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Dürfen Köche Geld verdienen? WDR und SWR porträtieren Alfons Schuhbeck

In einer Doku von WDR und SWR geht es um TV-Star Alfons Schuhbeck und angebliche Nebengeschäfte von Köchen. Als investigative Aufklärung über unsaubere Machenschaften angekündigt, ist der Film nur eine Luftnummer. Heraus kommt normales Tagesgeschäft – und ein subtiles Werk der Imagepflege. Der Schuhbeck ist ja nicht dumm.

 

Löffel mit Paprika, Curry, Gewürzen, Salzkörner, Nahaufnahme

Reich mit Gewürzen – darf das ein Koch?
Bild: Shutterstock / Eugenia Lucasenco

Das klang spannend: Eine Sendung darüber, womit Promi-Köche, die im Fernsehen auftreten, „wirklich“ ihr Geld verdienen, Titel: „Kochende Geschäfte“.

Die Dokumentation ist von WDR und SWR und lief 2015 beim WDR in der investigativen Reihe „die story“, der SWR wiederholte den Beitrag im September 2016. Da geriet er auf den Radar von Quarkundso.de, zumal knallharter Journalismus in Aussicht gestellt wurde:

„die story fragt nach den Nebengeschäften der Fernsehköche. Sie zeigt die Küchenglitzerwelt und das, was daraus entsteht.“a

Nebengeschäfte! Unfassbar. Was könnte das sein, bei einem Koch?

Sklaven- und Mädchenhandel, um billig an Küchenpersonal zu kommen, Drogenschmuggel in der Kühlkammer, illegale Chemikalien in Lebensmitteln, vielleicht Scheinfirmen: ein Briefkasten auf den Bahamas, hinter dem sich ein Pferdefleisch-Großhändler auf dem Balkan verbirgt, der unter dem Namen des TV-Kochs auffallend günstige Delikatess-Lasagne unters Volk bringt.

Oder so.

Aber das war es alles nicht.

 

Gewürze, Restaurants, Partyservice

Stattdessen listete der Film das Portfolio von Gastro-Unternehmern auf, vor allem das des Alfons Schuhbeck: neben dem Führen von Restaurants unterschiedlicher Niveaus und eines Partyservice sind das diverse Medienauftritte, der Handel mit Gewürzen und allerlei Viktualien, die Entwicklung von Fertiggerichten unter dem eigenen Namen, das Bekochen eines Fußballvereins, Werbeverträge für Lebensmittel, das Verfassen von Kochbüchern und das Abhalten von Kochkursen für Hobbyköche.

Alles ganz normale und legale Aktivitäten, zu deren Erfolg man den Unternehmer eigentlich beglückwünschen möchte. Aber wenn so ein Koch den öffentlich-rechtlichen Investigativformaten vor die Flinte gerät, ist was anderes gefragt.

Autorin und Regisseurin Katharina Schickling begab sich also im Auftrag von WDR und SWR auf die heikle Mission, die dunklen Machenschaften der Küchenkünstler aufzudecken. Normalerweise macht Frau Schickling eher Kultur-Dokus für den BR, meist mit schönen schwarz-weiß-Bildern aus dem Archiv.

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Den Alfons Schuhbeck, ihren Protagonisten, hat sie 24 Stunden durch seinen Tagesablauf begleitet, beginnend um Mitternacht. Da stemmt der Kraftmensch Hanteln im Fitness-Studio, denn erst nächtens hat er dafür Zeit.

Wir werden auf diesen bemerkenswerten roten Faden – 24 Stunden im Leben eines Promi-Kochs, in seinen eigenen Häusern, an Originalschauplätzen – noch zurückkommen.

Aber erstmal weiter in der Story: Im anschließenden O-Ton erklärt Schuhbeck, schön ausgeleuchtet vor einem Weinregal seines Ladens sitzend, dass er sich im Moment pudelwohl mit seinem Erfolg fühlt und mit seinen Auftritten den Nerv der Zeit trifft.

In der Tat, das tut er. Mit bayerischem Charme, raffinierter Heimatküche und seiner Gewürzmasche hat er sich eine eigene Marke erschaffen, wobei er ja schon vorher erfolgreich war: In Waging hielt der Alfons, den seine Fans liebevoll „Fonse“ nennen, 20 Jahre einen Michelin-Stern, in München hat er sich am Platzl auch sofort einen erkocht, wenn er auch inzwischen nicht mehr selbst am Herd steht.

Eines ist klar: Der Mann kann wirklich was.

 

„Ein super Geschäftsmodell“

Jetzt, nach vielen Jahrzehnten im Geschäft, nach Pleiten, Gerichtsverfahren, Anfeindungen, unklaren Geldsachen und dem üblichen Auf und Ab des Metiers, läuft es beim Fonse: sein Image ist aufpoliert, auch dank einer Medienstrategie, die gut ausgeklügelt ist von einem Team von Beratern, neuerdings auch auf Facebook.

