zu Lehrern und Sozialpädagogen bis hin zu Genderaktivisten und natürlich Politikern.

Framing soll dabei als subtile Technik das Denken anderer kapern, indem man eindrucksvolle Wörter prägt. Die legen einen Deutungsrahmen fest, dem das Gegenüber nicht entkommt, wie Wissenschaftler herausgefunden haben sollen.

 

Wenn was weg soll: einfach umbenennen

Framen geht so: Etwas, das unerwünscht oder schlecht angesehen ist und das man Leuten unterjubeln will, benennt man um: in Schönes, Beliebtes, gut Klingendes oder moralisch Hochstehendes. Damit weckt man positive Assoziationen und appelliert an eigene Werte.

Gleichzeitig nimmt man sich Begriffe der Gegner vor. Diese etikettiert man auch neu, nämlich mit Negativem, Unmoralischem oder Abstoßendem. So ändert man Wahrnehmung und Denken bei der Zielgruppe – Sprache schafft Bewusstsein! – und schwupps, ist sie umgepolt.

Wichtig sind dabei das ständige Aufrufen des Deutungsrahmens und das Einschleifen der neuen Sprachbilder. Dann bringt das Wörding (*neusprech) die Gegner zur Strecke. Denn wenn man es richtig anstellt, werden sie dann moralisch diskreditiert.

So ungefähr hat es gerade die Linguistin Elisabeth Wehling den ARD-Sendern empfohlen, womit sie einen Sturm der Entrüstung auslöste. Der war eigentlich unberechtigt – natürlich können sich öffentlich-rechtliche Sender zur strategischen Kommunikation beraten lassen.

Ob das Angebot gut war oder nicht, sei allerdings dahingestellt.

Und ob das Framing so funktioniert, wie es Frau Wehling verkauft hat, auch.

 

Framing beim Thema Ernährung

Damit kommen wir zur Kernkompetenz von Quarkundso.de: dem Verhältnis von Essen und Medien. Und zum Framing.

Essen wird nämlich brutal geframed. Wirklich brutal. Seit vielen Jahren, und nicht nur von Journalisten. Sondern auch von Ämtern, Verbänden und Institutionen, Ärzten und Politikern, Aktivisten und Lobbyisten.

Dabei ist die Auswahl an Frames mehr als dünn: Es gibt nur noch einen einzigen Deutungsrahmen für Essen und Ernährung.

Und das ist „Gesundheit“.

Dieses Etikett pappt inzwischen überall drauf. „Gesund“ zu essen ist geradezu eine nationale Obsession geworden: Laut Ernährungsreport der Ministerin Klöckner hat das Merkmal „gesund“ schon die Geiz-ist-Geil-Haltung überholt. Nur noch 32 Prozent schauen beim Essen auf den Preis, dagegen ist es 91 Prozent wichtig, dass Essen „gesund“ ist.

Das ist neu, schließlich sind die Deutschen in Europa berüchtigt für ihre Billig-Mentalität beim Essen. Zumindest für die Selbstdarstellung haben sie diese also abgelegt.

 

Das Framing-Paradox: Anders reden als man isst

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Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015M

Man darf sich nämlich nichts vormachen: In Umfragen neigen Menschen dazu, sich besser zu geben als sie sind – ökologischer, bescheidener, gemeinwohlorientierter, vernünftiger, tierfreundlicher und bedacht auf die Figur.

Wenn sie dann mit dem Fragebogen fertig sind, gehen sie zum Discounter, kaufen Hähnchenfleisch für 0,99 Euro und zischen zwei, drei Feierabendbier. Ab morgen machen sie Diät.

Für das Framing beim Essen ist dies nichts weniger als eine Bankrotterklärung: Das Dauerfeuer mit „gesunder Ernährung“ und „gesunder Wahl“ kommt nicht an.

Schon 2005 hielt der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Volker Pudel, diesen mentalen Zustand im Spiegel-Magazin fest:

„Die Deutschen essen so, wie sie immer gegessen haben. Nur heute mit schlechtem Gewissen.“ (Spiegel-Spezial vom 28.6.2005).

