Das Essen der Anderen, Küchenzeile

Küchenzeile: Reaktionär oder revolutionär? Neue Richtlinien für Ernährung in den USA

Es ist die Bombe des Jahres: Die USA drehen die gute alte Ernährungspyramide um – mehr Protein, mehr Milch, weniger Getreide, Brot, Vollkorn. Und die Welt steht Kopf.

Am 7. Januar 2026 kam der Paukenschlag: In den USA traten neue Ernährungsrichtlinien in Kraft, sie lösen Brot, Getreide und Vollkorn als Basis der Ernährung ab.

Die Grafik auf dem Titelblatt der US-Richtlinien zeigt die neue Ordnung: mehr Protein in Form von Fleisch, Käse, Eiern, Hülsenfrüchten, dazu viel Gemüse und Obst. Der kleinste Anteil geht an Getreide, also Brot, Nudeln, Reis.

Bild oben: Deckblatt der US-Ernährungsrichtlinien: bunt, plakativ und geradezu revolutionär

Dreht Trumps schrulliger Gesundheitsminister Kennedy jetzt vollends durch? Hat die US-Agrarlobby ihn in der Hand, was steckt hinter dieser unerhörten Wende?

US-Ernährungspolitik: weltweit prägend

Die Chefin von Quarkundso.de hat dazu natürlich gleich die Wühlmäuse von der Abteilung Dokumentation und Recherche angesetzt.

Denn die Frage ist: Kann man so fest verwurzelte Grundsätze der Ernährung einfach umdrehen? Wie ernst soll man diese neuen Richtlinien nehmen? Sind sie überhaupt wissenschaftlich begründet? Und profitiert nur die amerikanische Agrarlobby davon?

Das muss man sich schon deshalb fragen, weil die Ernährungsrichtlinien der USA seit mehr als einem halben Jahrhundert weltweit die Marschrichtung vorgeben.

Wir erinnern uns: Aus den USA stammt die Anti-Fett-Doktrin mit dem Ächten von Butter und ungesättigten Fettsäuren, die Diät-Welle, der Light-Trend mit fettarmen Produkten, aber auch die Betonung von Getreide, Obst und Pflanzenkost, und dazu alle Ernährungspyramiden und Teller-Modelle.

Früher oder später kommt alles zu uns

Hintergrund der neuen Ernährungsrichtlinien ist natürlich der Gesundheitszustand der Nation, vor allem das grassierende Übergewicht: Mehr als 40 Prozent der Amerikaner sind schwer fettleibig, doppelt so viele wie in Europa. So zitiert die Tagesschau einen Bericht der Fachzeitschrift Lancet von 2024:

Der Anteil der Frauen mit Adipositas stieg von 21,2 Prozent 1990 auf 43,8 Prozent 2022, bei den Männern stieg der Anteil von 16,9 Prozent auf 41,6 Prozent.

Quelle: Tagesschau

 

Probleme der Amerikaner gelten aber als wegweisend für die Welt.

Was in den USA empfohlen und gegessen wurde, wie dick die Amis werden und welche Probleme sie hatten oder haben, und wie Gesundheitspolitiker und Ärzteverbände gegensteuern wollen: Früher oder später, so die Annahme, kommt das alles auch zu uns.

Und wissenschaftlich, so der internationale Konsens, sind die USA ohnehin führend. Kleiner Spoiler: Es ist nicht so und muss auch in Zukunft nicht so sein. Das gilt gerade für Europa.

Jetzt aber drehen die USA Ernährungsleitsätze in eine unerwartete Richtung.

Anti-Fett-Doktrin seit 1980

Dabei war alles so viele Jahrzehnte in den USA – und dem Rest der Welt – so schön stabil. Seit 1980 galt unter dem Erdnussfarmer Jimmy Carter: viel Getreide, wenig Fleisch, Fett und tierische Fette insgesamt.

Hintergrund war die Angst vor Herzinfarkt, Fett galt als Auslöser und Risikofaktor, zu Unrecht, wie wir heute wissen.