Einzigartig ist seine Stellung im BR. Dort hat man ihn seit 30 Jahren erst als bayerisches Urgestein am Herd, dann systematisch als „Gesundheitskoch“ aufgebaut und der Fonse hat begriffen, wie der Hase läuft. Zum Glück für ihn und seinen Haussender BR ist er clever, charmant, schlagfertig und wirkt authentisch bayerisch. Heute erntet er die Früchte und findet speziell ob seines persönlichen Medientalents: „Des is scho super!“

Süffisanter Kommentar der Autorin direkt dazu:

„Und ein super Geschäftsmodell! Diese Geschäfte möchte ich genauer betrachten. Womit verdienen unsere Koch-Gurus tatsächlich ihr Geld? Wo sind die Grenzen der Vermarktung?“

Über den süffisanten Ton und die unverhohlene Insinuation, dass etwas faul ist an der Sache, stolpert man: Der Sternekoch Alfons Schuhbeck, dem es gelungen ist, sich als echte Marke zu erschaffen und erfolgreich zu etablieren, soll aus seinem Talent und seiner Medienwirksamkeit kein Geschäftsmodell machen?

Ja – was denn sonst?

Ich meine – woraus soll man denn sonst ein Geschäftsmodell machen?

Das habe ich am Anfang des Films nicht verstanden, deshalb habe ich ihn bis zum Ende geguckt. Ich wollte wissen, was genau gemeint ist mit den scheinbar fragwürdigen Machenschaften, und ob da was Dunkles aufgedeckt wird.

 

Alte Hüte aus der Foodwatch-Kampagne von 2009

Im Verlauf des Films gibt sich die Autorin scheinbar die größte Mühe, glühende Kohlen auf dem Haupt der Köche und insbesondere von Alfons Schuhbeck zu sammeln – Werbung für Industrieprodukte und Fertiggerichte, Verkauf von Tee, was doch vom Kerngeschäft Kochen sehr weit weg sei.

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Aber die Vorwürfe sind alte Hüte, längst abgefrühstückt. Sie gehen zurück auf eine Foodwatch-Kampagne von 2009, in der die Essensretter anprangerten, dass bekannte Köche für Fertigprodukte, Tütensuppen oder Imitate wie künstliche Bratcremes werben.

Notorisch war damals der Auftritt des Sternekochs Martin Baudrexel für den Fettersatz Rama cremefine des Margarine-Multis Unilever. Die Liste der Angeklagten ist lang und führt fast alle großen Namen der deutschen TV-Kochszene: von Lafer und Lichter über Poletto bis zu Baudrexel, Herrmann und Schuhbeck – allesamt vom Guide Michelin schonmal mit einem Stern versehen.

Im Kern hat Foodwatch Recht – dass ausgerechnet Meister ihrer Kunst Werbung für billige Ersatzware machen, macht sie, was ihre kulinarische Kultur angeht, nicht besonders sympathisch.

Doch sind die alten Werbeverträge längst ausgelaufen, die Köche sensibilisiert und es wirkt einfach billig, dass WDR und SWR die komplette Kampagne von damals aufkochen, auch noch anhand der alten Vorwürfe und mit alten Werbespots.

Es ist nichts neu daran, es ist keine Eigenleistung, auch von eigenständiger Recherche kann keine Rede sein. Alles, was im Film vorkommt, kann man bei Foodwatch online nachlesen – das Drehbuch war schnell geschrieben.

 

Pseudo-Journalismus: Banales skandalisieren

Um den investigaten Schein zu wahren, muss aber die als Reporterin auftretende Autorin überall neuen Betrug wittern. Das führt zu teils grotesker Krittelei: So moniert sie bei den Gewürzen, dass Schuhbeck die Rohware für seine eigenen Mischungen vom größten europäischen Gewürzhändler Fuchs bezieht.

Skandal! Wo Schuhbeck draufsteht, ist nur Fuchs drin, der beim Netto-Markt auf dem Regalbrett über der Tiefkühltruhe steht? Da tütet einer einfach was um und verlangt dann das Doppelte?

Nun ja. Der Effekt verpufft.

Wenn Schuhbeck Gewürze für eigene Mischungen einkauft, etwa Paprikapulver, Zimt, Chilischote oder getrocknete Zitronenschalen für sein Gulaschgewürz– warum denn nicht beim Marktführer?

Seien wir froh, dass er keine schlechtere Adresse genommen hat. Ihm den Lieferanten Fuchs zum Vorwurf zu machen, ist absurd. Da müsste man auch Karl Lagerfeld anklagen, weil er die Stoffe nicht selbst webt, aus denen er seine Kleider schneidert, sondern sie von Textilhändlern kauft.

Mit einer schlichten Zimt-Zucker-Mischung marschiert die Autorin – vorhersehbar – zur Verbraucherzentrale: Ob es für so eine einfache Sache nicht unstatthaft sei, Geld zu verlangen, wo doch jeder Zimt und Zucker zuhause mischen können?

Beflissen rechnet die Verbraucherschützerin vor, wie billig die Zutaten und wie teuer das Gläschen mit Schuhbecks Konterfei ist.

Ja, toll. Das hätte es auch nicht gebraucht, dafür einen Drehtag für Tausende von Euros zu verschwenden.

Denn bei Zimt-Zucker-Streu liegt doch alles auf der Hand. Muss man da die Bedenkenträgerin von der Verbraucherzentrale bemühen und den Vorwurf in den Raum stellen, Menschen würden betrogen?

Es gibt hier keinen Schwindel. Leute kaufen das Zeug, der Schuhbeck verdient daran, fertig.

