Schlagwort-Archive: Pandemie

DIE WELT: Muss man vor einer Corona-Infektion Angst haben? Ein Rechtsmediziner dreht auf

+++Achtung, Eilmeldung+++Quarkundso.de unterbricht das Nörgeln zu Ernährungsthemen und nörgelt direkt zu Corona-Unfug+++Anlass ist ein Bericht in der WELT+++Rechtsmediziner erklärt, die Angst vor dem Virus sei überzogen+++Quarkundso.de widerspricht+++

Beitrag vom 15.4.2020

Es war der Tag, an dem der britische Premierminister Boris Johnson auf die Intensivstation gekommen ist, und an dem in den USA innerhalb von 24 Stunden mehr als 2000 Menschen am Coronavirus gestorben sind: An diesem 7. April 2020 erklärte ein prominenter Rechtsmediziner in Hamburg, das mit dieser Epidemie sei nicht so schlimm. Die Sache werde in der deutschen Sterbestatistik des Landes keine Spuren hinterlassen und die Angst vor dem Virus sei übertrieben.

So berichtet es die Tageszeitung DIE WELT. Zwei Tage später saß der Mann bei Markus Lanz im ZDF und breitete dasselbe nochmal aus.

Die Chefredakteurin hat nach dieser Einlassung sofort einen Corona-Krisenstab eingerichtet. Das Team darf unter ihrer Leitung ausnahmsweise direkt zu Corona-Themen schreiben, wenn Klärungsbedarf besteht, was steile Thesen angeht.

Das ist jetzt der Fall, bei dem prominenten Rechtsmediziner Klaus Püschel aus Hamburg. Weil er dort Corona-Tote obduziert und in ihren Körpern allerlei Abweichendes findet, meint er, das Virus sei „nur der letzte Tropfen gewesen“, denn in Hamburg sei „bisher kein einziger nicht vorerkrankter Mensch an dem Virus gestorben“.

 

Der Mann für schwere Fälle

Professor Püschel ist ein bekannter Mann. Er kommt aus dem Osten und hat schon viele Tote gesehen, darunter die Opfer von Serienkillern, mittelalterliche Moorleichen und den in der Badewanne aufgefundenen Uwe Barschel.

Dass man abgebrüht sein muss, wenn man jeden Tag Leichen aufschneidet, ist klar. Aber Püschel scheut sich auch nicht, lebenden Menschen etwas zuzumuten: Er ist dafür, den genetischen Code sämtlicher Bewohner Deutschlands zu speichern, um Verbrechern besser auf die Spur zu kommen – eine Vision, bei der Datenschützern die Haare zu Berge stehen.

Auch hatte er vor Jahren den zwangsweisen Einsatz von Brechmitteln bei einem Delinquenten befürwortet, der wegen Drogenhandels unter Verdacht stand. Der Mann starb, nachdem ihm gegen seinen Widerstand das Mittel über eine Sonde eingeflößt worden war, keiner der beteiligten Rechtsmediziner wurde je verurteilt.

Ansonsten rät der Professor zwecks Organspende zu einem „rationaleren Umgang mit Leichen“ seitens der Angehörigen (in der TAZ), und wünscht sich ein „distanziertes Verhältnis zum Tod“ (DIE WELT).

Das erklärt vielleicht seine Sicht auf die Corona-Pandemie, nach der es nur Leute trifft, die sowieso bald den Löffel abgeben müssen. Alle anderen brauchen sich kaum Sorgen zu machen, sagt Herr Püschel.

DIE WELT zitiert den Arzt so:

„Es gebe keinen Grund für Todesangst im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Krankheit in der Region: „Alle, die wir bisher untersucht haben, hatten Krebs, eine chronische Lungenerkrankung, waren starke Raucher oder schwer fettleibig, litten an Diabetes oder hatten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.“ Das Virus sei in diesen Fällen der letzte Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.“

Zu Ende gedacht lautet diese Position so: „Wer an Corona stirbt, kann sowieso weg“.

 

Unwertes Leben und die Angst vor dem Risiko

Logo Goldener Blogger

Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015

Derlei geht – ganz böse ausgedeutet – in Richtung „unwertes Leben“, und landet beim Euthanasie-Gedanken der Nazis, aber das wollte Herr Püschel bestimmt nicht sagen. Hoffen wir, wer weiß das schon.

