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Die Tagesschau: Fleischessen und das Klima – eine Abrechnung

Der Weltklimabericht ist erschienen. Doch anstatt ihn gründlich zu lesen, schreien alle wieder nur nach einer Lösung: Drastisch den Fleischkonsum reduzieren! Vor allem das Steak muss dran glauben, wenn Rindfleisch beharrlich mit dem klimatechnisch harmlosen Gemüse verglichen wird. Aber der Vergleich stimmt hinten und vorne nicht – Quarkundso.de rechnet ab.

 

Rindfleisch in Metzgertheke: Entrecote, Rumpsteak, verschiedene Stücke

Bei Steaks soll jetzt Schluss mit lustig sein. Aber für wen?

 

Jetzt hat es so richtig geknallt, mit dem Fleisch und dem Klima.

Tagelang diskutierte Deutschland schon die Fleischsteuer, dann kam der Bericht des Weltklimarates und jetzt ist es raus: Wir müssen dramatisch weniger Fleisch essen, vor allem Rindfleisch – das ist ja der Wahnsinn, dieser Sojaanbau, die Regenwälder in Brasilien, die ganzen furzenden Kühe!

So die Tagesschau am 8.8.2019 in gleich zwei Einspielern. Einer war speziell zum Fleischkonsum gemacht, und es wurde vorgerechnet, was die Produktion von einem Kilo Rindfleisch an klimaschädlichem CO2 ausstößt, und zwar im Vergleich mit Gemüse in Gestalt einer symbolischen Karotte.

Mal wieder. Wir können ihn nicht mehr sehen, diesen Vergleich zwischen vorgeblichem Gemüse und Rindfleisch, mit den vielen Tausend Gramm CO2-Ausstoß, oder gerne auch den 15.000 verbrauchten Litern Wasser.

Die CO2-Variante sieht dabei so aus wie in dieser Grafik, die die Tagesschau am 8.8.2019 einspielte und die hundertfach seit Jahren kursiert – Karotte gegen Steak:

 

Screenshot der Tagesschau-Grafik vom 8.8.2019: Karotte gegen Steak.

 

Fleisch, Konsum und CO2: Natürlich müssen wir reduzieren – aber sinnvoll und rational

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Vorab: Ja, es geht nicht mehr so weiter wie bisher mit dem Raubbau an der Erde. Industrie, Verkehr, industrielle Landwirtschaft und viel zu viele Menschen ruinieren den Planeten, Tiere werden qualvoll gehalten und getötet. Damit muss Schluss sein.

Und wir, vor allem die Bewohner der reichen Industriestaaten, müssen unseren Konsum eindämmen. Daran geht kein Weg vorbei.

Doch diese billigen Plattitüden mit dem Rindfleisch und überhaupt dem Fleisch gegen Karotten, Gurken oder Salat, die müssen aufhören. Sie stehen so auch nicht im Bericht des Weltklimarates. Die Debatte rund um die Klimawirkung von Ernährung muss endlich korrekt, sinnvoll und rational geführt werden.

Dafür – und für das Klima, die Nachhaltigkeit und gutes Essen für alle! – zieht Quarkundso heute ins Feld.

Es muss schnell gehen, schließlich müssen wir die Welt retten.

Daher werfen wir jetzt einen schmutzigen und bösen kleinen Beitrag zum Konsum von Fleisch und speziell Rindfleisch in das ganze deutsche Verzichtsgeschwurbel für das Klima – los geht’s:

 

1. Die Deutschen liegen beim Fleischessen nur im Mittelfeld. Unter den Industriestatten isst eine ganze Reihe von Nationen mehr Fleisch aus die Deutschen, insbesondere mehr Rind. Vom weltweiten Durchschnitt – 44 Kilo – sind wir gar nicht so weit weg. Denn wir essen nur, ja, nur rund 60 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr. Das ist nicht besonders viel – und es wird seit über 10 Jahren nicht mehr, der Verzehr stagniert. Das Gerede von „unserem exzessiven Fleischkonsum“ und der „Gier nach Fleisch“ ist für Deutschland also Unsinn.

2. Die ganz großen Player beim Rindfleisch sind die USA. Amerikaner, aber auch Australier und überhaupt die Länder des angelsächsischen Kulturkreises, dazu Brasilien und Argentinien. Die sind alle mit mehr als 90 Kilo pro Kopf und Jahr dabei. In Europa essen unter anderen Spanier, Österreicher und Franzosen sowie Briten erheblich mehr Fleisch als die Deutschen, nämlich um die 80 Kilo pro Kopf und Jahr, Aufsteiger sind in Europa die Russen, dort nimmt der Konsum massiv zu, weltweit steigt er am meisten in China.