Wer zu unsicher, zu faul oder zu doof ist, um selbst Zimt und Zucker zu mischen, der zahlt beim Schuhbeck halt das Zehnfache. Dasselbe gilt für Gulaschgewürz, Grillgewürz, Steakgewürz, Fischgewürz, Butterbrotsalz und was all der Mischungen mehr sind: Wer sich nicht traut, zuhause selbst zu würzen, der zahlt. Meistens sogar gerne.

 

Alles läuft seltsam ins Leere

Alle Anklagepunkte, die scheinbar gesammelt werden, verfangen auf diese oder auf andere Weise nicht. Ein Grund dafür ist auch, dass der Meister persönlich zu jedem Punkt dezidiert Stellung nimmt, und das macht er sehr gut.

Sogar auffallend gut – das wird uns noch beschäftigen.

Jedenfalls kontert er die Frage, warum in einigen seiner Gewürze oder Tees (nicht in allen) Aromastoffe sind, klar und korrekt damit, dass diese Mischungen sonst nicht stabil im Geschmack bleiben und dass es natürliche Aromen sind, weithin gebräuchlich.

Anders geht es nicht, wenn man so ein Produkt will, Punkt. Wer künstlichen Geschmack mag – und das sind erschreckend viele – kauft ihn, und fährt beim Schuhbeck wahrscheinlich besser als anderswo.

Den Vorwurf, dass er sich für Fertiggerichte hergibt, die seinem Niveau als Sternekoch nicht entsprechen, beantwortet er lässig mit einer politisch durchaus raffinierten Botschaft: Er könne doch nicht von allen Leuten verlangen, dass sie sein Sternerestaurant besuchen. Nicht jeder habe das Geld. Also mache er auch was für Leute, die sich ein Essen beim Schuhbeck eben nicht leisten können.

 

„Hummer und Gänseleber kann jeder Depp“

Dass die Gerichte einer Testerrunde aus Kollegen nicht schmeckten, begründet er sehr clever: Man habe es bei preiswerten Gerichten viel schwerer als in der Sterneküche. Denn bei den billigen Fertigprodukten muss man sich um den Geschmack echt bemühen – in der Sterneküche leisten das die exquisiten Zutaten, so der Meisterkoch: „Einen Hummer abzubraten, eine Gänseleber – das kann jeder Depp.“

Dass er Hühnerbrühe als Pulver verkauft, erklärt der Fonse schlicht damit, dass es sein Job sei, der Hausfrau zu helfen, die nicht jedes Mal ein Huhn auskochen könne.

Tja. Dagegen kann man wirklich nichts sagen, zumal es schon seit Jahrhunderten das Prinzip Brühwürfel und Instantbrühe gibt.

Eher kann man fragen: Muss derlei als vorgeblich kritische Frage in einer teuren Dokumentation des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aufgeworfen werden? Dass es so etwas wie Suppenwürfel gibt und nicht jeder Fonds und Brühen selbst kocht? Wie kann eine so weltfremde Krittelei als investigativer Journalismus verkauft werden?

Gerade wegen der aufgesetzen Fragen kommt der Schuhbeck aber umso besser weg. Denn er kann die doofen Vorwürfe handfest kontern und geht als bodenständiger, vernünftiger Geschäftsmann und netter Kerl aus der Sache raus.

Nebenbei erklärt er sehr überzeugend seine Medienstrategie – dass er sich bereitwillig von jedem fotografieren lässt. dass er Autogramme gibt, sich selbst und seinen Stress zurücknimmt, alles tut für Kunden und Fans und immer Antwort gibt.

Am Ende glaubt man ihm.

Alfons Schuhbeck am Tisch, drei Personen, Gesichter unkenntlich

Knallharte Recherche von Quarkundso.de: dem Schuhbeck in München aufgelauert, Foto geschossen. Na gut, vorher natürlich gefragt. Er hat ja gesagt und nett gelächelt.

 

Massenprodukte sind nicht für Profis gemacht

Die Tests, zu denen andere Profis bemüht werden – lokale Gastronomen aus der Münchner Szene – ergeben auch nicht allzu viel. Bei einigen sind die jüngeren Kollegen sehr höflich und fahren dem großen alten Herrn Schuhbeck nicht zu offensichtlich an den Karren.

Beim Verkosten der Fertiggerichte verfehlt das Design des Tests knapp den Punkt. Wenn die Autorin drei Köche und Geschmacksspezialisten Schuhbecks Gerichte gegen Aldi-Ware verkosten lässt, muss klar sein: Alle diese Produkte sind genau nicht für die feinen Zungen der Profis gemacht.

Deren Geschmack ist hier gar nicht gefragt, sondern der Geschmack des Publikums, das das Zeug kauft. Die Hersteller münzen auf die Masse, nicht auf die wenigen Ausnahmeschmecker aus dem Profi-Bereich.

Wenn also andere Promi-Köche und Geschmacksspezialisten ein Fertiggericht beurteilen, heißt das erstmal nur: falsche Zielgruppe. Der Hersteller hatte eine bestimmtes Segment im Auge und wollte dessen Geschmacksvorstellung treffen. Wie dort die Konsumentenbefragungen ausfallen, danach schmeckt das Produkt.