Das zeigt schmerzhaft: Weder der Gesundheitsrahmen noch das ständige Einschleifen der Parolen funktionieren beim Thema Ernährung – anders als Framing-Experten es versprechen.

 

„Vom Wissen zum Handeln“ ist das Problem

Jetzt, gut 15 Jahre später, sind die Ernährungshüter noch verzweifelter. Denn nie waren die Deutschen so dick wie heute, eine Welle von Übergewicht und seinen Folgekrankheiten rollt über das Land.

Unter Berufstätigen und Rentnern ist Normalgewicht schon nicht mehr die Regel, beklagte erst 2017 die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, (DGE). Der mündige Bürger gibt sich derweil weiterhin gesundheits-, figur- und umweltbewusst.

„Vom Wissen zum Handeln“ lautete daher erst 2018 ein hilfloser Kampagnenspruch des Ernährungsministeriums zu einem Ideenwettbewerb: Wie bringt man Leute dazu, das, was sie bereitwillig als Absicht herbeten, auch zu tun?

Schließlich haben schon Vierjährige das Framing intus und deuten auf Toastbrot, wenn sie zeigen sollen, was „ungesund“ ist, und auf Roggenbrot, wenn es um „gesund“ geht.

Was sie lieber essen, liegt aber auf der falschen Seite, und zwar quer durch alle Altersklassen.

 

Gesund oder ungesund – und sonst nichts?

Doch schauen wir uns das Framing bei der Ernährung, den Deutungsrahmen, noch etwas genauer an. Der Kontext „Gesundheit“, in dem Essen fixiert ist, bringt bestimmte Vorstellungen mit sich, darunter die, Lebensmittel könnten wirken wie ein Medikament.

Das aktiviert Begriffe aus Medizin, Pharmazie und Therapie: Heilmittel, Iss Dich gesund, wirksame Inhaltsstoffe, starke Antioxidantien, Droge, Gift, Sucht, Suchtmittel, Entzug, Ausnüchtern, Selbstheilung, Entgiftung.

Vor allem bringt das Gesundheitsframing aber die rigide Einteilung von Lebensmitteln in „gesund“ oder „ungesund“ mit sich.

Diese stammt aus den USA und England, wo sie seit Jahrzehnten üblich ist, begleitet von einer Explosion der Fettleibigkeitsepidemie – wohl kaum ein Zufall ist

Hierzulande haben sich Ernährungsfachkräfte dagegen jahrzehntelang abgemüht zu erklären, dass das Verteufeln einzelner Lebensmittel oder Inhaltstoffe Unsinn ist: Der Mensch ist ein Allesfresser und braucht verschiedene Nahrungsmittel, außerdem gehören zur Gesundheit viele Faktoren, darunter Bewegung, Schlaf und Stress.

Problematisch sind daher nicht einzelne Inhaltsstoffe oder Produkte, sondern in allererster Linie das Übergewicht, ganz gleich, womit man es sich angefuttert hat.  Dazu kommen mangelnde Bewegung, zu wenig Schlaf, zu viel Stress. Die Vorstellung aber, dass man durch bestimmte Lebensmittel – „die gesunde Wahl“ – alles steuern kann, ist verfehlt.

Denn ein einzelnes Lebensmittel ist nicht „ungesund“ – es ist der Lebensstil, der gesund oder ungesund sein kann.

 

Jetzt „ungesund“: Küchenklassiker der Deutschen

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Wissenschaftsblog 2015: Sonderpreis der Redaktion „Wissenschaft kommuniziert“

Doch mit dieser Weisheit ist es vorbei, seit die Kategorien gesund/ungesund Front machen in Texten, Webseiten, Stellungnahmen, Studien und Ernährungsratschlägen: Was früher genossen werden durfte, dazugehörte, in Maßen erlaubt oder einfach toleriert wurde, ist jetzt „ungesund“.

Das trifft nicht nur die üblichen Verdächtigen Cola, Chips und Süßigkeiten. Nein, auch traditionelle Viktualien stehen unter dem Bann. Denn „ungesund“ sind inzwischen Fleisch, Wurst, Milch, Käse, Eier, Weizen, weißes Mehl und natürlich Zucker.