3. Rind ist die Fleischsorte, die in Deutschland am wenigsten verzehrt wird. Denn Rindfleisch ist teuer und der Deutsche ist geizig. Die Deutschen essen hauptsächlich Schwein, nämlich mit 35,7 Kilo pro Kopf und Jahr, zwei Drittel vom Gesamtfleischverzehr. Es folgen Huhn und Pute mit 13,2 Kilo pro Kopf und Jahr, und dann erst das Rind mit weniger als 10 Kilo. Mit Schweinefleisch wäre die Grafik allerdings nicht so plakativ gewesen, denn ein Schwein verbraucht vier- bis fünfmal weniger Futter als ein Mastbulle. Die CO2-Bilanz des Schweinschnitzels liegt auch nicht, wie die des Steaks, 90 Mal höher als das sinnbildliche Gemüse, sondern nur etwa 20 Mal: Die Produktion von einem Kilo Schweinefleisch erzeugt rund 3250 Gramm CO2 im Vergleich zu den 13.300 pro Kilo beim Rind. Noch weniger fällt bei der Aufzucht von Hühnern und Hühnerfleisch an.

Der echte Massenkonsum in Deutschland vollzieht sich aber am Schwein, nicht am Rind. Davon ist jeder Deutsche statisch gesehen am Tag nur 27 Gramm – aber jeder Amerikaner 70 Gramm, bei 25 Kilo Rindfleisch pro Kopf und Jahr. Im Wochenvergleich ist das beeindruckend: Deutsche essen ein Steak pro Woche, ein kleines von 180 Gramm, Amerikaner aber fast ein ganzes Pfund: 480 Gramm Rindfleisch. Und die anderen Massenkonsumenten wie Australien auch.

4. „Wir“, die Deutschen, müssen nicht viel weniger Fleisch essen. Diese Fleischfresser-Nationen müssen ran. Die müssen verzichten: Konsum auf die Hälfte, zack, Ende. Der Raubbau am Regenwald geschieht nicht wegen Deutschland. Natürlich müssen die Deutschen auch verzichten. Aber auf was anderes, dazu kommen wir gleich noch.

 

Gemüse macht nicht satt

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5. Die Karotte in der Grafik ist falsch – als Symbolbild, und überhaupt. Es ist falsch, von „Gemüse“ im Vergleich zu Fleisch oder Steak zu sprechen. Denn was da steht, ist weder der CO2-Wert von Gemüse noch der einer Karotte, diese 153 Gramm CO2. Es sollte nämlich ein Durchschnittswert von „pflanzlicher Nahrung“ sein, so der Text der Tagesschau dazu. Genau genommen also: von Gemüse, Obst und Getreide zusammen. Gemüse hat aber einen CO2-Fußabdruck von 100 bis 300 Gramm CO2 pro Kilo, Getreide wie Weizen liegt in der Nähe um die von der Tagesschau genannten 153 Gramm pro Kilo – nur essen wir den Weizen meist als Brot, und das ist ein verarbeitetes Produkt, dessen CO2-Wert wieder wesentlich höher liegt. Von Karotten und Salat aber, die unter 153 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilo liegen, kann niemand leben: Man wird davon nicht satt, nicht einmal als Vegetarier. Menschen werden satt von Fleisch, und wenn sie das nicht kriegen können, von Getreide – also von Brot, Reis und Nudeln. Allenfalls kommen noch Kartoffeln und Hülsenfrüchte dazu. Letztere und der Weizen enthalten außerdem relevante Mengen von Eiweiß und Kalorien, im Gegensatz zu Gemüse. Deshalb sind sie die pflanzlichen Hauptlebensmittel. Nicht Karotten.

Das ewige Gerede von Gemüse gegen Fleisch zeichnet also ein sehr falsches Bild von der menschlichen Ernährung, auch für die Zukunft. Die symbolische Karotte und der symbolische Salatkopf, die da immer stehen, müssen aus den Grafiken weg. Die sind nur Beilage, Essen ist was anderes.

6. Noch CO2-intensiver als Fleisch sind Butter, Käse und Milch. Nur setzt die niemand gerne in die Grafiken. Das passt einfach nicht in die Sündensymbolik der ungebremsten Fleischeslust. Auch würde es Vegetarier, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und ganz viele andere verunsichern, von den Bauern und Molkereien mal ganz abgesehen. Butter, Käse und Milch sind mit bestimmten Werten aufgeladene Lebensmittel, Milch einzuschränken ist fast sakrosankt. Lieber geht man ans Fleisch. Seltsam, eigentlich. Gleichzeitig gilt: Wer Gemüse und Getreide oder sich gar vegetarisch ernährt, braucht auch Butter, Käse und Milch, schon aus ernährungsphysiologischen Gründen. Das gilt weltweit und selbst für die Vorzeigevegetarier, die Inder. Da können wir in Deutschland noch so auf Rindfleisch verzichten, aus der Nummer mit Milch, Fleisch und Käse kommt die Welt ziemlich schlecht raus – weniger Fleisch an sich ist gar nicht die Lösung. Nachhaltige Tierprodukte, das wär`s.