Dabei geht, was einem Feinschmecker nicht auf den Tisch kommt, im Handel millionenfach über den Ladentisch.

Leider, das darf man schon sagen. Aber so ist es halt.

 

Wo beim Schuhbeck der Hase im Pfeffer liegt

Sogar die Geschichte, dass Schuhbeck für die Bezeichnung „Gewürz-Apotheke“ abgemahnt worden ist, kann der Delinquent kommentieren und für sich verwandeln: Er erklärt, dass er sich selbstverständlich den Gesetzen beugt, dass die anderen aber vor allem neidisch sind und die „Kraft seiner Gewürze“ (neuer Markenname) ungebrochen ist. Aus die Maus.

Ausgerechnet dieser Part ist überraschend knapp gehalten. Er endet damit, dass Schuhbeck das Etikett wechselt und so dem Gesetz Genüge tut.. Dabei hätte man hier dem Fonse die Suppe auch ein wenig versalzen können – wenn man das gewollt hätte.

Über Gesundheit und die Wirkung von Gewürzen und Kräutern lässt er sich nämlich inzwischen aus wie weiland der legendäre Schein-Professor Hademar Bankhofer, der in der ARD jahrelang als Experte Gesundheitstipps geben durfte, bis er wegen Schleichwerbung und Scharlatanerie geschasst wurde.

In dessen Fußstapfen tritt jetzt der Schuhbeck mit seinen Zauber-Gewürzen, die er geradezu für Medikamente mit pharmakologischer Wirkung hält – die cholesterinsenkende Wirkung von Knoblauch und Ingwer kann für das Herz-Kreislaufsystem „von entscheidender Bedeutung sein“, Schwarzkümmel wirkt bei Kopfweh besser als Aspirin, „Chili treibt die Fettzelle in den Zelltod“ und wer für den Restkörper „Zellfitness“ will, sollte von Schuhbeck zusammengestellte Gewürzkapseln schlucken, klar.

Hier legt die Autorin den Finger erstaunlicherweise nicht richtig in die Wunde, was sie leicht hätte tun können, wenn sie einige von Schuhbecks Facebook-Videos, seine Broschüren oder seine Auslassungen in Kochshows analysiert hätte. Aber sie verzichtet großmütig – auch darauf werden wir noch zurückkommen.

Allerdings ist auch klar: Es gibt in diesem Geschäft weiß Gott Schlimmeres, etwa homöopathische Zubereitungen aus Kakerlaken und Krötengift, oder Finsteres aus der Mittelalterapotheke wie Nosoden. Das sind Pillen aus dem eigenen Nasenschleim oder dem eigenen Kot, nur mal als Beispiel.

Sowas kaufen Leute wirklich in der Apotheke – dann doch lieber die Gewürzkapseln des Herrn Schuhbeck.

 

Ein subtiles Werk der Imagepflege

Nun kann man sich kaum vorstellen, dass das Schweigen an dieser Stelle Zufall ist.

Ein Alfons Schuhbeck würde nie im Leben zulassen, dass er öffentlich demontiert wird. Dass ihn ein Filmteam tagelang blockiert und in seinen Läden die schönsten Bilder dreht, um ihn nachher in die Pfanne zu hausen.

Ebenso wenig würde es der BR zulassen, dass sein Haus- und Gesundheitskoch von einer hauseigenen Autorin (!) für einen anderen Sender in die Pfanne gehauen wird, und dass dazu im BR-Radiostudio gedreht wird.

Deshalb ist dieser als aufklärerisch angekündigte Film über „Nebengeschäfte“ kein investigativer Journalismus. Er ist gutes Dokutainment, das Drehbuch abgekupfert bei Foodwatch. Man darf sogar davon ausgehen, dass die Organisation Tipps, Testdesigns, Material und jede Menge Informationen beigesteuert hat.

Und jetzt, Achtung, spekuliert Quarkundso.de mal frech: Die Aussagen und Fragen, das Drehbuch, die O-Töne der anderen Köche wurden alle dem Schuhbeck vorgelegt und mit ihm abgesprochen. Der konnte sich dann in aller Ruhe die Antworten von seinem Medienteam konzipieren lassen und sie einüben.

Anders sind diese wohlgesetzten O-Töne in Schuhbeck-Szenerie überhaupt nicht zu erklären.

Derlei ist im Doku-Business auch der Lauf der Dinge – eine aufwendig gedrehte Geschichte ist monatelange Arbeit, man braucht das Einverständnis des Hauptprotagonisten, wenn man ihn den ganzen Tag lang begleiten will, und man braucht viele, viele Drehgenehmigungen.

Das funktioniert nur, wenn alles nach Absprache geht, schöne Bilder gibt es nicht umsonst. Es sei denn, man arbeitet mit schmutzigen Wackelbildern wie die politischen Magazine, und blendet gedruckte Statements ein, weil eine Person oder ein Unternehmen nicht als Zielscheibe vor die Kamera will. Das kommt für die Macher von Hochglanzformaten aber nicht in Frage.

Und so ist der Beitrag auf jeden Fall ein gefälliges, interessantes Porträt von Alfons Schuhbeck. Der geniale Zug ist dabei, dass Schuhbeck der einzige TV-Koch ist, der zur Sache und den ganzen persönlichen Vorwürfen offen Rede und Antwort steht. Poletto, Lichter und Baudrexel haben es nämlich abgelehnt, sich zu der alten Nummer überhaupt noch zu äußern.

