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Mediterran meets Bavaria – ein Besuch in der historischen Fasanerie München-Moosach

Die Fasanerie, einst ein gutbürgerliches Wirtshaus mit Biergarten, verwandelt sich unter der neuen Leitung in ein echtes Schmuckstück, Motto: „Mediterran meets Bavaria“. Das Konzept: elegant und leicht statt nur deftig, mit italienischer Note und viel Geschmack. (Blogger-Einladung der Fasanerie)

Der Frühling soll jetzt endlich kommen, heißt es. Dazu bieten Entdeckungen aus den letzten Wochen ganz hervorragende Aussichten, denn in diesem Winter durfte die Chefin von Quarkundso.de die Fasanerie in München-Moosach kennenlernen.

Früher war das ein gutbürgerliches Restaurant nebst Biergarten, idyllisch gelegen zwar, aber halt ein Biergarten mit entsprechender Kost: Brotzeit, und Deftig-Bayerisches. Jetzt hat sich eine Gastronomin in den Kopf gesetzt, aus der Schwemme ein elegantes Restaurant zu machen.

Das Haus selbst ist auf jeden Fall ein Schmuckkästchen, es gehörte früher zur Nymphenburger Schlossanlage. Es stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert, steht unter Denkmalschutz und hat daher seine barocken Proportionen behalten. Die fürstliche Fasanenzucht, die hier betrieben wurde, gibt es sogar seit 1596: Bis zu 700 Fasane wurden jährlich für das herrschaftliche Jagdvergnügen aufgezogen.

Nun waren im Winter neben Quarkundso.de 15 Blogger eingeladen, das Haus zu besichtigen und im Restaurant Probe zu essen. Die Führung durch die Räume übernahm Chefin Martina Meise persönlich, und der Gang durchs Haus geriet gleich zu einer kleinen Schlossführung: Im Eingangsbereich ist nämlich eine Wand mit einem bezaubernden Fasanenmotiv tapeziert, stilecht wie in alten Jagdschlössern mit ausgestopftem Fasan an der Wand.

Flur, links Wand mit Tapete, auf der Fasanen zu sehen sind, Blogger fotografieren sich gegenseitig

Entree mit Fasanen: Alles stilecht wie im Jagdschloss. In gekonnter Pose vor der Tapete: Karl Fröhlich, Gut Essen in München.

Ausgestopfter Fasan an der Wand

Das Symbotier im Flur: ein ausgestopfter Fasan

Elegant-rustikal mit noblem Touch und sicherem Geschmack

Menschen am Tisch, vorne links Frau mit langen blonden Haaren.

Martina Meiser (links vorne) erzählt von der Geschichte des Hauses.

Ins Kaminzimmer im Erdgeschoss konnten wir leider nicht, denn dort tagte gerade der örtliche Rotary-Club.

Diese Klientel weiß bekanntlich, wo es gut ist, das ließ für den Gesamteindruck schonmal hoffen.

Oben gibt es ein Biedermeier-Zimmer, ein Jagdzimmer und das Fasanerie-Zimmer, jeweils mit Platz für 50 Personen, schönen breiten Bodendielen und mit altem Kachelofen.

Alles ist elegant-rustikal mit noblem Touch, aber modern interpretiert und zieht sich als schlüssiges Stilkonzept durch alle Räume.

Jedes Zimmer hat seine eigene Farbe, abgestimmt auf die historischen Räume in Türkis-, Grün- und Blautönen.

Und Martina Meiser sagt, dass sie dafür keinen Innenarchitekten engagiert hat: Die Ideen und Farbkonzepte stammen von ihr selbst, sie hat auch die historischen Lampen, die Vorhänge und die Bezüge der Sitze ausgesucht, als nettes Detail hüllen diese sogar die Speisekarten ein.

Respekt, das Ergebnis beweist sicheren Geschmack, dazu kommen Highlights wie die grandiose Kassettendecke aus einem alten Bauernhaus, die Meiser hat einbauen lassen. Größere Gruppen wie Hochzeitsgesellschaften können in der geräumigen Tenne feiern, in der moderne italienische Lampen interessante Kontraste setzen.

