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Holger Stromberg kocht fürs Klima: Ändert Essen wirklich alles?

Mit seinem neuen Buch will Promi-Koch Holger Stromberg Welt, Klima und Gesundheit retten. Doch sein Konzept zur Totalsanierung macht zu viele Versprechen auf einmal und serviert neben Fake Food auch Fake News.

 

Alle wollen jetzt für das Klima essen, also eigentlich gegen das Klima. Genauer: Gegen das, was sich da gerade ändert und sehr bedrohlich wirkt.

Und Essen scheint der einzige Weg zu sein, um die Katastrophe abwenden können: Tempolimit, Flugverzicht oder den gemütlichen Kamin abschaffen kommen ja nicht in Frage, was sollen wir uns denn noch alles verbieten lassen!

Am Essen aber kann man schrauben. Da sind die Ansprüche der Deutschen von jeher nicht hoch, also tut es nicht so weh, wenn das Niveau noch weiter sinkt. Unisono fordern Kommentatoren, Kolumnisten und Autoren daher, in erster Linie anders zu essen.

Auch der Fernsehkoch und ehemalige Küchenchef der deutschen Fußballnationalmannschaft, Holger Stromberg, hat dazu ein Buch herausgebracht.

 

Essen, Gesundheit und die Welt retten: ein Großkonzept

Es heißt „Essen ändert alles“. Das ist genial. Also, der Titel ist genial, weil knapp und vielversprechend. Und was draufsteht, steht auch drin.

Stromberg bietet nämlich nicht nur Rezepte, sondern eine Art Totalsanierung – körperlich, psychisch, ökologisch, global und überhaupt: die Umwelt schonen, mehr über Ernährung wissen, damit man sich danach „gesund essen“ kann, unter anderem, weil es im Darm wieder flutscht, weil man genügend „Vitalstoffe“ zu sich nimmt und überhaupt „Selbstverantwortung leben“ soll.

Dazu gibt es noch Abschnitte zu Achtsamkeit, besseren Schlaf, besseren Umgang mit Stress und ein starkes Immunsystem.

Das vorletzte Kapitel, bevor es endlich zu den Rezepten geht, heißt dann glatt: „Rette die Welt“. Es dreht sich um Nachhaltigkeit, „Industrielebensmittel“, Öko-Produkte und die Frage, ob man Tiere essen darf. Die folgenden „Genussrezepte“ umfassen nur noch 20 Seiten von 190, ein Kochbuch kann man das schon nicht mehr nennen.

Das Versprechen darin ist verführerisch, nämlich die unschlagbare Kombination von „ökologisch + gesund + einfach + schnell + total lecker“.

 

Die große Koch-Illusion: lecker, einfach und ganz schnell

Allerdings weiß jeder kochende Mensch: So einfach geht es nicht.

Denn was lecker ist, braucht meistens lange: Man muss es stundenlang einweichen, marinieren, kalt stellen, ziehen oder köcheln lassen; Gemüse vom Wochenmarkt nach Hause schleppen, kleine Spezialitätenläden aufsuchen oder Zutaten im Internet bestellen. Auch bei Stromberg geht es nicht ohne endloses Kleinschneiden, Raspeln, Portionieren und Vakuumieren ab.

Genau deshalb verdient die Lebensmittelindustrie Milliardenumsätze mit Fertiggerichten und kleinen Helferlein von Aufbackpizza über Teigmischungen bis zu Soßen in Quetschflaschen.

Auch „gesund“ ist so eine Sache. Was ist schon „gesund“?

Einfach „mehr Pflanzliches“ ist auf keinen Fall automatisch gesund, ebenso wenig wie „weniger Fleisch“ oder „weniger Fett“ pauschal gesund sind. Das behauptet Stromberg aber keck auf dem Umschlag.

Die von Haus aus misstrauische Chefredakteurin hat hier Lunte gerochen und Strombergs Sanierungskochbuch erstmal der Abteilung Dokumentation & Recherche reingereicht. Dort sitzen Pedanten, die auf sachliche Richtigkeit prüfen und nach Zahlen, Daten und Fakten fragen.

Steile Thesen bei Holger Stromberg

 

EAT-Lancet-Empfehlungen ohne wissenschaftliche Evidenz

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Als erstes notierten die Erbsenzähler, dass Stromberg sich auf die Empfehlungen der sogenannten EAT-Lancet-Kommission stützt. Dieses Gremium reklamierte schon im Januar 2019 für sich, zugleich die Gesundheit und den Planeten zu retten.

Nach dieser Vorlage ein Rezeptbuch zu stricken, ist natürlich clever, leichte Beute im Öko- und Klima-Mainstream.

Quarkundso.de aber hat einige Fragen dazu schon 2019 gestellt, hier nachzulesen. Denn die Widersprüche des Konzepts liegen offen, was Stromberg nicht thematisiert. Dazu gehört, dass die Mitglieder dieses illustren Kreises so unabhängig nicht sind, wie sie selbst und auch Stromberg behaupten, mehr dazu unten in den Links.

Ernährungsexperten von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), haben Quarkundso.de außerdem bestätigt: Evidenzbasiert ist das alles nicht.

Das bedeutet: Wissenschaftlich gesicherte Belege für die Gesundheitsversprechen der EAT-Lancet-Kommission mit ihrer Planeten-Diät gibt es nicht. Und wer anders isst, ruiniert weder zwangsläufig seinen Körper noch den Erde.

 

Hauswirtschaft wie bei Oma – nur aus anderen Gründen

Immerhin: Das Vorkochen und Planen, zu dem Stromberg rät, ist nicht falsch, etwa, Gemüse gleich nach dem Einkaufen frisch zu verarbeiten, für die ganze Woche in den Kühlschrank packen, die ganze Bandbreite von Gemüse und Hülsenfrüchten auszunutzen, gut zu würzen – fertig ist das leckere Klimamenü.

Das ist zumindest teilweise inspirierend, wenn man den Geschmacksstil mag. Der ist von Miso, Sojasoße und allerlei Fertigwürzen mit viel Umami geprägt, was daran liegt, dass Stromberg Sahne, Butter, Milch und Speck aus den Rezepten streicht, dem Klima und der Gesundheit zuliebe, natürlich.

Leider bringt das fettige Tierzeug aber auch Geschmack und Textur ins Gemüse. Und die müssen ersetzt werden, Stromberg will das mit asiatischen Fertigwürzen und allerlei veganen Ersatzprodukten bewirken. Die Batterie von Flaschen und Dosen, auf die man da zurückgreifen soll, ist durchaus gewöhnungsbedürftig,

Ansonsten kommen die Tipps zum Vorkochen, im Buch trendig „Meal Prep“ genannt, aus der „guten alten Hauswirtschaft“, wie Stromberg selbst sagt: Nichts wegwerfen, Abfall vermeiden, Reste verwerten, frisch einkochen, planen – einfach alles wie bei Oma, die sparen musste. Nur aus anderen Gründen.

 

Mal wieder: Erlöst durch Essen

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Doch bevor es ans Kochen geht, hat das zweite Motiv, Gesundheit, den großen Auftritt. Die wird vom richtigen Essen natürlich auch gerettet, wenn man sie vorher ruiniert hat, und zwar mit falschem Essen.

Das ist die Logik, die Stromberg anhand seiner eigenen Geschichte ausbreitet.

Um seine „Stressspirale“ und eigene „Schlüsselmomente“ geht es da, und die persönliche Fallhöhendramatik erscheint, die fast alle Autoren von Ernährungsbüchern auftischen: vorher Fastfood-Esser, dick, krank, gestresst und unglücklich, immer mehr Probleme und Schmerzen, ratlose Ärzte, dann Umkehr, Erleuchtung und Gesundung durch (irgendwie) anderes Essen.

Wie Bas Kast in seinem Ernährungskompass nennt auch Stromberg keine Diagnosen, es erscheinen nur diffuse Beschwerden wie Hautausschläge und allerlei Schmerzen.

„Dutzende von Ärzten“ fanden angeblich nichts, erst der Promi-Doc Hans Jürgen Müller-Wohlfahrt hat den Patienten auf den richtigen Weg gebracht.

 

Gesunde müssen nicht essen wie Kranke

Er soll zwar auch nichts gefunden haben, trotzdem riet Müller-Wohlfahrt, schreibt Stromberg, viel Wasser zu trinken, und zwar ohne Kohlensäure, und auf Bier und Rotwein zu verzichten.

Die Pedanten von der Abteilung Dokumentation notierten an dieser Stelle: „Bei so etwas geht es meist um Gicht. Oder um Rheuma“.

Dafür sprechen auch die Ekzeme, Allergien, Hüftschmerzen und zuletzt die starken Schmerzen im linken Fuß von Stromberg, die nach den Ratschlägen des Fußballdoktors verschwanden. Solche Anfälle sind typisch für Gichtpatienten, auch für Rheumatiker, die Krankheiten sind verwandt.

Aber auf keinen Fall wollen wir hier aber über die Krankenakte von Holger Stromberg spekulieren, das wäre indiskret.

Es soll reichen, festzuhalten, dass die Strombergs Ernährungskonzept auffallend auf Gicht und Rheuma gemünzt ist: entzündungshemmend essen, wenig Fruchtzucker, wenig Fleisch, am besten gar keins – eigentlich ist das ein Schonkost-Konzept wie in der Kurklinik.