7. Nicht das Essen an sich ruiniert das Klima. Es ist eine fehlgesteuerte Landwirtschaft, die ganze Ökoregionen und Landstriche verwüstet, namentlich der Exportwahn in Südamerika, weil man dort das billig produzierte Fleisch in den reichen Ländern verkaufen will und dafür den Regenwald rodet. Derselbe Wahn grassiert in Deutschland, wo die Schweinemäster Fleisch, das sie in Deutschland nicht loswerden, nach Russland und China verkaufen, und zwar möglichst teuer. Das hat nichts mit „unserer Gier nach Fleisch“ oder „unserem exzessiven Fleischhunger“ zu tun. Sondern mit einer Landwirtschaftspolitik, die Land und Tiere als ihre Produktionsmasse betrachtet und der es nicht ums Essen geht. Sondern um Wachstum und Profit. Dafür nimmt die Branche auch eine ungesunde Konzentration in Kauf: Tausende von kleinen Betrieben müssen jedes Jahr aufgeben, dafür pferchen die größeren immer mehr Tiere auf engem Raum zusammen und brüsten sich mit „Effizienz“. Genau die aber schindet die Tiere und ruiniert Land und Grundwasser. Hier muss man ansetzen. Es ist nicht die Landwirtschaft an sich, die der Umwelt schadet. Noch dazu brauchen wir die Landwirtschaft auch in Zukunft, aber eine nachhaltige. Denn Alternativen gibt es nicht: Menschen müssen immer essen. Die Welt braucht also Bauern, die mit der Umwelt gut umgehen und gute Nahrungsmittel liefern. Was die Welt nicht braucht, dazu mehr weiter unten.

8. Bei Obst und Gemüse treten wir gerne noch nach: Das kommt von überall her auf die deutschen Märkte, aus Spanien, Holland und Nordafrika und der ganzen Welt. Besonders Obst reist um die Welt. Der exzessive Anbau von wasserreichen Sorten wie Gurken, Tomaten, Erdbeeren und Salat ist aber in vielen Regionen dramatisch umweltschädlich, in Südspanien vertrocknen ganze Landstriche wegen der Frischware für gesundheitsbewusste Deutsche. Das Hipster-Gemüse Avocado ist auch schon als Wasserfresser und Landschaftsschädling entlarvt, ebenso die trendigen, sündteuren Mandeln. Das für die Ernährung komplett unerhebliche Obst ist wiederum ein Luxusprodukt, das man gut und gerne zugunfsten von ein paar Konserven streichen kann – Obst wird überschätzt. Tut mir Leid, wir müssen es sagen: Frischer Salat und frisches Obst im Winter sind absolut unnötig. Darauf können wir in Deutschland gut und gerne verzichten. Wir haben ja Kohl und heimische Wintergemüse, damit haben unsere Urgroßeltern und alle Generationen vor uns die langen harten Winter überlebt. Oder etwa nicht? Und warum wir nicht? Also bitte. Weg mit dem überflüssigen Zeug. Spart auch sehr viel CO2, dafür darf es dann ab und an ein Steak, Schnitzel oder Braten sein.

9. Jetzt aber: Wie klimaschädlich sind unser Leben und unser Essen denn eigentlich? Wo müssen wir wirklich sparen, in Deutschland?

Am 11.7.2019 veröffentlichte die Tagesschau, ebenfalls zur der Klimadebatte, schon diese Grafik:

 

Tortengrafik

Screenshot aus der Tagesschau vom 11.7.2019: CO2-Emissionen aus privaten Haushalten.

Die Botschaft der Torte

Die sinnigerweise als Torte darstellten Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt, sind also über Zweifel einigermaßen erhaben.

Und sie zeigen, dass Essen und Ernährung nur einen kleinen Teil der CO2-Belastung durch private Haushalte ausmachen: Heizen, Wohnen und Autofahren sind fünfmal schlimmer. Fünfmal!

Die Botschaft der Torte ist tatsächlich, dass Ernährung mit dem kleinen Anteil von 12,3 Prozent auf der vorletzten Stelle des klimaschädlichen Privatverbrauchs steht – fast das kleinste Stück vom Kuchen. Wohnen und Verkehr sind mit über 62,6 Prozent hauptsächlich verantwortlich für die CO2-Emissionen der Deutschen.

Im Klartext: Autofahren, Heizen, Strom, Kamin, Ausflüge, Swimming-Pool, Sauna im Haus, Urlaubsreisen, Kurzstreckenflüge, Motorrad, Rasenmäher, Shoppingtrips, Kaffeeautomaten, Thermomix, Repräsentationsküchen, Monsterglotze, Internet im Dauerbetrieb – das sind die Klimakiller in Deutschland. Und nicht nur hier.

 

Verzichten: Jeder, wo er kann – der Klimakatalog von Quarkundso.de

10. Und jetzt kommen wir richtig zur Sache: Verzichte, wer verzichten muss. Und zwar jeder auf seinen Fetisch. Das ist die pragmatische Sanktion von Quarkundso.de. Wir haben dafür schon einen visionären Maßnahmenkatalog, den wir der Menschheit zur Verfügung stellen, samt Sündenböcken und Problemkindern bei Umwelt und Klima – bitte lesen, wird demnächst abgefragt.