Blick auf Decke im Raum, eingebaute Schmuck-Kassettendecke mit barocken Ornamenten

Die historische Kassettendecke hat Martina Meiser aus einem alten Bauernhof geholt.

 

Küchenstil: Bayerisch-Mediterran

Mit Geschmack wagt sich dann das Küchenteam des Hauses weit nach vorne. Denn das Motto in der neuen Fasanerie lautet „Mediterran meets Bavaria“. Das klingt auf den ersten Blick gewagt, schließlich handelt es sich um die Gipfel der Einfachheit und der klaren Aromen einerseits und die Heimat des Deftigen andererseits.

Erschwerend für die Beurteilung kommt hinzu, dass die Chefredakteurin von Quarkundso.de im Allgemeinen keine Freundin der Crossover-Küche ist. So ein Mix kann schwer daneben gehen und selbst perfekt zubereitete Edelzutaten ruinieren. Dazu genügen die Klassiker exotisches Obst, Kokosmilch und klebrig-süße Balsamico-Creme in beliebiger Kombination, womit man schon in 80 Prozent aller Landgasthöfe rechnen muss.

Andererseits haben gerade Bayern und Italiener einige Gemeinsamkeiten, auf denen sich aufbauen lässt, zum Beispiel die Liebe zum Schwein – in Bayern als Braten und Haxen, in Italien als Schinken und in zahlreichen Wurstspezialitäten.

Nach frischen, würzigen Bruschette präsentierte Küchenchef Piersandro Pieli daher einen Teller, den er als „Praline vom Spanferkel“ ankündigte, kombiniert mit rosa gebratenem Thunfisch im Sesammantel.

 

So viel Wurst wagt der Deutsche nicht

Teller, Stück Thunfisch mit Sesamkruste, Deko, runde Scheibe Wurst, schwarze Bohnen

Der Vorspeisenteller mit Cotechino, Thunfisch und dem genialen Rotkraut – das Highlight des Menüs.

Die Ferkel-Praline entpuppte sich als traditioneller Cotechino, eine norditalienische gegarte Wurst mit ordentlich fettem Schweinefleisch samt Schwarte.

Das Ganze war butterzart und schmolz auf der Zunge dahin – eine für den modernen deutschen Gaumen fast suspekte Köstlichkeit.

So viel Wurst wagt der Deutsche gar nicht mehr.

Aber die Italiener lassen sich ihre Spezialitäten zum Glück nicht verderben und wissen, dass es das Fett ist, was die Wurst gut macht.

Zwischen dem Thunfisch und der Wurstpraline thronten Beilagen, nämlich schwarze Bohnen – italienisch – und Rotkraut, eher bayerisch.

Auch ein wenig Asien war im Spiel, denn das Kraut war in Weißwein blanchiert, danach in Essig und Ingwer mariniert und leicht fermentiert worden, wie Quarkundso.de durch gewohnt hartnäckige investigative Recherche erfuhr.
Die Kombination war der Knaller.

Alles passte sowohl zum Thunfisch als auch zur warmen Schweinewurst grandios und diese Vorspeise, wir sagen es gleich, war das absolute Highlight des Menüs.

Das Rotkraut brachte etwas Frische und durchstach das zarte Fett der Wurst, die Bohnen verliehen dem Thunfisch Üppigkeit, die Ingwer-Note war sehr dezent und harmonierte nicht nur mit der Wurst, sondern auch mit dem Fisch und seiner Sesamkruste. Das war gewagt und gewonnen, was in der Fusion-Küche eher selten vorkommt.

 

Perfektion mit Konzession

Das Hauptgericht bot vor allem eine Konzession an den hiesigen Stil: ein schönes Steak mit Rotweinsoße, Kürbisgnocchi und Backpflaumen.

Über nichts an diesem Hauptgang konnte man meckern, wirklich nicht.

Nur dass der deutsche Gast energisch sein Obst zum Fleisch fordert, was dem Italiener fremd ist.

