Schlagwort-Archive: Schulessen

Essen in Zeiten von Corona: Können die Deutschen nicht mehr kochen?

Die Verkaufszahlen zeigen es: In der Corona-Pandemie greifen die Kunden zur Dose. „Die Deutschen können nicht mehr kochen!“ titeln daraufhin STERN und SPIEGEL. Doch ist das wirklich so? Über das Kochen als unentbehrliche Kulturtechnik – und über eine historische Chance.

Beitrag vom 5. Mai 2020

Kartoffeln auf Tisch, Topf, nah

Scheitern am Herd: Nichtmal Kartoffeln können die Deutschen kochen, sagt Christoph Minhoff laut STERN und SPIEGEL.

In Corona-Zeiten schlägt selbst die Ernährungsindustrie Alarm: Die Deutschen können nicht mehr kochen! Daher müssen sie angesichts geschlossener Restaurants auf Dosen und Fertigfutter zurückgreifen – ein Verfall der Kultur.

So oder so ähnlich hat sich Christoph Minhoff, Sprecher und Cheflobbyist der deutschen Ernährungsindustrie, in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur (dpa) geäußert.

Es wurde breit aufgenommen, unter anderem von SPIEGEL und STERN am 24.4.2020, mit folgenden Schlagzeilen:

Essen in Zeiten der Pandemie Ernährungsindustrie sorgt sich wegen mangelnder Kochkünste der Deutschen
(SPIEGEL)

Ernährungsindustrie: Deutsche können nicht mehr kochen
(STERN)

In Wahrheit sorgt sich Herr Minhoff natürlich nicht, und er hat sich keineswegs über die deutschen Kochmuffel beklagt. Wie denn auch? Er freut sich doch, dass die Leute seine Dosen und Tütensuppen kaufen!

Was er im Originalinterview gesagt hat, ist nur eine Feststellung: Die Kochkompetenz der Deutschen hat abgenommen, deshalb weicht das Volk auf Einfaches aus:

„Die Leute haben in der Krise etwas Bemerkenswertes gemacht: Sie haben beim Einkauf neue Prioritäten gesetzt. Wichtig war den Verbrauchern jetzt, dass Produkte möglichst lang haltbar sind. Konserven galten gegenüber der Frischware eher als unsexy, sind aber jetzt zum Zeichen für Sicherheit und Beständigkeit in der Krise geworden. Begehrt war alles, was lange haltbar und auch möglichst leicht zu kochen ist.“

Drastisch schildert Minhoff die gewaltigen Hürden, denen sich die Deutschen am Herd gegenüber sehen:

Der Wegfall des Angebots von Schnellrestaurant, Pommes-Buden und Italiener-um-die-Ecke wirft die Leute nun dramatisch zurück auf ihre eigenen Kochkünste. Und die sind wie gesagt begrenzt. Das erklärt auch leicht, warum die Leute Nudeln kaufen.

Schon eine Kartoffel zu kochen ist eine für manchen eine Herausforderung. Da müssen Sie wissen: Mit oder ohne Schale kochen? Wenn ja wie viel Salz muss da ins Wassern rein? Wie lange muss ich die dann kochen? Und was ist denn festkochend oder vorwiegend festkochend. Und wie bereite ich die Sorten dann überhaupt zu?

Da werden jetzt viele sagen: Na das ist doch ein Witz, das kann doch jeder! Nein, es kann eben nicht jeder. Es gibt ein Internetforum, da war die meistgestellte Frage: ‚Wie koche ich ein Ei?‘“

 

Worum es eigentlich ging

Logo Goldener Blogger

Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015

Zuvor hatte die dpa allerlei Fragen zur Situation der Ernährungsindustrie gestellt, darunter zu Erntehelfern, Lieferketten, Engpässen und Nachschub, außerdem ging es um Hamsterkäufe und das allgemeine Kundenverhalten.

Die Nachrichtenleute wollte nämlich wissen, wie die Hersteller mit der Corona-Krise zurechtkommen.

Doch das spielte im Medienecho fast keine Rolle.

Geradezu raffiniert pickten sich die Redaktionen aus dem Branchenbericht von Minhoff – super, wir verkaufen wie verrückt und leisten Unglaubliches in Logistik und Hygiene! – nur die Sache mit dem Kochen heraus, um in das alte Lamento von „Die Deutschen können nicht mehr kochen“ zu verfallen.

Beim STERN dichtete man Minhoff dazu sogar pädagogischen Eros an:

Noch stärker als Toilettenpapier wurden vor dem Corona-Lockdown
Nudeln und Reis nachgefragt. Viel mehr bekämen die Deutschen halt
nicht mehr zubereitet, sagt Christoph Minhoff. Der Nahrungslobbyist
hofft auf einen Lerneffekt in der Pandemie.

(STERN, Teaser zum Beitrag)

Schön gedacht – aber Minhoff meinte nicht den Lerneffekt beim Kochen.

Im Original-Interview fordert er stattdessen Wertschätzung für die Ernährungsindustrie ein, statt der üblichen Prügel wegen Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern.

Jetzt, wo es drauf ankommt, so hofft Minhoff, werde die Bevölkerung anerkennen, dass die Branche für volle Regale und Bäuche sorgt – weil es nunmal Fakt ist, dass die Deutschen nicht kochen können.

Nachzulesen ist das auf der Seite des Lebensmittelverbandes BLV, der Link steht unten.

 

Ein Lobbyist wird unterlaufen

Der Dreh, den die Redaktionen den Worten Minhoffs geben, ist dabei mehr als clever.

Es war sicher ein Riesenspaß für die Journalisten, die Absichten des Industrie-Lobbyisten zu unterlaufen, indem sie gezielt das herauspicken, was in ihr Klischee passt.

Und nicht das, was der Verbandssprecher eigentlich ausdrücken wollte: Die Ernährungswirtschaft ist systemrelevant, und zwar auf Dauer!

Dass Minhoff einen bösen Brief schreiben wird, ist diesmal nicht anzunehmen. Das tut er sonst gerne, wenn faktenfreies Zeug zur Ernährungsindustrie aus irgendeinem Ressort für Vermischtes kommt.

Aber als Anwalt für das Kochen zu gelten schadet seinem Image garantiert nicht. Daher gab es bisher keinen öffentlichen Widerspruch, der Mann ist Profi.

 

Deutsche konnten noch nie kochen

Quarkundso.de kann das allerdings so nicht stehen lassen.

Die Chefin persönlich stößt sich an der kulturpessimistischen Plattitüde, mit der SPIEGEL und STERN ihre Beiträge gestrickt haben: Wie, die Deutschen können „nicht mehr kochen“?

Das konnten die Deutschen doch noch nie!

Deutschland ist seit Jahrhunderten für seine schlechte Küche bekannt, dahinter rangieren nur noch Engländer und Amerikaner.

Schon antike Autoren, darunter der römische Geschichtsschreiber Tacitus, haben die primitive Kost der Germanen dokumentiert: saure Milch, in Lederhaut gedroschenes Fleisch, ungeheure Mengen an Bier. Im Barock notierten Reiseschriftsteller, welch mieser Fraß in Deutschland die Gäste erwartete, aufgetischt von schroffen Wirtsleuten.

Aber natürlich geht es nicht um den Rang der Nationalküche, wenn die Jammerei mit den angeblich verlorenen Kochkenntnissen losgeht.

Bei dieser Schablone geht es eher ums Handwerkliche. Hier ist ein anderer, eher historisch-soziologischer Hintergrund einschlägig: Das „nicht mehr“ impliziert, dass früher mal alle kochen konnten.

So ist es aber nicht.

Volksküche: Wenn`s hoch kommt ein Eintopf

 

„Frau, koch was!“

Logo Wissenschaftsblog 2015

Wissenschaftsblog 2015: Sonderpreis der Redaktion „Wissenschaft kommuniziert“

Noch nie in der Geschichte und noch nie in irgendeiner menschlichen Kultur war Kochen eine Kompetenz, die alle Mitglieder einer Gesellschaft erwerben: Kochen können ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Und es ist eine Spezialkompetenz, die man nicht nebenher lernt wie das Laufen.

Eine Hälfte der Gesellschaft war in der Geschichte schon immer kochfern, und zwar per Geschlecht, nämlich die Männer: Von Alters her gilt die Küche als Reich der Frau. In patriarchalischen Systemen war die niedrig bewertete Küchenarbeit auch Teil des Unterdrückungssystems.

Nur Männer, die das Kochen als Handwerk oder Gewerbe betrieben, lernten überhaupt kochen.

Alle anderen Männer hatten das Privileg, von Frauen versorgt zu werden. In vielen Ländern der Welt und gewissen Parallelwelten gilt das noch heute: Frau, koch was!

Noch bis Ende des 20. Jahrhunderts belegen Unmengen von Werbeclips in Deutschland diese Zuordnung: hungrige Männer, die von ihren Ehefrauen verwöhnt werden (Dr. Oetker); Filmschmonzetten, in denen tolpatschige Junggesellen oder Witwer sich in der Küche blamieren, bis sie eine Frau finden (Heinz Erhardt).

 

Mehlsuppen, Eintöpfe, kalter Räucherhering

Von den Frauen aber beherrschten bei weitem auch nicht alle die Kochkunst: Das Bild von der (klein-)bürgerlichen Hausfrau und Familienmutter, deren Ehre es ist, emsig zu braten und zu backen, ist ziemlich jung und stammt aus der Zeit um 1900.

Frauen von Stand haben nicht selbst gekocht, sondern hatten Personal. Höhere Töchter und Adelige lernten zwar Grundbegriffe der Küchenführung, sie wussten, wie das Essen schmecken sollte und konnten Küchenpersonal anleiten – aber das ist nicht Kochen.

In den unteren Schichten brillierten die Frauen auch nicht automatisch in der Küche. Ihnen mangelte es an Zeit, Geld und Material. Viel mehr als Mehlsuppen, Eintöpfe und kalter Räucherhering mit gekochten Kartoffeln war beim Industrieproletariat von 1800 bis in die 1930er Jahre nicht drin.

Wer also suggeriert, eine hoch entwickelte Kochkompetenz stürze neuerdings ab, geht von einem Zustand aus, den es so nie gab.

 

Eine unentbehrliche Kulturtechnik

Alle, Männer wie Frauen, sollten kochen lernen.

Trotzdem steht fest: Kochen ist eine unentbehrliche Kulturtechnik.

Jeder und jede tut heute gut daran, sich wenigstens elementare Kochkenntnisse anzueignen.

Ihr Wert zeigt sich in der der weltweiten Coronakrise, weil die, die gerne kochen, ebenso fein raus wie die, die es gut können.

Beide bewältigen die Isolation leichter, können ihre Kinder besser ernähren und haben mehr Spaß an Essen und Gemeinsamkeit, wenn die Restaurants und Mittagstische noch wochenlang geschlossen bleiben.

Die riesigen Hürden, die der Industrielobbyist beim Kartoffelkochen aufbaut, verschwinden dann schnell: An Kartoffeln kann man kaum scheitern, nach dem zweiten Mal hat man es raus.

Diese Krise ist daher eine Chance: Die Corona-Pandemie könnte dazu führen, dass angesichts drohender Gefahrenlagen in der Zukunft – Klima! Pandemien! Kriege! – Kochen als Kulturtechnik für alle obligatorisch wird.

Für Männer wie Frauen – erstmals in der Geschichte der Menschheit.

 

Kochen muss Schulfach werden – nicht „Ernährung“!

Quarkundso.de fordert daher energisch: Kochen muss Schulfach werden! Kochen, wohlgemerkt, nicht „Ernährung“ oder gar „gesunde Ernährung“.

Die sind zu abstrakt und bringen für Notzeiten überhaupt nichts, denn sie vermitteln keine handwerklichen Kenntnisse und sind so unsinnlich wie praxisfern.