Vielleicht sollte man dann die Karten auf den Tisch legen und gleich sagen, für wen diese, nun ja, Diät, sinnvoll ist: Nämlich nicht für alle. Sondern nur für Leute, die bestimmte Krankheiten haben, oder die vorher so schlaf- und essgestört waren wie der Autor zeitweise selbst.

Die Ernährung aber mit der Last für das ganze Leben zu überfrachten – „Essen ändert alles!“ – ist nicht wirklich sinnvoll. Wenn jemand im Lebensrhythmus komplett entgleist, nächtliche Fressanfälle hat und, wie Stromberg selbst beschreibt, ein Workaholic ist, der keine Struktur mehr einhalten kann. liegen die Probleme eigentlich nicht am Essen.

 

Zahlen, Daten, Fakten bei Stromberg

Trotzdem kann man nichts dagegen haben, wenn das Klima gerettet und weniger Tiere in Massenställen gequält werden. Darüber ist sich inzwischen die halbe Welt einig, zum Glück. Die Fakten dafür sollten trotzdem stimmen. Und hier haut Stromberg so oft und geradezu absichtsvoll daneben, dass er die guten Intentionen seines Buches fast zunichte macht.

Gleich am Anfang droht er zum Beispiel ob des üppigen Konsums in den Industrieländern:

“… anderswo hungern Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation hat ausrechnen lassen, dass im Jahr 2017 mehr als 820 Millionen Menschen an Hunger und chronischer Unterernährung leiden – und es werden immer mehr …

Für die Tieraufzucht werden also Nahrungsmittel gebraucht, die woanders fehlen … So ist der hohe Fleischkonsum in der westlichen Welt ein wichtiger Faktor, warum so viele Menschen in armen Ländern hungern müssen“.

Nun ja. Nicht nur, dass es keinen Zusammenhang zwischen Überproduktion und Übergewicht in Industriestaaten und Hunger anderswo gibt. Auch hat die WHO diesen Zusatz „ – und es werden immer mehr“ nicht ausrechnen lassen.

 

Mit dem Holzhammer

Dramatisch und mit Aplomb geht es weiter: Zu viel Zucker, „Fett aus tierischen Quellen“ und eine „Unmenge an ungesunden Zusatzstoffen“ in der heutigen Ernährung machen „den Darm kaputt“ (Seite 25), na, dann müssten die Deutschen schon längst ausgestorben sein.

Demgegenüber ist „pflanzliche Nahrung generell reich an Stoffen, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 und einigen Krebsarten vorbeugen können“ (S. 26) – schön wär`s: Das ist selbst bei den allergrößten Studien wie der EPIC-Studie so nicht rausgekommen, alle Erwartungen an die besonders vorbeugende Wirkung von Obst und Gemüse bei Krebs konnten bislang nicht bestätigt werden.

Haltbare Milch hat wiederum laut Stromberg „nicht mehr viele Nährstoffe“ (Seite 128) – wie bitte? Zwar müssen beim Erhitzen zwecks Haltbarmachung der Milch ein paar Vitamine dran glauben. Das ist aber immer so, wenn es heiß wird – Vitamine gehen auch kaputt, wenn man zuhause die Milch für Kaffee oder Kakao aufkocht.

Die eigentlichen Nährstoffe bleiben dabei aber erhalten, auch in H-Milch: Es sind Eiweiß, Fett und Milchzucker, dazu das begehrte Kalzium, bestätigt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE); Link steht unten.

Zucker und Weizen, die üblichen Verdächtigen, hat Stromberg auch auf dem Kieker. Zu Zucker kommt die alte Leier – steckt überall drin, macht krank und süchtig (!), dazu heißt es auf Seite 37: „Wissenschaftler vergleichen die Wirkung von Zucker auf das Gehirn mit der von harten Drogen wie Kokain.“

Das ist rundheraus Quatsch, den wir nicht mehr hören können. So etwas verzapfen nur verstrahlte, esoterische Hausärzte oder Heilpraktiker, keine Wissenschaftler – bitte hier bei Quarkundso.de nachzulesen, der NDR musste damals bekanntlich zurückrudern und hat seinen Text geändert.

 

Hallo, Lektorat?

Lecker Makkaroni aus Hartweizen: voller Eiweiß

Über Weizen heißt es bei Stromberg, der habe wenig Eiweiß (Seite 40).

Alle möglichen anderen Getreidearten wie Dinkel, Emmer, Einkorn, dazu Hafer, Gerste und Roggen, seien daher dem Weizen vorzuziehen, weil sie mehr, nämlich bis zu 15 Prozent Protein, enthalten.

Dummerweise sind Dinkel, Emmer und Einkorn auch Weizen (hallo, Lektorat?).

Und dann gibt es Weizensorten, die locker auf 15 Prozent Eiweiß kommen, nämlich der Hartweizen, und zwar von alters her.

Über Jahrtausende haben ganze Völker damit ihren Eiweißbedarf gedeckt, in China seit 4000 v. Chr.

Rund um das MIttelmeer sind Brot und Nudeln traditionell aus proteinhaltigem Durumweizen, gerade wegen des hohen Eiweißgehalts. Auch in Arabien und Asien ist Weizen bedeutsam, weil er sich unschlagbar vielseitig backen und zu elastischen Teigen verarbeiten lässt, und dabei nicht nur Eiweiß liefert, sondern auch köstlich knusprige Ergebnisse liefert, anders als Roggen und Gerste, übrigens.

Das kann man in jedem Ernährungslexikon nachschlagen – wenn man denn nachschlägt. Dort erfährt man auch, dass Roggen nicht mehr, sondern weniger Eiweiß enthält als alle Weizenarten, und Hafer weniger Eiweiß als Hartweizen.

 

Energetisiertes Wasser und falsche Versprechen

Doch anstatt nachzuschlagen, zieht Stromberg andere Register: „Echte Lebensmittel“ nennt er „energetisch hochwertig“ weil sie „frisch und vitalstoffreich“ seien, im Gegensatz zu den bösen „bloßen Nahrungsmitteln“, die „sättigen bei gleichzeitig hoher Energiedichte“ (Seite 29).

„Energetisch“ ist hier esoterisch – liefern „Frische“ und „Vitalstoffe“ Energie? Sind das nicht die Kalorien?

Und umgekehrt: „Sättigende Lebensmittel mit hoher Energiedichte“, hier als schlecht gebrandmarkt, sind ausgerechnet Vollkornbrot aus Roggen sowie Vollkornnudeln. Diese sind in Strombergs eigenem Ernährungskreis, vorne im Umschlag, prominent platziert und sogar bevorzugt zu verzehren – da versteht der Autor offensichtlich nicht, was er über Sättigung und Energiedichte schreibt.

Mit der Esoterik hat Stromberg es aber, er preist nämlich „energetisiertes Wasser“ an (Seite 56), und stellt einen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln vor, „Vitalstoffe“ genannt.

Über das Konzept der Firma schreibt Stromberg, dass es „heute in der Fachwelt und in der Wissenschaft hohe Anerkennung genießt.“ (Seite 74).

Leider ist das Gegenteil der Fall: LaVita, so heißt der Hersteller, ist schon mehrfach wegen unerlaubter Gesundheitsversprechen abgemahnt worden und fällt laut Verbraucherzentralen damit „unangenehm auf“ (Link steht unten).

 

Essen nach Laborwerten

Bei einer Liste von pflanzlichen Eiweißlieferanten, die das Fleisch ersetzen sollen, stehen auf Seite 44 an erster Stelle Hanfsamen, es folgen Hülsenfrüchte, an dritter Stelle Mandeln, an vierter Stelle Brunnenkresse, später Pilze, Spinat und Brokkoli.

Nur die Hülsenfrüchte leuchten ein. Brunnenkresse für den Eiweißbedarf anzuführen, ist Unsinn, dasselbe gibt für die neumodischen Hanfsamen.

Diese Exoten-Zutat ist erstens teuer, zweitens geht sie nur als Körnerstreu über Müsli oder Salat durch. Mit Weizennudeln oder Hirsebrei erreicht man für die tägliche Proteinzufuhr wesentlich mehr, wenn es denn weder Fleisch noch Fisch noch Eier oder Käse – die Top-Eiweißlieferanten – sein sollen.

Neu im Veganer-Regal; Hanfsamen

Das heißt natürlich nicht, dass man Pilze, Spinat und Brokkoli oder auch Hanfsamen nicht essen sollte.

Aber die Liste von Eiweißlieferanten damit anzuführen ist absurd, zumal der ganze Abschnitt damit überschrieben ist, dass man am besten essen solle wie die Menschen am Mittelmeer.

Doch dort zieht man Fisch, Fleisch, Käse und Nudeln vor, wenn es um Eiweiß geht, nicht Brunnenkresse und Hanfsamen. Scheinbar hat der Koch die Lebensmittel an dieser Stelle rein nach ihren Laborwerten ausgesucht, nicht nach ihrem echten Stellenwert in der Küche.

 

Mit Fake-Food die Welt retten? Lieber mit echtem Essen

Dieses Künstliche findet sich am Ende auch in der Einkaufsliste, denn dort stehen – dem Klima und den Tieren zuliebe – jede Menge vegane Kunstprodukte: industrielle Imitate von Butter, Sahne, Käse, Milch, Wurst, Mayonnaise und Käse, dazu Sojaschnetzel und weitere „Fleischalternativen“, alles aus dem Veganer-Bedarf, für die „planetengesunde Woche“.