Der Deutsche erwartet außerdem, dass die Gnocchi mit auf dem Teller liegen.

Das ist unüblich für Italien, wo Teigwaren ein eigener Gang sind und das Fleisch als Hauptgericht der alleinige Star auf dem Teller ist. Aber gut, der Wurm muss auch in Bayern schließlich dem Fisch schmecken.

Daher häufte das Küchenteam das perfekt gebratene, exzellente Fleisch auf einen Berg Kürbisgnocchi und türmte obendrauf die obligate Obstsoße, nämlich Pflaumen in Rotweinreduktion.

Da das Team etwas kann und offen ist für Nachfragen und Wünsche, werden wir beim nächsten Besuch einfach unsere Sonderwünsche anbringen: Bitte kein Obst zum Fleisch, bitte die Soße nebendran, und bitte nicht alles aufeinander stapeln, danke.

Wir sind sicher, dass man unseren Wünschen entsprechen wird – schließlich handelt es sich um eine echt italienische Mannschaft, was an dem liebenswürdigen Service und dem lockeren Humor spürbar war, mit dem der ganze Tisch umsorgt wurde.

 

Liebevoller Service, lockerer Humor und Preisgünstiges für Familien

Für Familien gibt es im Übrigen auch preiswerte Nudelgerichte wie Lasagne, Pizza oder Spaghetti mit Tomatensauce auf der Karte. Und der Rest stimmt auch – die recht umfangreiche Weinkarte mit deutschen, österreichischen und natürlich italienischen Weinen sowie Grappa vom Gardasee und Edelbränden von Gierer.

Der schön angerichtete Desserteller bot zum Abschluss „Dolce mista“ mit Panna Cotta, Schokomousse und Vanilleschaum, auf speziellen Wunsch gab es für Quarkundso.de auch einen restsüßen Riesling. Zum Trost für die Pflaumensoße. 

Das alles macht  – abseits von persönlichen Vorlieben der Chefredakteurin – deutlich, dass die Küchenmannschaft gewillt ist, sich auf die Gäste einzustellen. Und das ist das Allerwichtigste.

©Johanna Bayer

Die Fasanerie in München-Moosach, Hartmanshofer Straße 20

Weißer Teller, Vanillsauce, Stück Sahnepuddiing (Panna Cotta), Schokoladenmousse, Garnitur

Dessert: Dolce mista – einmal alles, bitte.

Silberner Brotkorb in Form von Küchensieben Schönes Detail: die Brotkörbchen in der Form von Küchensieben.

Weiße Tür, links und rechts beleuchtet

Stilvoll von Anfang an: der Eingang

Großer Saal, Tische, Stehtische mit weißen Hussen

Die Tenne mit Tischen und Stehtischen, schön für Empfänge und große Gesellschaften. Im Sommer kommt man von hier aus auch in den Garten.

Tapete mit Fasanen

Die Fasanen-Tapete im Flur samt Chefredakteurin nach dem Essen in bester Laune.

 

Blogparade: Was ist schlecht an guter Butter – von Lurpak? Oder: Wie Blogger sich von multinationalen Konzernen kaufen lassen.

Foodblogger nehmen gerne an Blogparaden teil – und übernehmen dabei oft unkritisch die Botschaften der Hersteller. So ist der Buttermarke Lurpak 2015 ein schöner Coup gelungen: Dutzende Foodblogs verbreiteten das kitschige Bild von reiner, nordischer Butter. Dabei ist Hersteller Arla ein internationaler Milchmulti, der Massenviehhaltung fördert. (Beitrag vom 30.6. 2015)

Es ist viel von Schleichwerbung im Netz die Rede. Das ZDF-Magazin Frontal 21 hat am 2. Juni 2015 einen Beitrag gebracht, in dem es um gekaufte Blogger, verführte Kinder und Schmu in Videos ging. Also darum, was landläufig als Schleichwerbung bekannt und in Deutschland, aber auch anderswo verboten ist.