Wenn ein Arzt sich so dezidiert in der Presse äußert, muss er sich jedoch etwas gedacht haben. Und es sollte nicht ganz dumm sein, das unterstellen wir zu seinen Gunsten.

Wie es scheint, hebt Professor Püschel tatsächlich auf so etwas wie Risikowahrnehmung ab: die persönliche Einschätzung von Gefahren, die im Leben auftreten können, auch: das Wissen um die statistische Wahrscheinlichkeit, dass ein Unglück oder eine Gefahr einen selbst treffen könnte.

Menschen wägen dabei ab – sie steigen zum Beispiel in Massen und regelmäßig ins Flugzeug, obwohl Flugzeuge abstürzen können, wobei meistens alle Passagiere ums Leben kommen. Aber Flugzeuge stürzen eben selten ab, seltener als ein Auto gegen einen Baum fährt.

Deshalb fliegen Leute trotz der Gefahren, und noch häufiger fahren sie Auto, weil sie beim Autofahren schlicht den Nutzen gegen die Gefahr abwägen. Und ohne Auto ist man in Deutschland nur ein halber Mensch, daher sagen sich an die 30 Millionen deutsche Autofahrer: „Ich fahre so vorsichtig – oder so gut – wie möglich, damit kann ich das Risiko klein halten.“

Das Gefühl, eine Gefahr einschätzen zu können, ist zumindest psychologisch sehr wichtig für die Frage, wie ob man im Alltag handlungsfähig bleibt.

Der Rechtsmediziner Püschel setzt jetzt das Corona-Risiko für alle herab: Todesangst ist bei dem neuen Virus komplett „überzogen“, überhaupt muss man keine Angst haben, denn in Deutschland stirbt man aus anderen Gründen.

 

Die kranke Gesellschaft

Allerdings widerspricht sich Herr Püschel dabei selbst. Denn wenn man seine Aufzählung zu den Vorerkrankungen ernst nimmt, dann haben viele Leute ein höheres Risiko – sogar sehr viele.

Leider nennt Püschel hier keine Zahlen, genau die wären aber interessant: Wie viele Menschen sind denn betroffen von diesen Erkrankungen, die Püschel als Todesursache identifiziert?

Die Abteilung Dokumentation & Recherche von Quarkundso.de hat den Anteil dieser Betroffenen an der Bevölkerung mal quantifiziert, was nicht so einfach ist. Deshalb machen das die Fachgesellschaften nicht, da will sie niemand festlegen, wenigstens nicht öffentlich. Quarkundso.de schätzt daher beherzt – näherungsweise kamen folgende Zahlen heraus, alle Werte gerundet:

Schwer fettleibig: 20 %

Starke Raucher: 10 %

Diabetiker: 10 %

Herz-Kreislauf-Erkrankung: 10 %

Chronische Lungenerkrankung 6 %

Asthma 6 %

Krebs 2 %

(Quellen: Robert-Koch-Institut – Gesundheitsmonitoring, Herold – Innere Medizin, Krebsinformationsdienst am DKFZ Heidelberg u.a.)

 

Natürlich darf man nicht alle einfach zusammenzählen, weil unter den Älteren viele Diabetiker und Fettleibige sind, unter den Lungenkranken viele Raucher und so weiter. Die Schnittmengen sind groß.

Trotzdem: Die Gesamtschätzung von Quarkundso.de ergibt, dass alleine in der Aufzählung des Hamburger Experten ein Anteil von 30 Prozent der Deutschen steckt. Mindestens.

Und das sind noch nicht alle: Rheumakranke kommen dazu, die Kortison nehmen, Menschen mit Multipler Sklerose, die Immunmedikamente bekommen, Transplantierte und Patienten mit seltenen Krankheiten, deren Immunsystem unterdrückt wird und die deshalb anfälliger für Virusinfektionen sind.

 

Geburtenstarke Jahrgänge: mal wieder vorn

Logo Wissenschaftsblog 2015

Wissenschaftsblog 2015: Sonderpreis der Redaktion „Wissenschaft kommuniziert“

Damit sollte klar sein: Selbst vorsichtig geschätzt gehören so viele Deutsche zur Risikogruppe, dass es in Ordnung ist, wenn Angst vor dem Coronavirus herrscht.