An konkreten Gerichten trifft es unter anderen Pommes frites, Currywurst, Salami, Leberkäse, Bratwurst, Schweinebraten, Schnitzel, Hamburger, Sahnetorten, Kekse, Eis, Käsespätzle, Kakao, weißen Reis, Wild wie Rehbraten (rotes Fleisch!), Weißbrot, Baguette, Laugenbrezeln (Schweineschmalz!) und sogar den früher gerne empfohlenen Fisch (zu viel tierisches Protein! Schwermetalle! Mikroplastik! Antibiotika! Parasiten!).

 

Absurde Widersprüche

Teilweise entstehen dabei absurde Widersprüche, etwa beim jüngst lancierten EAT-Lancet-Report.

Das Papier, stark unter dem Einfluss von notorischen Fett- und Fleischfeinden entstanden, etikettiert rotes Fleisch von Rind, Schwein, Lamm, Ziegen, Kühen und anderen Säugetieren rundheraus als „unhealthy food“.

Das ist Unsinn. Und die Daten aus der Forschung geben das auch gar nicht her.

Entsprechend müssen die Experten in ihrem eigenen Papier konstatieren, dass tierische Lebensmittel wie Milch, Eier und natürlich rotes Fleisch besonders segensreich für das Wachstum und die Gesundheit von Kindern sind, zum Beispiel in Afrika:

In observational studies, high intake of animal source foods has been associated with improved growth, micronutrient status, cognitive performance, and motor development, and increased activity in children. (Quelle: EAT-Lancet-Report Food in the Anthropocene, Seite 10).

Weltfremd und gegen die Esskultur

Schräg ist auch die Sicht der EAT-Lancet-Experten auf die gesättigten Fette. Die Gruppe favorisiert nämlich moderne pflanzliche Industrieöle, die von Lebensmittelmultis vermarktet werden.

Gesättigte Fettsäuren, wie sie auch in Butter, Schweineschmalz oder anderen traditionellen Fetten vorkommen, sollen dagegen möglichst aus den Küchen verschwinden: Die Spannbreite in den täglichen Empfehlungen der Kommission beginnt bei null.

Das ist im wahrsten Sinne des Wortes weltfremd.

Denn die Hauptnahrungsfette in den Küchen der Welt sind traditionell tierischen Ursprungs und enthalten gesättigte Fettsäuren – zumal „null gesättigte Fettsäuren“ schlichtweg nicht geht. Schließlich enthalten alle, wirklich alle pflanzlichen Fette, darunter Oliven-, Sonnenblumen-, Palm- und Kokosöl sowie Margarine, auch gesättigte Fettsäuren.

Wer überhaupt keine gesättigten Fettsäuren zu sich nehmen will, darf gar kein Fett essen. Schwerer Vitaminmangel und Organversagen wären die Folge.

 

Neues Framing für Kakao: ungesund!

Weiße Blechtasse mit Kakao

Kakao, der Kindertrunk: Neuerdings „ungesund“.

Im Gesundheitsframing steht seit kurzem auch Kakao. Kakao macht Kinder nämlich dick und krank.

Kakao ungesund? Für Kinder?

Äh – gibt es denn ein Getränk, das mehr zu Kindern gehört als Kakao? Man kann sich das gar nicht vorstellen.

Aber tatsächlich ist es Framing-Spezialisten von der Verbraucherorganisation Foodwatch gelungen, den Schulkakao als „ungesund“ zu framen und das nicht nur unzähligen Redaktionen zu verkaufen, sondern auch mehreren Länderparlamenten.

Kakao, so die Essensretter (Selbstbeschreibung), sei schuld am Übergewicht von Kindern – schließlich enthalten die fertigen Schokodrinks der Milchlieferanten Zucker. Gezuckerter Kakao passe nicht in die Schule, so Foodwatch.

Nun steht Zucker auf der Fahndungsliste der Gesundheitspolizei gerade ganz oben, noch über Fett und Fleisch. Aber muss man wegen etwas Zucker den Kakao aus dem Schulprogramm nehmen?