Aber leider, leider haben diese Imitate mit echtem Essen so wenig zu tun wie Hanfsamen mit Mittelmeerkost. Sie sind Industrieerzeugnisse, hochprozessiert, mit vielen Zusatzstoffen.

Echtes Essen ist aber das, was sich Stromberg auf die Fahnen geschrieben hatte, mit seinem „Meal Prep“. Davon bleibt am Ende leider nicht viel übrig.

Noch dazu ist der weit überwiegenden Mehrheit aller Experten weltweit klar, dass eine zukunftsfähige Landwirtschaft nicht ohne Tiere auskommt – und der Mensch nicht ohne tierische Produkte. Man wird also andere Strategien suchen müssen, um diese wertvollen Nahrungsmittel tier- und umweltfreundlich herzustellen. Fake-Food, Ersatzessen und Fertigsoßen lösen das Problem nicht.

©Johanna Bayer

LINKS

Die Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder zu den Interessenskonflikten der EAT-Lancet-Kommission

Die Verbraucherzentralen über die Geschäftspraktiken von LaVita

Weitere Rüge für LaVita

Das BZfE zu Inhaltsstoffen bei haltbarer und erhitzter Milch

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Der Deutschlandfunk verspricht: Langes Leben durch Fasten! Schön wär`s.

 

Beim Deutschlandfunk versprechen die Onliner ein längeres Leben durch Fasten, und zwar durch religiöses Fasten. Das sollen Studien gezeigt haben. Aber die Studie, um die es geht, gibt es noch gar nicht – eine Fingerübung zu Online-Teasern.

 

Moschee Istanbul in der Abenddämmerung

Moschee in Istanbul – Fasten wie die Moslems und länger leben? Beim Deutschlandfunk glaubt man daran.

 

Es ist Fastenzeit und wir müssen dazu was bringen. Denn was soll die ganze Bloggerei, wenn man nicht aktuell und vorne mit dabei ist? Aber dieses Aktuelle ist ein wahnsinniger Druck. Und alle anderen waren schneller, sie haben ihre vorbereiteten Fastenstorys gleich am Aschermittwoch rausgehauen.

Wir klappern jetzt mit einer kleinen Fingerübung hinterher, diesmal aus dem Bereich Online-Fallen: „Wenn der Teaser daneben geht“.

Diesmal ist der Deutschlandfunk (DLF) dran, ganz neu auf Quarkundso.de.

Der Sender hat auf Facebook nämlich gleich am Aschermittwoch, dem 6. März, einen Beitrag zum religiösen Fasten lanciert. Und im Vorspanntext für Facebook stand das glatte Gegenteil dessen, was im Beitrag und von den Experten gesagt wird.

Das ist ein Klassiker. Einerseits.

Andererseits steckt mehr hinter dem kleinen Fauxpas, als man den wenigen Zeilen anmerkt.

Dazu gleich mehr.

 

Der Teaser als Lockstoff

Erstmal stellen wir klar: Fehler in Teasern passieren.

Natürlich sind die schlecht ausgebildeten und noch schlechter bezahlten Onliner Schuld. Da will man gerne nachsichtig sein.

Aber Vorspänne sind enorm wichtig, gerade im Netz. Hier müssen Klicks generiert und Leser gebunden werden. Wer da sachlich patzt oder mit dümmlichem Clickbaiting nervt, hat verloren, das ist bekannt.

So ist es nun dem DLF passiert, der sich erst 2017 als „Markenfamilie“ neu aufstellte und eifrig an seinem Profil als Kultur- und Informationskanal feilt.

Entsprechend wissenschaftlich kam der Beitrag zum religiösen Fasten daher, über Facebook geteilt. Darin wurde eine Studie mit deutschen Mitgliedern der Bahai-Gemeinde vorgestellt. Die Bahai haben ihren Ursprung im Iran und fasten ähnlich wie die Moslems: im Frühjahr essen und trinken sie mehrere Wochen lang den ganzen Tag nichts. Nachts holen sie bis Sonnenaufgang alles nach.

Der Teaser dazu ist ein Werbetext mit steilen Behauptungen und großen Versprechen:

Die Fastenzeit beginnt – und damit eine Chance, gesünder und vielleicht länger zu leben. Denn viele Studien zu religiösem Fasten berichten von positiven Effekten, wenn man etwa von Sonnenaufgang bis -untergang nichts isst und trinkt.

(Quelle: DLF auf Facebook zum Beitrag über religiöses Fasten vom 6.3.2019)

 

Bild mit Logo DLF, von Facebook, Bild von Teaser leerem Teller.

Screenshot vom DLF-Beitrag samt Teaser auf Facebook.

 

Wissenschaftliche Studie? Welche Studie?

Das ganze Ding ist grotesk falsch. Denn erstens steht im Beitrag gleich zu Anfang genau das Gegenteil:

Anstoß zu der Studie gab Daniela Liebscher. Sie hat ihre Doktorarbeit über religiöses Fasten geschrieben und festgestellt, dass es dazu kaum Untersuchungen gibt.

(Quelle: DLF-Beitrag über religiöses Fasten vom 6.3.2019)

Verglichen mit dem Teaser klingt das doch recht anders.

Auch in einer Meldung auf der Internetseite der Naturheilkunde-Klinik an der Charité ist zu lesen, dass die Forschungslage zum religiösen Fasten dünn ist.

Und es steht natürlich in der Doktorarbeit von Daniela Liebscher, ebenfalls online: Frau Liebscher hat angefangen, zu religiösem Fasten zu forschen, weil es so wenig dazu gibt.

Gut, man kann von Online-Textern nicht erwarten, dass sie erst eine Doktorarbeit lesen, bevor sie schnell was in Facebook hacken. Aber wenigstens in den Beitrag reinschauen, bevor man den Teaser strickt, wäre doch angezeigt.

Dann ist aber noch mehr falsch an dem Vorspann. Und an dem Beitrag selbst. Und überhaupt an der ganzen Sache mit dem religiösen Fasten – je länger man darüber nachdenkt, desto abstruser wird es.

Daher bleibt es nicht bei der kleinen Fingerübung mit dem Teaser. Quarkundso.de steigt ein.

 

Nobelpreis für Blutabnehmen

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Wissenschaftsblog 2015: Sonderpreis der Redaktion „Wissenschaft kommuniziert“

Wenn man sich nämlich auf der Seite der Charité umschaut, dann kommt raus: Die Sache mit der Bahai-Fasten-Studie, die interdisziplinär sein soll, ging zwar durch die Medien. Aber eine offizielle Pressemitteilung gibt es dazu nicht, etwa mit Angaben zur Studie.

Nach einem Papier oder einer Veröffentlichung haben einige kritische Nutzer schon auf der Facebook-Seite des DLF gefragt. Andere konnten sich nicht vorstellen, dass das strenge Fasten der Bahai, die den ganzen Tag weder essen noch trinken, wirklich so toll für die Gesundheit sein soll.

Auch die Behauptung im Beitrag, dass „sämtliche Hormone und Botenstoffe“ der Probanden in der Studie untersucht wurden, warf Fragen auf – denn das ist schlechterdings undenkbar und wäre nobelpreiswürdig, wie eine Userin anmerkte.

 

Giftige Abwehr beim DLF

Die Nutzer wollten also Belege, nämlich die Studie. Die Webmoderatoren des DLF haben, anstatt die Diskussion zuzulassen, sehr giftig zurück gehackt: Es hätten doch Experten die O-Töne im Beitrag gegeben, diese Experten wüssten es doch wohl am besten. Wie die Facebook-Nutzer die Expertise der O-Ton-Geber anzweifeln könnten?

Nun ja. Sagen können Experten viel. Die Frage ist, ob sie wissenschaftliche Belege oder plausible Argumente liefern können. Und ob die Autoren der Sendung ihre Experten richtig verstanden und die O-Töne nicht aus dem Zusammenhang gerissen haben.

Eine offensichtlich akademisch versierte Facebooknutzerin hat dann in einer Datenbank nach Fastenstudien zu den Bahai gesucht, die der zitierte Arzt Prof. Dr. Andreas Michalsen veröffentlicht haben könnte.

Ergebnis: Null.

Natürlich hat sich da die Investigativ-Abteilung von Quarkundso.de reingehängt und die Pressestelle der Charité angezapft. Ergebnis: Nein, die Studie ist tatsächlich nicht publiziert. Es wird auch noch eine Weile dauern, bis es so weit ist, etwa vier bis sechs Monate, also etwa bis August oder September 2019.

Ja, schade! Denn so kann niemand nachschauen, was es mit der Studie auf sich hat: Was für eine Untersuchung ist es, welche Methode, was für ein Design? Was war das Ziel, was kam wirklich raus und was sagen die Ergebnisse im Kontext der Forschungslage?

 

Journalisten sollten einordnen

Labor, Zentrifuge (Trommel), Hände in Handschuhen stecken Reagenzgläser ein

Blutproben, Messwerte, viele Daten – aber das macht noch keine Studie. Die Ergebniss müssen erst ausgewertet werden.

Weil derlei vor einer Medienwelle klar sein sollte, stechen Forscher vor der Veröffentlichung eher selten Ergebnisse an die Presse durch.