So sieht es auch das Robert-Koch-Institut:

Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als hoch eingeschätzt, für Risikogruppen als sehr hoch. Die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu.

(Quelle: RKI, abgerufen am 11.4.2020)

Mit „Gefährdung“ meint das Robert-Koch-Institut übrigens die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken und so schwer zu erkranken, dass man auf der Intensivstation landet.

Zu den „Älteren“ rechnet das Robert-Koch-Institut aber schon Menschen zwischen 50 und 60 Jahren, Grund: Ab diesem Alter lassen die Abwehrkräfte nach, das Immunsystem altert.

Weil in dieser Gruppe die geburtenstarken Jahrgänge stecken, ist der Anteil dieser Älteren sehr groß. Sie stellen alleine fast die Hälfte der Deutschen, rund 47 Prozent: Jede und jeder Zweite hat also schon kein normales oder geringes Risiko mehr, sondern alleine aufgrund des Alters eine erhöhtes.

Wie hoch die Gefahr für Senioren dabei ist, sieht man an den Bewohnern mehrerer Pflegeheime, die wie die Fliegen starben, als das Virus eindrang, sowohl in Deutschland als auch anderswo, zum Beispiel in Belgien.

Auf diesem Hintergrund sind die Aussagen des Herrn Püschel geradezu zynisch.

 

Das Glück der Deutschen

Auch in deutschen Kliniken gibt es Probleme mit Krankenhauskeimen.

Aber der Professor will Hoffnung machen und weist auf das Wesentliche hin:

„Wir haben in Deutschland keine italienischen Verhältnisse.

Wir haben ein gutes Gesundheitssystem, und ich bin überzeugt, dass wir die Pandemie gut beherrschen können.“

Dieser Vergleich klingt nicht nur kaltherzig. Er klingt auch chauvinistisch – als ob ein Land, das viel hat, sich von den nächsten Nachbarn und Bündnispartnern abschotten und ihnen überdies hämisch auf den Kopf spucken könnte: „Haha, diese Italiener, ist doch klar, dass die es nicht hinkriegen mit ihrer Schlamperei, aber wir Deutschen, wir beherrschen die Lage!“

Von solchen Untertönen abgesehen kann man auch die Aussage selbst hinterfragen. Denn mit dieser Haltung könnten Artisten auf ihr Netz verzichten, Bergsteiger auf ihr Seil und Bauarbeiter auf ihren Schutzhelm –schließlich haben wir doch ein gutes Gesundheitssystem!

Aber so ist es natürlich nicht. Fast alle Leute vermeiden Verletzungen lieber als dass sie in ein Krankenhaus gehen, sei es auch das Beste im ganzen Land. Das liegt daran, dass es in Kliniken immer Risiken gibt. Schon die künstliche Beatmung und das Intubieren mit dem Schlauch in die Luftröhre zum Beispiel kann Komplikationen und Infektionen nach sich ziehen.

Gefährliche resistente Krankenhauskeime treiben nicht nur in schlampigen Mittelmeerländern, sondern auch in deutschen Hospitälern ihr Unwesen. Darunter ist ein Lungenbakterium, das besonders gerne Intensivpatienten befällt, die künstlich beatmet werden.

Sicher, die Coronainfektion überleben bisher die meisten, viele sogar symptomlos, und wer ins Krankenhaus muss, wird danach oft wieder gesund.

Aber das kann lange Zeit, einige Monate, dauern. Und vielleicht bleibt etwas zurück, Kurzatmigkeit, zum Beispiel. Denn noch weiß man nichts Genaues über Spätfolgen. Dazu zählt eine eingeschränkte Lungenfunktion und eine später einsetzende Vernarbung der Lunge, die sogenannte Lungenfibrose; möglicherweise sind auch Herz und Blutgefäße gefährdet.

Hinweise darauf gibt es schon, zum Beispiel aus der früheren SARS-Epidemie von 2002/2003 und aus chinesischen Studien zum neuen Corona-Virus, wie unter anderem der NDR in seinem Podcast mit Christian Drosten berichtet.

Das wird Herr Püschel, der Tote seziert, vielleicht nicht ganz so gut im Blick haben wie Mediziner, die Covid-Patienten untersuchen.

 

Leben mit Corona: Check Dein Risiko!

Leben mit Corona bedeutet: Hände waschen!