Nein, das Kochen muss in die Schule, weil es in Familien aus verschiedenen Gründen nicht stattfindet.

Kinder sollten daher in der Schule Erwachsene kochen sehen, und zwar echtes Essen: Wie man Kartoffeln kocht oder einen Braten macht, wie eine gute Soße entsteht, eine Suppe, ein Gulasch, wie ein Pudding, ein Pizzateig gelingt; wie man Geschmack aus Grundzutaten erzeugt und wie man Essen anrichtet, das wäre mal so ein Curriculum fürs erste.

Das geht in Projekttagen oder –wochen und muss keine wichtigen Stunden verdrängen.

Nebenher lassen sich Regeln zur Hygiene und zum Verwerten von Resten vermitteln, dazu Lernstoff von Umwelt und Ökologie bis zu Chemie, Biologie und Physik, und natürlich zu Gesundheit und guter Lebensführung.

Aber nur nebenher, wohlgemerkt – Kochen als Handwerk muss im Vordergrund stehen.
Lehrkräfte können dafür natürlich nur echte Köchinnen und Köche sein, allenfalls Experten aus der Hauswirtschaft.

Auf keinen Fall darf der Kochkurs bei fachfremden Lehrkräften hängen bleiben, die sich schnell was anlesen und den Kindern dann ihre Privatvorstellungen über „gesunde Ernährung“ unterjubeln – womöglich der Art, dass Zucker „Gift“ ist, Obst und Vollkorn „gesund“ sind und dass in jedes Gericht Gemüse gepampt werden muss, damit es nur „ausgewogen“ ist.

 

Kinder sollten wissen, was richtiges Essen ist

 

Der Corona-Kochkurs: Gut essen in Krisenzeiten

Denn erstens ist das alles Quatsch.

Zweitens sind die Kinder als Erwachsene in der nächsten Notlage – Klima! Pandemie! Krieg! – wieder komplett aufgeschmissen und wissen nicht, was sie mit ihren Notvorräten machen sollen.

Damit wären wir endlich beim praktischen Teil – Nutzwert, Nutzwert, Nutzwert! Der liegt der Chefredakteurin bekanntlich besonders am Herzen.

Wir kündigen daher schon den nächsten Beitrag zum Thema Essen in Krisenzeiten an. Dabei geht es natürlich nicht um die üblichen Rezepte. Davon quillt das Netz längst über, unkulinarischer Unsinn und Bad Taste eingeschlossen,

Der Krisenkochkurs von Quarkundso.de beschäftigt sich stattdessen mit den wichtigsten Prinzipien des guten Essens, mit Struktur und insbesondere mit Tipps zum guten Geschmack: Pimp Dein Essen mit Quarkundso.de!

Die Infos gelten auch später, wenn die Coronakrise vorbei ist – der Lernerfolg wird übrigens kontrolliert: Wir kommen zum Essen vorbei. Für Qualitätsleser von Quarkundso.de ist der wertvolle Kurs natürlich kostenlos. Alle anderen spenden bitte JETZT ins Sparschwein, und zwar zweistellig.

©Johanna Bayer

Originalinterview mit Christoph Minhoff – Titel: „dpa fragt nach der Situation der Branche“

SPIEGEL zum Interview mit Minhoff: „Ernährungsindustrie sorgt sich wegen mangelnder Kochkünste der Deutschen“

STERN zum Interview mit Minhoff, Titel: Ernährungsindustrie: Deutsche können nicht mehr kochen

 

Geld und so in Zeiten von Corona: Spenden Sie jetzt!

Das bleibt natürlich völlig freiwillig. Einfach ins Sparschwein stecken, es steht mit diesem Bild oben rechts im Menü.

Framing-Alarm! Sprache schafft Bewusstsein – auch beim Essen?

Framing ist das neue Überzeugen, sagen Kommunikationsberater, denn es polt das Denken um. Mag sein – doch die Erfahrung bei der Ernährung zeigt: Beim Essen funktioniert Framing schmerzhaft nicht. Dafür erweist sich als überraschend schädlich, wie Essen permanent geframed wird, und zwar in „gesund“ und „ungesund“. Das ist kontraproduktiv – Quarkundso.de fordert ein Gesetz gegen Ungesundheitsgeschwätz.

 

Teller, zwei Toastscheiben, zwei Spiegeleier

Alles, aber auch alles „ungesund“: Eier (vom Tier!). Toast (Weizen!). Röstung (Acrylamid!). Wahrscheinlich auch noch in Butter gebraten – wie hat Oma das nur überlebt?

 

Wir müssen jetzt framen. Framing gehört einfach dazu. Framing ist das neue Überzeugen, diesmal mit Tricks aus der Kognitionspsychologie und Kognitionslinguistik.

Was mit Kognition macht nämlich immer Eindruck.

Deshalb berufen sich Leute, die andere beeinflussen oder nur schnell die Welt ändern wollen, gerne auf Geheimnisse des Gehirns: von Coaches über fragwürdige Psychoklempner wie Neurolinguistische Programmierer oder die Scientology-Sekte über Lehrer und Sozialpädagogen bis hin zu Genderaktivisten und natürlich Politikern.

Framing soll dabei als subtile Technik das Denken anderer kapern, indem man eindrucksvolle Wörter prägt. Die legen einen Deutungsrahmen fest, dem das Gegenüber nicht entkommt, wie Wissenschaftler herausgefunden haben sollen.

 

Wenn was weg soll: einfach umbenennen

Framen geht so: Etwas, das unerwünscht oder schlecht angesehen ist und das man Leuten unterjubeln will, benennt man um: in Schönes, Beliebtes, gut Klingendes oder moralisch Hochstehendes. Damit weckt man positive Assoziationen und appelliert an eigene Werte.

Gleichzeitig nimmt man sich Begriffe der Gegner vor. Diese etikettiert man auch neu, nämlich mit Negativem, Unmoralischem oder Abstoßendem. So ändert man Wahrnehmung und Denken bei der Zielgruppe – Sprache schafft Bewusstsein! – und schwupps, sind die Leute umgepolt.

Wichtig sind dabei das ständige Aufrufen des neuen Deutungsrahmens und das Einschleifen der Sprachbilder. Dann bringt das Wörding (*neusprech) die Gegner zur Strecke. Denn wenn man es richtig anstellt, sind sie gleich auch moralisch diskreditiert. So ungefähr hat es gerade die Linguistin Elisabeth Wehling den ARD-Sendern empfohlen, womit sie einen Sturm der Entrüstung auslöste.

Der war eigentlich unberechtigt – natürlich können sich öffentlich-rechtliche Sender zur strategischen Kommunikation beraten lassen.

Ob das Angebot gut war oder nicht, sei allerdings dahingestellt.

Und ob das Framing so funktioniert, wie Frau Wehling es verkauft hat, auch.

 

Framing beim Thema Ernährung

Damit kommen wir zur Kernkompetenz von Quarkundso.de: dem Verhältnis von Essen und Medien. Und zum Framing.

Essen wird nämlich brutal geframed. Wirklich brutal. Seit vielen Jahren, und nicht nur von Journalisten. Sondern auch von Ämtern, Verbänden und Institutionen, Ärzten und Politikern, Aktivisten und Lobbyisten.

Dabei ist die Auswahl an Frames mehr als dünn: Es gibt nur noch einen einzigen Deutungsrahmen für Essen und Ernährung.

Und das ist „Gesundheit“.

Dieses Etikett pappt inzwischen überall drauf. „Gesund“ zu essen ist geradezu eine nationale Obsession geworden: Laut Ernährungsreport der Ministerin Klöckner hat das Merkmal „gesund“ schon die Geiz-ist-Geil-Haltung überholt. Nur noch 32 Prozent schauen beim Essen auf den Preis, dagegen ist es 91 Prozent wichtig, dass Essen „gesund“ ist.

Das ist neu, schließlich sind die Deutschen in Europa berüchtigt für ihre Billig-Mentalität beim Essen. Zumindest für die Selbstdarstellung haben sie diese also abgelegt.

 

Das Framing-Paradox: Anders reden als man isst

Logo Goldener Blogger

Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015M

Man darf sich nämlich nichts vormachen: In Umfragen neigen Menschen dazu, sich besser zu geben als sie sind – ökologischer, bescheidener, gemeinwohlorientierter, vernünftiger, tierfreundlicher und bedacht auf die Figur.

Wenn sie mit dem Fragebogen fertig sind, gehen sie zum Discounter, kaufen Hähnchenfleisch für 0,99 Euro und zischen zwei, drei Feierabendbier. Ab morgen machen sie Diät.

Für das Framing beim Essen ist dies nichts weniger als eine Bankrotterklärung: Das Dauerfeuer mit „gesunder Ernährung“ und „gesunder Wahl“ kommt nicht an.

Schon 2005 hielt der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Volker Pudel, diesen mentalen Zustand im Spiegel-Magazin fest:

„Die Deutschen essen so, wie sie immer gegessen haben. Nur heute mit schlechtem Gewissen.“ (Spiegel-Spezial vom 28.6.2005).

Das zeigt schmerzhaft: Weder der Gesundheitsrahmen noch das ständige Einschleifen der Parolen funktionieren beim Thema Ernährung – anders als Framing-Experten es versprechen.

 

„Vom Wissen zum Handeln“ ist das Problem

Jetzt, gut 15 Jahre später, sind die Ernährungshüter noch verzweifelter. Denn nie waren die Deutschen so dick wie heute, eine Welle von Übergewicht und seinen Folgekrankheiten rollt über das Land.

Unter Berufstätigen und Rentnern ist Normalgewicht schon nicht mehr die Regel, beklagte erst 2017 die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, (DGE). Der mündige Bürger gibt sich derweil weiterhin gesundheits-, figur- und umweltbewusst.

„Vom Wissen zum Handeln“ lautete daher erst 2018 ein hilfloser Kampagnenspruch des Ernährungsministeriums zu einem Ideenwettbewerb: Wie bringt man Leute dazu, das, was sie bereitwillig als Absicht herunter beten, auch zu tun?

Schließlich haben schon Vierjährige das Framing intus und deuten auf Toastbrot, wenn sie zeigen sollen, was „ungesund“ ist, und auf Roggenbrot, wenn es um „gesund“ geht.

Was sie lieber essen, liegt aber auf der falschen Seite, und zwar quer durch alle Altersklassen. Doch wird danach nicht gefragt, und so beginnt die Spaltung im Kopf.

 

Gesund oder ungesund – und sonst nichts?

Doch schauen wir uns das Framing bei der Ernährung, den Deutungsrahmen, noch etwas genauer an. Der Kontext „Gesundheit“, in dem Essen fixiert ist, bringt bestimmte Vorstellungen mit sich, darunter die, Lebensmittel könnten wirken wie ein Medikament.

Das aktiviert Begriffe aus Medizin, Pharmazie und Therapie: Heilmittel, Iss Dich gesund, wirksame Inhaltsstoffe, starke Antioxidantien, Droge, Gift, Sucht, Suchtmittel, Entzug, Ausnüchtern, Selbstheilung, Entgiftung.

Das rigide Einteilen von Lebensmitteln in „gesund“ oder „ungesund“ gehört dazu. Es stammt aus den USA und England, wo die Denke seit Jahrzehnten üblich ist – begleitet von einer Explosion der Fettleibigkeitsepidemie, wohl kaum ein Zufall ist

Hierzulande haben sich Ernährungsfachkräfte zuvor jahrzehntelang abgemüht zu erklären, dass das Verteufeln einzelner Lebensmittel oder Inhaltstoffe Unsinn ist: Der Mensch ist ein Allesfresser und isst eine große Auswahl von Nahrungsmitteln, außerdem gehören zur Gesundheit viele Faktoren, darunter das Körpergewicht, Bewegung, Schlaf und Stress.

Problematisch sind aber nicht einzelne Inhaltsstoffe oder Produkte, sondern in allererster Linie das Übergewicht, ganz gleich, womit man es sich angefuttert hat.  Dazu kommen mangelnde Bewegung, zu wenig Schlaf, ständige Anspannung.