Sie reden lieber erst darüber, wenn die Studie zur Veröffentlichung von einem anerkannten wissenschaftlichen Journal angenommen wurde.

Denn die Zusage einer renommierten Zeitschrift bedeutet, dass externe Fachkollegen die Arbeit auf sauberes Design, auf Methoden und Auswertung geprüft haben.

Der Job von Journalisten ist es dann, anhand einer – seriösen und offiziellen – Veröffentlichung nachzufragen, sich die Studie geben zu lassen, sie möglichst zu lesen und ein wenig zu recherchieren, wie die Forschungslage in etwa aussieht.

Alles das ist beim DLF schon deshalb nicht passiert, weil es, nun ja, keine Ergebnisse gibt, die man irgendwo nachlesen könnte.

Es gibt bisher daher scheinbar nur Röhrchen mit Blut im Labor, dazu ein paar Messwerte und Körperdaten, die den Fastenden letztes Jahr abgenommen wurden. So ungefähr. Wie sollen Journalisten sich da ein eigenes Bild machen oder die Studie einordnen? Das geht nicht.

 

Was es mit dem religiösen Fasten auf sich hat

Natürlich kann man auch über eine laufende Studie berichten. Dann aber einigermaßen vorsichtig.

Und damit wären wir beim Teaser und seinen vollmundigen Versprechen: Religiös Fasten und länger leben? Das zeigt die Studie nicht. Das kann auch nicht das Ziel gewesen sein, außer man arbeitet mit Fadenwürmern. Oder Fruchtfliegen.

Was aber war dann das Ziel? Nun, so genau wissen wir es nicht – die im DLF zitierten Experten, Fastenmedizinerin Daniela Liebscher und ihr Chef, der prominente Naturheilkundearzt Prof. Dr. Andreas Michalsen, sagen es im Beitrag nicht so richtig

Sie wollten scheinbar nur, nun ja, Daten zum religiösen Fasten. Schließlich gibt es dazu nicht so viele Studien, haben wir anfangs gelernt.

Allerdings hat hier die Abteilung Dokumentation und Recherche bei Quarkundso.de durch sture Wühlarbeit noch Erstaunliches zutage gefördert: Es gibt sehr wohl Studien zum religiösen Fasten, besonders zum Ramadan der Moslems. Es gibt sogar Hunderte.

Moslems fasten wie die genannten Bahai: Mehrere Wochen im Jahr, im Monat Ramadan, essen und trinken sie den ganzen Tag nichts.

 

Nächtliche Völlerei, Zuckerfest – und kein längeres Leben

Kleiner Junge mit Gebetsmütze (weiß) steckt sich Kuchen in den Mund

Ein Fest für Kinder: Das große Fastenbrechen zum Abschluss des Ramadan.

Doch die Ergebnisse der vielen Ramadan-Studien passen eingefleischten Fastenfans wohl nicht so richtig ins Konzept.

Übersichtsarbeiten, die es zum millionenfachen Ramadan-Fasten der Moslems gibt, zeigen keine brauchbaren Ergebnisse: Alles uneinheitlich, nicht nur positive Effekte, nichts von Dauer.

Wobei die Moslems ohnehin nicht wegen gesundheitlicher Wirkungen fasten – was übrigens auch für die Fastengebote der Christen, Buddhisten oder Juden gilt: Um Gesundheit geht es nie.

Moslems fasten nur, weil es ihr Glauben vorschreibt. Dieser erlaubt auch das Fastenbrechen: Abends, nach Sonnenuntergang, haut man sich in der Türkei, im Iran, in Pakistan, Südostasien, Nordafrika, am Golf und anderswo die Plautze voll, dass es nur so kracht.

Beendet wird der Fastenmonat Ramadan mit dem dreitägigen Zuckerfest. Da biegen sich die Tische vor Kuchen und Süßgebäck, die Kinder bekommen Bonbons und außerdem gibt es Festspeisen mit reichlich Fleisch und Fett.

Für den Rest des Jahres ist es dann egal, was man isst.

 

Lieber nicht fasten wie im Ramadan

Die Daten zu Gesundheit und Lebenserwartung in islamischen Staaten sind entsprechend: Langes Leben, tolle Gesundheit, kein Diabetes, keine Stoffwechselprobleme, kein Übergewicht in Ländern mit Ramadan?

Eben genau nicht.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Gesundheitsdaten aus diesen Ländern zeigen, dass Übergewicht und Diabetes, Fettleber und Fettstoffwechselstörungen dramatisch verbreitet sind – noch viel mehr als in Europa. Der Orient wird von Übergewicht und Diabetes geradezu überrollt.

Sehr eindrucksvoll ist dazu eine Karte der WHO zu Diabetes Typ 2, die 2014 im Spiegel veröffentlich wurde, Link steht unten. Der nordafrikanische Gürtel, Iran, Irak und die arabischen Staaten sind am schwersten betroffen. Selbst in reichen islamischen Ländern wie Saudi-Arabien liegt die Lebenserwartung unter der von Europäern und Amerikanern.

Die Situation hat sich seit 2014 keineswegs verbessert, sondern in den moslemischen Ländern weiter verschlechtert. Und auch die Gesundheit von islamischen Migranten in Deutschland ist nicht grandios besser als die der Restbevölkerung, Ramadan hin oder her. Eher schlechter: Unter Türken in Deutschland nimmt Diabetes Typ 2 zum Beispiel zu, auch sind sie öfter übergewichtig.

Passend dazu beschäftigen sich die meisten Studien zum Ramadan damit, wie die vielen moslemischen Diabetiker während des Fastens mit ihrem Insulin klarkommen.

 

Falsches Versprechen

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In islamischen Kulturen verlängert das religiöse Fasten also nicht das Leben. Scheinbar lebt man eher länger, wenn man es genau nicht so macht wie die rund als 1,8 Milliarden Moslems im Ramadan.

Und das kam auch in Daniela Liebschers Doktorarbeit raus: Die ganze religiös motivierte Askese bringt offensichtlich nicht viel, wenn man einmal im Jahr ein wenig fastet und sonst über die Stränge schlägt.

Der Teaser liegt also mit seinem Versprechen tatsächlich voll daneben.

Den Fastenärzten Liebscher und Michalsen ging es laut Beitrag ohnehin nicht um den Glauben. Sie interessieren sich eher für das Fasten an sich, speziell für das Intervallfasten.

So bezeichnen Mediziner das Fasten im Tagesverlauf oder in bestimmten Zeitfenstern, zum Beispiel an 14 bis 16 Stunden über Nacht, wenn man das Abendessen wegfallen lässt.

Das ist zurzeit das große Steckenpferd des Naturheilkundlers Andreas Michalsen: Eine größere Nahrungspause von mindestens 12 bis 14 Stunden am Tag – egal wann – scheint positive Effekte zu zeigen.

Das Thema ist seit fast 10 Jahren ein Trend, viele Fachleute sind davon überzeugt, viele Menschen machen damit gute Erfahrungen, weil sie damit ihr Gewicht halten können.

 

Endlich die richtigen Daten

Und hier könnte die neue Bahai-Studie neue Erkenntnis bringen: Vielleicht produziert sie das von den Fastenfans erhoffte Ergebnis, dass sogar diese extreme Art des Intervallfastens gesund sein könnte? Also den ganzen Tag gar nichts, weder Wasser noch Brot, ob religiös motiviert oder nicht.

Könnte. Wir wissen es nicht.

Die Studie ist noch nicht veröffentlicht und über die üblichen Ergebnisse des Intervallfastens hinaus ist nicht viel zu erwarten: Es gibt kurzfristige Veränderungen in den Blutwerten und im Stoffwechsel; die innere Uhr legt ein paar Schalter um. Denn Essen ist ein Taktgeber und wenn man wochenlang nur nachts isst, reagieren die Zellen darauf.

Viele Effekte davon könnten günstig sein – nämlich bei Übergewichtigen, Diabetikern, bestimmten Stoffwechselkrankheiten, die mit Überessen zusammenhängen.

Was aber ein langes Leben angeht, bleibt es bisher dabei, da sind sich die meisten Experten einig: Auf die Dauer kommt es darauf an, dass man normalgewichtig ist und das Gewicht hält. Ob mit oder ohne Fasten stehen damit die Chancen auf Gesundheit und ein langes Leben am besten.

 

Mentales Fasten mit Quarkundso.de

Das Fazit der nachgeholten Recherche von Quarkundso.de ist daher eine strenge Ermahnung zur Mäßigung – quasi zum mentalen Fasten. Hier das Wichtigste in abgespeckter Form:

Die Naturheil- und Fastenforscher in Berlin hätten vielleicht nicht so offensiv ein Experteninterview anbieten sollen, nur weil gerade Fastenzeit ist.

Universitäten sollten auf ihren Webseiten nichts vorschnell raushauen, was nicht publiziert und fachlich kontrolliert ist.

Forscher müssen Daten und Methoden offenlegen.

Journalisten müssen recherchieren.

Online-Texter dürfen nicht lügen.

Alle müssen aufpassen.

Und sich einfach ein bisschen zurückhalten. Wenigstens in der Fastenzeit.