    • Der Fetisch der USA, Australiens und einiger anderer – nicht der Deutschen – ist das Fleisch. Halb so viel Fleisch in den USA und den einschlägigen Fleischfresserländern, vor allem Rindfleisch, Ende der Diskussion.
    • Die Deutschen kommen anderswo dran: Ihr größter Fetisch ist das Auto. Da müssen sie sich eindeutig einschränken und wir scheuen nicht vor radikalen Vorschlägen zurück: Pro Familie nur ein Auto. Allein lebende und kinderlose Großstädter dürfen kein Auto besitzen, Rentner müssen rechtzeitig den Führerschein abgeben, Bau von großmotorigen SUV-Panzern mit Monster-Spritverbrauch wird beendet, außer es sind Nutzfahrzeuge auf dem Land und dienen dem Transport. Sonst reichen E-Autos und Kleinwagen, die Bahn wird gefördert, der öffentliche Nahverkehr wird kostenlos – geht alles ganz schnell per Dekret, ebenfalls Ende der Diskussion.
    • Wichtig auch: Ende mit der unsäglichen Formel 1 und mit allen Autorennen als Sport, Ende mit Motorrädern als Zweit- oder Drittfahrzeig, Ende auch mit allen stinkenden, lärmenden Spaßgefährten wie Karts. Verbrennungsmotoren sind nicht zum Spaß da, sondern wenn, dann für Nutz- und Lastenfahrzeuge. Wer Spaß will, soll sich eine Gaming-Station kaufen oder Räuber und Gendarm spielen. Gar keine Diskussion.
    •  Der zweite Fetisch der Deutschen ist eindeutig das Reisen: Die Deutschen sind nämlich Urlaubsweltmeister. Sie reisen am meisten, Flüge in den Urlaub sind zum Statussymbol geworden. Die Zahlen der Flüge und Fluggäste steigen dabei ungebrochen an, weil Fliegen viel zu billig ist und immer mehr Leute sich längere Flugreisen leisten können. Geschäftsmänner wiederum fliegen lieber von München nach Köln, als vier Stunden mit dem Zug zu fahren, auch aus Statusgründen. Und weil sie schnell wieder nach Haus wollen, um in ihren fetten SUV zu steigen und in ihr Wochenendhaus zu fahren. Das wahnwitzige Urlaubsfliegen muss aufhören, da neigen wir durchaus zur Strenge: jeder nur noch halb so viel, ehrlicherweise reicht sowieso ein Flug pro Jahr. Wer drei- oder viermal im Jahr wegfliegt, zum Tauchen, zum Relaxen oder Detoxen, der muss sich einschränken, Ende. Was die Inlandsflüge der statusbewussten Geschäftsleute angeht, ist das Verbot zum Glück schon greifbar.
    • Wohnen und Heizen sind in Deutschland natürlich ein Riesenthema, sagt die Torte. Da müssen wirklich alle sparen. Besonders Gutverdiener, Reiche und Villenbesitzer sind am Zug, da kann es wirkungsvolle Einschnitte geben: Heizöl und Strom nach Einkommen besteuern, oder per CO2-Abgabe, wäre eine Idee. Und natürlich mehr Anreize zum Sparen für alle, denn wie sagte Thilo Sarrazin noch zu den Heizkosten bei Hartz-IV- Empfängern: „Ziehen Sie einen dicken Pulli an“. Für Gutverdiener und Reiche gilt daher: „Hüllen Sie sich in Ihr Kaschmir und sparen Sie bitte endlich wirkungsvoll CO2.“
    • Das alles würde dafür sorgen, dass wir erheblich näher ans Klimaziel kommen könnten. Dabei muss Fleischkonsum in Deutschland gar nicht drastisch, sondern nur moderat gesenkt werden, auf den jetzt weltweiten Durchschnitt von 44 Kilo pro Kopf und Jahr. Das ist schnell machbar, sogar leicht. In Deutschland bleibt, wenn man das durchrechnet, ein Pfund Fleisch pro Woche für jeden übrig. Ein ganzes Pfund! Das ist ein Fest.
    • Ganz wichtig: Nachhaltige Tieraufzucht – Schweine müssen wieder Essenreste bekommen. Die EU hat das Füttern damit verboten, weil es mal einen Skandal um Maul- und Klauenseuche gab. Das Verbot muss aufgehoben werden, inzwischen gibt es gute Erhitzungsmethoden, mit denen man Essensreste aus Gastronomie, Großküchen und Industrie sterilisieren kann – zack, wird die Schweinmast umweltschonender, Sojaimporte für Schweinefutter gehen massiv zurück und den Schweinen geht es auch viel besser. Das Thema „Teller statt Tonne“, also die große Verschwendung, wäre damit auch abgefrühstückt: Essens- und Lebensmittelreste gehen wieder in die Nahrungskette und sind damit nicht verloren.
    • Deutschland kann seinen Inlandsbedarf an Fleisch, Milch, Butter und Käse komplett selbst decken. Und das sollte es auch tun, nicht mehr. Schluss mit dem Export für ausländische „Märkte“. In der bedrohlichen, klimagestörten Zukunft gibt es nämlich keine „Märkte“ mehr. Es gibt nur noch klimatisch begünstigte Regionen und die Klimaverlierer in den heißen Ländern. Der Weg zu einer global nachhaltigen Landwirtschaft sind regionale Versorgungsstrukturen und Fairness in Erzeugung und Verteilung.