Die Vorstellung aber, dass man durch bestimmte Lebensmittel – „die gesunde Wahl“ – alles steuern kann, ist verfehlt. Denn ein einzelnes Lebensmittel ist nicht „ungesund“ – es ist der Lebensstil, der gesund oder ungesund sein kann.

 

Jetzt „ungesund“: Küchenklassiker der Deutschen

Logo Wissenschaftsblog 2015

Wissenschaftsblog 2015: Sonderpreis der Redaktion „Wissenschaft kommuniziert“

Doch mit dieser Weisheit ist es vorbei, seit die Kategorien gesund/ungesund Front machen in Texten, Webseiten, Stellungnahmen, Studien und Ernährungsratschlägen: Was früher genossen werden durfte, dazugehörte, in Maßen erlaubt oder einfach toleriert wurde, ist jetzt „ungesund“.

Das trifft nicht nur die üblichen Verdächtigen Cola, Chips und Süßigkeiten.

Nein, auch traditionelle Viktualien stehen unter dem Bann. Denn „ungesund“ sind inzwischen auch Fleisch, Wurst, Milch, Käse, Eier, Weizen, weißes Mehl und natürlich Zucker.

An konkreten Gerichten trifft es unter anderen Pommes frites, Currywurst, Salami, Leberkäse, Bratwurst, Schweinebraten, Schnitzel, Hamburger, Sahnetorten, Kekse, Eis, Käsespätzle, Kakao, weißen Reis, Wild wie Rehbraten (rotes Fleisch!), Weißbrot, Baguette, Laugenbrezeln (Schweineschmalz!) und sogar den früher gerne empfohlenen Fisch (zu viel tierisches Protein! Schwermetalle! Mikroplastik! Antibiotika! Parasiten!).

 

Absurde Widersprüche

Teilweise entstehen dabei absurde Widersprüche, etwa beim jüngst lancierten EAT-Lancet-Report.

Das Papier, stark unter dem Einfluss von notorischen Fett- und Fleischfeinden entstanden, etikettiert rotes Fleisch von Rind, Schwein, Lamm, Ziegen, Kühen und anderen Säugetieren rundheraus als „unhealthy food“.

Das ist Unsinn. Die Daten aus der Forschung geben das nicht her.

Entsprechend müssen die Experten tatsächlich in ihrem eigenen Papier konstatieren, dass tierische Lebensmittel wie Milch, Eier und natürlich rotes Fleisch besonders segensreich für das Wachstum und die Gesundheit von Kindern sind, zum Beispiel in Afrika:

In observational studies, high intake of animal source foods has been associated with improved growth, micronutrient status, cognitive performance, and motor development, and increased activity in children.

(Quelle: EAT-Lancet-Report Food in the Anthropocene, Seite 10).

Weltfremd und gegen die Esskultur

Schräg ist auch die Sicht der EAT-Lancet-Experten auf die gesättigten Fette. Die Autoren favorisieren nämlich moderne pflanzliche Industrieöle, die von Lebensmittelmultis vermarktet werden.

Gesättigte Fettsäuren, wie sie auch in Butter, Schweineschmalz oder anderen traditionellen Fetten vorkommen, sollen dagegen möglichst aus den Küchen verschwinden: Die Spannbreite in den täglichen Empfehlungen der Kommission beginnt bei null.

Das ist im wahrsten Sinne des Wortes weltfremd.

Denn die Hauptnahrungsfette in den Küchen der Welt sind traditionell tierischen Ursprungs und enthalten gesättigte Fettsäuren – zumal „null gesättigte Fettsäuren“ schlichtweg nicht geht. Schließlich enthalten alle, wirklich alle pflanzlichen Fette, darunter Oliven-, Sonnenblumen-, Palm- und Kokosöl sowie Margarine, auch gesättigte Fettsäuren.

Wer überhaupt keine gesättigten Fettsäuren zu sich nehmen will, dürfte daher gar kein Fett essen. Schwerer Vitaminmangel und Organversagen wären die Folge.

 

Neues Framing für Kakao: ungesund!

Weiße Blechtasse mit Kakao

Kakao, der Kindertrunk: Neuerdings „ungesund“.

Im Gesundheitsframing steht seit kurzem auch Kakao. Kakao macht Kinder nämlich dick und krank.

Kakao ungesund? Für Kinder?

Äh – gibt es denn ein Getränk, das mehr zu Kindern gehört als Kakao? Man kann sich das gar nicht vorstellen.

Aber tatsächlich ist es Framing-Spezialisten von der Verbraucherorganisation Foodwatch gelungen, den Schulkakao als „ungesund“ zu framen und das nicht nur unzähligen Redaktionen zu verkaufen, sondern auch mehreren Länderparlamenten.

Kakao, so die Essensretter (Selbstbeschreibung), sei schuld am Übergewicht von Kindern – schließlich enthalten die fertigen Schokodrinks der Milchlieferanten Zucker. Gezuckerter Kakao passe nicht in die Schule, so Foodwatch.

Nun steht Zucker auf der Fahndungsliste der Gesundheitspolizei gerade ganz oben, noch über Fett und Fleisch. Aber muss man wegen etwas Zucker den Kakao aus dem Schulprogramm nehmen?

 

Kinder dürfen Kakao trinken

Laut Foodwatch ja: Die Verbraucherschützer finden, dass es in Schulen überhaupt nichts mit Zucker geben darf. Angeblich, so die Aktivisten, widerspricht Kakao an Schulen sogar den Richtlinien der DGE für Schulverpflegung, denn diese sähen keine gezuckerten Milchprodukte für Kinder vor:

„Diese Förderung von Milch mit Zuckerzusatz widerspricht sogar den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das Schulmilchprogramm in NRW fördert mit Steuergeldern ein Ernährungsangebot an Schulen, das den Empfehlungen zuwider läuft.“ (Quelle Foodwatch)

Doch so rigide ist nicht einmal die DGE: „Zucker wird in Maßen eingesetzt“, steht in den DGE-Richtlinien für Schulverpflegung.

Und nichts anderes.

Da steht nicht: „Zucker ist verboten“. Oder „Zucker wird gemieden“ oder „Zucker wird nicht zugesetzt“, nicht einmal „So wenig Zucker wie möglich“ oder gar „Zucker ist ungesund“.

 

Übergewicht bei Schulkindern hängt nicht am Kakao

Junge, ca. 8 Jahre alt mit Brill und Kapuzenpulli in Klassenraum schreibt mit Bleistift

Ob Schulkinder dick oder schlank sind, hängt wenig vom Essen ab, hat die KOPS-Studie gezeigt

Es steht auch nicht in den Richtlinien, dass gezuckerte Milchgetränke in der Schule nicht angeboten werden dürften, genauer:

Zu gezuckerten Milchgetränken steht überhaupt nichts in den DGE-Kriterien für gute Schulverpflegung.

Den fanatischen Gesundheitsaktivisten von Foodwatch ist Kakao vielleicht unerwünscht, weil sie sich in den Kopf gesetzt haben, dass der Schokotrunk die Übergewichtsfrage entscheidet.

Aber erstens ist das nicht so. Übergewicht von Schulkindern hängt charakteristisch wenig mit dem zusammen, was sie in der Schule essen. Dazu gibt es große Studien.

Und zweitens ist Kakao – vielleicht – nicht besonders gesund. Aber ganz sicher ist er nicht ungesund.

 

Weg mit unzulässigen Ungesundheitsaussagen!

Damit wären wir am entscheidenden Punkt: An allem ist nur dieses elende Framing Schuld.

Quarkundso.de fordert daher mit Nachdruck und sofortiger Wirkung: Das permanente Gesund-Ungesund-Spalten muss endlich aufhören!

Es ist kontraproduktiv, verleidet Menschen das Essen und fördert eben genau keinen gesundheitsbewussten Lebensstil. Sondern nur Krampf und Einseitigkeit. Dazu muss ein Gesetz her. Schließlich sind unzulässige Gesundheitsaussagen mit Recht verboten – aber was ist mit unzulässigen Ungesundheitsaussagen?

Wir fordern: Schluss mit dem Gerede von „ungesunden“ Lebensmitteln!

Ebenso, wie niemand mit pauschalen, unbelegten Gesundheitsversprechen oder angeblichen Heilwirkungen für Lebensmittel werben darf, darf auch niemand Produkte oder einzelne Inhaltsstoffe als „ungesund“ brandmarken.

Also weg mit „Zucker ist eine Droge!“, „Fleisch macht krank“, „Milch ist Gift“, „Kakao ist ungesund“.

 

Hohe Strafen: die Lex Incuria von Quarkundso.de

Wenn man ehrlich über Essen reden will, muss man die Gesund-Ungesund-Dualität verlassen:  Quarkundso.de führt dazu die neue Lex Incuria ein, von lateinisch incuria = nachlässig, mangelhaft, Mangel an Sorgfalt.

Dieses Gesetz wird Ungesundheitsframing verhindern. Dazu belegt die Lex Incuria entsprechendes Gelabere von Essenshütern jeglicher Provenienz mit schweren Strafen.

In Einzelfällen können, insbesondere gegen einflussreiche Verbände, Unternehmen, Behörden, Food-Aktivisten, NGOs oder Lobbyvereine, hohe Geldsummen auferlegt werden, zu überweisen auf das Sparschwein von Quarkundso.de.

Die ersten Mahnbescheide sind schon raus.

©Johanna Bayer

 

Mittagessen: Das SZ-Magazin und die Feinde der Mittagskultur

Eine Autorin in SZ-Magazin stört sich daran, dass Kollegen schick „zum Lunch“ wollen statt sich nur schnöde Nahrung reinzuschaufeln, wie es mittags nunmal ansteht. Das ruft Quarkundso.de auf den Plan: Wir protestieren aufs Schärfste.

 

Mittagessen bei der Arbeit: Idealerweise als feiner Business-Lunch, sonst aber gerne auch in der Kantine das Menü 1. Denn wer arbeitet, muss auch essen.

Im SZ-Magazin kam was zum Mittagessen, ach nein, es ging um den „Lunch“. Man gehe nicht mehr zum Mittagessen, berichtet Sina Pousset, Autorin der Generation Y. In ihren Kreisen gehe man jetzt „lunchen“.

Das sei neumodischer Unsinn, beklagt Pousset, Jahrgang 1989.

Schließlich drehe es sich immer noch um eine höchst prosaische Mahlzeit mitten im Arbeitstag, die durch hippe Anglizismen keineswegs geadelt werde – Currywurst bleibt Currywurst.

Wer sich also einbildet, mit einem „Lunch“ besonders weltmännisch und nach „vielen Flugmeilen“ zu klingen, hat laut Pousset nicht verstanden, dass die meisten Leute mittags nur das Allernötigste essen. Diese schnöde Nahrungsaufnahme müsse man nicht unnötig aufblasen. Das gute alte Wort „Mittagessen“ scheint ihr daher viel passender als eine Angebervokabel aus dem Wortschatz urbaner Spießer:

„Denn der Anglizismus kann nicht zaubern. Er verwandelt Durchschnittsessen nicht in Kobe-Beef und den Italiener im Industriegebiet nicht in die Steakbar in Downtown Manhattan.“

Ihr selbst reiche, schiebt sie nach, mittags auch mal eine Schüssel Cornflakes mit kalter Milch.

 

„Fressen wie die Schweine“

Logo Goldener Blogger

Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015

Natürlich muss Quarkundso.de da energisch einschreiten: Wir protestieren aufs Schärfste!

Denn der Artikel ist zwar teilweise amüsant, und Deppen-Anglizismen sind immer ein lohnendes Ziel. Aber die Autorin verfehlt auf gefährliche Weise den Kern der Sache.

Sie kritisiert nämlich nicht nur den Sprachgebrauch.