Der Anti-Fett-Wahn ging aber bis ins Absurde: Salat, Gemüse und Nudeln sollten sogar ganz ohne Fett auf den Teller kommen:

Eat more vegetables and fruits without fats and sugars added in preparation or at the table. (…) Eat pasta, rice, breads, and cereals without fats and sugars added in preparation or at the table

„Essen Sie mehr Gemüse und Obst, ohne dass Fett oder Zucker beim Zubereiten oder am Tisch zugesetzt wurden (…) Essen Sie Nudeln, Reis, Brot und Frühstücksflocken, ohne dass Fett oder Zucker beim Zubereiten oder am Tisch zugesetzt wurden“

Quelle: USDA 1995

 

2005, 2011 und 2015 erschien Fleisch nicht auf der Titelbild-Collage, die „gesundes Essen“ abbilden sollte.

Zu sehen sind nur bunte Bilder von Salat, Hülsenfrüchten, Brot und Obst, die bis heute vertraute Ikonografie, etwa bei den deutschen Ernährungshütern, der DGE.

Die 1980er markieren aber nicht nur den Beginn der Light-Welle mit fettarmen Produkten, sondern auch den massiven Anstieg von Übergewicht und Adipositas: Zwischen 1980 und 2010 hat sich der Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in den USA fast verdreifacht.

Fett sparen und dick werden

An der Fassung der Guidelines von 1980 sieht man, was beides miteinander zu tun haben könnten: Die größte Energie- und Kalorienquelle, steht auf Seite 12 zu lesen, sei in den USA das Fett. Wer aber abnehmen und dazu den Fettverzehr verringern wolle, der solle mehr Kalorien aus Kohlenhydraten beziehen, um den Körper gut mit Energie zu versorgen.

Diese Verknüpfung führte zu einem fatalen Fehlschluss, zum einen, weil der Körper Fett nicht für die Energiezufuhr braucht, sondern als Baustoff für Zellen, Nerven und Organe. Zudem wurde diese Botschaft nur in einer simplen Form gehört: Wenn ihr Fett spart, könnt ihr mehr essen!

Die Folgen sind bekannt.

Danach probierten es die US-Ernährungshüter mit dem Kalorienzählen, dann mit den berühmtem Pyramiden, die alles einfacher machen sollten. Sie sollten anschaulich zeigen, was und wie viel zu essen sei, die US-Version von 1995 mahnte, viel Getreide zu essen, zu sehen an der Basis der Pyramide.

US-Ernährungspyramide von 1992, Text: „To meet the Dietary Guidelines for Americans, choose a diet with most of the calories from grain products, vegetables, fruits, lowfat milk products, lean meats, fish, poultry, and dry beans. Choose fewer calories from fats and sweets.”

 

Diese Pyramide verbreitete sich in der ganzen Welt – genau wie das Übergewicht.

Seit 2011 kursierten andere Modelle wie der Ernährungsteller, auf dem der Anteil von Brot, Nudeln und Getreide schon kleiner wurde.

US-Ernährungsteller von 2011

 

Er blieb aber gleich groß wie der Anteil von Gemüse, und damit größer als der von Fleisch und eiweißreichen Lebensmitteln wie Käse und Linsen.

Die alte Pyramide allerdings blieb in den Köpfen hängen – Brot als Grundlage der Ernährung, so noch 2017 vom ehemaligen CDU-Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt verkündet.

Doppelt so viel Eiweiß

Und jetzt das – statt dem Teller seit 2001 kommt die Pyramide zurück, aber als umgekehrter Kegel mit ganz anderen Schwerpunkten und mit Brot als bloßer Beilage, wie oben zu sehen ist.

Tatsächlich weichen die neuen Empfehlungen in den USA von mehreren bisherigen Doktrinen ab.

Das gilt zum Beispiel für Milch und Milchprodukte – Schluss mit Magermilch, her mit Vollmilch, vollfettem Jogurt und Käse.

Auch stellen sie Fleisch auf den gleichen Rang wie Gemüse und raten dabei zu fast doppelt so viel Protein, mit 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht gegenüber 0,8 Gramm bisher.

Letzterer Wert gilt noch in Deutschland.

Ist das zu viel Protein? Kritik von der DGE

Prompt hat sich die DGE zu den neuen US-Richtlinien gemeldet. In der TAZ online vom 16.1.2026 beklagt sie, dass es keinen wissenschaftlichen Beleg für den Nutzen von mehr Protein in der Ernährung gebe.