@Johanna Bayer

 

Der DLF-Beitrag zum religiösen Fasten auf Facebook vom 6.3.2019

Beim Spiegel: Karte über Diabetes von 2014, Daten von der WHO

Die große Serie bei Quarkundso.de: Was wirklich dick macht – und wo die DGE kneift

Endlich ist sie da, die neue Folge zu den größten Dickmachern. Diesmal geht es ums Grundsätzliche: Wer hat eigentlich das Problem? In der Zucker-Debatte scheinbar vor allem Kinder, die es zu schützen gilt. Doch die Dicken, das sind die Erwachsenen. Und denen will keiner was verbieten: Nicht einmal die DGE wagt in ihren 10 Regeln eine klare Ansage – Quarkundso.de übernimmt.

 

Mann in rotem Hemd mit überhängendem Kugelbauch, nah, von der Seite (Gesicht ist nicht zu sehen)

Wampe und Wohlfühlgewicht: Man gönnt sich ja sonst nichts. Die Frage ist: Soll das so weitergehen?

 

Jetzt geht es also endlich weiter mit der Serie zu den größten Dickmachern. Vorab möchten wir warnen: Es folgen Regeln und Vorschriften, es wird also trocken und auch etwas streng.

Aber ab und an muss man ein Thema mal gründlich durchdenken. Am Ende gibt es dafür wieder handfesten Service und eine schöne Take-Home-Message.

Unser heutiger Beitrag zu den wahren Dickmachern dreht sich also um eine grundsätzliche Frage: Wer hat eigentlich das Problem?

Die erste Folge vom 5.4.2018 war da praktischer ausgerichtet, es ging um Bier als Dickmacher, und zwar im Vergleich zu Zucker (bitte nachlesen). Letzterer ist zu Unrecht alleiniger Sündenbock in der Debatte, an das heilige Bier will keiner ran.

Das geht schon aus kulturellen Gründen nicht, und damit sind nicht nur Bierbrauen und Saufen gemeint. Sondern auch die nationale Psyche, die Mentalität. Der Geist eines Volkes.

Denn es ist nunmal so: Deutschland ist das Land der Schulmeister.

Für Kinder, wohlgemerkt.

 

Angstgegner: der ausgewachsene Deutsche

Über die zerbricht man sich unentwegt den Kopf – wie sie zu unterrichten, zu belehren, anzuleiten, zu fördern sind, wie man sie am besten trainieren, drillen oder zur Entwicklung anregen kann; wie man ihnen Grenzen setzt, sie schont, vor Schaden bewahrt, aufklärt und für den Ernst des Lebens rüstet.

Deshalb ist Zucker so ein willfähriges Opfer: Die Akteure der Debatte haben vor allem Kindernahrung, Kinderlebensmittel und Werbung für Kinder im Blick. Da darf man sich mit Regeln, Verboten und Bewahren austoben. Ist ja für eine gute Sache, für die Kleinen – Kinder sind unsere Zukunft!

In Deutschland hat man also viele Freunde, wenn man Kindern den Zucker verbietet. Den Erwachsenen aber die Dickmacher wegzunehmen, das traut sich keiner.

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Denn der ausgewachsene Deutsche ist kein leichter Gegner. Das hat das Veggie-Day-Trauma der Grünen aus dem Jahr 2013 gezeigt. Und auch sonst ist der Deutsche auf der Hut vor Regeln, die die persönliche Freiheit einschränken.

Da mutiert er sofort zu einem Schreckgespenst: zum mündigen Bürger.

Der lässt sich nichts sagen, ist gegen Tempolimit, Fahr- und Parkverbote und zieht bei Nachbarschaftsstreitigkeiten gerne vor Gericht. Einfach mal einlenken, weil der andere berechtigte Gründe hat, das geht nicht. Da steht sofort die Freiheit auf dem Spiel.

Und so hält er es auch mit dem Übergewicht.

 

Nur die Minderheit kann nichts für ihr Übergewicht

Fetter Mann in blauem T-Shirt mit Glas Bier und Fernbedienung in der Hand

Auf seine Feierabendrituale lässt der Deutsche nichts kommen.

Weniger essen, um nicht aus dem Leim zu gehen? Auf keinen Fall.

Sich zurückhalten bei Bier, Currywurst, Pommes-Mayo, Kuchen? Man gönnt sich ja sonst nichts. Abnehmen, weil man schon zu fett ist? Unmöglich, bei dem Stress.

Natürlich sind hier nicht die gemeint, die für ihre Korpulenz nichts können – Menschen mit Krankheiten, auch psychischen.

Oder Leute, die schon als Kinder dick waren, Patienten, die Medikamente nehmen müssen, Kinder, die von ihren Eltern vollgestopft und sonst wenig beachtet werden.

Das ist aber die Minderheit. Wir wiederholen: Das ist die Minderheit.

Die Mehrheit war noch als junge Erwachsene bis etwa 25 oder 30 normalgewichtig bis schlank. Mit steigendem Lebensalter ändert sich das: Zwei Drittel der Erwachsenen nehmen zwischen dem 25 und dem 50 Lebensjahr 11 bis 20 Kilo zu, Tendenz im Alter steigend.

Das ist nicht naturgegeben: Ursprünglich lebende Jäger- und Sammlervölker halten ihr Gewicht nach der Pubertät weitgehend.

 

Noch nie war Deutschland so dick

Anders in der modernen Welt. Hier betrachtet man die Speckrollen des Erwachsenen als Schicksal. Daher sieht man Männer um die 50, die trotz Riesenwampe nicht auf ihre drei bis fünf Feierabendbiere verzichten wollen. Und Frauen, die mit 30 Kilo Übergewicht davon reden, dass sie stolz auf ihre Kurven sind, aber das Sodbrennen nicht in den Griff kriegen, weshalb sie den Arzt wechseln wollen.

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Der Befund ist erschütternd: Noch nie gab es in Deutschland so viele Übergewichtige und insbesondere Fettleibige, also Leute mit schwerem Übergewicht über Body-Mass-Index 30 (abgek. BMI 30, rund 18 Kilo über Normalgewicht).

Das Problem ist so gravierend, dass die Normalgewichtigen schon in der Minderzahl sind, wie die DGE 2017 bekanntgab:

In der Altersklasse der Berufstätigen ist das Dicksein heutzutage so weit verbreitet, dass es keine Ausnahme mehr darstellt, sondern der Normalzustand ist.

Männer sind besonders häufig zu dick: Am Ende ihres Berufslebens sind 74,2 % übergewichtig. Bei den Frauen im gleichen Alter sind es 56,3 %.

(Quelle: 13. DGE-Ernährungsbericht von 2017).

 

Da ist nichts versteckt

Der „versteckte Zucker“ in Grillsaucen und Sauerkraut ist daran nicht schuld. Das zeigen die Zahlen dazu, was erwachsene Deutsche im Schnitt täglich verputzen, an Süßwaren, Kuchen oder Schokolade, zum Beispiel,

Nachzulesen ist das in der Nationalen Verzehrsstudie (NVS): Zum Beispiel gönnen sich die mündigen Bürger jeden Tag 50 bis 60 Gramm Süßigkeiten, das sind mindestens 300 überflüssige Kalorien am Tag.

Plus Bier. Plus Kuchen. Plus Saft, Limo und Cola. Plus Eis, gerade im Sommer so erfrischend, mal zwischendurch. Da kommt ganz schön was zusammen, was weder nötig noch „versteckt“ ist.

Zwar gibt es einen erheblichen Teil von Dicken, die nicht so viel Süßes essen. Sie halten sich an Brot, Wurst, Nudeln, Pommes und andere herzhafte Genüsse, wozu das heilige Bier immer am besten passt. Aber es hilft ja nichts – auch die müssten bereit sein, ihre Gewohnheiten zu überdenken.

Was sie nicht sind. Und da liegt der Hase im Pfeffer.

 

10 Regeln der DGE: Keine klare Ansage zum Gewicht

Die DGE beklagt das schon seit Jahren und Experten wissen es: Viele Menschen sind einfach nicht dazu bereit, ihre Ernährungsgewohnheiten zu ändern, selbst wenn sie erheblich zunehmen.

Daher sollte man – Stichwort mündiger Bürger – mit ihnen Tacheles reden: Es braucht eine klare Ansage gegen Übergewicht, zum Beispiel von der DGE.

Doch ausgerechnet die obersten Ernährungshüter, die der ganzen Welt eine fade Körnerkost verordnen wollen, eiern in ihren Vorschriften herum: Keine einzige der 10 DGE-Regeln für vollwertige Ernährung widmet sich konzentriert dem Problem Übergewicht.

Dabei sollen diese einfachen Richtlinien doch „dem Verbraucher“ helfen, also allen; und sie sollen für jedermann verständlich sein. Deshalb wurden sie gerade umständlich überarbeitet. Nur fehlt die klare Positionierung zur größten Falle beim Essen: zum Zuviel. Selbst an den Stellen, an denen von Genussmitteln und gesüßten Getränken die Rede ist, wagt die DGE nur vorsichtig zu erwähnen, dass sie „das Risiko für Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 erhöhen.“

Dass Menschen nicht dick werden sollen und Übergewicht aktiv vermeiden müssen, steht nirgendwo.

Auch nicht in der letzten Regel, der Nr. 10. Da ist zwar die Rede vom Gewicht, aber ganz vage. Der Text dazu dreht sich um den Zusammenhang von Ernährung mit Bewegung und besagt im Kern nur, dass Bewegung gesund ist.

Als ob der mündige Bürger das nicht längst wüsste.