Nein, Pousset stänkert generell dagegen, dass man sich zum Mittagessen Zeit nimmt und an einem gedeckten Tisch sitzt. Dabei outet sie sich als Feindin der genüsslichen Hauptmahlzeit. Das Mittagessen sei „von Haus aus unglamourös“ und primitivster Trieb:

„Energiezufuhr, im rein praktischen Sinn. Wenig Zeit trifft auf viel Hunger. Das ist dann oft mehr Fressen als Essen. Wie die Schweine am Trog und hoffen, dass nichts daneben geht.“

Das ist unmöglich. Eine solche Entwertung des Mittagsmahls ist kulturlos und menschenfeindlich, ebenso der ganze Kontext, in den die Autorin Essen stellt.

Damit ist sie nicht alleine: Zwar sind nicht alle so unflätig, aber das warme Essen in der Mitte des Tages wird immer öfter abgewertet, als Leistungsbremse betrachtet und wegrationalisiert.

Und das nicht nur von ausbeuterischen Chefs. Nein, besonders von jungen Leuten.

Eine treibende Kraft sind die urbanen Vielarbeiter, die digitalen Nomaden, die Performer aus kreativen Etagen und Neu-Berliner wie Sina Pousset. Die stammen zwar meist aus der Provinz, wo man in der Regel noch ordentlich zu Mittag isst. Aber urban, wie sie jetzt sind, halten sie die warme Mittagsmahlzeit für unfein.

 

Mittagessen? Hält nur auf

Wir haben darüber schon ausführlich berichtet, genauer gesagt lamentiert. Das war 2017, in einem der längsten Artikel bei Quarkundso.de überhaupt.

Das ist kein Zufall. Denn das Thema ist zu wichtig, um es kurz abzuhandeln und wir werden nicht müde, darauf aufmerksam zu machen, wie genussfeindlich und ungesund die sich immer mehr durchsetzende Snack-Kultur ist.

Inzwischen sind sämtliche Ratgeber, Ernährungsportale, unzählige Blogs und alle Krankenkassen gleichgeschaltet: Mittags muss es auf jeden Fall schnell gehen, etwas anderes kommt nicht in Frage.

Dabei gilt schon ein Teller Nudeln mit Soße, auf jeden Fall aber Fleisch mit Beilagen als zu üppig, weil warmes Essen angeblich zu „schwer im Magen“ liegt.

Das ist physiologischer Unfug und dazu unzivilisiert. Es deckt sich aber mit verqueren Vorstellungen gewisser Rationalisierer und Globalisierer, nach denen menschliche Bedürfnisse willkürlich verschiebbar sind, damit ununterbrochen gearbeitet werden kann.

Entsprechend hat auch Autorin Pousset in der SZ Leute auf dem Kieker, die es anders halten und dem Mittagessen Wert zumessen – etwa Restaurants wie ihr kleiner Italiener an der Ecke, der, wie sie schreibt, seinen Mittagstisch neuerdings als „Business-Lunch“ anpreist. Dem Wirt verübelt sie, dass er sich an den Trend ranhängen will.

 

Das gute alte Geschäftsessen

Logo Wissenschaftsblog 2015

Wissenschaftsblog 2015: Sonderpreis der Redaktion „Wissenschaft kommuniziert“Und

Gut, man kann kleine Gastronomen dafür abkanzeln, dass sie ein Geschäft machen wollen.

An der Sache selbst gibt es aber nichts zu meckern. Denn wenn der kleine Italiener von Frau Pousset ein echter Italiener ist, hält er natürlich auf das Mittagessen: In Italien isst man mittags warm, ebenso wie in Frankreich, beides Länder mit berühmter Esskultur.

Anders ist das in den USA und England. Von dort stammt der verhängnisvolle Trend zum kalten Happen am Mittag, wobei man dort vielleicht gerade deshalb riesige Probleme mit Übergewicht und Diabetes hat.

Und dabei ist der sogenannte „Business-Lunch“ gar nicht identisch mit den berüchtigten amerikanischen „Snacks“ aus der „Lunchbox“.

Beim Business-Lunch handelt es sich vielmehr um ein Ritual, das in der europäischen Esskultur viel tiefer wurzelt als das Knabbern an Salatblättern zum Mittag: um das gute alte Geschäftsessen.

Historische Betrachtungen zu Bankett und Symposium sparen wir uns, die Vorteile des Redens beim Essen liegen auf der Hand: Sie reichen von der Kontaktpflege über das unauffällige Checken von Manieren und Weltläufigkeit bis zur Entkrampfung bei schwierigen Themen.

Am besten ist aber der klare Konsens, der beim Business-Lunch besteht: Es gibt was Gescheites zu essen. Niemand speist Manager mit Salat, Apfelschnitzen und Nüssen ab, wie es die Krankenkassen gestressten Büroarbeitern „zum Mittagssnack“ empfehlen.

Nein, zum Business-Lunch gibt es ein feines, mindestens zwei- oder dreigängiges Menü, und zwar zu Recht: Babyfutter mit Jogurt und püriertem Obst aus der Tupperware ist nichts für Erwachsene, die oft einen Zehnstundentag haben.

 

„Snack am Mittag“ von der Techniker Krankenkasse – Brötchen statt Hauptmahlzeit

Gepose mit kaltem Körnerkram

Daher verläuft die Front zwischen uns und Frau Pousset klar: Wir stehen auf der anderen Seite.

Wir kämpfen für die warme, nahrhafte Hauptmahlzeit, in welcher Form auch immer, ob schlicht in der Kantine oder edel im Restaurant. Warmes, frisch gekochtes und in Ruhe eingenommenes Essen ist gesünder, nahrhafter, befriedigender und appetitlicher als der kalte Körnerkram, der uns für den „leichten Lunch“ aufgeschwatzt wird.

Und wir schlagen zurück: Für Quarkundso.de sind nicht diejenigen die Angeber und Wichtigtuer, die mittags zum Essen gehen. Sondern die, die im Büro aus der Tüte futtern und behaupten, sie hätten keine Zeit für eine richtige Mittagspause.

Deren Präsentismus und das Gepose um Mitgebrachtes geht uns auf den Geist – das ganze gequollene Quinoa-Zeug, die glitschigen kalten Nudeln, die unreifen Avocados, übergossen mit süßem Balsamico-Dressing, die durchgeweichten Wraps mit muffigem Ei, die matschigen Salate, die pappig-schweren Vollkornbriketts mit Belag aus Kunstkäse oder Putenlappen.

Es leuchtet uns auch absolut nicht ein, warum ein Salat mit Fertigdressing aus der Plastikdose mittags „gesünder“ sein sollte als eine Portion Krautwickel mit Kartoffelpüree aus der Kantine.

Er ist es nämlich nicht.

 

Weiße Plastikdose mit gerolltem Sandwich (Wrap)

Durchgeweichte Wraps aus der Tupperware – für uns ist das nichts

Ohne Manieren: Mampfen am Schreibtisch

Auch das Mampfen am Schreibtisch finden wir unästhetisch und unhygienisch, sogar belästigend für Kollegen in demselben Raum. Und wer, was öfter vorkommt, mit vollem Mund ans Telefon geht, hat definitiv keine Manieren und aus unserer Sicht eine Abmahnung verdient.

Frech, wie wir sind, hängen wir uns gerne auch etwas weiter aus dem Fenster: Wer dauerhaft keine Zeit zum Essen hat, kommt mit seiner Arbeit nicht klar.

Da muss der Chef mal nachsehen und seine Fürsorgepflicht wahrnehmen. Und umgekehrt: Wenn Vorgesetzte keine Rücksicht auf die Mittagszeit nehmen und ständig Meetings von 12 bis 14 Uhr ansetzen, sind sie in ihrer Position falsch.

Wir präferieren dabei entschieden den Gang in die Kantine – eine auch nur halbwegs vernünftige Großküche, die ein oder zwei Auswahlessen und ein kleines Salatschüsselchen bietet, macht uns leistungsfähig für den Rest des Arbeitstages.

Die Belegschaft von Quarkundso.de marschiert jedenfalls mittags geschlossen in die Kantine, wenn eine da ist. Immer. Auch lassen wir das Mittagessen nie ausfallen, in Worten: nie.

 

Ausschnitt aus Twitter, Text: Kollegin kriegt seit Tagen mit, dass i keine Zeit hab zu essen sie kommt in mein Büro stellt mir ungefragt essen auf Tisch und sagt iss

Opfer der modernen Arbeitswelt: Auf Twitter berichtet eine junge Userin, dass sie tagelang keine Zeit zum Essen hat – das darf nicht sein.

Die Feinde der Mittagskultur

Doch der Feldzug gegen das warme Essen in Deutschland läuft: Schon Kindern wird die Hauptmahlzeit am Mittag regelrecht aberzogen, teils mit absurden Begründungen. Der Blick in ein beliebiges Mütterforum im Internet zeigt das:

„Eine gesunde und ausgewogene Ernährung braucht keine warme Mahlzeit. Die meisten essen gerne warm, weil es angenehm ist und gut schmeckt, aber gesünder ist es nicht. Meine Tochter bekommt in der Woche mittags auch nichts warmes, denn gekocht wird bei uns erst abends, wenn mein Mann da ist. Da kann sie sich, dann aussuchen ob sie was warmes mitisst oder sie isst Butterbrot, Rohkost und Joghurt. Warmes Mittagessen gibts bei uns nur am Wochenende.“

„Ich finde, das ist jedem selber überlassen (…) Die bedenken deiner Schwiegermutter sind Quatsch. Gerade bei warmen Essen ist so schnell alles Gesunde rausgekocht, da ist nun wirklich Rohkost usw. das wertvollere Essen.“

„Kein Mensch braucht mittags ein warmes Essen“

Zitate aus „Mama-Forum“ im Internet.

Interessanterweise sind Ernährungsexperten und Familienratgeber durchaus anderer Meinung und in Ganztagsschulen ist das – warme – Mittagessen sogar gesetzlicher Anspruch und häufig auch Pflicht.

Aber Feinde der Mittagskultur erstreiten sich, dass sie ihre Kinder vom Essen abmelden dürfen.

 

Zum Schaden der Kinder

Gleichzeitig berichten Zeitungen seit Jahren darüber, dass Erziehungsberechtigte das Schulessen nicht bezahlen und ihre Kinder deshalb mittags weinend vor leeren Tellern sitzen – oft dieselben, die morgens schon ohne Frühstück in die Schule kommen.

In vielen Fällen geht es dabei nur um den Mindestbeitrag von einem Euro täglich, fünf Euro die Woche, 20 Euro im Monat.

Welche Gründe solche Eltern auch immer vorbringen mögen, ob Überschuldung, Leben von Hartz IV oder „Die ist das gewöhnt!“, „Der braucht mittags nichts“, und „Wir kochen doch abends warm!“, eines muss klar sein: Das schadet den Kindern.

Wie bei den Zitaten aus dem Mama-Forum oben zu sehen war, geht es dabei nicht immer um Geld. So berichtete der Tagesspiegel 2016 aus Berlin:

Etliche Ganztagsschulen haben Probleme, die Eltern von der Notwendigkeit eines warmen Mittagessens zu überzeugen. Nach Informationen des Tagesspiegels gibt es mindestens eine Ganztagsgrundschule in Berlin, in der nur ein Drittel der Familien einen Vertrag mit einem Caterer abgeschlossen hat. In anderen Schulen sind es mitunter 50 oder 60 Prozent – und das, obwohl laut Schulgesetz eigentlich alle Kinder in Ganztagsschulen ein warmes Mittagessen bekommen sollen.

Ist das Kindeswohl gefährdet? Ja. Punkt.