Schließlich heißt es bei uns im Pressekodex, im Rundfunkstaatsvertrag und im Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, dass Werbung und entsprechende Absichten klar gekennzeichnet und in Medienerzeugnissen vom redaktionellen Teil getrennt werden müssen. So ungefähr.

 

Anfänger in der Falle

Im ZDF-Beitrag kommen dazu Presserechtler, Journalisten, Blogger und Experten von den Landesmedienanstalten zu Wort, die bedauern, dass harmlose Netzteilnehmer den Konzernen und spezialisierten PR-Agenturen auf den Leim geht. Und zwar, weil die meist jugendlichen Video- und sonstigen Blogger „unausgebildete Medienschaffende“ sind, ohne Erfahrung und auf skrupellose Weise naiv. Die freuen sich einfach, wenn man ihnen Sachen schenkt und Geld gibt. Dafür plappern sie alles nach, was die Geldgeber von ihnen verlangt.

Zum Beleg gibt es im Beitrag Interviews, und es ist fast niedlich, wie manche offen zugeben, dass sie sich nicht an die Regeln und Gesetze halten. Weil das ja eh keiner macht und man sonst ganz Instagram verklagen müsse, findet etwa eine unbefangene Fitness-Bloggerin.

 

Nichts ist geschenkt

Auf jeden Fall schließe ich mich der Kritik des ZDF an: Schleichwerbung im Netz geht nicht, und das Internet als rechtsfreien Raum zu betrachten, in dem keine Regeln gelten, geht erst recht nicht.

Ich möchte sogar noch nachlegen: Ich fordere, dass diese unerfahrenen, unausgebildeten Medienschaffenden kein Geld mehr bekommen, und keine Geschenke. Stattdessen sollten die Erfahren und Ausgebildeten Geld scheffeln.

Solche wie ich. Mir gibt keiner was, jedenfalls nicht einfach so. Und selbst wenn ich richtig arbeite, also nicht gerade blogge, bekomme ich nie so viel Geld, wie ich es für angemessen halte. Geschenkt gibt es schon gar nichts. Das ist ungerecht. Dabei sollte doch in der schönen neuen Welt der sozialen Medien alles geteilt werden!

 

Die Ehrlichen sind die Dummen

Scherz beiseite – wie immer sind die Ehrlichen die Dummen. Das sieht man auch an korrekt gekennzeichneter Werbung im Netz, etwa bei den beliebten Blogparaden.

Eine Blogparade ist eine Art Themenaufruf für Blogs. Wenn das eine Firma oder ein Konzern macht, dann bringen thematisch passende Blogs einen Beitrag und bewerben darin das Produkt, stellen es vor oder verlinken auf die Firma oder machen anders den Markennamen bekannt.

Dass es sich um Werbung handelt, soll dabei meist erwähnt werden, die guten Blogs machen das auch. Oft ist es ein Wettbewerb, und fürs Mitmachen oder Gewinnen gibt es Geld oder andere Gewinne. Das Ganze ist ein ziemlich cleveres Marketing-Konzept und wird von Bloggern gerne angenommen, auch von Food-Bloggern.

Und damit landet die Causa bei Quarkundso.de, in der zuständigen Abteilung „Augen auf im Supermarkt“, Unterabteilung gesunder Menschenverstand.

 

Gute Butter: die Lurpak-Blogparade

Denn gerade gab es die Lurpak-Blogparade, am 6. Juni ging sie zu Ende und viele tolle, große Food-Blogs haben mitgemacht. Aber wer oder was ist Lurpak? Kann man das essen? Oder wickelt man darin Fisch ein? Vielleicht trägt man auch Tiefkühlkost damit nach Hause oder polstert in Paketen Flaschen ab?

Für die, die es nicht wissen: Lurpak ist Butter. Dänische Butter. Dänemark ist ein kleines Land, und die Lurpak-Hersteller wollen in Deutschland ihre Buttermarke bekannt machen, also mehr davon verkaufen. Ein legitimes Interesse, weswegen sich die Dänen eine Blogparade ausgedacht haben: Was macht ihr aus leckerer Butter? Mit Lurpak-Butter? Was fällt euch an kreativen Rezepten ein, mit köstlicher dänischer Butter?