Verständlich, aber schwupps – wieder ein Punkt für Großmeister Schuhbeck.

 

Promis und Werbeverträge: Wer ko, der ko*

Dass der Beitrag jedoch so aufdringlich auf investigativ gepimpt wurde, dass Skandale suggeriert werden, wo keine sind und der Zuschauer auf die falsche Fährte gelockt wird, ist ärgerliches Clickbaiting und ausgefeiltes Storytelling.

Und natürlich ist die Kampfvokabel „Nebengeschäfte“, was unternehmerische Aktivitäten eines Kochs mit Lebensmitteln angeht, tendenziös und verfehlt.

Andere Promis verdienen auch einen Haufen Geld mit Dingen, die ihrem eigentlichen Metier wirklich fernliegen: Boris Becker warb für Baumärkte, für AOL („Bin ich schon drin?“), für Mercedes und für Bier. Fußballer Bastian Schweinsteiger für Computerspiele und Kartoffelchips, sein Kollege Thomas Müller für Grillgeräte.

Hier könnte man viel eher von branchenfremden Nebengeschäften sprechen und nörgeln: „Sie haben doch gar keine Ahnung von Lebensmitteln und Computern, warum machen Sie Werbung dafür? Sie bekommen doch weiß Gott Millionen für Ihr tumbes Gekicke, kriegen Sie den Hals nicht voll oder warum verkaufen Sie Ihr Gesicht?“

Auch dazu hat Foodwatch übrigens schon eine Kampagne gefahren. Aber millionenschwere Sportidole vor der Kamera zu demontieren und dazu tagelang mit ihnen zu drehen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Da ist es schon leichter, den hauseigenen Koch von der hauseigenen Autorin porträtieren zu lassen, eine schöne Doku über Promi-Köche zu stricken und dem Schuhbeck zu versprechen, dass er nicht schlecht wegkommt dabei.

Hat geklappt.

©Johanna Bayer

*Wer ko, der ko: Bayerische Redensart, die nichts anderes besagt als: Mia san mia. Noch nicht verständlich? Dann im Klartext: Wir machen, was uns passt und alle anderen können uns mal den Buckel runterrutschen.

Dank an Peter Posse von Reisewege-Ungarn.de, der Quarkundso.de auf die Doku zu Promi-Köchen und Schuhbeck aufmerksam gemacht hat. Er hat sich in erster Linie wohl für den Paprika-Lieferanten Fuchs interessiert…  😉

DISCLAIMER Quarkundso.de vertritt weder Fertiggerichte noch künstlich aromatisierte Würzmischungen oder korrupte Köche. Im Gegenteil: Quarkundso.de lehnt das alles ab. Im Prinzip. Gute Convenience-Produkte, sogar bestimmte Fertiggerichte, oder besondere Zutaten sind deshalb aber nicht immer des Teufels. Kommt wirklich drauf an, was drinsteckt und wozu man es braucht.

Außerdem musste im Zuge der Recherchen der faszinierende Gewürzladen von Alfons Schuhbeck betreten werden. Dabei ließ sich der Ankauf zweier stinkteurer Gourmet-Salze nicht vermeiden. Undercover und zum vollen Preis, versteht sich. Es handelt sich um australisches Murray-River-Salz und Dänisches Rauchsalz. Sie schmecken toll und außer dem Schuhbeck hat in ganz München keiner so ein Sortiment.

 

WDR-SWR-Doku über Köche und ihre Geschäfte

Alte Foodwatch-Kampagne zu Promi-Köchen und Fertigfraß von 2009

DER SPIEGEL 2010 über die Foodwatch-Kampagne

Alte Foodwatch-Kampagner von 2011 zur Sportler-Werbung

Foodwatch arbeitet selbst auch gerne mit den TV-Köchen zusammen, wenn es opportun ist

Wer sich für alte Geschichten interessiert: der Schuhbeck-Skandal von 1999 im SPIEGEL

 

Geld und so: Ja! Man kann jetzt spenden. Natürlich völlig freiwillig. 1 Euro würde schon reichen, mehr ist möglich – einfach ins Sparschwein stecken.

Das steht mit diesem Bild ganz oben rechts im Menü. Wer draufklickt, landet bei PayPal, braucht zum Spenden aber kein PayPal-Konto.

VOX: Rudelkochen, schlechte Manieren und ein Moderationsroboter. Aber lernen kann man was!

 

Ja, ich gucke das. Außer mir wohl fast keiner, aber ich habe mir den Dienstagabend bis auf weiteres für „Game of Chefs“ auf VOX reserviert: Drei echte (!) Spitzenköche bewerten in der neuen Kochshow ambitionierte Laien und Profis, die um die Wette kochen. Star der Jury ist der smarte Christian Jürgens, der drei Sterne am Tegernsee hält, mit ihm dürfen Christian Lohse aus Berlin und Holger Bodendorf von Sylt an fremden Tellern rummäkeln, beide seit vielen Jahren besternt. Mehr Kompetenz war in einer deutschen Kochsendung noch nie.

Deutschlands Sterneköche: arrogante Angeber?