Das wäre er fürs Erste, der Klimakatalog von Quarkundso.de. Mehr gerne auf Anfrage, verbunden mit der Übernahme des Klima- und Ernährungsministeriums in der Hand der Redaktion. Und natürlich der Fütterung des Sparschweins oben rechts im Menü.

©Johanna Bayer

 

SUV-Werbung in Zeiten der Klimakrise – bitte genau hinsehen: Komplett im Spiegel-Layout kommt ein Text mit Vokabeln aus der Abenteuer- und Sinnlichkeits-PR daher und lockt mit „Gänsehautfeeling“, allerlei „Emotionen“ und „Fahrspaß“ aus dem „Rennsport“. Ach ja?

Auf dieses Mimikry sollen die Leser natürlich hereinfallen und glauben, es sei ein echter journalistischer Artikel. Die Werbeform ist bekannt als „native Advertising“ und tatsächlich erlaubt. Die Anzeigenabteilung des Spiegels bietet diese Anzeigen den Kunden, an – die Redaktion nannte das mal „bewusste Irreleitung der Leser.“

https://twitter.com/christianhoney_/status/1154792489737494528?s=20Danke an Christian Honey.

Slow Food: Erst kommt die Moral, dann das Fressen? Wo die Essenshüter sich kulinarisch verheddern

Das Gegenteil von gut ist „gut gemeint“ – so viel lässt sich über das Slow-Food-Magazin 1/2015 sagen. Darin beschwört der Verein für Esskultur Konsumverzicht und eine neue Einfachheit. Leider verdrehen die Autoren historische Fakten, schwelgen in falscher Sentimentalität, was Hungerzeiten angeht und raten dazu, Freunden primitive Plumpsküche vorzusetzen. Da geht bei Quarkundso.de der kulinarische Zeiger auf Error: Wir plädieren für frohe Feste. (Beitrag von Juni 2015)

 

Zutaten Linseneintopf: Linsen, Karotten, Schweinebauch, rohe Zwiebeln

Linseneintopf – Einfaches kann gut sein. Doch als Maßstab taugt es nicht immer. Bild: Pixabay

 

Die von Slow Food gehören eindeutig zu den Guten. Sie sind für authentische, handwerklich hergestellte Lebensmittel mit echtem Geschmack, und gegen industrialisiertes, globales Einheitsessen.

Sie setzen sich auch für nachhaltige Landwirtschaft, Artenvielfalt und artgerechte Tierhaltung ein. Essen muss laut Slow Food gut, sauber und fair sein, wobei Genuss, wie es in der Satzung des Vereins heißt, nichts weniger ist als ein Menschenrecht. Daher heißen ihre Regionalgruppen „Convivien“, das kommt vom römischen „convivium“ und bezeichnet ein Gastmahl mit Freunden.

Ich muss sagen: Ich finde das alles richtig. Deshalb bin ich seit Jahren drin in dem Verein und zahle Mitgliedsgebühr.

Wenn man es genau nimmt, bin ich in Sachen Slow Food also befangen.

Andererseits ist Quarkundso.de natürlich völlig unbestechlich. Das heißt, dass auch der eigene Club an die Reihe kommt, wenn es dazu Anlass gibt. Und den gibt die Vereinspostille, das Slow-Food-Magazin.

Das ist ein Medienerzeugnis, das öffentlich am Kiosk und im Abo verkauft wird wie andere Zeitschriften auch. Daher will es hier besprochen werden, bei Quarkundso.de, das ist nur gerecht, auch den anderen gegenüber.

 

Eigen-PR und eingeschränkte Quellenlage

Wie immer geht es hier um das, was übers Essen geschrieben wird. Sonstiges spielt keine Rolle, darum sollen sich andere kümmern: dass zum Beispiel der Verlag, in dem das Heft erscheint, mit schöner Regelmäßigkeit seine Bücher und Autoren im redaktionellen Teil unterbringt.

Auch führt die Slow-Food-Vorsitzende Ursula Hudson gerne Interviews mit Autoren eben desselben Verlags, die dann im Heft nachzulesen sind, und die Rezepte im Leser-Service stammen aus Kochbüchern des Hauses. Diese Quellenlage hat ja schon ein PR-Geschmäckle und wirkt irgendwie nicht so richtig redaktionell ausgewogen. Aber darum soll es hier ja nicht gehen.

 

Ohne Drittwagen retten wir die Welt

Also zur Sache – schauen wir uns das erste Heft des Jahres 2015 an. Da geht es um den „Wert des Einfachen“. Es ist ein ganzes Dossier, ein Schwerpunkt mit mehreren Beiträgen. Und mit der großen Moralkeule. Die Botschaft: „Wir“ – ja, wir alle – ruinieren die Welt mit unserem Konsum: „Wir“ essen zu viel, wir kaufen zu viel, es geht uns zu gut, wir reisen zu weit und zu oft. Wir konsumieren besinnungslos und brauchen das alles nicht, was wir zusammenraffen.

Die vielen Geräte, die wir horten, benutzen wir schon gar nicht mehr, darunter Küchenherde mit 30 Programmierstufen und Fernseher mit 800 Programmen. Dagegen helfen, glaubt Autor Manfred Kriener, Entrümpeln, ein Sabbatjahr oder mal eine Woche im Kloster. Und die Vorsitzende, Ursula Hudson gibt den unschlagbaren Tipp, auch mal auf den Zweit- oder Drittwagen zu verzichten.