Viele Ehrliche und möglicherweise einige Dumme haben mitgemacht. Sie haben Rezepte geschickt, Fotos gemacht und Fragen beantwortet: Warum sie „Food-Lover“ sind, welches Gericht sie an einem „miesen Tag wieder glücklich“ macht, welche kulinarischen Entdeckungsreisen in Landesküchen sie gerne unternehmen, und ob sie eher nach Rezept oder spontan draufloskochen.

 

Lurpak_Regal

Silbernes Papier, internationaler Wiedererkennungswert, so präsentiert sich die dänische Butter. Gibt es auch oft im Flugzeug.

Perlen der Produktlyrik

Es waren bekannte Food-Blogs dabei, darunter Feines Gemüse, Nicest Things und die geschätzte Conny Wagner mit ihrer Seelenschmeichelei. Das sind Blog-Schwergewichte mit zigtausenden von Seitenaufrufen im Monat. Vor allem die großen, gut gemachten haben klare Aussagen zu Werbung und Angeboten von Firmen auf ihrer Seite – dass sie auswählen, mit wem, und auf welche Weise sie kooperieren.

Vorbildlich kennzeichnen die meisten auch ihre Teilnahme an der Lurpak-Blogparade und die Kooperation. Wobei allerdings manche dabei redlicher sind als andere. Die erwähnen die Parade erst gar nicht, bewerben das Dänenfett ausgiebig in Text und Bild, und bringen ganz am Ende mal ein ganz kleines Sternchen an: Ach, übrigens, das war Werbung, zwinkert zum Beispiel zuckersüß eine Trickytine auf ihrem Blog.

Das ist schon hart an der Grenze, zumal gerade dieser Parade-Beitrag nicht nur von Butter trieft, sondern auch von Gefühligem wie Mama, Heimat, Kindheit und Küchenglück.

Aber im Großen und Ganzen sind die schönsten nur denkbaren Rezepte und Fotos herausgekommen, von Törtchen, Zöpfchen und Cremchen bis zu pochierten Eiern mit Hollandaisesauce (genial gemacht von der geschätzten Conny Wagner).

Dazu gibt es Perlen der Produktlyrik, zum Beispiel diese von „Feines Gemüse“:

Der Hefezopf ist mein Beitrag zur Blogparade von Lurpak-Butter, einer dänischen Butter mit über 100 Jahren Tradition, die seit kurzem auch in Deutschland erhältlich und für uns Verpackungsopfer („Oh, guck mal, die kleinen Blöcke! Silbernes Papier! Und die Lettern!“) ein Highlight ist.

Ganz im Sinne von Lurpak bin auch ich der Meinung, dass das „spektakulär Einfache“ viel öfter Platz auf unserem Teller haben sollte, denn guter Geschmack kommt ohne viele Zutaten, ohne viel Brimborium, ohne Schnick und Schnack aus.

 

Fette Beute für die Marketing-Abteilung

Ich sehe förmlich vor mir, wie sich die Lurpak-Marketingstrategen dabei die Hände reiben. Denn die erzielen mit der Blogparade eine riesige Reichweite, bringen ihre Fettklötze unters Volk und bekommen mit dem Fragebogen auch noch Big Data von Konsumenten und Netz-Idolen – Influencern, wie man so schön sagt. Im Premium-Segment. Das ist ein dicker Coup.

Lurpak ist nämlich teurer als das, was sonst so als Butter über den Ladentisch geht. Nur merkt es der Kunde nicht gleich. Das Päckchen kostet so um 1,79 Euro, so viel wie andere hochwertige Buttermarken oder Biobutter. Aber bei Lurpak sind nur 200 Gramm drin, und nicht 250 Gramm, wie sonst üblich. Guter Trick – nicht teurer als die Konkurrenz, aber kleinere Packung, zack, 20 Prozent Preisvorteil für den Hersteller.

 

Regal_Premium

Im Kühlregal: links Delikatess-Butter aus der Normandie, rechts Lurpak. Die Dänen lassen sich unter den teuren Spezialitäten platzieren – zu Recht?