Hier aber erstmal die nackten Fakten: Miese Quoten, Häme von der TV-Kritik, und die Zuschauer-Kommentare, zum Beispiel auf Twitter, sind bösartig bis enttäuscht und gelangweilt. Die junge, völlig unbekannte Moderatorin wirkt, wie einer treffend feststellt, wie ein „Moderationsroboter“, viele bemängeln, die Show sei nicht originell, vor allem seien die drei Sterneköche arrogant, und „unglaublich hochnäsig“ (T-Online). Überhaupt seien sie völlig unbekannt (nanu?) und wen interessiere es schon, was drei überhebliche Pinsel über ein Gericht denken, das mit viel Liebe gekocht worden sei und ganz bestimmt toll schmecke.

Nur ich bin begeistert. Gut, die Manieren der drei Stars sind wirklich eine Katastrophe: Sie schmatzen beim Probieren, stecken sich das Messer in den Mund und essen mit den Fingern. Bei Tisch geht sowas natürlich nicht, da bin ich sehr streng. Aber in Profi-Küchen, also hinten in der Werkstatt, hat man mich wissen lassen, sei das unappetitliche Gestochere üblich. Für meine Begriffe hat da die Mutter versagt. Aber egal – als Köche sind die drei VOX-Küchenchefs große Künstler. Und Künstler dürfen einigermaßen exzentrisch sein. Außerdem haben sie immer schlechte Manieren.

In der Küche lernt man fürs Leben

Dazu gehört auch, dass die Chefköche nicht gerade zimperlich mit den Kandidaten umgehen. Genauer gesagt: Sie gerieren sich wie Ausbilder der Handwerkskammer, die den Lehrling vor der Prüfung schleifen; sie bellen Kommandos, machen Druck, kanzeln ab, und die Antwort muss immer heißen: „Ja, Chef!“. Das versteht der gemeine Küchenchef dann unter Teamarbeit. Und so lernen die Kandidaten in der Sendung nicht nur Kochen, sondern auch fürs Leben: Wie kooperiert man, wie erschafft man ein perfektes Produkt, wie hält man den Arbeitsplatz sauber, wie benimmt man sich im Allgemeinen ( „Sagt schön ‚Guten Tag‘“) und dem Chef gegenüber im Besonderen („Ja, Chef!“).

Mit Genuss fügen sich die Aspiranten den strengen Anweisungen und akzeptieren die Hackordnung. Ich muss schon sagen, das hat was. Von asiatischer Hingabe an die Arbeit, von Zen-Kloster und von einer Tugend, die viele nicht kennen: Achtung vor dem Meister. Da hört die schlaffe Siebzehnjährige auf, zu motzen, der Jungkoch mit der schweren Kindheit reißt sich zusammen, die Dicken kommen in Schwung. Das macht Eindruck. Und wo kann man schon sehen, wie es in so einer Küche wirklich zugeht? In den geschönten Gourmet-Dokus beugen sich meistens lächelnde Feingeister über Teller und malen mit Pinselchen Striche in die Soße. Da brüllt keiner durch die Küche: „Bei Dir sieht´s aus wie im Puff!“ (Christian Jürgens). Ich finde, es ist ehrlich, das mal zu zeigen. Ja, junge Leute, so ist es im richtigen Leben, wenn ihr was lernen und vorankommen wollt!

Worauf es beim Essen ankommt

Die Meister jedenfalls sind sich ihres Ranges voll bewusst. Daher akzeptieren sie bei den Wettkampf-Gerichten auch nur das Beste, und zwar ausschließlich nach den Regeln ihrer eigenen Kunst. Und nach keiner anderen. Zumal es um das geht, was wirklich wichtig ist beim Essen, ach was, im Leben. Der Chef der Chefs, Christian Jürgens, macht es klar. „Hier geht es nur um drei Dinge: Geschmack, Geschmack und nochmal Geschmack.“

Großartig. Das ist mein Credo. Schon allein deshalb muss ich das gucken! Denn Essen muss weder gesund noch „leicht“ sein. Es muss weder schön machen noch schlank, weder schlau noch jung, fit oder dauerleistungsfähig. Es muss nur – schmecken. Das reicht. Der Rest ergibt sich dann nämlich von selbst, meine ich. (Die dazugehörige gastrosophische Abhandlung spare ich mir, wer sie möchte, kann sich aber gerne melden.)

Multi-Kulti-Köche fliegen raus

Immerhin – durch die Strenge der eigenen Kunst ist der Wahrnehmungshorizont der Jury beschränkt, nämlich auf die klassische, französisch dominierte Hochküche. Soulfood von Mutti, wild Improvisiertes und Ethno-Gerichte haben keine Chance. So flogen gleich mehrere Multi-Kulti-Kochpromis hochkant aus der ersten Runde, zum Beispiel Mary Appiah, VIP-Köchin aus Hamburg, die schon im NDR zu sehen war und mit einem Gericht aus ihrer Heimat Ghana antrat: ein Teller mit Wurzelgemüse, Kartoffeln und Hühnerstücken samt dicker Haut, langsam geschmort. Typisch afrikanisch, alles in einem Topf, schön suppig und – für den europäischen Geschmack – überwürzt. Die Jury tippte unbefangen auf „was Kreolisches“, konnte das Gericht sichtlich nicht einordnen und vergab keinen Punkt. Auch die Promiköchin vom Dao Thai in Berlin scheiterte, die es schon ins ZDF geschafft hat, weil sie den Asia-Trend so perfekt verkörpert und in strahlend bunten Seiden-Sarongs Kochkurse zum Umgang mit Ingwer und Zitronengras gibt. Nix da – Christian Jürgens war das Gericht viel zu scharf, und auch Holger Bodendorf verweigerte dem Urlauber-Teller das Messer.