Garniert ist das Ganze mit nostalgischen Rezepten und der Sehnsucht nach einfacher Kost: Nachkriegs-Brotsuppe, Arme-Leute-Gerichte wie die italienische Polenta, und auf dem Titelfoto prangt biederste Hausmannsküche – ein Teller Gemüsesuppe, dargeboten von Armen im ökograuen Wollpulli.

 

 

Club der Manufactum-Käufer 

Doch der Schuss geht nach hinten los. Einmal, weil Vorsitzende und Redaktion sich so unfreiwillig als Club der oberen Zehntausend outen – als eine Versammlung von Reichen, Privatiers, Karrieristen, Investment-Bankern, pensionierten Beamten und Manufactum-Kunden. Als Angehörige einer Geldkaste, die nach Statussymbolen giert und sich teure Kochbücher ins Regal stellt, aber die Küche gar nicht erst in Betrieb nimmt.

Natürlich ist das ein falsches Bild. Diese Mischpoke ist bei Slow Food, falls es sie dort gibt, eher in der Minderheit, schon allein deshalb, weil die Slow-Food-Leute kochen.

Die reichen Edelteil-Horter sind aber nicht mal sonst im Land in der Mehrheit. Denn die Mehrheit kann es sich nicht leisten, ständig bei Manufactum einzukaufen und hat weder einen Zweit- oder Drittwagen noch einen High-Tech-Küchenherd.

 

Die Mehrheit kocht in IKEA und isst auch so

Stattdessen kauft die Mehrheit ihre Küche billig bei IKEA und das Essen noch billiger beim Discounter.

Das liegt unter anderem daran, wie das Geld im Lande verteilt ist: Die Hälfte aller Haushalte verfügt nur über den lächerlichen Anteil von sechs Prozent des Vermögens in Deutschland. Dagegen sitzt ein Zehntel auf 60 Prozent des Vermögens. Maßloses Anhäufen von teuren Statussymbolen kommt für die meisten Menschen hierzulande daher nicht in Frage.

Genau das aber macht die Sache komplex. Mit platter Konsumkritik und Reichen-Bashing kommt man dem gefühlten Weltuntergang nicht bei. Am Geheim-Tipp der Vorsitzenden (kein Drittwagen!) als Beispiel betrachtet: Lediglich fünf Prozent aller Haushalte, die in Deutschland ein Auto haben, haben mehr als zwei. Das weiß der ADAC, dem man in dieser Hinsicht ausnahmsweise mal trauen darf.

Also verzichten die restlichen 95 Prozent der Haushalte sowieso schon vorbildlich. Aber irgendwie verbessert das die Lage nicht – Umweltverschmutzung, Lärm, Klimakatastrophe.

 

Das Problem ist die Masse

Und daher sind die reichen Prasser, was Klima und Umwelt angeht, nicht das Problem. Wobei ich natürlich sofort mitmache, wenn man diesen Angebern ihre Kabrios, SUVs und Limousinen vermiest. Es ärgert mich schon lange, dass ich nicht so reich bin.

Doch muss man sich auf dem Boden der Tatsachen eher eingestehen: Das Problem ist die Masse. Anders gewendet: Nicht der unmäßige Konsum weniger ruiniert die Umwelt.

Sondern der relative Wohlstand vieler.

Dass ein paar Privilegierte beim Verzicht mit gutem Beispiel voran gehen sollten, ist allerdings eine Forderung von Öko-Ethikern. Aber da hat der abgeschaffte Drittwagen weiß Gott keine Symbolkraft. Und beim Essen wird das Terrain ziemlich schwer.

Daher präsentiert das Dossier einen etwas peinlichen Luxusdiskurs und eine Menge Plattitüden in einem Mix aus christlicher und ökologischer Ethik, Parolen aus der Glücksforschung, Mode-Philosophie und einem allgemeinen Unbehagen an der Kultur. Aber etwas wenig Analyse und auch die falschen Perspektiven.

 

Urschlamm der hiesigen Ess-Unkultur

Womit wir ans Eingemachte gehen – ans Essen. Da geht der Schuss erst recht nach hinten los. In einem wirren Artikel über „Die Rückkehr der einfachen Küche“ preist eine Autorin nostalgische Arme-Leute-Gerichte an, zur großen Konsum-Moralpredigt am Anfang des Dossiers gibt es als passenden Rezepttipp „Lieselottes Nachkriegs-Brotsuppe“ – ach ja, aus einem Kochbuch des Hausverlags, versteht sich.

Bei so etwas werde ich gerne mal spitzfindig: Was soll das heißen, die einfache Küche kehrt zurück? Die war doch – leider – schon immer da und bildet den Urschlamm der hiesigen Ess-Unkultur!