Auf Anfrage musste der Berliner Senat 2016 tatsächlich, so der Tagesspiegel, der peinlichen Fragen nach dem Kindeswohl nachgehen. Man war sich da nicht ganz sicher:

„Unklar ist, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, wenn Eltern ihre Kinder mehr als acht Stunden ohne Essen lassen.“

Wir beantworten die Frage mal schnell und hängen uns dabei wieder weit aus dem Fenster: Ein Grundschulkind den ganzen Tag ohne Essen zu lassen, gefährdet das Kindeswohl, ja. Und es von einem warmen Mittagessen fernzuhalten, das sein Körper in der Wachstumsphase braucht, ebenfalls.

Unregelmäßige Mahlzeiten ohne warmes Essen stehen genau deshalb in Kriterienkatalogen für die Gefährdung von Kindern in der Familie, wie sie Jugendämter und Sozialbehörden nutzen.

 

Nachts schlafen. Tagsüber arbeiten. Mittags essen.

Zum Glück sind die Feinde des Mittagessens noch in der Minderheit. Aber sie machen gewaltig Druck.

Interessanterweise neigen nämlich diejenigen, die mittags mit einem Müsliriegel auskommen, zu autoritärem Reinregieren in den Bauch der anderen: „Das muss auch mal so gehen!“, „Warum isst Du nicht einfach einen Apfel?“, „Du kannst doch heute Abend essen!“.

Solchen Menschen mangelt es an Rücksicht und sie gehen ausschließlich von ihren eigenen Bedürfnissen aus: Weil sie Hunger verschieben oder gleich gar keinen haben, können sie sich nicht vorstellen, dass es anderen anders geht.

Doch Hunger am Mittag ist so natürlich wie der Schlaf in der Nacht.

Und menschliche Bedürfnisse sind nicht beliebig disponierbar. Menschen werden krank, wenn sie ihrem physiologischen Rhythmus nicht folgen. Der mag – in Grenzen – individuell sein, doch die grobe Linie ist: Nachts schlafen. Tagsüber arbeiten. Mittags essen.

 

Das Mittagsmanifest von Quarkundso.de

Daher wiederholen wir besonders mit Blick auf Schwächere und Kinder die wichtigsten Forderungen zur vernünftigen Mittagspause (das vollständige Mittagsmanifest ist im Artikel von 2017 zu lesen):

Die Mittagspause ist gesund und wichtig. Ein ordentliches – warmes – Mittagessen muss drin sein, wenn Arbeitnehmer, Kinder, Teamkollegen, wer auch immer, das möchten.

Arbeitgeber und der Staat sind dabei in der Pflicht, Schwächere vor menschenfeindlichem Druck zu schützen: Wir fordern angemessene Pausenplanung, mehr Kantinen, warmes Schulessen für alle Kinder, finanziert vom Staat. Ohne Wenn und Aber.

Natürlich soll dabei niemand zum Essen gezwungen werden.

Umgekehrt ist entscheidend: Diejenigen, die essen möchten, dürfen nicht daran gehindert werden. Nichtesser dürfen daher in keiner Situation über Menschen bestimmen, die mittags was Warmes brauchen.

Wir werden an dieser Front beharrlich weiterkämpfen, denn das Mittagessen ist  es wert – Oberthema: „Essen ist ein Menschenrecht“. Fortsetzung folgt.

©Johanna Bayer

 

SZ-Magazin vom 3.10.2018 zum Thema Lunch

Der Tagesspiegel über Schulessen und den Elternbeitrag

WDR, Quarks&Co dazu, warum Menschen mittags essen sollten – „Fünf Fakten für das Mittagessen“   – handgeklöppelt von der Chefredakteurin

Ausführlicher Beitrag zum Kulturkampf um das Mittagessen von 2017 mit historischem Hintergrund

 

Die BBC entdeckt: Franzosen verstehen was vom Mittagessen!

Das Mittagessen steht schwer unter Beschuss, und zwar von der anderen Seite des Atlantiks aus: Das warme Essen verkommt immer mehr zum kalten Snack der angelsächsischen Welt, der gar nicht erst zum Sattwerden gedacht ist. In diesen Kulturkampf greift jetzt ausgerechnet die BBC ein. In einem  bemerkenswerten Film zeigt sie, warum der schnelle Lunch falsch und ungesund ist – und was alle von den Franzosen lernen sollten.

 

Essensausgabe, Wannen mit verschiedenen Gerichten, Hand präsentiert Teller mit Gemüse, Reis und Fleisch

Mittags in die Kantine und warm essen – Menschenrecht oder Schlendrian?

Die BBC hat einen Beitrag zum Thema Mittagessen gemacht.

Das ist das Leib- und Magenthema von Quarkundso.de und kann daher nicht unbeachtet bleiben.

An dem Ding selbst gibt es allerdings nichts zu kritisieren.

Denn die Engländer fragen: „Können wir von den Franzosen etwas über das Mittagessen, lernen?“

Heraus kommt: „Oh, wir können tatsächlich von den Franzosen lernen! Sie nehmen sich auch an Werktagen Zeit zum Mittagessen, genießen und zelebrieren es, trinken Wein dazu, essen mehrere Gänge und sind dabei noch gesünder und weniger übergewichtig als wir Briten. Wir sollten uns an ihnen orientieren und ab jetzt immer eine lange Mittagspause machen, samt Menü und einem Glas Wein.“

Das war´s in etwa.

Jetzt kann man sich gleich das Video anschauen – Quarkundso.de verleiht das Prädikat „besonders wertvoll“ und empfiehlt den Beitrag ausdrücklich zum Selbststudium.

Gut, diese gekünstelte Eingangsfrage muss man natürlich kommentieren: Sie ist an Trivialität und Naivität nicht zu überbieten. Denn dass wir (alle) von den Franzosen über Essen etwas lernen können, ist keine Frage.

Die ganze Welt lernt von den Franzosen was übers Essen, ganz besonders die Europäer, und zwar schon seit vielen Jahrhunderten. Es gibt wohl kaum etwas, das weniger umstritten ist als der Bedeutung der französischen Küche für die internationale Gastronomie.

Trotzdem ist das Video hochinteressant.

Nicht nur, weil der weltberühmte Kultursoziologe Claude Fischler vom nationalen Forschungsinstitut CNRS Zahlen, Fakten und geistreiche O-Töne zur Bedeutung des Essens als sinnliche Gesamterfahrung liefert.

Nicht nur, weil man Leute im gleichfalls weltberühmten und spektakulären Edelschuppen „Le train bleu“ am hellichten Tag üppig tafeln sieht.

Auch keineswegs nur, weil es O-Töne von Köchen, Weinhändlern und jungen Professionals gibt, die in aller Seelenruhe erklären, dass eine zweistündige Mittagspause gerade mal ausreicht, dass dazu der Tag in Frankreich einfach anders eingeteilt wird, dass drei bis vier Gänge die Regel sind und dass ein Glas Wein unbedingt dazu gehört, weil Essen ohne Wein nicht schmeckt.

Sondern weil es um das Mittagessen an sich geht.

Logo Goldener Blogger

Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015

Dazu hat Quarkundso.de mehrere Meter zu sagen. Es ist so viel, dass hier wieder ein ganz langer Beitrag kommt, mit Zigtausenden von Pixeln – und das ist längst nicht alles. Vielleicht wird es daher eine Serie und der Anstoß zu einem Aktivisten-Aktion.

Daher sind die folgenden gemischten Bemerkungen zum Mittagessen erst ein bescheidener Anfang, und nur für Stammleser, Abgebrühte und Profis.

Wer nicht so viel lesen will, kann jetzt gleich zum Video umschalten. Hier ist der Service-Link.

 

Alter Lehrertrick: Sich erstmal dumm stellen

Dass die BBC so tut, als seien die Franzosen ein gerade erst entdeckter primitiver Urwaldstamm, dessen robuste Gesundheit und unbekannte Gebräuche man erkunden will, ist natürlich absurd. Zuzutrauen wäre es den Engländern allerdings, die mit gutem Essen bekanntlich nicht so viel am Hut haben.

Aber es ist nur der alte Lehrertrick, bei dem eine Frage die Schüler auf den Pfad der Erkenntnis locken soll. Das zieht bei uns auf dem Festland selbstverständlich nicht: Wir wissen, wer was vom Essen versteht.

Das unschlagbare Savoir-Vivre der Franzosen ist seit 2010 weltweit amtlich, seit nämlich die UNESCO das französische Gastmahl offiziell als Weltkulturerbe anerkannt hat:

“The (french) gastronomic meal emphasizes togetherness, the pleasure of taste, and the balance between human beings and the products of nature. Important elements include the careful selection of dishes from a constantly growing repertoire of recipes; the purchase of good, preferably local products whose flavours go well together; the pairing of food with wine; the setting of a beautiful table; and specific actions during consumption, such as smelling and tasting items at the table. The gastronomic meal should respect a fixed structure, commencing with an apéritif (drinks before the meal) and ending with liqueurs, containing in between at least four successive courses, namely a starter, fish and/or meat with vegetables, cheese and Dessert.“

Quelle: UNESCO

Genau das bebildert das BBC-Video aufs Schönste in Paris.

Kulturkampf um das Mittagessen

Dabei benennt das knappe Filmchen eines der brennendsten Themen unserer Zeit. Wir sind nämlich in einem Kulturkampf.

Das Mittagessen, die heilige Hauptmahlzeit, der Dreh- und Angelpunkt der abendländischen Hochkultur, die physiologisch und evolutionär notwendige Erholungspause im biologischen Tief des Tages, steht schwer unter Beschuss.

Und zwar von der anderen Seite des Atlantiks aus. In der angelsächsischen Welt, in England und den USA, ist das Mittagessen definitiv zum Imbiss verkommen.

Zum Lunch.

Ein Lunch ist kein Mittagessen. Er ist nicht als Mahlzeit intendiert, die befriedigt, den Magen wohlig füllt und den Arbeitstag angenehm unterbricht. Man soll dabei gar nicht erst satt werden.

Der Lunch soll nur überbrücken. Gerade mal das Schlimmste verhindern, den Motor notdürftig am Laufen halten, bis es abends was Vernünftiges gibt. Ein Lunch ist daher nicht viel mehr als ein Snack, eine unbedeutende kleine und meistens kalte Zwischenmahlzeit.

Kalt.

Bestenfalls ist er eine Suppe – auf jeden Fall aber etwas, was schnell geht, was man zwischendurch am Schreibtisch, im Auto, im Gehen oder an Stehtischen essen kann, am besten mit den Fingern. Und wozu man sich auf keinen Fall an einen gedeckten Tisch setzt und Zeit verschwendet.

Brötchen mit Salatblatt, Tomate, rosa Wurst oder Fleisch
Schmeckt nicht und macht nicht satt: Lunch-Burger mit Pressfleisch. Mehr darf es oft nicht sein. Bild: Pixabay

Gerne bringt man sich zum Lunch etwas von zuhause mit, „was Kleines“, „Leichtes“. Der amerikanische Lunchbox-Klassiker, Erdnussbuttersandwiches und Orangensaft, birgt dabei grauenvolle Auswüchse wie die Kombination von Erdnussbutter mit Marmelade, Bananenscheiben oder Schokolade.

Auch die dortige Variante für Kinder berufstätiger Mütter, beliebt seit den 1920er Jahren bis in die jüngste Zeit, lässt einen schaudern: Das Mittagessen bestand in zahlreichen Familien einfach aus Keksen und einem Glas Milch.

Mit solchen „Lunch Cookies“ oder „Lunch Crackers“ wurden vor allem in Amerika Generationen von Kindern abgespeist. Als Ersatz für ein warmes Essen oder überhaupt Essen. Die Plätzchen werden in Milch getunkt oder mit Milch übergossen. Das muss man sich mal vorstellen – zum Mittag.

 

Der Niedergang der gesamteuropäischen Esskultur

Doch leider läuft auch im Rest der Welt unter dem Druck der angelsächsisch dominierten Globalkultur das Mittagessen Gefahr, wegrationalisiert zu werden.