Veganer Szene-Koch krass abgewatscht

Den spektakulärsten Flop der Auswahlrunde landete Björn Moschinski, veganer Star-Koch aus Berlin. Von dem sagt nicht nur seine eigene Webseite, er sei einer der besten veganen Köche Deutschlands, das stand auch schonmal im „Feinschmecker“. Moschinski coacht andere Veganer-Köche, hat ein bekanntes Restaurant in Berlin, das in der Szene brummt, reist durch die ganze Republik und das von VOX vorher gezeigte Kandidaten-Video betonte seine „unglaubliche Kreativität“ im Umgang mit Gemüse. Dazu waren fein ziselierte Häppchen unter der Wärmelampe schön ins Bild gesetzt. Auf seiner Facebook-Seite steht: „Björn Moschinski kocht nicht nur vegan, sondern vor allem auf höchstem Niveau.“ Der Tierfreund selbst wirkt unter dem persönlichen Slogan „Geiler Geschmack braucht kein Fleisch“. Bevor seine Teller, verdeckt unter silbernen Clochen, vor die Nasen der Chefköche rollten, raunte er in die Kamera: „Ich schau einfach mal, ob es wirklich auffällt, dass da gar kein Fleisch drin ist“.

Nun ja, da ist er an die Falschen geraten. Auf den ersten Blick war den Profis klar, dass es sich „um was Veganes“ handelt, um „Ersatzbums“, beim Probieren überzeugt nichtmal das simple Erbsenpüree, da, wie auch die Curry-Karotten-Paste, zu süß. Das Urteil, verkündet von Christian Jürgens: „Du bist ein cooler Typ. Aber lass das bitte mit der Kocherei. Das ist nicht Dein Ding. Das schmeckt definitiv nicht.“

Das ist der Untergang. Eine Total-Havarie, in der dem Kandidaten mit eigenem Restaurant der Geschmackssinn komplett abgesprochen wird. Derlei hat sonst niemand kassiert, nicht mal der Burger-Fan, der Stierhoden verarbeitete und dazu Brötchen fabrizierte, die er mit pürierten Beeren versetzte, damit sie „schön fruchtig“ werden. Auch nicht der Paleo-Koch, der ein Herz zu Gulasch schnetzelte. Beide wurden übrigens zusammen mit dem Veganer rausgeschmissen.

Essen, was man kennt. Und die Kunst der Komposition

Auf Twitter und Facebook war es dazu erstaunlich ruhig. Null Resonanz, kein Aufbegehren, keine empörten Fans, bis auf zwei zaghafte Tweets: „Für Neues scheinen die Sterneköche nicht wirklich offen zu sein“, und „Was sie nicht kennen, essen sie nicht.“ Wie wahr, und es stört mich gar nicht, dass das engstirnig wirkt. Schließlich hat sich so über Jahrmillionen die Menschheit entwickelt – essen, was man kennt. Klar, ab und an probierten unsere frühen Vorfahren auch mal das, was der Nachbar-Affe mochte. Aber nur, wenn er es zum zweiten Mal aß.

Der Vollständigkeit halber füge ich brav hinzu: Natürlich muss es nicht immer Haute Cuisine sein. Natürlich ist Geschmack gelernt. Natürlich mag nicht jeder alles.

Aber zum Glück mag ich genau das, was die drei Sterneköche mögen, daher komme zumindest ich voll auf meine Kosten. Es freut mich, dass der Lohse flucht, wenn etwas nicht abgeschmeckt oder gar süß ist, wo nicht angebracht (die Pest); ich jubele, als sie die Nase über eine belanglose Tomatenscheibe im Gemüse rümpfen – meine Rede. Was sollen diese penetranten Tomaten in jedem, aber auch jedem Salat, die im Winter nach nichts schmecken und abwechselnd mehlig oder viel zu fest sind? Jetzt endlich kann ich mich wenigstens auf Lohse, Jürgens und Bodendorf berufen, na, der nächste Salatpanscher kann was erleben.

Als Christian Jürgens das Hack für eine primitive Bulette beim Motto „Fast Food“ auf Vordermann bringt, Säure, Schärfe, Hintergrund hinzufügt (Gurkensud!) krieche ich fast in den Fernseher, und als ausgerechnet seinem Star-Team die Mayonnaise misslingt, weiß ich, dass die Götter der Küche gerecht sind: Warum soll es Profiköchen besser gehen als mir? Bei der Runde mit den Fischgerichten auf Ansage war es erstaunlich, auf was für Ideen die Kandidaten kamen. Forelle in allen Variationen, pochiert, gebraten, gebacken, sous-vide, eine besonders Kreative brät die Fischhaut und frittiert ein Eigelb, irre, die bodenständige, aber hochbegabte Hausfrau macht die Forelle klassisch und serviert sie gebraten, mit Nussbutter und Pilzen. Das wollte ich sofort nachmachen, nur hatte ich gerade keine Forelle da und es war fast Mitternacht. So weit kommt es dann mit mir. Was die Komposition von Gerichten und Aromen angeht, kann man also bei VOX echt was lernen.