Das Problem ist doch nicht, dass man hierzulande nichts „Einfaches“ isst. Das Problem ist, dass die Deutschen in überwältigender Mehrheit Einfaches essen: Fastfood, Fertiggerichte, Discounter-Würstchen, Industrieprodukte, Tütensuppen, gefärbte, künstlich aromatisierte Jogurts und Puddings, Chicken-McNuggets, Currywurst, Minutenschnitzel. Und davon dann viel zu viel, weil es so billig ist.

 

Arme-Leute-Essen ist das nicht

Pffff, sagen jetzt die Kritiker von Quarkundso.de gehässig, das ist gemeine Rabulistik. Und natürlich überhaupt nicht das, was die Öko-Esser meinen. Sie meinen – ja, was denn eigentlich? In ihrer Nostalgie-Seligkeit verheddern sich Autoren und Redaktion nämlich kulinarisch, und das nicht zu knapp.

Nehmen wir mal die „Nachkriegs-Brotsuppe“, zu der es im Dossier über den „Wert des Einfachen“ das Rezept gibt. Angeblich ein Gericht aus schweren Zeiten, heraufbeschworen werden die beiden mageren Jahre nach 1945. Da musste man nämlich, steht da, alles wieder verwenden und mit den Ressourcen der Natur sparsam umgehen. Und wir könnten „so vieles lernen“, von den „Erben einer Generation, die … ihre Häuser nur mit dem Notwendigsten, das sie tragen konnten, verlassen mussten.“

An Zutaten sind dann aufgelistet: Zucker, Zitronenschale, Zimt, Butter, Wein, dazu Rosinen oder Backpflaumen, außerdem Äpfel, geröstete Mandelblätter und dann ist noch die Rede von Croutons, Weintrauben und Vanillesauce.

Bis auf die Äpfel und altes Brot gab es das alles nach dem Krieg nicht, egal nach welchem. Was da aufgetischt wird, ist ein gutbürgerlicher oder großbäuerlicher Luxus-Flan aus besten Zeiten. Das Prinzip, angetrocknetes, feines Brot mit edlen Zutaten in einen üppigen Nachtisch zu verwandeln, ist vor allem in Süddeutschland und Österreich schon seit Jahrhunderten Tradition und hat den gefräßigen Eingeborenen dort die Fastenzeit versüßt.

Bekannt sind diese köstlichen Brotaufläufe – es waren Sonntagsgerichte – unter anderem als „Scheiterhaufen“. Sowas gab es nicht bei armen Leuten. Und es ist auch kein einfaches Essen.

 

Völlig zu Recht vergessen

Eine echte Kriegs- oder Nachkriegs-Brotsuppe bestand dagegen genau aus zwei Zutaten: Brühe und Brot. Wenn es noch schlimmer kam, waren es Wasser und Brot. Derlei ist natürlich völlig zu Recht vergessen, und Nostalgie ist fehl am Platz. Vor allem ist das Aufmotzen mit gutem Fett, teuren Gewürzen, üppigen Zutaten und heutigen Mitteln schwer geschummelt.

Das gilt auch für die Polenta, den italienischen Maisbrei. Für die wirbt im Dossier Autorin Elisabetta Gaddoni, nachdem sie sich vorher despektierlich über ambitionierte Hobbyköche äußert. Die Polenta also, zu Unrecht vergessen und jetzt in Ehren auferstanden?

Nun – zu Unrecht war das garantiert nicht. Die armen Bauern in Norditalien sind im 19. Jahrhundert zu Zigtausenden vor der Polenta nach Amerika geflohen und haben fortan nie wieder Maisgrütze angerührt.

Als öde Kost der Armen führte sie nämlich bis ins letzte Jahrhundert in ganz Südeuropa zu einer weitverbreiteten Mangelerscheinung, der Pellagra, auch Maiskrankheit genannt. Die Einseitigkeit der Getreidenahrung bei der armen Landbevölkerung Italiens ist notorisch und hat übrigens dafür gesorgt, dass in Italien seit dem Wirtschaftswunder 30 Prozent mehr Fleisch gegessen wird als in Deutschland.

Wenn solche scheinbar vergessenen Arme-Leute-Gerichte wieder kommen, liegt das eher daran, dass man sie heute mit Wohlstandszutaten verbessern kann. Außerdem kann man sie heute essen, weil man will – und nicht, weil man muss. Und die Leute sterben aus, die das Zeug nie wieder auf dem Teller haben wollten.

 

Schmeckt erbärmlich, macht nicht satt

Man darf sich nämlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen, die in Notzeiten üblen Fraß runterwürgen oder monate- bis jahrelang dasselbe essen mussten, für ihr Leben traumatisiert sind. Ganze Generationen haben deswegen Steckrüben oder Räucherfisch verweigert, Salzkartoffeln, Eintopf, Kohl, Wassersuppe, und ja, auch Brotsuppe (die echte).

Meine Oma konnte man mit Steckrüben jagen, und meinen Opa mit „einfachem Essen“. Denn der war zweimal in Gefangenschaft, hat Baumrinde und Gras gefressen und kam mit Hungerödemen zurück. Seitdem musste jeden Sonntag der Schweinsbraten auf dem Tisch stehen.