Allerdings, das verschweigt der TAZ-Artikel, gibt es auch keinen wissenschaftlichen Beweis für den Nutzen der 0,8-Grenze, außer, dass er die Mindestzufuhr an Eiweiß bedeutet.

Genauer: Es ist nicht belegt, dass mehr 1,2 oder 1,6 Gramm pro Kilo Körpergewicht der Gesundheit schaden.

Sogar bestimmte Dialysepatienten mit Niereninsuffizienz vertragen mehr als 0,8 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht. Für Gesunde wird es erst ab wesentlich höheren Mengen kritisch. Das hat die DGE selbst angesichts neuerer Meta-Studien feststellen müssen.

Schon 2017 rangen sich die deutschen Ernährungshüter dazu durch, ihre Uralt-Empfehlung von 0,8 Gramm zumindest für ältere Menschen aufzuheben. Diese brauchen schlicht mehr Eiweiß, in der Folge haben sich die Protein-Referenzwerte geändert, in 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilo Körpergewicht für Menschen ab 65 Jahren.

Beim Abnehmen, aber auch bei Diabetes, Fettleber und metabolischem Syndrom sind jedoch eiweißbetonte, kohlenhydratreduzierte Kostformen günstig, haben viele Studien bewiesen.

Fleisch nicht mehr wegretuschiert

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Der Stein des Anstoßes ist aber wohl weniger die schiere Menge an Protein – Stein des Anstoßes ist die Position von Fleisch in der Grafik: Es erscheint ganz oben, abgebildet sind ein Steak, ein Brathähnchen und Hackfleisch.

Fleisch gehört damit gleichwertig mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Fisch und Obst als zur normalen Ernährung.

Mit dieser Darstellung nehme Fleisch aber, kritisiert die DGE laut TAZ, einen zu großen Raum ein, wogegen Hülsenfrüchte wenig in Erscheinung träten.

Uns scheint das nur der Eindruck der Grafik zu sein, und genau besehen stimmt das auch nicht. Denn in der Pyramide stehen neben den drei Fleisch-Bildern Milch, Käse, Jogurt, Fisch, Eier, Meeresfrüchte, Linsen und Bohnen für die proteinbetonte Mahlzeiten, die die neuen Richtlinien empfehlen.

Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst haben dabei ebenso viel Platz wie alle Proteinquellen, Fette und Milchprodukte zusammen. Auch erwähnt der Text der Guidelines alle Proteinquellen gleichwertig, dazu kommen wir noch.

Was aber in den neuen US-Richtlinie fehlt, ist die generelle Warnung vor Fleisch als Lebensmittel, die seit so vielen Jahre herumgeistert: ungesund, zu viel Fett und tierische Fettsäuren, fördert Herzinfarkt und Darmkrebs.

Was auch fehlt, ist das Wegretuschieren von Fleisch aus der menschlichen Ernährung als erzieherische Maßnahme – damit weniger Fleisch gegessen wird.

Worum es bei den neuen US-Richtlinien wirklich geht

Aber das ist wohl einer der revolutionären Punkte an der neuen US-Ernährungsgrafik: Fleisch samt seinem Fett wird nicht als gesundheitsschädlich und anrüchig betrachtet, sondern als das, was es ist: ein überaus wertvolles, nährstoffdichtes Lebensmittel.

Neu und überraschend, gerade für die USA, ist aber, dass auch die tierischen Fette in Fleisch und Milch ausdrücklich als positiv gekennzeichnet werden:

Gesunde Fette sind ein natürlicher Bestandteil von echten Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten, Milch und Milchprodukten, Nüssen, Oliven und Avocados. Diese Fette fördern Hirngesundheit, Hormonfunktion und die Verarbeitung von Nährstoffen, wenn sie in ihrer natürlichen Form verzehrt werden.

Quelle Screenshot: https://realfood.gov/

Das entspricht der Datenlage – tierische Fette mit ihrem Anteil an gesättigten Fettsäuren treiben keineswegs zwangsläufig die Blutfettwerte nach oben oder führen zum Herzinfarkt. Seit Jahrzehnten gehen Ernährungswissenschaftler und Mediziner deshalb schon gegen die Verteufelung von Fett an.