Kritik vom Profi: Teilt euer Wissen!

Der Profi Steffen Sinzinger von der Speisemeisterei bemängelt aber, dass sich von den Bewertungskriterien der Köche nichts erschließt, und wünscht sich, dass sie davon mehr preisgeben, weil viele Urteile ungereimt wirken. Hat natürlich recht, der Mann, er ist selbst Koch. Aber man sollte bedenken: Das ist Fernsehen. Wir sehen nicht alles. Da stehen wahrscheinlich noch drei Assistenten mit Schreibblöcken hinter den Köchen, wenn es an die Bewertung geht, da gibt es ein Raster, das abgehakt wird. Womöglich lauert der Notar im Hintergrund, der Regisseur und der Drehbuchautor unterbrechen mit Anweisungen, und dann stehen noch mehrere professionelle Köche und Berufsschullehrer bereit, ebenso wie zwei Psychologen und drei Aufnahmeleiter, die die Kandidaten in Schach halten. Und wir kriegen nur ein paar Bröckchen mit, die schnell und spitz zusammen geschnitten werden.

Bitte mal ein „Making-Of“

Tatsächlich wäre der Hintergrund echt interessant, was kostet sowas? Was haben die den Luxus-Köchen dafür bezahlt, dass sie mindestens 10 Tage von ihrem Laden weg waren? Und die gigantische Logistik – das muss doch alles exakt durchgeplant sein, von Einkauf und Warenlager über Geräte und Geschirr bis hin zum Putzplan. Dann noch die Regie und die Kameraperspektiven: Diese Totalen über das ganze Studio mit mehreren Kochstationen und so vielen Leuten, jeder Kandidat wird einzeln beim Kochen befragt, besondere Ereignisse wie die Nervtöle Nine aus dem Osten, die sich ständig helfen lässt, wollen treffend eingefangen werden – da sind mindestens noch sechs bis acht Kameras samt Autoren im Spiel. Die koksen vorher wahrscheinlich, damit sie das durchhalten, denn kein Take kann wiederholt werden – wenn der Teig durch ist, ist er durch. Über jeder Station ist noch eine Kamera an der Decke montiert und liefert von oben den Blick in den Topf, das alles bedeutet nächtelange Sitzungen im Schneideraum.

Auch die Reihenfolge der Gerichte, wie sie vor der Jury erscheinen, ist eindeutig genau durchdacht, da nach Intensität und Aromen sortiert. Das können nur Koch-Profis vorbereiten, die im Studio rumwuseln, abfragen und planen. Alle müssen aber rausrennen, wenn der Regisseur „Totale!“ durchsagen lässt und eine der großen Studiokameras alles in den Blick nimmt. Welcher Kandidat was kochen will, und wie, das muss vor der eigentlichen Wettbewerbslaufzeit abgesprochen werden, natürlich ohne dass wir es sehen. Bei der Auswertung sind die bunten Teller, die auf dem Band rausrollen, garantiert auch ausgeklügelt sortiert, damit die Spannung möglichst hoch und die Überraschung am Ende möglichst groß ist.

Warum macht nicht mal jemand ein „Making-Of“ von so einer Sendung? Das wäre toll, für mich zumindest. Und ich hoffe, das liest jetzt jemand von VOX und setzt es gleich um. Besser noch: Lässt es mich machen, samt einem ausgiebigen Testessen bei Christian Jürgens in der „Überfahrt“ am Tegernsee, auf Kosten von VOX. Ich bringe den Bericht auch groß hier auf Quarkundso.de, diesmal mit vielen Bildern. Versprochen.

©Johanna Bayer

 Häme von der FAZ…  … auch von T-Online…  … und eine qualifizierte Kritik von Steffen Sinzinger, Speisemeisterei Berlin

Nachschlag: 3. April 2015: VOX nimmt die Sendung aus der Primetime, wegen der schlechten Quoten. Ab sofort ist „Game of Chefs“ nur am Sonntag um Mitternacht im Programm, ansonsten – für Fans – dienstags im Internet. Grund: Die werberelevante Zielgruppe zwischen 14 und 49 habe die Sendung nicht akzeptiert, war bei DWDL und T-Online zu lesen. Eigentlich keine Überraschung, hätte ich vorher sagen können. Wen wundert es, dass Gourmet-Küche das deutsche Massenpublikum eher nicht interessiert? Und die anvisierte Altersklasse ist ja wohl auch die falsche.  Aber es gibt sie. Sie sind viele – und es gibt eine Heimat für die Sterneköche. Quark und so fordert: „Game of Chefs“  in die ARD!

Geld und so: Ja! Man kann jetzt spenden. Natürlich völlig freiwillig. 1 Euro würde schon reichen, mehr ist möglich – einfach ins Sparschwein stecken.

Das steht mit diesem Bild ganz oben rechts im Menü. Wer draufklickt, landet bei PayPal, braucht zum Spenden aber kein PayPal-Konto.