Um das alles aufzuklären, braucht man weiterhin Zeit – für Studien und für die Beobachtung vieler Menschen, die die Infektion überstehen.

Übervolle Intensivstationen und Kranke auf den Gängen kann man da nicht gebrauchen.

Die gefährliche Ansteckung also weiterhin so gut wie möglich zu vermeiden, daran geht wohl kein Weg vorbei, wie das Robert-Koch-Institut um Ostern 2020 verkündet hat.

Eine individuelle Risikowahrnehmung von „Ich krieg das nicht!“ bis zu „Wir haben doch ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem!“ ist davon unabhängig.

Aber sie ist unrealistisch.

Realistisch ist es, sich der eigenen Risikofaktoren von Alter über Gewicht bis zum Lebensstil bewusst zu werden. Denn selbst wenn der gewohnte Alltag ab Mai 2020 – vielleicht – wieder anlaufen kann, ist deshalb das Virus nicht verschwunden. Und angesichts der Millionen von gefährdeten Menschen mit Risikofaktoren fragt sich, was jeder Einzelne tun kann.

Sich vor Ansteckung zu schützen, mit einfachen Maßnahmen, so gut es geht – Abstand halten, Hände waschen, Masken tragen – ist das eine.

Etwas anderes wäre ein Aufruf an die Bevölkerung, den eigenen Körper in einem Zustand zu halten, dass er Viren bekämpfen und Selbstheilungskräfte aktivieren kann. Den Aufruf haben wir im Beitrag vom 3.4.2020 schon geleistet.

Nach der Einlassung des Leichenfachmanns juckt es die Abteilung Dokumentation & Recherche, etwas zu ergänzen: Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes führen genau zu den Krankheiten, die das Risiko für schwere Corona-Verläufe eindeutig erhöhen und die Herr Püschel aufgezählt hat.

Man kann sie durch einen gesunden Lebensstil tatsächlich vermeiden. Man kann also mit dem Rauchen aufhören (jetzt!), den Alkoholkonsum reduzieren und sich mehr an der frischen Luft bewegen, man kann abnehmen und sein Gewicht kontrollieren.

Aber so etwas zu fordern ist natürlich extrem pauschal und überdies unpopulär, wenn nicht unzumutbar. Die Chefredakteurin hat einen so moralinsauren Aufruf daher untersagt – wozu haben wir denn unser ausgezeichnetes Gesundheitssystem.

©Johanna Bayer

 

Artikel zu den Aussagen von Prof. Dr. Klaus Püschel in DIE WELT vom 8.4.2020

Das Robert-Koch-Institut zur Risikogruppen

Geld und so in Zeiten von Corona: Spenden Sie jetzt!

Das bleibt natürlich völlig freiwillig. Einfach ins Sparschwein stecken, es steht mit diesem Bild oben rechts im Menü.

Wer draufklickt, landet bei PayPal, braucht zum Spenden aber kein eigenes PayPal-Konto. Vielen Dank

Satt essen und abnehmen – das Buch ist da! Unter maßgeblicher Beteiligung von Quarkundso.de. Die Chefin hat ihr Bestes gegeben.

In jeder Buchhandlung vorrätig oder bestellbar. Natürlich auch bei Amazon: Satt essen und abnehmen

Rückmeldungen, Rezensionen und Kritik gerne hier oder auf Amazon.

 

Essen in Zeiten von Corona: Mit Ernährung das Immunsystem gegen Viren stärken? Vorsicht!

Wer sich jetzt gegen das Corona-Virus wappnen will, denkt ans Essen: Viel Obst und Gemüse, wegen der Vitamine! Doch so einfach geht es nicht – Quarkundso.de klärt auf.

Beitrag vom 18.3.2020, 0.15 Uhr

Angriff der Corona-Viren: Die Pandemie hat Anfang 2020 die ganze Welt ergriffen.

 

Wir haben Corona-Krise und Quarkundso.de unterbricht die übliche Nörgelei, um für seriöse Informationen zu sorgen. Wir gehen jetzt energisch gegen Fake-News, falsche Versprechen, Scharlatane, Esoterik und Panikmache vor.

Na gut, damit bleibt alles beim Alten. Nur achten wir jetzt besonders auf Nutzwert, weswegen es in jedem Beitrag dieser Tage handfeste Tipps gibt.