Es soll Schluss sein mit der willkommenen Unterbrechung mitten am Tag, zu der Vatern früher noch mittags von der Arbeit nach Hause ging, weil Muttern pünktlich um 12 Uhr die dampfenden Schüsseln auf den Tisch stellte.

Dieses ausgiebige Mahl soll verschwinden, für das im ländlichen Italien noch immer eine „pausa pranzo“ von 12.00 bis 16.00 Uhr gilt, in der die Läden, Büros und Museen geschlossen sind, das Leben auf den Straßen erstirbt und zuhause warm gegessen wird.

Warm.

Denn in den Augen der Engländer und Amerikaner, deren Weltbild die moderne Wirtschaft dominiert, hält ein warmes Essen mittags nur ungebührlich auf: „a full hot meal“ mitten am Tag gilt als unpassend und wird argwöhnisch betrachtet.

Das ist katastrophal, oder, wie es Wolfram Siebeck ausgedrückt hat: Es ist der Niedergang der gesamteuropäischen Esskultur.

Die Vorstellung, dass man kein Mittagessen braucht, dass Menschen ohne Mittagspause durcharbeiten können, dass ein warmes, nahrhaftes Essen mitten am Tag beschwert, müde macht oder lähmt, ist eine der großen Tragödien der Moderne.

Dieser Lunchirrtum scheint sich übrigens bitter am Gesundheitszustand der Engländer und Amerikaner zur rächen. Denn Länder mit dieser Mahlzeitenstruktur – mittags nichts oder „eine Kleinigkeit“, dafür abends alles auf einmal nachholen – haben im Vergleich größere Probleme mit Übergewicht und ernährungsbedingten Krankheiten.

So ein Zufall.

Hat eigentlich schon jemand danach gefragt, wie die Lunch-Unkultur mit der Fettleibigkeitsepidemie in denselben Ländern, namentlich in den USA und England, zusammenhängen könnte?

Diese Nummer mit den Keksen und der Milch statt eines richtig gekochten Essens für Millionen von Kindern? Die Vorstellung, dass man das Bedürfnis nach nahrhaftem Essen willkürlich verschieben und den Körper mit Pseudo-Nahrung vertrösten kann?

Quarkundso.de fordert dazu umgehend ein internationales Forschungsprojekt unter eigener Leitung.

Die Lunch-Ideologie ist aber auch philosophisch fatal: Sie macht den Menschen zur Maschine. Maschinen laufen Tag und Nacht mit demselben Treibstoff, es ist egal, wann man sie anwirft.

Nur sind Menschen keine Maschinen.

Wir sind Wesen, deren Physiologie in Rhythmen verläuft, die vom Sonnenstand, von den Jahreszeiten, vom Klima und von komplizierten, wenig entschlüsselten Kreisläufen der Hormone und Botenstoffe abhängen. Wir brauchen Pausen und Entspannung, und zwar besonders mitten am Tag.

Das ist alles messbar und vielfach wissenschaftlich belegt. Auch wer nicht isst, entkommt dem natürlichen Mittagstief nicht, er hat es trotzdem. Darüber gibt es überhaupt keine Diskussion.

Sich aber von diesem natürlichen Biorhythmus zu verabschieden, ihn zu negieren und der Willkür von Betriebswirten und Maschinenbauern zu unterwerfen, ist nicht menschengemäß.

 

Wofür der Mensch gemacht ist

Der Beweis für die universelle Bedeutung des Mittagsmahls sind die Essgewohnheiten in praktisch allen Ländern der Welt: Mittags wird erstens warm und zweitens eine volle Hauptmahlzeit gegessen, und es ist fast überall die größte Mahlzeit des Tages.

Ich wiederhole: Mittags warm. Und die Hauptmahlzeit.

Und ja, das gilt auch und besonders warme Länder, und für Frankreich, Italien, Spanien, den gesamten Mittelmeerraum, für Afrika, Südamerika und ganz Asien, sogar immer noch mehrheitlich für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Logo Wissenschaftsblog 2015

Wahl zum Wissenschaftsblog 2015: Sonderpreis der Redaktion „Wissenschaft kommuniziert“

Die Gründe für das Mittagsmahl liegen dabei nicht nur in unserer Biologie und in tief verwurzelter Tradition. Es kommen Faktoren wie harte Arbeit im Freien, tropisches Klima oder Kälte sowie frühes Aufstehen dazu. Alles befördert das Bedürfnis nach einem nahrhaften Essen mit anschließender Ruhezeit (!) am Mittag.

In ganz Asien, besonders in Ostasien, ist das üblich. Die Pause dauert zwei bis drei Stunden. Zum Mittagsschlaf klettern in China oder Korea Studenten einfach auf Tische im Seminarraum und strecken sich aus, Büroarbeiter lassen den Kopf vornüber auf den Schreibtisch fallen oder setzen sich ins geparkte Auto, Fabrikarbeiterinnen legen sich auf Ballen oder Säcke. Dann wird gepennt.

Auch der Nahe und Mittlere Osten, Perser wie Araber, von Südamerika und Afrika ganz zu schweigen, folgen dem Gebot der Evolution: erst ein ordentliches warmes Mittagessen, danach ruhen.

Ein warmes Essen und etwas Ruhe geben im Übrigen nicht nur Kraft, sondern bauen auch Stress ab. Warm Gekochtes ist dabei nahrhafter, weil physiologisch besser verwertbar, vielfältiger, sinnlich befriedigender und daher schlicht gesünder.

Allerdings bekämpfen der menschenverachtende Druck der modernen Arbeitswelt und der genussfeindliche Effizienzgedanke westlicher Ingenieure zunehmend diesen gesunden Rhythmus.

Dabei gehen kalte Brote und Rohkost nirgends außer in Deutschland und vielleicht noch Dänemark (und natürlich den USA) als gesundes oder gutes oder auch nur wünschenswertes Mittagessen durch.

Überall sonst ist es nämlich anders: Selbst in den ärmsten Landstrichen der Welt gilt Essen, das nicht warm und frisch gekocht ist oder schnell im Gehen verschlungen wird, nicht als richtiges Essen.

Der Hang zum „Mittagssnack“ ist weitgehend ein Phänomen des Industriezeitalters. Tatsächlich machten fast alle Imbisse, die in westlichen Großstädten mittags schnell auf die Hand verkauft werden – darunter Gyros, Döner, Hot Dogs, Pastrami-Sandwiches, Tortilla-Wraps, Tacos und auch die Pizza – erst im 19. und 20. Jahrhundert ihre große Karriere: zum schnellen Abfüttern der armen Schichten. Oder der Touristen.

Die Feinde der Mittagspause

Die Abwertung des Mittagessens nach angloamerikanischem Muster passt aber den Hochleistern, Globalisierern, Rationalisierern und vielen Asketen und Essgestörten ganz ausgezeichnet in den Kram.

Aus einer komplexen kulturellen Gemengelage stricken sie sich ein krudes Rechtfertigungsgestrüpp: Da mischen sich moderne Zwänge mit Diät-Wahn – „Ich arbeite durch und esse schnell was am Schreibtisch, dann kann ich früher Feierabend machen und nach Hause zur Familie“ / „Mittags muss ich Kalorien sparen, abends gibt es ja ein warmes Essen“.

Gerne verquickt sich auch proletarische Sparsamkeit mit falsch verstandener Großmannssucht: „Mittags warm essen, das geht ins Geld“ / „Das warme Abendessen ist doch das Highlight des Tages, da kann man sich nach dem Arbeitsstress endlich gehenlassen.“

Oft paart sich dabei kleinbürgerliche Familienidylle noch mit Pseudo-Wissen über das Verdauungssystem: „Wir achten darauf, dass einmal am Tag die ganze Familie am Tisch sitzt, deshalb gibt es bei uns mittags nur Brote. Die Kinder sind das gewöhnt“ / „Mittags ein warmes Essen, das überlastet Magen und Darm und macht müde, da kann man nicht mehr arbeiten“.

Alles das ist vorgeschoben und entbehrt der Grundlage.

Alleine schon finanziell und kalorientechnisch schlagen Fastfood und beim Bäcker gekaufte belegte Brötchen nicht weniger zu Buche als ein warmes Essen in der Kantine oder an einem günstigen Mittagstisch.

Bei dem Kinder-Argument offenbart sich der Schwindel vollends: Was hindert eine Familie daran, abends am Tisch zusammenzusitzen, selbst wenn mittags schon vernünftig gegessen wurde? Nichts.

Kinder aber hungern zu lassen, wie es nicht wenige Eltern tun, die sich das Geld für das Schulessen mit dem Argument sparen wollen, es werde schließlich abends warm gekocht, ist garantiert die falsche Lösung – für die Kinder. Die Lösung passt nur den Erwachsenen, die nicht zweimal am Tag warm kochen können oder wollen.

Wie tief man ins Mittagsloch stürzt, hängt im Übrigen sehr davon ab, wie viel man nachts geschlafen hat. Wer zu spät ins Bett geht, hat natürlich mittags größere Probleme, wach zu bleiben. Viele versuchen aber, diesen Zustand durch das Überspringen des Mittagessens zu managen, nach dem Motto: „Lieber hungrig als müde“.

Besonders produktiv macht das nicht. Viele solcher Leute kriegen ab 15.00 Uhr nichts mehr zustande, nerven mit Übellaunigkeit, jammern ständig darüber, dass sie „nicht einmal eine Mittagspause“ hatten und starren auf die Uhr, um pünktlich das Büro zu verlassen und zum Essen zu kommen.

Leider gibt es weitere Kollateralschäden – vor allem den üblen Mundgeruch der Nichtesser. Denn im Mund fehlt durch die lange Essenspause der Speichelfluss, so dass Bakterien wuchern.

Und nein, Zigaretten und Kaffee helfen da nicht. In Zahlen: null.

 

Seite mit vielen kleinen Bildern von Mittagessen: warme Gerichte auf Tellern, Gulasch usw.

Das lässt tief blicken: Google-Suche mit dem deutschen Stichwort Mittagessen. Sie ergibt Bilder von Tellern mit warmen Gerichten (Screenshot).

 

 

 

 

 

 

Mittagessen_Agentur

Stichwortsuche „Mittagessen“ bei der deutschen Ausgabe der US-Bildagentur Shutterstock: nur Kaltes aus der berüchtigten „Lunchbox“ (Screenshot).

 

 

 

 

Luxus, Prassen und welscher Schlendrian

Doch das Unbehagen daran, mitten am Tag in Ruhe eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen, sitzt tief, nicht zuletzt aus historischen Gründen.

Denn im kollektiven Gedächtnis lauern noch die Essgewohnheiten der älteren Generationen. Die hatten ja nichts. Arme Landarbeiter, Tagelöhner und schwer arbeitende Menschen waren das, die sich nur von Brot oder kalten Resten ernähren konnten, die sie mit aufs Feld oder in die Fabrik nehmen konnten.

In den großen Industriestädten des 19. Jahrhunderts entstand in den unteren Schichten endgültig eine Mahlzeitenstruktur, die sich heute verselbständigt hat.

Millionen konnten sich höchstens einmal am Tag ein warmes Essen leisten, wenn überhaupt. Da hieß es mittags bei der Arbeit buchstäblich von Brot und Alkohol – Bier oder billigem Fusel – leben. Die abgehärmten Mütter sparten dabei den Kindern das Nötigste vom Mund ab.

Teller mit Knäckebrot, Käse und Weintrauben

Mittags reicht für Frauen und Kinder reicht was Kaltes – das Muster findet sich heute immer noch. Bild: Pixabay

Auch das gute alte Patriarchat lässt grüßen: Warmes Essen, womöglich mit Fleisch, gab es nur abends, wenn die Männer nach Hause kamen, die Ernährer der Familie. Noch heute gibt es dieses Muster, vor allem im Norden: Für Frauen und Kinder reicht was Kleines, Oma begnügt sich mittags mit Dickmilch und Brotresten. Ganz wie bei den „Lunch Cookies“ aus den USA – es ist dasselbe Muster.