 

Zu allgemein – und Thema verfehlt

Hier die Kurzfassung:

Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

Vollwertige Ernährung und körperliche Aktivität gehören zusammen. Dabei ist nicht nur regelmäßiger Sport hilfreich, sondern auch ein aktiver Alltag, indem Sie z. B. öfter zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren.

Schon die Überschrift ist so unklar wie platt. Außerdem steht sie in keinem erkennbaren Zusammenhang zu dem Text darunter. Der lässt das Thema Gewicht und Überernährung gleich ganz weg, um möglichst wenig konkret von „körperlicher Aktivität“ zu schwurbeln. Thema verfehlt – zumal ein irgendwie gesunder Alltag eigentlich nicht ins Aufgabengebiet der DGE fällt.

Und was soll das überhaupt heißen, auf das Gewicht achten? Um welches Gewicht geht es denn, vielleicht das Wohlfühlgewicht? Soll man daher einfach so bleiben, wie man gerade ist? Warum schreiben die Ernährungshüter so windelweich?

Es gibt noch eine Langfassung, ganz neu, von Juli 2018. Darin findet sich eine Abhandlung über den gesundheitlichen Segen von Bewegung im Allgemeinen. Ohne Zusammenhang zählen die Verfasser am Ende noch die Folgen von Übergewicht und Untergewicht auf, und zwar gleichwertig.

Wir finden das bemerkenswert. Denn die Mageren stellen in Deutschland nur eine winzige Minderheit, es sind nur etwa vier Prozent der Bevölkerung. Dagegen ist der Anteil der Übergewichtigen so hoch – über zwei Drittel aller Männer, die Hälfte der Frauen – dass die Kosten dafür demnächst unser Gesundheitssystem sprengen.

Das ist nicht verhältnismäßig.

 

Die Angst der Fachleute vor dem Text

Dicke Frau in Badeanzug am Strand

Übergewicht: Die meisten könnten etwas tun.

Daher wäre es gut, Farbe zu bekennen und den mündigen Dicken sowie allen Erwachsenen in den 10 Regeln eine klare Ansage zu geben.

Wir schlagen also vor, dass die Regel neu geschrieben wird.

Und wenn die DGE es nicht macht, dann muss Quarkundso.de mal wieder einspringen.

Wir hatten das ja schon. Das war bei der DGE-Regel Nr. 7, der Trinkregel, Link steht unten. Die haben wir im Sommer 2017 exemplarisch umgeschrieben, als Fingerübung Challenge, und auch als kleines Beispiel für, nun ja, Interessierte.

Knapp drei Wochen später stand auf der DGE-Homepage eine neue Trinkregel Nr. 7, die unserer Fassung auffallend ähnelte.

Den Trick versuchen wir jetzt nochmal. Es ist ja für einen guten Zweck, und vielleicht ist dieses Jahr auch die Zahlungsmoral der DGE besser (bitte oben auf das Sparschwein klicken, vielen Dank).

Was das Problem haben wir 2017 schon benannt: Es waren Fachleute am Werk. Also Ernährungswissenschaftler.

Die stehen unter dem Zwang, sämtliche Eventualitäten zu bedenken, den ganzen komplexen Sachverhalt abzubilden und bei Adam und Eva anzufangen. Also bei Ernährung und Bewegung, nicht zu vergessen das Untergewicht.

Ihre größte Angst ist, dass man ihnen Nachlässigkeit oder Unvollständigkeit vorwirft, weil sie wichtige Einzelfälle nicht erwähnt oder sich absolut geäußert haben, wo es doch Ausnahmen gibt. Klar und prägnant können sie deshalb nicht schreiben. Stattdessen operieren sie mit abstrakten Phrasen, in die alles reinpasst.

 

Man muss Prioritäten setzen

Da sind wir von Quarkundso.de ganz anders. Wir gehen beherzt zur Sache: Was ist das große Problem unserer Zeit bei der Ernährung? Übergewicht.

Also muss das eindeutig rein, schon in den Titel. Alles andere ist untergeordnet, zum Beispiel die winzige Randgruppen der Dünnen mit Body-Mass-Index unter 18,5.

Wir wollen aber auf keinen Fall hartherzig sein. Die Belegschaft der Fachabteilung steht nämlich schon händeringend vor unserem inneren Auge, voller Angst, dass nicht alles, alles in der Regel drin ist.

Keine Sorge, wir lassen uns was einfallen.

Fangen wir mit der Überschrift an. Die muss klar sein, und sie muss die ansprechen, um die es geht: die Erwachsenen, insbesondere die jungen Erwachsenen. Der ängstlichen Fachabteilung zuliebe natürlich auch alle anderen Menschen. Selbst das geht, wenn man das alte Wischiwaschi durch eine eindeutige Aufforderung ersetzt. Die sieht so aus:

Halten Sie Normalgewicht und bewegen Sie sich viel!

Noch Fragen? Sicher nicht, denn mit „Normalgewicht“ ist alles gesagt: Übergewicht und Wampe verbieten sich damit ebenso wie Abmagern.

Dieser neue Titel bietet eine sehr einfache, eindeutige Richtlinie für den Alltag, für jedermann – und für den Rest des Lebens. Großzügig und realistisch ist sie auch noch, denn sie enthält die ganze Spannbreite der BMI-Skala von BMI 18,5 bis 25. Eine Frau von 1,70 Körpergröße kann demnach zwischen 55 und 71 Kilo wiegen, ein Mann von 1,82 zwischen 66 und 84 Kilo. Das lässt für alle Körperbautypen genügend Spielraum.

 

Die neue Regel 10 zum Körpergewicht

Unser neuer Kurztext präzisiert das. Dabei setzen wir dieselben Prioritäten: Der wichtigste und häufigste Fall kommt nach vorne, das ist das Übergewicht. Das Allgemeine steht hinten.

Halten Sie Normalgewicht und bewegen Sie sich viel!

Vermeiden Sie Übergewicht. Wenn Sie zunehmen, steuern Sie aktiv gegen. Sprechen Sie bei Übergewicht mit Ihrem Arzt. Auch Untergewicht ist gesundheitsschädlich. Gut ist auf jeden Fall Bewegung – vollwertige Ernährung und Bewegung gehören zusammen.

Damit ist alles gelöst: Das Thema aus dem Titel taucht im Text wieder auf, das Übergewicht ist prominent und Untergewicht wird mit abgefrühstückt, damit das Fachreferat keinen Verweis bekommt.

In der Langfassung könnte man dann noch allerlei erklären: zum Beispiel den BMI-Spielraum für Normalgewicht, oder warum Menschen ab etwa dem 25. Lebensjahr ihre Ernährungsgewohnheiten an den langsameren Stoffwechsel anpassen müssen.

Wie wir die DGE kennen, wird sie die Vorlage von Quarkundso.de natürlich gleich retuschieren. Vor allem, indem sie die Überschrift abschwächt und in ihren geliebten Infinitiv umwandelt: „Normalgewicht halten und in Bewegung bleiben“. Bloß kein Ausrufezeichen, sowas klingt nach Befehl!

Die DGE ist lieber sanft im Ton, das soll den mündigen Bürgern vortäuschen, dass sie nicht so streng ist, alles ganz lieb meint und auf keinen Fall irgendjemandem Vorschriften machen will.

In Wahrheit ist das natürlich ganz anders, im Land der Schulmeister, und gerade bei der DGE.

Vor allem aber bei Quarkundso.de. Wir meinen es ernst und sind besonders streng: Wer im Erwachsenenalter unbändig zunimmt, muss aktiv etwas dagegen tun. Wie mündige Bürger das angehen können, davon handeln die nächsten Folgen.

©Johanna Bayer

HINWEIS: Bitte vor dem Kommentieren die Kommentarregeln durchlesen. Sie stehen im Impressum und auf der Seite „Was soll das?“. Die Regeln betreffen unsachliche, beleidigende und anonyme Kommentare. 

Ganz neu: Die 10 Regeln der DGE zur „vollwertigen Ernährung“

Unser Vorschlag zur Trinkregel Nr. 7 von Juli 2017 , danach hat die DGE den Text geändert.

Die WELT: Gute und schlechte Kohlenhydrate – bis zum Killer-O-Ton

In der WELT macht sich eine Autorin daran, den Ruf der Kohlenhydrate zu retten. Schließlich steht die biedere Vollkornfraktion gegenüber der Front von Paläo-, Clean- und Low-Carb-Essern immer öfter mit dem Rücken an der Wand. Doch leider hat sie zur Sache nur sehr fragwürdiger Thesen – und dann funkt ihr ausgerechnet der berühmteste ihrer Experten dazwischen. Anstatt zu erklären, wie viele „gute“ Kohlenhydrate wir denn nun essen sollen, gibt er den Killer-O-Ton schlechthin: Es ist egal.

 

Muffin / Napfkuchen mit Zuckerstreuseln

Kuchen, Brot und Süßes: böse oder gut? Egal, es schmeckt. Nur zu viel darf es nicht sein.

Brot, Süßes und Kuchen machen dick.

Das kann kein vernünftiger Mensch bezweifeln.

Natürlich nur, wenn man zu viel davon isst. Bei Brot, Croissants, Süßem, Kuchen, Schokolade und Keksen passiert das aber leicht.

Deshalb sollte man, wenn man abnehmen möchte, derlei bevorzugt einsparen.