Heute geht es um die Gefahr, sich anzustecken, und um das Immunsystem, wobei automatisch das Essen ins Spiel kommt: Wie stärke ich durch richtige Ernährung mein Immunsystem gegen die Viren?

Ja, das ist eine gute Frage. Die stellen jetzt nicht nur viele, es gibt auch viele, die Antworten geben – leider die falschen.

Das Muster ist immer gleich: Natürlich muss es „ausgewogene Ernährung“ sein, was immer damit gemeint ist. Es folgt der heiße Tipp, viele Vitamine zu sich zu nehmen, dann kommt die Liste der Lebensmittel, aus denen letztere stammen sollen. Das sind immer „viel Obst und Gemüse“.

 

Schluss mit dem Quatsch

Logo Wissenschaftsblog 2015

Wissenschaftsblog 2015: Sonderpreis der Redaktion „Wissenschaft kommuniziert“

Damit machen wir jetzt ein für alle Mal Schluss, dieser Unsinn muss aufhören.

Erstens gehört zu einem fitten Immunsystem vor allem Schlaf, Bewegung, frische Luft, Sonnenlicht, gute Gene und allgemeine Gesundheit, das vorab. Vor allem aber lässt sich das Immunsystem nicht mal eben mit ein paar Tellern Salat oder ein paar Äpfeln auf Vordermann bringen.

Die Körperabwehr ist nämlich eine komplizierte Sache. Wer allgemein gesund ist und ein- oder zweimal im Jahr einen Schnupfen hat, muss sie jetzt jedenfalls nicht besonders stärken.

Er oder sie macht alles richtig und sollte lieber möglichst wenig an seinen Ernährungsgewohnheiten ändern, damit das so bleibt.

Nebenbei gesagt ist auch die allgemeine Vorstellung, das Immunsystem sei unbedingt „zu stärken“, durchaus fragwürdig, für erstaunlich viele Menschen: Mehr als ein Drittel aller Deutschen hat ein anderes Problem.

Das betrifft alle Allergiker, Asthmatiker, dazu Menschen, die an Neurodermitis, diversen Arten von Rheuma; Multipler Sklerose, Morbus Crohn und anderen Autoimmunkrankheiten leiden, außerdem Patienten, denen ein Organ eingepflanzt wurde: Sie sollen ihr Immunsystem gerade nicht extra aktivieren.

Die große Gruppe der Allergiker und Autoimmunkranken haben diese Krankheiten nämlich, weil ihr Immunsystem nicht zu schwach, sondern zu stark, weil überaktiv ist. Darüber hinaus ist es gestört und falsch programmiert.

Deshalb soll es nicht weiter angeregt, sondern lieber gedämpft und reguliert werden, damit die aggressiven Immunzellen das körpereigene Gewebe nicht angreifen, oder etwa eingepflanzte Spenderorgane.

 

Nicht stärken, sondern beruhigen

Hinter Niesanfällen kann eine Allergie stecken.

Daher greift der Schluss zu kurz, dass Leute, die oft Infekte oder eine laufende Nase haben, automatisch an einem schwachen Immunsystem leiden.

Ihre Nase kann auch laufen, weil ein überaktives Immunsystem auf jeden Reiz oder Eindringling zu scharf schießt.

Ärzte raten diesen Betroffenen also eher nicht, zum Beispiel die beliebten Immunmittel aus Sonnenhut (Echinacea) oder exotischen Pflanzen auf eigene Faust einzunehmen.

Das stereotyp empfohlene „frische Obst und Gemüse“ taugt zur Regulierung des Immunsystems auch nicht, jedenfalls nicht alleine.

Anderes muss mit ins Spiel kommen, und das gilt auch für alle Gesunden oder nur saisonal Geschwächten: Omega-3-Fette, die vor allem in tierischen Lebensmitteln stecken, bestimmte Bakterienkulturen, wie sie in Sauerkraut, Jogurt oder auch speziellen Jogurt-Drinks mit zugesetzten Bakterienkulturen vorkommen, überhaupt auch in Milch, Fisch, Butter und Eier, weil diese unter anderem gute Fette, Zink und gleich mehrere wichtige Vitamine, darunter Vitamin D, liefern.