Von der protestantischen Kirche und ihrem Hang zur Askese mal ganz zu schweigen.

Es ist doch mehr als auffällig, dass man das Mittagessen nur in nördlichen und protestantischen Landstrichen für verzichtbar hält. Außer in England und den USA herrscht die kalte Kleinigkeit nämlich auch in Dänemark, Norwegen und Schweden vor, und in Norddeutschland wesentlich stärker als in Süddeutschland.

In dem großen Forschungsprojekt unter der Leitung von Quarkundso.de wird das sehr kritisch zu analysieren sein. Zumal es sich samt und sonders um Länder handelt, die nicht gerade für ihre Esskultur bekannt sind. Und es ist die Frage, was hier Ursache und was Wirkung ist.

Wie auch immer – alles zusammen führt dazu, dass ein warmes Mittagessen im Unbewussten vieler Menschen mit Luxus, Sünde und Strafe verbunden ist. Mit Faulenzen und feister Bürgerlichkeit. Mit adeligem Prassen und Verschwendung. Mit verbotener Lust und gesundheitsschädlicher Fresserei, mangelnder Disziplin und welschem Schlendrian.

Diesen gefühlten Luxus versagen sich viele Menschen in reichen Ländern noch heute, aus völlig falschen Gründen. Und völlig unnötig.

Ich wiederhole: Unnötig. Völlig.

Mittags in Deutschland

In Deutschland werden derweil im Lunch-Wahn immer mehr schnelle Burger, Wraps und Döner verzehrt, aber auch traditionelle Leberkäsesemmeln oder – gesund! – Vollkornbrötchen mit Käse und Tomate, die Eilige gleich aus der Tüte mümmeln.

Das Essen im Gehen ist typisch für die knappe Mittagspause in Deutschland: Ganze Belegschaften schlendern mittags mit einer Brötchentüte vor dem Mund durch die Innenstädte, mampfend wie ein Fiaker-Pferd aus seinem Futtersack.

Die Tüte dient zugleich als Brotbeutel, Serviette und Soßenfänger, schließlich muss man in der halben Stunde Mittag auch ein paar Erledigungen machen, an die Luft kommen und mit dem Handy Privatgespräche führen. Mit vollem Mund, versteht sich.

Das „Ich hol mir mittags schnell was“, erlaubt es auch, demonstrativ Diensteifer vorzutäuschen: „Nein danke, Kantine dauert mir zu lange. Ich hol nur kurz was vom Bäcker, hab zu viel zu tun. Geht ihr nur.“

Mann vor Bildschirm und Tastatur, mit Tasse Kaffee

Ein Kaffee muss reichen: Junge Leute tendieren dazu, Pausen ausfallen zu lassen und mittags am Schreibtisch zu bleiben. Bild: Pixabay

Die durchschnittliche Mittagspause dauert in Deutschland laut Umfragen sowieso nur noch 20 Minuten. Dabei bleiben viele gleich am Schreibtisch und löffeln aus der Tupperdose etwas über die Tastatur: Insgesamt die Hälfte der Arbeitnehmer bringt sich etwas zu essen von zuhause mit, ergab der Ernährungsreport 2017 aus dem Bundesernährungsministerium.

Nur ein weiteres Fünftel aller Berufstätigen geht in eine Kantine – aber genauso viele essen mittags einfach gar nichts. Vor allem junge Leute neigen dazu, die Mittagspause ausfallen zu lassen, und alle anderen Arbeitspausen gleich mit, vermeldete 2016 besorgt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Es ist tragisch und unverständlich, dass so viele Ernährungsberaterinnen und ausgerechnet die Krankenkassen diesen Unfug befeuern, und zwar wider besseres Wissen.

Gebetsmühlenartig raten sie zu einem „leichten Mittagessen“ und geben den Rationalisierern willfährig Tipps für den „gesunden Mittags-Snack“. Snack, wohlgemerkt. Keine Mahlzeit. Und das wohlige Gefühl der Sättigung sollen die gestressten Büromenschen danach sofort mit Turnübungen ersticken.

Hier hängt sich Quarkundso.de gerne weit aus dem Fenster: Das ist alles Unsinn. Es ist weltfremd, willkürlich, biologisch falsch, daher ungesund und geht gegen die natürlichen Bedürfnisse der Menschen.

Dieser ungesunde und genussfeindliche Trend muss gestoppt werden.

Und das erledigt jetzt das BBC-Video. Es ist geradezu revolutionär, wie die Briten hier das eigene fatale Muster abservieren und endlich von den ungeliebten Froschessern lernen wollen.

 

Das Mittagsmanifest von Quarkundso.de

Quarkundso.de unterstützt das nachdrücklich. Hier gehört man selbstverständlich zur radikalen Mittagsfraktion: jeden Tag warm, und möglichst immer drei Gänge.

Warmes Buffett, Wärmewannen mit Essen, Leute bedienen sich

Haut rein, Leute – Quarkundso.de fordert den Mittagstisch für alle! Bild: Shutterstock/Subin Pumsom

Die gesamte Redaktion überspringt das Mittagessen nie. In Worten: NIE.

Man legt außerdem Wert auf ein gepflegtes Nickerchen, so oft das möglich ist.

Wenn es doch die Evolution so will.

Natürlich ist das Nickerchen nicht immer drin. Und natürlich soll niemand zum Essen gezwungen werden, der das nicht möchte.

Entscheidend ist aber, dass die, die mittags naturgemäß ordentlich Hunger haben und warm essen wollen, Zeit und Gelegenheit dazu bekommen. Das dient der Rettung der Volksgesundheit.

Daher fassen wir am Schluss die Forderungen nach einer menschenwürdigen Mittagspause zusammen – im Mittagsmanifest von Quarkundso.de.

Macht Mittagspause! Jeden Tag.

Esst ein richtiges Mittagessen – warm!

Esst euch satt!

Eine Stunde muss drin sein.

Ein Nickerchen ist großartig, ein Glas Wein von 0,1 Liter schadet nicht.

Arbeitgeber und der Staat sind in der Pflicht: Mittagstisch für alle – mehr Kantinen und angemessene Pausenplanung, warmes Schulessen für Kinder. Ohne Wenn und Aber.

Wer nicht isst, kann auch nicht arbeiten.

©Johanna Bayer

Nochmal der Link zum BBC-Video

WIWO-Artikel zur Meldung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mit Link zur Original-Pressemitteilung

Quarkundso.de ist schon seit Jahren auf Mittagsmission – Beispiele aus eigener Werkstatt:

ARD-Beitrag „Fünf Fakten für das Mittagessen“, W wie Wissen

WDR-Beitrag über Essen zu verschiedenen Tageszeiten und in anderen Ländern

Schweinefleischpflicht und die CDU: Einige dürfen alles essen. Andere nicht. Wo liegt das Problem?

 

Die CDU in Kiel hat verlangt, dass in Kantinen und Kitas Schweinefleisch im Angebot bleibt. Jetzt trifft sie überall Hohn und Spott wegen ihrer „Schweinefleischpflicht“. Doch erstens war das nicht gemeint. Zweitens sollten die Feinde des Schnitzels nicht den Speiseplan diktieren – ein Fall für Quarkundso.de. (Beitrag von März 2016)

Wiener Schnitzel, paniert, auf Teller, nah

Schwein und Schnitzel – Recht oder Pflicht? Worauf es ankommt, ist das Recht auf Vielfalt.

Der Brüller der Woche war ja das mit der Schweinefleischpflicht.

Da hatte sich die CDU-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein besorgt an ihre Landesregierung gewandt, weil sie um Wurst und Schnitzel im öffentlichen Raum fürchtete: Es bestehe die Gefahr, dass Schweinefleisch aus öffentlichen Kantinen und Schulmensen zunehmend verbannt werde.

Grund sei ein verfehlter Minderheitenschutz – gemeint waren da wohl Vegetarier und Angehöriger einiger orientalischer Religionen, so oder so ähnlich muss sich später einer von der Kieler CDU ziemlich ungeschickt geäußert haben.

Die SPD-geführte Landesregierung solle sich jedenfalls dafür einsetzen, dass Schweinefleisch im Angebot bleibe, auch, weil es um eine möglichst ausgewogene und gesunde Ernährung für Kinder gehe. Soweit die CDU.

Sofort wurde der täppisch formulierte Antrag als „Schweinefleischpflicht“ uminterpretiert, was der Sache gar nicht entsprach. Das wiederum merkte nur der SPIEGEL. Der titelte von einem „Recht auf Schweinefleisch“ – die schönste Variante in der Diskussion.

 

Schweinefleisch-Terror gegen Minderheiten?

Logo Wissenschaftsblog des Jahres 2015

Wissenschaftsblog des Jahres 2015: Sonderpreis der Redaktion

Auf Twitter trendete der Hashtag #schweinefleischpflicht und wuchs sich zu einer handfesten Spott- und Kalauer-Welle über unveräußerliche Wurstrechte aus.

Denn natürlich haben alle die CDU in die Pfanne gehauen.

Besonders heftig schlug der Berliner Tagesspiegel zu. Da schrieb die Redaktion über ihren Bericht den bemerkenswerten Satz:

„Es ist eine Ansage gegen Vegetarier, Muslime, vielleicht Minderheiten schlechthin.“

Gut, der CDU da oben kann man jetzt sicherlich eine Menge nachsagen – bäuerlich, Klientelpartei, Skandale rauf und runter, das alles weiß man seit Jahren. Aber ob man ihr unterstellen kann, dass sie zum Terror gegen „Minderheiten schlechthin“ aufrufen will, von Staats wegen, durch die Landesregierung?

Das ist doch ein wenig steil.

Im Tagesspiegel-Artikel selbst wurde die arme Nord-CDU auch verhöhnt, weil sie angeblich noch nicht einmal sagen könne, in wie vielen Kitas und Schulen kein Schweinefleisch angeboten werden, ob es sich also um ein flächendeckendes Problem handele.

Oder ob, mutmaßten auch andere, nur eine von dänischen Rechtspopulisten angezettelte Debatte über die Grenze schwappt und in deutschen Schulen und Kitas das Schwein seinen gebührenden Platz hat.

Tatsächlich wurde von der CDU nur eine Berufsschule in Itzehoe angeführt, wo Mettbrötchen aus dem Schulkioskangebot flogen. Angeblich aus Rücksicht auf Muslime und sehr zum Ärger vieler Schüler, wie im Artikel des Tagesspiegels zu lesen ist.

 

DIE GRÜNEN: Rache für die Pleite mit dem Veggie-Day

Im Tagesspiegel hat sich auch Volker Beck von den Grünen geäußert. Seine Partei hat sich mit dem unsäglichen Vorschlag zum Veggie-Day selbst schon schwer blamiert, jetzt rächte sich Beck als Vertreter unterdrückter Minderheiten:

„Man stelle sich nur die CDU-Reaktionen vor, würden deutsche Kinder in Frankreich zum Froschschenkel- oder in China zum Hunde-Essen gezwungen werden, sagte Beck weiter. „Es ist schon ein besonderes Armutszeugnis der CDU, wenn das Schweinefleisch ihr höchster deutscher Wert ist, den sie vermitteln wollen. Wer keine anderen kulturellen Werte hat, ist eine arme Sau.“

Noch deutlicher wurde der besorgte Beck in der BILD-Zeitung, die ihn so zitierte:

„Es ist die autoritäre Denke der Rechtspopulisten, wenn Juden, Muslime, Vegetarier und Veganer zum Schweinefleischkonsum gezwungen werden sollen.“

Das ist arg verzerrt und wirklich böswillig.

Denn natürlich verlangt die CDU keine Zwangsfütterung. Die armen Vertreter der Landtagsfraktion in Kiel wurden nicht müde, das zu wiederholen, aus der Nummer kommen sie aber nicht mehr raus. Dazu ist es auch zu lustig, auf Twitter, das muss man schon einräumen.