Also – die gute alte Arme-Leute-Küche ist mit Vorsicht zu genießen. Wenn man sie ernst nimmt, schmeckt sie erbärmlich und macht weder satt noch versorgt sie die Menschen ausreichend. Wenn man sie aber aufmotzt und auf edel trimmt, dann ist klar: Das ist kein einfaches Essen mehr.

 

Wenn Freunde kommen – gebt euch keine Mühe!

Den Vogel schießt die Redaktion aber ganz vorne im Dossier ab, wo sie ins Thema einführt und vorgibt, worum es gehen soll, beim „Wert des Einfachen“:

„Öfter mal einen Schritt kürzer treten, hier und da etwas Ballast abwerfen, zusammen mit Freunden etwas Einfaches essen – schon mit kleinen Dingen können wir unser Leben verbessern.“

Wie bitte? Ich verbessere mein Leben, wenn ich mit Freunden etwas Einfaches esse? Mein ganzes System, in einem früheren Beitrag mal als kulinarischer Kompass bezeichnet, ist an dieser Stelle auf „Error“ gegangen. Tilt. Total.

Und ich fühlte mich bemüßigt, die Vereinsstatuten von Slow Food nachzulesen. Heißt es darin nicht, dass Genuss ein Menschenrecht ist, dass das gute Essen in der Tafelrunde zum Kulturgut gehört und dass die Vereinstreffen deshalb nach uralter Tradition Convivien heißen?

 

Das Beste für die Gäste: Feiern mit Freunden ist menschlich

Ein Convivium ist übrigens nichts weniger als ein Festmahl. In römischer Zeit wurde dabei sogar geprasst, was das Zeug hält, den Freunden und Gästen zuliebe, aber auch, um den eigenen Status zu beweisen.

Natürlich kann man gegen die dekadenten Römer einiges einwenden. Aber jetzt mal ehrlich – seit wann isst man was Einfaches, wenn Freunde kommen? Es ist doch genau umgekehrt – wenn Freunde kommen, strengt man sich an, tischt die edelsten Sachen auf, die man hat und entkorkt die teuersten Flaschen!

Der gemeinsame Genuss schafft dann Atmosphäre, Wohlgefühl, Feststimmung und Verbundenheit. Das hebt die Lebensqualität. Mit einem Teller Butterbrot gelingt das schwerlich.

Das Festmahl mit Freunden ist daher nicht zufällig so etwas wie eine anthropologische Konstante. Große Gelage haben schon die Gallier und Germanen gefeiert, und unsere älteren Vorfahren ebenso, samt kollektivem Genuss berauschender Getränke.

Auch ist das Gebot der Gastwirtschaft, nachdem Gästen und Freunden stets das Beste zusteht, auffallend universell vorhanden, in allen Kulturen. Und da soll es jetzt die Lebensqualität heben, wenn man mit Freunden etwas Einfaches isst?

Nein. Das ist verdrehter, kulturloser Unsinn. Da hat jemand was falsch verstanden.

Ein Teller Gemüsesuppe kann gut sein und seinen Zweck tun. Aber für ein Essen mit Freunden taugt er nicht. Gemüsesuppe gibt es samstags, als Resteessen, weil man nicht aufwendig kochen will. Denn am Sonntag gibt’s den großen Braten – wenn Freunde kommen. So sieht es aus.

 

Feinschmecker Goethe wusste Bescheid

Gegen die verschwurbelte Moral im Dossier ist das hier also das flammende Plädoyer eines Slow-Food-Mitglieds für gutes Essen: Esst so gut, so hochwertig, so aufwändig wie möglich, wann immer es angezeigt ist. Kauft teures Fleisch aus artgerechter Tierhaltung, und Bio-Gemüse, kocht nach den Regeln der Kunst und strengt euch dabei an! Speziell dann, wenn Freunde kommen.

Natürlich kann das – aus vielen Gründen – nicht jeden Tag sein. Und aus vielen Gründen ist weder Verschwendung angezeigt noch, dass jeder Mensch auf der Erde jeden Tag der Völlerei frönt (mit Freunden). Aber wenn wir – ja, wir alle! – hochwertiger essen, weniger billigen Schrott kaufen und öfter und besser kochen, reguliert sich vieles, was Konsum, Verschwendung und Nachhaltigkeit angeht, garantiert von selbst.

Zu behaupten… nein, ich wiederhole den Quark nicht, den ein unbedachter, hoffentlich nur temporär verstrahlter Texter in die Welt gesetzt hat. Ich zitiere lieber Goethe. Der war auch ein ausgemachter Moralapostel, aber außerdem notorischer Feinschmecker und Rheinwein-Trinker. Der wusste, was die Lebensqualität wirklich hebt. Und schrieb in seiner Ballade „Der Schatzgräber“:

„Trinke Muth des reinen Lebens!

Dann verstehst du die Belehrung,

Kommst, mit ängstlicher Beschwörung,

Nicht zurück an diesen Ort.

Grabe hier nicht mehr vergebens!

Tages Arbeit, Abends Gäste!

Saure Wochen, frohe Feste!

Sei dein künftig Zauberwort.“

©Johanna Bayer

    Das Slow-Food-Magazin, Ausgabe 1/2015, im Oekom-Verlag. Oder am Kiosk.

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