Zink und Vitamin D zum Beispiel gelten als stabilisierend für das Immunsystem – und Überraschung! Frisches Obst und Gemüse sind dafür nicht die Hauptlieferanten.

 

Wo stecken die Vitamine drin?

Obst ist gut. Reicht aber nicht, um das Immunsystem fit zu halten.

Aber genau bei diesem Thema fliegen viele Ratgeber aus der Kurve: Sie reiten auf den Vitaminen herum, nennen dann aber genau die Lebensmittel nicht, in denen diese drinstecken.

So geschehen zum Beispiel bei Netdoktor.at:

„9 Tipps gegen ein schwaches Immunsystem“ kündigt das Portal an, und erwähnt ausdrücklich die Pandemie:

„Wir haben 9 Tipps, die Ihr schwaches Immunsystem stärken und sich vor Viren schützen. In Zeiten des grassierenden Coronavirus besonders wichtig.“

Die ersten Ratschläge lauten dann auch gleich:

„Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst
Sonnenlicht und Vitamin D“

Weiter heißt es:

Bakterien, Viren, Pilze und andere Parasiten: Um uns herum tummeln sich unzählige schädliche Mikroorganismen, manche sind vor allem für Ältere und Immungeschwächte bedrohlich, wie zum Beispiel das Coronavirus.

Ob Schnupfen oder andere Infektionen: Warum werden manche Menschen krank, und andere nicht? Viele sind deutlich anfälliger für Virusinfektionen. Schuld daran ist oft ein schwaches Immunsystem.

Wir haben für Sie einige Tipps gesammelt, wie man mit einfachen Maßnahmen ein schwaches Immunsystem stärken kann.

1. Richtige Ernährung für die Abwehrkräfte

Für ein gut funktionierendes Immunsystem braucht der Körper viele verschiedene Vitamine und Nährstoffe. Dazu zählen insbesondere:

• Vitamin A
• Vitamin B6
• Vitamin B12
• Vitamin C
• Vitamin D
• Vitamin E
• sekundäre Pflanzenstoffe
• Zink
• Selen
• Eisen
• Kupfer

Immer mehr Wissenschafter vermuten einen direkten Zusammenhang zwischen der Darmgesundheit und dem gesamten Immunsystem – daher ist auch ballaststoffreiche Kost bei einem schwachen Immunsystem ein guter Tipp. Bio-Lebensmitteln aus heimischem Anbau wird zusätzlich ein besonderer Gesundheitsnutzen zugesagt.

Die meisten dieser Inhaltsstoffe sind durch eine ausgewogene Ernährung ausreichend gedeckt. Als besonders gut für die Immunabwehr gelten jedoch beispielsweise:

• Brokkoli
• Kohl
• Karotten
• Tomaten
• Knoblauch
• Spinat
• Zitrusfrüchte
• Dunkle Beeren und Trauben
• Nüsse

Fleisch: wertvoll für das Immunsystem.

Doch der Blick in eine Vitamintabelle zeigt:

Für die Vitamine A, B6, B12 und D, dazu Zink, Selen und Eisen sind Fleisch, Fisch, Eier und Milch hervorragende, wenn nicht sogar die besten Quellen.

B-Vitamine kommen in pflanzlichen Lebensmitteln so gut wie gar nicht vor, weshalb strenge Vegetarier dafür Pillen schlucken müssen.

Auch Eisen wird aus Pflanzen vom Köper nicht so gut aufgenommen, und für Zink ist Fleisch die beste Ressource.

Dazu verliert der Netdoktor aber kein Wort, auch nicht, dass Immunzellen, Achtung, aus Protein bestehen. Und um diese zwecks Abwehr in Massen herzustellen, damit sie Krankheitserreger attackieren können, braucht der Körper, nun ja, wiederum Protein.

Wie aus einem hartnäckigen Reflex wiederholen selbst Fachleute diese Leier mit Obst und Gemüse für das Immunsystem, als ob verschaltete Synapsen mit „Vitaminen“ automatisch „Obst und Gemüse“ verbinden – wider besseres Wissen.

Sollte das Verschweigen des richtigen Zusammenhanges aber bewusst sein, ist die Ideologie klar: Fleisch, Fisch, Eier und Milch mögen zwar voller Vitamine, Mineralstoffe und wertvoller Proteine stecken. Aber man will die tierischen Produkte nicht empfehlen.