Zumindest im Text für das breite Publikum kommt also die lange ersehnte Entwarnung, was tierische Fette angeht.

Proteinbetont heißt nicht nur Fleisch

Einen Bezug zu Klima oder Klimaschutz sucht man vergeblich, was Robert Kennedy, früher selbst Umweltanwalt, als Rückkehr zum gesunden Menschenverstand betrachtet – „return to common sense“.

So lautet die Überschrift eines Faktenblattes zu den Richtlinien aus dem Gesundheitsministerium.

Damit geht die Trump-Regierung gegen den großen internationalen Trend von pflanzenbasierter Kost zur Rettung des Planeten vor, Stichwort Planetary Health Diet: pflanzenbasiert, dafür Protein in Form Eiern und Milch zurückfahren, wenig oder besser noch gar kein Fleisch.

Was auch immer man davon halten will – der gesunde Menschenverstand sollte davor bewahren, den Eiweißanteil am Essen nur noch aus Steak und Brathuhn zu beziehen, sondern eben mit Hülsenfrüchten, Milchprodukten, Sojaerzeugnissen zu mischen.

So sehen es die Richtlinien auch ausdrücklich vor, wie wir noch sehen werden.

Ganz oben angekommen: das Prinzip Low Carb

Kennedy aber hat ein anderes Ziel als Klimaschutz, er will als Gesundheitsminister groß rauskommen.

Seine Amtszeit steht unter dem trumpesken Motto „MAHA – Make America Healthy Again“.

Dazu greifen seine neuen Richtlinien Trends auf, die schon lange in der Ernährungsszene diskutiert werden: Low Carb sowie das Prinzip „Esst echtes Essen“, das sich gegen hochverarbeitete, künstliche Lebensmittel mit Zusatzstoffen richtet.

Einschlägig sind die längst bekannten Pyramiden der Low-Carb-Diäten, etwa aus der LOGI-Ernährung des deutschen Ernährungswissenschaftlers Nicolai Worm (2003). Sie betonen Protein, Fett und Gemüse, stellen aber die Kohlenhydraten stark zurück, und nur selten sollen Süßigkeiten und Snacks auf den Teller kommen.

Low-Carb-Pyramide, eigene Abbildung, schematisch, angelehnt an Nicolai Worm 2003.

Stellt man sie auf den Kopf und vergleicht sie mit der neuen Pyramide der US-Richtlinien, ist die Parallele verblüffend:

Mehr noch, die neuen US-Richtlinien schließen Low-Carb-Diäten auch zur Therapie ausdrücklich ein, was diese Kostform offiziell in den Rang der medizinisch günstigen Ernährung bei Fettleber, Diabetes oder metabolischem Syndrom erhebt.

„Eat Real food“ – Esst echtes Essen!

Logo Goldener Blogger

Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015

Neu ist auch die starke Position gegen hoch verarbeitete Lebensmittel, unter dem Motto „Eat real food“. Das bedeutet, industriell hergestellte Produkte, Fertiggerichte und –saucen oder künstlich aromatisierte Snacks zu meiden.

Auch diese Parole ist schon älter, sie stammt Michael Pollan, einem Ernährungsautor, der seinen Lesern 2009 empfohlen hat, industriell hergestellte Lebensmittel mit langen Listen von Zusatzstoffen vermeiden.

Er wurde damit Protagonist einer Bewegung, die das Selbstkochen und unverarbeitete oder handwerklich erzeugte Produkte stärkt.

Seinen Slogan und das Bonmot „Esst nichts, was eure Großmutter nicht als Essen erkannt hätte“, greift die US-Regierung jetzt auf:

„Echtes Essen bedeutet, dass man Lebensmittel wählt, die nicht oder wenig verarbeitet sind und als Lebensmittel erkennbar sind. Solche Produkte oder Gerichte bestehen aus wenigen Zutaten und enthalten weder zugesetzten Zucker noch industrielle Öle, künstliche Aromen oder Konservierungsmittel.“Quelle Screenshot: https://realfood.gov/

 

Die Kampagne zur neuen Ernährungspyramide stützt sich sogar komplett auf das Motto „Eat Real Food!“, Link zur Kampagnen-Webseite steht unten.