 

Kinder dürfen Kakao trinken

Laut Foodwatch ja: Die Verbraucherschützer finden, dass es in Schulen überhaupt nichts mit Zucker geben darf. Angeblich, so die Aktivisten, widerspricht Kakao an Schulen sogar den Richtlinien der DGE für Schulverpflegung, denn diese sähen keine gezuckerten Milchprodukte für Kinder vor:

„Diese Förderung von Milch mit Zuckerzusatz widerspricht sogar den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das Schulmilchprogramm in NRW fördert mit Steuergeldern ein Ernährungsangebot an Schulen, das den Empfehlungen zuwider läuft.“ (Quelle Foodwatch)

Doch so rigide ist nicht einmal die DGE: „Zucker wird in Maßen eingesetzt“, steht in den DGE-Richtlinien für Schulverpflegung.

Und nichts anderes.

Da steht nicht: „Zucker ist verboten“. Oder „Zucker wird gemieden“ oder „Zucker wird nicht zugesetzt“, nicht einmal „So wenig Zucker wie möglich“ oder gar „Zucker ist ungesund“.

 

Übergewicht bei Schulkindern hängt nicht am Kakao

Junge, ca. 8 Jahre alt mit Brill und Kapuzenpulli in Klassenraum schreibt mit Bleistift

Ob Schulkinder dick oder schlank sind, hängt wenig vom Essen ab, hat die KOPS-Studie gezeigt

Es steht auch nicht in den Richtlinien, dass gezuckerte Milchgetränke in der Schule nicht angeboten werden dürften, genauer:

Zu gezuckerten Milchgetränken steht überhaupt nichts in den DGE-Kriterien für gute Schulverpflegung.

Den fanatischen Gesundheitsaktivisten von Foodwatch ist Kakao vielleicht unerwünscht, weil sie sich in den Kopf gesetzt haben, dass der Schokotrunk die Übergewichtsfrage entscheidet.

Aber erstens ist das nicht so. Übergewicht von Schulkindern hängt charakteristisch wenig mit dem zusammen, was sie in der Schule essen. Dazu gibt es große Studien.

Und zweitens ist Kakao – vielleicht – nicht besonders gesund. Aber ganz sicher ist er nicht ungesund.

 

Weg mit unzulässigen Ungesundheitsaussagen!

Damit wären wir am entscheidenden Punkt: An allem ist nur dieses elende Framing Schuld.

Quarkundso.de fordert daher mit Nachdruck und sofortiger Wirkung: Das permanente Gesund-Ungesund-Spalten muss endlich aufhören!

Es ist kontraproduktiv, verleidet Menschen das Essen und fördert eben genau keinen gesundheitsbewussten Lebensstil. Sondern nur Krampf und Einseitigkeit. Dazu muss ein Gesetz her. Schließlich sind unzulässige Gesundheitsaussagen mit Recht verboten – aber was ist mit unzulässigen Ungesundheitsaussagen?

Wir fordern: Schluss mit dem Gerede von „ungesunden“ Lebensmitteln!

Ebenso, wie niemand mit pauschalen, unbelegten Gesundheitsversprechen oder angeblichen Heilwirkungen für Lebensmittel werben darf, darf auch niemand Produkte oder einzelne Inhaltsstoffe als „ungesund“ brandmarken.

Also weg mit „Zucker ist eine Droge!“, „Fleisch macht krank“, „Milch ist Gift“, „Kakao ist ungesund“.

 

Hohe Strafen: die Lex Incuria von Quarkundso.de

Wenn man ehrlich über Essen reden will, muss man die Gesund-Ungesund-Dualität verlassen:  Quarkundso.de führt dazu die neue Lex Incuria ein, von lateinisch incuria = nachlässig, mangelhaft, Mangel an Sorgfalt.

Dieses Gesetz wird Ungesundheitsframing verhindern. Dazu belegt die Lex Incuria entsprechendes Gelabere von Essenshütern jeglicher Provenienz mit schweren Strafen.

In Einzelfällen können, insbesondere gegen einflussreiche Verbände, Unternehmen, Behörden, Food-Aktivisten, NGOs oder Lobbyvereine, hohe Geldsummen auferlegt werden, zu überweisen auf das Sparschwein von Quarkundso.de.

Die ersten Mahnbescheide sind schon raus.

©Johanna Bayer