Erstens, weil sie aus unbestimmten Gründen als „ungesund“ gelten, was von interessierten Kreisen, darunter Fastenkliniken, Naturheiler, Homöopathen, Veganern und Vegetariern, befeuert wird.

Zweitens, weil man wegen Klima und Tierschutz jetzt in Bezug auf Essen nicht gerne die Wahrheit sagt, sondern lieber umlenkt auf „pflanzliche Kost für das Klima“.

Dabei könnte und sollte man gerade den Corona-Infizierten und den Risikogruppen reinen Wein einschenken – den Abwehrkräften zuliebe: „Ab und an sollte es ein Stück Fleisch sein, oder Fisch, oder ein Ei. Brate Dir doch mal eine Leber für das Vitamin A. Und wenn Du Dir ab und an noch ein schönes Bio-Frühstücksei machst und ein Glas Weidemilch trinkst oder einen Jogurt isst, dann freut sich Dein Immunsystem!“.

„Ab und an“ heißt übrigens: ein- oder zweimal in der Woche, zum Beispiel. Ein Glas ist ein kleines Glas von 250 Milliliter, Jogurt, Butter und Käse gehen täglich. Und das ist alles im Rahmen sämtlicher Klimadiäten, keine Sorge.

 

Unbemerkt angesteckt: die Superverbreiter

Logo Goldener Blogger

Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015

Das Geraune um die Vitamine in Gemüse und Obst „für das Immunsystem“ ist zurzeit jedenfalls irreführend, ebenso wie das Bewerben von angeblich immunstärkenden Vitamingaben.

Scharlatane versuchen, damit ein Geschäft machen, davor haben gerade die Verbraucherzentralen gewarnt, am 17.3.2020.

Es ging, siehe Link unten, um fragwürdige Hersteller und vorgebliche Heiler, die auf der Vitamin- und Mineralstoffwelle reiten und versuchen, die Angst der Menschen vor Corona-Infektionen auszunutzen.

In Zeiten der allgemeinen Verunsicherung ist dieser Betrug doppelt schamlos und schädlich, weil diese Schwindler nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Aufklärung und der Bildung von Wissen schaden.

Wie es aber wirklich mit dem neuen Corona-Virus und dem Immunsystem steht, sollte sich jeder klarmachen, der sich um seine eigene Gesundheit und die seiner Lieben sorgt: Das Virus kann alle Menschen befallen – auch die mit starken Abwehrkräften.

Das ist ein böser Trick, denn die Widerstandsfähigen merken davon nichts.

Sie haben einen symptomfreien oder unauffälligen Verlauf, und stecken Schwächere, Ältere und Risikopersonen an – sie werden sogenannte Superverbreiter.

Das ist aus der Perspektive des Bevölkerungsschutzes ein Teil des Problems, deshalb hat die Regierung dieser Tage Notfallmaßnahmen erlassen, Geschäfte und Grenzen geschlossen, Versammlungen verboten und Heimarbeit empfohlen.

Eine wirklich spannende Geschichte zur Erforschung des Phänomens der Superverbreiter hat 2015 die WELT aufgeschrieben, steht gleich unten in den Links, bitte lesen, wird nächstes Mal abgefragt.

(UPDATE: Auch der SPIEGEL hat jetzt das Thema aufgegriffen: Vorsicht, junge Leute können Superverbreiter werden, wichtig, bitte lesen, Link steht unten)

 

Männer und Raucher gefährdet

Grafik mit runden Virenkörpern, die viele stachelige Fortsätze haben

Viren mutieren und wandeln sich ständig.

Noch ein Wort zu den Risikogruppen:

Bekanntlich sind das Alte, Schwache und Menschen mit Vorerkrankungen, darunter Asthmatiker und Diabetiker.

Doch es gibt mehr: Raucher sind stärker gefährdet, was kein Wunder ist, denn ihre Lunge ist vorgeschädigt, die Atemwege gereizt.

So kann sich das Corona-Virus leichter einnisten. Eine eiserne Regel lautet daher: Nicht rauchen.

Auch zeigen die Daten aus China und Korea, dass in allen Alters- und Betroffenengruppen Männer häufiger an dem Corona-Virus sterben. Der Grund steht noch nicht fest, einer kann aber wieder das Rauchen sein, denn weltweit rauchen mehr Männer als Frauen.