Michael Pollan und Nicolai Worm könnten sich über die späte Anerkennung freuen, in Deutschland streiten sich derweil die Fachleute darüber, wann genau ein Produkt als stark verarbeitet oder hoch prozessiert gilt, welches Klassifizierungssystem man nehmen und wo man die Grenzen setzen sollte.

Dagegen malen die Amerikaner jetzt mit grobem Pinselstrich, es wird noch spannend, wie das ausgeht. Vielleicht meldet sich die Industrie, vielleicht müssen sie zurückrudern.

Wissenschaftlich gibt aber es sowohl für Low Carb-Konzepte als auch für das Vermeiden von stark verarbeiteten Produkten und Fertiggerichten eine Menge Argumente aus Studien, und zwar seit vielen Jahren.

Den Versuch ist es daher wert, offensiv auf proteinbetonte Ernährung statt Kohlenhydraten sowie auf vollwertige, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel zu setzen.

Schließlich hat alles andere bisher nichts gebracht.

Die neuen US-Ernährungsregeln kurz gefasst

Damit aber jeder mitreden kann, liefert Quarkundso.de hier die Regeln der neuen US-Guidelines für das Publikum in Kurzform, sozusagen die Volksausgabe. Grundlage ist das Faktenblatt des US-Gesundheitsministeriums.

Die Abteilung Dokumentation und Recherche musste sich dazu durch pompösen Propaganda-Sprech à la Trump wühlen, in dem es nur so wimmelte von „Wir sagen euch endlich die Wahrheit“ und „Die früheren Regierungen, vor allem Biden und Obama, haben euch jahrzehntelang belogen“.

Das ist falsch, ermüdend und kontraproduktiv, die übliche verbale Starkmeierei.

Wir haben den Text des Gesundheitsministeriums davon befreit, entschlackt und auf das Wesentliche reduziert. Daher ist die Übersetzung frei – herausgekommen ist so etwas wie die kompakten Regeln der DGE, dort zehn, hier sechs.

Dagegen kann man nicht viel sagen

Natürlich kommt es dann auf die Details und die Umsetzung an.

So scheint der Eindruck der Pyramiden-Grafik mit dem Fleisch an prominenter Stelle teilweise dem zu widersprechen, was in verschiedenen Texten zu Umsetzung, Mengenangaben und Referenzwerten steht.

Moniert werden kann etwa, dass tierische Fette einerseits rehabilitiert scheinen, andererseits aber in der täglichen Ernährung so wenig wie möglich, „as low as possible“, vorkommen sollen.

Da müssen die beteiligten Ernährungsprofis noch nachbessern, schon melden Kritiker an, die Regeln seien nicht wirklich konsistent.

Auch dass die wissenschaftliche Dokumentation noch nicht vollständig im Netz steht, wie bei allen früheren Leitlinien, lässt die Kritiker hacken.

Der notorische Vorwurf, dass die „Agrarlobby“ und die Food-Industrie ihre Hand im Spiel hatten, kam natürlich auch gleich.

Aber Bauern, Viehzüchter und Hersteller profitieren von den neuen Richtlinien wohl kaum mehr als vorher. Und letztlich verkaufen sie doch alles, was in den USA gegessen wird, ob stark verarbeitet oder nicht, ob Fleisch, Bohnen, Linsen, Hülsenfrüchte, Milch und Jogurt oder sonstige Nahrungsmittel und Produkte.

Wir finden daher, dass alleine von diesen Richtlinien und Texten eher wenig Schaden ausgehen kann.

Vielleicht sind sie nur raffiniert gebastelt, vielleicht (noch) nicht konsistent. Sicher nervt ihre kämpferischen Diktion, das grandiose Versprechen Amerika damit wieder gesund, gar zum „gesündesten Land der Welt“ zu machen (Kennedy), ist überspannt.

Der Bezug zum Klima fehlt, samt der Ermutigung, auch bei der Ernährung auf die Umwelt zu achten.

Aber diese Regeln können der Gesundheit nicht schaden. Und vielleicht nützen sie sogar.

©Johanna Bayer

 

Die Kampagne der US-Regierung zu den neuen Richtlinien mit der Parole: Eat Real Food!

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