 

Schweinefleisch: zentral in der europäischen Esskultur

Kulinarisches Leit-Tier in Europa: das Schwein.

Insgesamt erscheint es wirklich ungeschickt von der CDU, so diffus mit Überfremdungsängsten und dem Kampf gegen die Diktatur der Gutmenschen zu argumentieren.

Es hätte nämlich gereicht zu sagen, dass Schweinefleisch schmackhaft, nahrhaft und ernährungsphysiologisch wertvoll ist.

Und dass Kinder die Vielfalt der Lebensmittel und Geschmacksrichtungen, Fleischsorten und Gerichte kennenlernen sollten.

Das gehört zur kulinarischen Erziehung und zur Esskultur, zur Geschmacks- und Ernährungsbildung.

Was natürlich nicht heißt, dass man jeden Tag, in riesigen Mengen und aus Massentierhaltung… das Kleingedruckte denken sich bitte alle jetzt dazu.

Ebenso dazu denken sollte man sich die europäische Esskultur und ihre Geschichte, der Einfachheit halber gerne auch in der Form von Asterix und Obelix mit ihren Wildschweinorgien: Die gab es nämlich wirklich.

Schweinefleisch war in Europa schon immer begehrt und beliebt, und das Schwein ist hierzulande der wichtigste Fleisch- und Fettlieferant – seit mindestens 5000 Jahren.

Doch heute hat das Schnitzel viele Feinde. Und das nicht nur aus religiösen Gründen: Ganz vorne dabei sind natürlich Vegetarier und Veganer, aber auch viele Anhänger mehr oder weniger esoterischer Ernährungslehren.

Da gibt es zum Beispiel in einem unsäglichen Artikel bei FOCUS online Leute, die es richtig finden, dass Schweinefleisch aus Kitas „verbannt“ wird. So rechnete eine Redakteurin aus dem Ressort Gesundheit beim FOCUS mit dem armen Schwein endgültig ab, Titel „Schweinefleisch braucht kein Mensch“.

Auf dieses dumme Zeug, das nebenher in der Diskussion hochgespült wird braucht man gar nicht erst einzugehen, von wegen, Schweinefleisch sei „ungesund“ und aus „gesundheitlichen Gründen“ sei es gut, den Verzehr zu vermindern und speziell Kinder davon abzuhalten.

Das ist schlicht unwissenschaftlicher Unsinn. Mit schönen Grüßen von Obelix, dem starken Krieger.

Ansonsten muss man in der Sache aber doch etwas klarstellen: Nicht nur in Dänemark und Schleswig-Holstein gibt es tatsächlich Eltern – weniger wohl die Kinder -, die mit allerlei Befindlichkeiten religiöser und sonstiger Art am Schulessen rummäkeln, und zwar speziell, was das Schweinefleisch in Kitas und Schul-Kantinen angeht.

 

In Berlin gibt es praktisch kein Schweinefleisch mehr in Schule und Kita

Zum Beispiel in Berlin, da hätte der Tagesspiegel gut vor seiner eigenen Haustür kehren können: In ganz Berlin gibt es praktisch kein Schweinefleisch mehr in den Schulen und öffentlichen Kitas.

Das berichtete eine Vertreterin der Senatsverwaltung auf einer Fachtagung zu Ernährung in der Akademie Tutzing im September 2015 vor einem großen Publikum.

Grund: Der Anteil der Migrantenkinder, die kein Schwein essen dürfen, sei einfach zu hoch. Von den militanten Veganer-Eltern, die Schulen verklagen wollen, damit ihre Kinder endlich auch veganes Essen auf Staatskosten bekommen, mal zu schweigen.

In anderen Schulen verlangten muslimische Eltern und Schüler, dass am Schulkiosk keine Mettbrötchen zubereitet und angeboten werden, wenn es dafür keinen separaten Raum gibt. Die Brötchen mit Schweinemett oder Wurst sollten auch nicht neben anderen Brötchen liegen – dieses Ansinnen lehnten die Lehrer allerdings erfolgreich ab.

In einem katholischen Kindergarten in Köln gibt es kein Schweinefleisch mehr, weil dort die Hälfte der Kinder aus moslemischen Migrantenfamilien stammt und die Eltern damit gedroht haben, die Kinder aus der Kita zu nehmen, wenn es Schwein gibt.

Überhaupt, in der Küche, wohlgemerkt. Schwein darf also in der Kita-Küche gar nicht erst zubereitet werden. Dann würde die Kita leer stehen, so der Leiter in einem persönlichen Gespräch, und das könne er geschäftlich nicht verantworten.

Selbst die stellvertretende Vorsitzende der DGE, Ulrike Arens-Azevedo, hat erst im Februar prophezeit, dass Schweinefleisch komplett von den Speiseplänen in Schulen verschwinden könnte. Nicht nur wegen einiger Moslems, sondern auch wegen der Regeln, die die DGE selbst aufgestellt hat.

Sie wurde damit bundesweit in der Presse zitiert, allerdings hat sich darüber niemand aufgeregt – leider, muss man sagen.

Auch in Frankreich gibt es das Thema. Dort allerdings machte ein Fall unter umgekehrten Vorzeichen die Runde, wie der Deutschlandfunk im Herbst 2015 berichtete: Ein Bürgermeister hatte in seiner Kommune angeordnet, dass, sofern Schweinefleisch auf dem Speiseplan steht, keine Ersatzgerichte mehr angeboten werden.

Im Klartext: Es wird gegessen was auf den Tisch kommt. Wer das nicht will, soll sich selbst etwas mitbringen.

Die Sache ging in Frankreich durch die Presse, es gab auch eine Klage dagegen, die aber wohl keine Chance hat. Und der Bürgermeister blieb bei seiner Meinung: Frankreich ist ein laizistischer Staat, religiöse Befindlichkeiten haben in der Schule nichts zu suchen.

Interessante Position. Man könnte darüber diskutieren.

 

Alles essen – sagte ein Revolutionär vor 2000 Jahren

Natürlich will niemand in Deutschland diese Kiste wirklich aufmachen. Also die Religionskiste. Es müssten sonst wahlweise alle Kruzifixe wieder rein in die Schulen und die Gerichtssäle – oder halt wirklich überall raus. Auch über eine Fischpflicht für den Freitag und das Fastengebot vor Ostern müsste sonst möglicherweise nachgedacht werden. Und wer will das schon.

Starrsinnige Querulanten, die dieses Feld betreten möchte, stoßen allerdings auch auf ein klares Argument für ein Schweinefleischangebot in Kantinen. Forscht man da nämlich etwas nach, stößt man auf den Propheten einer gewissen Reformreligion im damaligen Palästina.

Der Mann soll vor 2000 Jahren mit den strengen Nahrungstabus seiner Umgebung aufgeräumt und gesagt haben:

„Was zum Mund hineingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein.“ (Mt. 15,11, für Bibelkundige).

Die Stelle wird so interpretiert, dass für Christen die vielen umständlichen jüdischen Speisegebot nicht gelten, vom Schächten über die Trennung von Milch und Fleisch bis hin zum Verbot von Muscheln.

Das war damals einerseits sehr praktisch und erleichterte das Leben, wenn man sowieso als religiöse Randgruppe verfolgt wurde und sich in Höhlen und konspirativen Wohnungen verstecken musste.

Es war aber auch ein rebellischer Tabubruch und ein Zeichen der Abgrenzung vom strengen Judentum. Später wurde diese kulinarische Freiheit als Errungenschaft der neuen Reformreligion gefeiert: Christen machen keine Umstände und essen alles.

Es juckt einen in den Fingern, dazu noch einen bekannten Wanderprediger zu zitieren, der sich gegen falsche Enthaltsamkeit und für Dankbarkeit beim Essen aussprach:

„Denn alles was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durchs Wort Gottes und Gebet.“ (Tim 4,4 5)

Eigentlich auch ein schöner Punkt.

Wenn es nur nicht so unangenehm wäre, einen Religionskrieg in der Kantine auszurufen. Wo es doch nur darum geht, dass es Wahlfreiheit gibt.

 

Wo der Hund begraben liegt

goldener-blogger-klein-gif-1

Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015 bei den Goldenen Bloggern

Denn das eigentliche Problem ist ganz profan – gefühlte Diktatur von Randgruppen, Einbruch des Religiösen in die öffentliche Sphäre und Überfremdungsängste hin oder her: Wenn man religiösen und sonstigen Milieus eine Extrawurst braten oder schlicht Vielfalt und Wahlfreiheit schaffen möchte, muss man verschiedene warme Gerichte zur Auswahl anbieten.

Und das jeden Tag. Da liegt der Hund begraben.

Nicht, dass das nicht möglich wäre. Es wäre sogar toll und genau das Richtige. Aber zahlen will es keiner. Der Staat nicht, die Eltern nicht, und so müssen die Caterer mit 2,50 Euro pro Tag etwas servieren, das alle essen dürfen.

Da siegt die schiere kaufmännische Notwendigkeit, man einigt sich auf den kleinsten Nenner.

In der Praxis sieht das so aus: Rind- und Lammfleisch sind für Kitas und Schulmensen zu teuer. Schwein geht aus ideologischen Gründen nicht. Bleibt nur noch Geflügel. Oder vegetarisch.

 

Richtig gutes Schulessen

Und genau so gestalten sich die Speisepläne: Wenn es überhaupt Fleisch gibt, dann das billigste, nämlich Hormon-Hähnchen oder Pharma-Pute. Ansonsten essen die Kinder Nudeln mit Soße, Milchreis, Pfannkuchen, irgendwelche Körnerbratlinge und Getreideaufläufe mit Schleuder-Ei.

Das ist kulinarisch uninteressant und bildet ganz und gar nicht ab, was die deutsche Küche zu bieten hat.

Zumal in vielen Familien nicht mehr groß gekocht wird und die Kinder auch zuhause nicht die ganze Vielfalt der Esskultur kennen lernen. Von Geschmacksbildung und gesunder Abwechslung mal ganz abgesehen.

Und in die Richtung dürfen alle, wenn man mich fragt, ruhig noch ein wenig weiterdenken.

Das Ende ist ein flammendes ceterum censeo: Ja, es muss endlich mehr Geld her für richtig gutes Schulessen! Frisch und fachmännisch gekocht, mit guten Zutaten, allen (!) Fleischsorten und Fisch, mit traditionellen und regionalen Gerichten, alternativen Angeboten und Auswahl.

Und möglichst nicht nach den Richtlinien der DGE. Sonst verschwindet Schweinefleisch nämlich ganz ohne Zuwanderer von den Speiseplänen.

©Johanna Bayer

Redaktionelle Anmerkung am 3.3.2016: Ich lege Wert auf die Feststellung, dass dieser Beitrag, in dem Volker Beck ausführlich zitiert wird, um Mittwoch, 2.3. um 11.47 Uhr online ging. Die Nachricht von Becks Rücktritt wegen Drogenverdachts ging nach 15.00 Uhr über die Ticker.

DER TAGESSPIEGEL über den Antrag der CDU

Ulrike Arens-Azevedo von der DGE über das Verschwinden von Schweinefleisch im Hamburger Abendblatt

… der Bericht aus der Münchner Abendzeitung ist 2019 nicht mehr online

Bericht im DEUTSCHLANDFUNK über Schweinefleischpflicht in Frankreich (Bericht ist seit 2020 nicht mehr online)

Der SPIEGEL vom 1.3.2016 über den Antrag der CDU in Kiel

Geld und so: Ja! Man kann jetzt spenden. Natürlich völlig freiwillig. 1 Euro würde schon reichen, mehr ist möglich – einfach ins Sparschwein stecken.

Das steht mit diesem Bild ganz oben rechts im Menü. Wer draufklickt, landet bei PayPal, braucht zum Spenden aber kein PayPal-Konto.