Dahinter könnte aber auch Achtung, ein unbekannter Faktor aus dem Immunsystem stecken.

Das Immunsystem von Männern reagiert etwas anders als das von Frauen, viel Testosteron unterdrückt zum Beispiel eine Immunantwort, das ist schon lange bekannt.

Die körpereigene Abwehr gibt weitere Rätsel auf, wenn neue Viren irgendwo auf der Welt der tierisch-menschlichen Ursuppe entspringen. Darauf weist der Verlauf besonders schwerer Grippewellen hin, etwa in der Pandemie von 1918 mit der sogenannten Spanischen Grippe.

In allen Ländern fielen dieser Virenvariante auffallend viele Erwachsene aus der jüngeren Lebensphase zum Opfer, zwischen 20 und 40 Jahre. Das ist ein Alter, in dem die körpereigenen Abwehrkräfte voll auf der Höhe sind. Bei anderen Grippeepidemien starben dagegen mehr Kinder, Ältere und Vorerkrankte.

Bis heute rätseln Forscher, was der Grund dafür sein könnte, dass ein neuartiges Virus gerade robuste, gesunde Menschen dahinrafft. Eine Spur führt zum Immunsystem, denn hier liegt der Unterschied zu den anderen Gruppen. Doch die Frage ist bis heute offen.

 

Essen gegen die Pandemie – die ultimativen Tipps von Quarkundso.de

Hühnersuppe hilft traditionell gegen Erkältungen.

Aber Schluss mit Rätselraten, kommen wir zu Lösungen und zur Praxis: Wie soll man denn nun wirklich essen?

Wir legen uns fest: Wenn Sie gesund sind, essen Sie eine vielfältige Mischkost mit Gemüse, Fisch, Fleisch, Milch, Jogurt, Käse, Nudeln, Brot, ganz normalen Sachen, die Sie mögen.

Und essen Sie möglichst abwechslungsreich.

Wenn Sie gerade erkrankt sind, hoffentlich nicht an Corona, sondern nur an einem harmlosen Schnupfen oder einem grippalen Infekt: Essen Sie wie oben.

Nur weniger, vielleicht auch einfach nach Lust und Laune. Denn wer Fieber hat, hat weniger Hunger oder mag nur bestimmte Dinge. Das ist eine ganz normale Reaktion des Körpers, der man nachgeben sollte.

Erwiesenermaßen hilft hier übrigens ein ganz altes Hausrezept, das weder frisches Obst noch frisches Gemüse enthält: Omas Hühnersuppe.

Die Brühe aus einem lange ausgekochten Huhn – bis drei Stunden und mehr – hilft bei Erkältungen und grippalen Infekten wirklich, wie Forscher zeigen konnten. Der Hintergrund ist die entzündungshemmende Wirkung des lange ausgekochten Kollagens aus Knochen und Haut des Suppenhuhns, eine Rolle könnten auch die günstigen tierischen Fettsäuren aus dem Geflügelfett spielen.

Wie auch immer: Vielfalt und Abwechslung sind wichtig für das Immunsystem, vor allem aber das allgemeine Wohlbefinden, damit der Körper nicht aus dem Gleis gerät. Das würde Stress bedeuten, und der wiederum schädigt nachweislich das Immunsystem.

©Johanna Bayer

Leider irreführend: Netdoktor.at zu Ernährung bei Corona

Die Verbraucherzentralen warnen vor unseriösen Heilsversprechen rund um Vitamine

Geniale Geschichte: DIE WELT von 2015 über Superverbreiter

UPDATE: Nachdem dieser Beitrag auf Quarkundso.de am 18.3.2020 um 0.15 erschienen ist, berichtet auch der SPIEGEL am Nachmittag des Tages über Superverbreiter: Junge Menschen unter 30 könnten zu Virenschleudern werden. Das sind die mit dem „starken Immunsystem“ – lesen! Wir bleiben dran!

 

Geld und so in Zeiten von Corona: Spenden Sie jetzt! Das bleibt natürlich völlig freiwillig. Einfach ins Sparschwein stecken, es steht mit diesem Bild oben rechts im Menü.

Wer draufklickt, landet bei PayPal, braucht zum Spenden aber kein eigenes PayPal-Konto. Vielen Dank!