Schon bei Leo Tolstoi kann man das nachlesen, in „Anna Karenina“: Da reißt sich der fesche Leutnant Wronskij seiner Figur zuliebe zusammen, denn er will sein Gewicht halten.

Also versagt er sich „Mehlspeisen und Süßigkeiten“, stattdessen isst er Beefsteak.

Auch im französischen Kochbuchklassiker „Gastronomie pratique“ von Henri Babinski stand es  schon vor 100 Jahren: Backwaren machen dick.

Dieses alte Erfahrungswissen haben heute Bodybuilder, Fitness-Freaks, magere Yoga-Mädels von der Clean-Eating-Fraktion, Paleo- und Atkins-Jünger sowie viele Veganer in ganze Systeme verwandelt. Einige der Akteure sind sogar sicher, dass alle Kohlenhydrate und besonders Zucker des Teufels sind.

Das ist natürlich übertrieben.

Trotzdem gewinnt die Low-Carb-Welle dauerhaft Anhänger, während die biedere alte Vollkorn-Front mit dem Rücken an der Wand steht. Diese Ungerechtigkeit und das Lamento der Verlierer findet gerne Gehör im Ressort „Gesundheit“.

Dort erklären Journalisten vereint mit Ökotrophologen wieder und wieder, dass man unbedingt viele Kohlenhydrate braucht, warum das so ist, und dass man bloß nicht zu viel Fleisch und Fett, dafür aber eine Menge Vollkornprodukte essen soll. Experten sekundieren.

Auch die WELT hat sich neulich dieser guten Sache angenommen und alles noch einmal richtig erklärt: Welche die guten und welche die schlechten Kohlenhydrate sind, welche man essen soll und welche nicht.

 

Alles richtig gemacht. Fast.

Der Artikel ist nach den Regeln des Handwerks gestrickt: Ein griffiger Befund am Anfang, weiter geht es mit einer steilen These, dann werden die Fronten zwischen den Widersachern gezogen, es folgen möglichst kurze Erklärungen, und dazwischen sorgen knackige Statements von Fachleuten für die nötige Glaubwürdigkeit.

Normalerweise ist damit die Sache im Kasten.

Nur sind leider die meisten Aussagen im Text wahlweise trivial oder gleich krachend falsch, und die Argumentation ist wirr. Am schönsten ist aber, dass einer der befragten Experten der Autorin dazwischen funkt. Er liefert ein Statement, das ihre Bemühungen komplett konterkariert – doch die Autorin zieht ihr Ding durch.

Das ist erstaunlich und schade. Endlich sagt mal einer was Knackiges zu dem Thema, und dann merkt es keiner, weder Autorin noch Redaktion.

Jetzt bleibt die Drecksarbeit mal wieder an Quarkundso.de hängen. Das ist gemein.

Aber wir drücken uns natürlich nicht. Denn es ist für einen guten Zweck, daher stürzen wir uns unverdrossen in eine öde Beitragsanalyse, um am Ende die Fakten zu Kohlenhydraten ein für alle Mal – so richtig! – zu servieren.

Aber Achtung, hier kommt ein Warnhinweis: Es wird grauenvoll.

Zartbesaitete, Clean-Eating-Fans und Studenten der Ernährungswissenschaften lesen bitte nicht weiter, sondern widmen sich der Vorbereitung ihres gesunden Müslis mit vielen guten Kohlenhydraten für morgen früh.

 

Wir brauchen keine Kohlenhydrate. Aber wir essen sie gerne

Kohlenhydrate, heißt es also zum Einstieg beim WELT-Artikel, seien in Verruf geraten und als Dickmacher verschrien, dabei gehörten sie zu einer ausgewogenen Ernährung. Es sei aber entscheidend, die richtigen Kohlenhydrate zu essen.

Ach ja? Entscheidend, und sie gehören unbedingt in eine ausgewogene Ernährung?

Dass Zucker, Limos und Süßigkeiten gestrichen werden können, ist sicher Konsens. Aber auch alle anderen Kohlenhydrate scheinen nicht wirklich wichtig zu sein: Es ist unproblematisch, den Anteil der Kohlenhydrate auf nur 10 Prozent zu reduzieren, kann man im Atlas der Physiologie nachlesen. Das bedeutet: Der Mensch kann mit einer Ernährung zurechtkommen, die zu 90 Prozent aus Fett und Eiweiß besteht.

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Andererseits kann man auch viel mehr Kohlenhydrate essen, sogar so viele, wie es die DGE empfiehlt, nämlich mehr als 50 Prozent Anteil an den täglichen Kalorien. Nur ist das weder notwendig noch entscheidend für den Menschen. Zumindest nicht aus physiologischen oder medizinischen Gründen.

Unzweifelhaft macht es aber Spaß, Kohlenhydrate zu essen.

Das liegt an den Lebensmitteln, in denen sie stecken: Die schmecken gut und sind meistens sehr nützlich, weil sie Ballaststoffe, Vitamine, Protein und Mineralien enthalten und so schön satt machen. Natürlich nur, wenn man echte Lebensmittel nimmt, und kein Industrie-Süßzeug oder Limos und Säfte.

Es ist in diesem Zusammenhang sowieso die Frage, warum über den abstrakten Makronährstoff „Kohlenhydrate“ gesprochen wird, aber nicht über Lebensmittel: über Brot, Nudeln, Pizza, Reis oder Kartoffeln, über Spinat, Kohl, Rüben, also alles das, was Kohlenhydrate enthält (unter anderem) und unser Essen so schön bereichert.

Vielleicht wäre es dann eleganter zu begründen, warum es gut ist, diese Dinge zu essen.

 

Wirres Zeug über Insulin

Die WELT-Autorin hat aber scheinbar den klaren Auftrag, allgemein „Kohlenhydrate“ zu erklären.

Sie leiert also alles noch einmal runter: Zucker und Mehl gehören zu den Kohlenhydraten, der böse Haushaltszucker hat zwei Moleküle, das ist schlecht. Traubenzucker und Fruchtzucker haben nur eines, das ist ganz schlecht, weil diese Zucker so schnell ins Blut gehen.

Was aus Vollkornmehl ist, hat dagegen viele Ketten von Molekülen, das ist gut, weil der Zucker dann nicht so schnell ins Blut geht. Alle Kohlenhydrate sind nämlich nichts als, nun ja, Zucker.

Dann ergeht sich die Autorin über Insulin und den Zuckerstoffwechsel. Dabei wirft sie einiges durcheinander – Insulin und Blutzucker, die Blutzuckerwirkung von Lebensmitteln, den Anstieg und Abfall des Blutzuckers, die physiologische Ausschüttung von Insulin, die Mechanismen der Sättigung.

Da heißt es einmal, der Körper schütte bei jeder Mahlzeit das Hormon Insulin aus (richtig), dann wieder: Wird Insulin „über einen längeren Zeitraum kontinuierlich ausgeschüttet, macht das satt.“ (falsch, und direkter textlicher Widerspruch zur ersten Behauptung).

Dann heißt es, Süßes und Weißmehl würden den Blutzuckerspiegel gefährlich hoch schießen lassen (falsch, wird aber dauernd behauptet, nicht nur hier), danach habe man deshalb (?) schnell wieder Appetit, schneller als nach einem Vollkornbrot (stimmt so nicht).

Es geht weiter damit, dass Einfachzucker und „leere Kohlenhydrate“ der Grund dafür seien, dass Menschen, die häufig snacken, von Diabetes bedroht seien, denn sie hielten ihren Blutzuckerspiegel dauerhaft hoch (falsch; gemeint ist in diesem Fall die häufige Insulinausschüttung, die zur Abstumpfung der Zellen gegen das Hormon führt, eine Ursache für Diabetes Typ II. Es ist aber nicht der Blutzuckerspiegel, der besonders erhöht ist).

 

Die Fakten in Kürze

Dass bei all dem Verwirrung entsteht, wundert nicht. Die Sachlage ist extrem komplex.

Außerdem steckt die Tücke im System: Den Apologeten der guten Kohlenhydrate, nämlich gewissen Ernährungsexperten, die Journalisten Informationen liefern, geht es darum, den Kohlenhydratanteil an der Ernährung möglichst hoch zu halten.

Wie die „Bösen“ auf den Stoffwechsel wirken, muss dabei möglichst verteufelt, die Rolle der angeblich guten Kohlenhydrate aber ordentlich geschönt werden.

Beides geht nur, wenn man etwas trickst. Die reinen Fakten geben das nämlich nicht her.

Deshalb arbeiten die Vollkornfreunde mit verzerrten physiologischen Erklärungen und werfen viele Nebelkerzen. Kein Wunder, dass Journalisten dabei aufs Glatteis geraten.

Tatsächlich verhält es sich, wie Quarkundso.de aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, so:

Größere Mengen an Insulin werden nach den Hauptmahlzeiten freigesetzt, und nach stärke- oder zuckerreicher Nahrung. Dann macht es satt, zusammen mit anderen Faktoren. Wenn die Mahlzeit nahrhaft war, ist man auch länger satt. Allerdings macht viel Insulin auch Hunger, das gehört zu seiner Doppelgesichtigkeit.

Das Hormon wird ansonsten tagsüber in kleinen Mengen, in Minutenabständen pulsierend, ins Blut abgegeben und hat viele Aufgaben im Stoffwechsel. Das macht nicht satt, sorgt aber dafür, dass die Zellen Energienachschub und Baustoffe bekommen.

Was die WELT-Autorin auf die falsche Fährte lockt, ist die Tatsache, dass komplexe Zucker (Kohlenhydrate), übrigens auch Eiweiß und Fett, auf Stoffwechsel und Blutzucker teilweise anders wirken als einfache Kohlenhydrate – die „Bösen“.

Die „Guten“ kommen etwas langsamer ins Blut, erhöhen daher den Blutzucker langsamer und über eine längere Zeit. Dabei schonen sie aber keineswegs das Insulin. Denn ausnahmslos alle Kohlenhydrate werden mit Hilfe des Insulins verstoffwechselt und wirken stärker auf den Blutzucker ein als Eiweiß und Fett.

Die „Bösen“ strömen nur etwas schneller ins Blut, was Insulin in kürzerer Zeit anfordert, das stimmt schon. Aber ein gesunder Körper kann das bewältigen. Es darf nur nicht ständig geschehen.

Dagegen sind viele von den komplexen, „guten“ auch nicht ohne: Wer eine Menge davon isst, braucht auch viel Insulin. Ständig viel Insulin im Blut kann aber unter Umständen die Zellen abstumpfen, das ist die gefürchtete Insulinresistenz, eine Vorstufe des Diabetes.

Wer dann noch (von den vielen guten Kohlenhydraten) dick wird, kann sich auch ohne Weißmehl und Süßigkeiten Diabetes und eine Fettleber einhandeln.

 

Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf die „guten“ Kohlenyhdrate

Noch dazu reagieren Menschen in ihrer Insulinantwort auf Kohlenhydrate sehr individuell. Bei den einen gibt es eine stärkere Insulinausschüttung als bei anderen, und zwar auch nach Vollkornbrot und komplexen Kohlenhydraten.

Manche Menschen reagieren zum Beispiel auf Sushi – aus Fisch und Reis – mit einer stärkeren Insulinausschüttung als auf süßes Speiseeis. Das haben Forscher des israelischen Weizmann-Instituts festgestellt.

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In einem neuen Test hat dasselbe Institut gerade auch den Vollkornmythos zerlegt: Vollkornbrot und konventionelles Toastbrot verändern Blutzucker, Insulin und weitere Werte erstmal nicht weiter – und beide nehmen sich nichts.

In dieser Studie aß die Hälfte der Probanden eine Woche lang konventionelles Weizentoast aus der Tüte, die andere Hälfte „gesundes“ Vollkornbrot aus Weizen. Beide Gruppen aßen danach eine Woche lang jeweils auch das andere Brot, um zu testen, wie sie auf die Brotsorten reagieren.

Ergebnis: Im Großen und Ganzen keine klinische Auswirkung auf Parameter wie Blutzucker, Insulin, Leber-, Nieren- und Cholesterinwerte.

Aber bei der Hälfte der Probanden ließ sich trotzdem messen, dass der Blutzuckerwert nach dem Essen von Vollkornbrot sogar noch stärker ansteigt als beim Toastbrot. Beim Industriebrot wiederum zeigte nur die Hälfte aller Probanden eine relativ hohe Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel und die Insulinausschüttung.

Fazit der Forscher: Menschen reagieren sehr individuell auf die Kohlenhydrate im Brot, und keine dieser Reaktionen ist krankheitswertig. Grund für die Unterschiede ist übrigens die Zusammensetzung ihrer Darmflora. Anhand der Bakterienarten im Darm konnten die Forscher sogar vorhersagen, wer wie reagiert, ein spannender Befund.

Aber dass feines Weißbrot keineswegs den Stoffwechsel durcheinander bringt, ist schon längst bekannt. Der Volksmund weiß das bestens: Seit Jahrtausenden bevorzugen Menschen  ausgemahlenes Weizenmehl gegenüber groben, dunklen Mehlen.

Die Apologeten der „guten“ Kohlenhydrate verschweigen solche Forschungsergebnisse tunlichst. Dafür befeuern sie unentwegt den Mythos vom „ungesunden“ Weißbrot, das den Blutzuckerspiegel gefährlich Achterbahn fahren lässt, wogegen Vollkorn angeblich den ganzen Tag satt macht. Beides ist falsch.

 

Der Killer-O-Ton

So folgt auch die WELT-Autorin brav ihrem Ziel, das Image der „guten“ Kohlenhydrate zu stärken. Nach dem schwierigen Erklärungsteil geht sie zur Praxis über: Welche und wie viele von den guten Kohlenhydraten soll man nun essen? Wo sie doch so gesund sind.

Jetzt sind die Experten am Zug. Eine Ökotrophologin sagt das Gewünschte (immer schön die Guten), aber ein Ernährungswissenschaftler, Stefan Kabisch vom DiFE in Potsdam, gibt zu, dass Abnehmen mit dem Einsparen von Kohlenhydraten ebenso gelingt wie mit Fettsparen. Die wissenschaftlichen Daten sprechen hier übrigens sogar eher für größere Erfolge der Low-Carb-Diäten und nicht für die Fettspar-Varianten (was Kabisch nicht sagt).

Dann aber ist der berühmte Professor Hans Hauner vom Präsidium der DGE, Chef der Abteilung Ernährungsmedizin an der Exzellenz-Uni TU München, an der Reihe. Er soll den zentralen O-Ton geben, die Take-Home-Message.

Und er ist offensichtlich in der Zwickmühle.

Denn die Autorin will wohl hören, dass man viele „gute“ Kohlenhydrate essen soll, wegen der Gesundheit und weil das doch zur ausgewogenen Ernährung gehört. Aber den Gefallen kann Hauner ihr nicht tun – der Mann ist Wissenschaftler.

Anfangs windet sich der Mediziner geschickt um den Kern der Frage herum. Zuerst versucht er, mit den Ballaststoffen zu punkten: Zufällig enthalten Lebensmittel, in denen viele gute Kohlenhydrate stecken, auch viele von diesen wertvollen Ballaststoffen. Deshalb seien die guten Kohlenhydrate gut.

Laib Vollkornbrot, braun, bieder

Das gefürchtete Kommissbrot. Heute befördert zu guten, gesunden Kohlenhydraten.

Hm. Ja. Aber das ist nicht die Frage. Die Frage ist: Wie viele und welche von den Guten soll man essen?

Jetzt schweift Hauner zur Ökologie ab:

Es werde bei einem hohen Kohlenhydratanteil an der Nahrung nicht so viel Fleisch und Milch konsumiert. Das schone die Umwelt.

Und von Low-Carb-Diäten würde nur die Agrarindustrie profitieren.

Hm. Das war auch nicht die Frage.

Die Frage war: Wie viele Kohlenhydrate soll man denn nun essen, von den Guten, versteht sich, damit der Blutzucker und das Insulin im Lot bleiben?

Wie soll ich meine gesunde Ernährung mit den guten Kohlenhydraten zusammenstellen?

(Sapperlot, WELCHE guten Kohlenhydrate und WIE VIELE, verdammt nochmal, das werden Sie doch wohl noch sagen können? SIE sind doch der Experte! Und die Leser brauchen jetzt einen PRAXISTIPP! Also los, heraus mit der Sprache!*) (*fiktiver innerer Monolog der entnervten WELT-Journalistin)

Und da legt der renommierte Forscher die Karten auf den Tisch:

„Wir sind in der Ernährungsmedizin davon abgekommen Menschen vorzuschreiben, wovon sie wie viel essen sollen“.

Das sagt der Mann glatt. Dann schiebt er nach:

„Essen ist schließlich auch Ausdruck von Identität und Individualität. Jeder sollte verschiedene Lebensmittel und Rezepte ausprobieren“.

Man muss das mehrmals lesen und sich durch Kopf und Bauch gehen lassen: Professor Hans Hauner gibt keine Menge von „guten Kohlenhydraten“ an, die man täglich essen soll. Er sagt sogar, dass es keine Empfehlungen von Ärzten zu den Anteilen von „guten“ Kohlenhydraten im Essen gibt.

Im Klartext: Es gibt für Gesunde überhaupt keine Ess-Vorschriften mehr aus der Ernährungsmedizin.

 

Ende der Diskussion

Hauner hält sich damit im Gegensatz zu vielen anderen an den Stand der Forschung, und das ist ihm hoch anzurechnen: Aus medizinischer Sicht ist es egal, was Menschen essen, und in welchem Verhältnis. Es kann mehr oder weniger Fett sein, mehr oder weniger Fleisch, und viele oder wenige oder fast keine Kohlenhydrate.

Hauptsache, man bleibt dabei gesund, hält das Normalgewicht und trinkt nur mäßig Alkohol. Dann sind nach einhelliger Meinung die wesentlichen Klippen bei der Ernährung umschifft.

Und damit erledigt sich auch die ganze Ehrenrettung der angeblich so wichtigen „guten“ Kohlenhydrate. Das ganze Geschwurbel über den Stoffwechsel und die Tipps der beflissenen Ökotrophologin, die dann doch das letzte Wort hat, hätte die Redaktion streichen können.

Das Hauner-Zitat macht den Artikel eigentlich komplett überflüssig. Ende der Diskussion.

 

©Johanna Bayer

LINKS:

Der Artikel über Kohlenhydrate in der WELT vom 17.5.2017

Die SZ am 8.6.2017 über die Studie zu Toastbrot versus Vollkornbrot