 

Alles so Bullerbü

Warum macht ein Food-Blog das mit?

Ja, warum nicht! Das ist die zwingende Gegenfrage. Erstens gibt es ja Geld. Das ist keinesfalls zu verachten und als solches nicht ehrenrührig. Zweitens unterstelle ich noch Folgendes: Würde Knorr anklopfen mit Tütensuppen, oder Müller-Milch mit einem neuen Grusel-Shake, würden diese Food-Blogger abwinken.

Aber Butter, gute Butter! Das ist doch ein tolles Produkt, ehrlich, echt und unverfälscht, aus weißer, reiner, nordischer Milch, aus Skandinavien, wo alles so niedlich ist, so Bullerbü, und in Pastell! Da kann man guten Gewissens mitmachen. „Mit größter Freude und voller Überzeugung“, wie die geschätzte Conny Wagner über ihre Teilnahme schreibt.

Vielleicht dachten sie sowas.

 

Ein globaler Milch-Multi

Dazu hier in dürren Worten die Aktenlage:

  • Lurpak ist die Buttermarke von Arla.
  • Arla ist ein dänischer Großkonzern, Jahresumsatz 2014: rund 10 Milliarden Euro.
  • Zu ihren Marken gehören auch Buko (Frischkäse) und Kaergarden (Streichfett).
  • Die Buttermarke Lurpak ist Marktführer in England, den USA und weiteren Ländern.

Das heißt: Die Dänen, ein kleines nordeuropäisches Rand-Land mit nur 5,5 Millionen Einwohnern, beliefern die angelsächsische Welt und viele andere Länder mit Butter.

Wie machen die das? Dazu gleich mehr. Erstmal ist Arla aus Sicht von Arla leider bisher nur die

  • siebtgrößte Molkerei der Welt
  • die fünftgrößte in Europa
  • und lediglich die drittgrößte in Deutschland, noch nicht ganz gleichauf mit dem notorischen Theo Müller. Vorne behauptet sich Nestlé.

Damit wollen sich die Dänen nicht zufrieden geben. Sie wollen ganz nach oben und noch mehr Märkte beherrschen. In Deutschland wollen sie Marktführer werden, in Ländern mit Milchwirtschaft werben sie überall Milchbauern an und sichern sich für ihren Feldzug den Nachschub, also hohe Milchmengen.

Neulich haben sie sich im Allgäu eingekauft, auch in Spanien, Polen, Russland, sogar in der Mongolei. Es geht um nichts weniger als den ganz großen globalen Markt, um China und Indien, um die USA, Europa – um die Weltherrschaft im Milchsektor.

 

Angriff auf Europa

Daher hat Arla kurz vor dem Fall der Milchquote in der EU seine Attacke gestartet. Die Milchquote, das war eine Beschränkung aus den Zeiten von Milchsee und Butterberg. Die Quote hat verhindert, dass die Preise ins Bodenlose fallen und Riesenbetriebe die Kleinen verdrängen. Seit absehbar war, dass diese Begrenzung Ende April 2015 ausläuft, haben die Arla-Manager wohl geplant, wie sie den lukrativen europäischen Markt angehen.

Seit Ende 2014 rollen sie ihn über Food-Blogger und die Social-Media-Szene auf, über Supper Clubs, Open Kitchen, Blogparade, und atemberaubende (wirklich!) Werbefilme (die kann man sich auf Youtube mal ansehen, rein der Kunst wegen).

Das alles gehört zu einer akribisch geplanten Offensive in Richtung kaufkräftige Konsumenten, Trendsetter, Influencer – Leute, die kochen und viel Geld dafür ausgeben. Davon gibt es viele in Europa, und hier wollen die Arla-Manager ihre Butter als „Premium-Marke“ installieren.

Aber nicht nur deshalb drängen die Dänen auf den deutschen Markt. Sondern auch, weil hier, in Nord- und Mitteleuropa, die größten Möglichkeiten zur Produktionssteigerung bestehen. Im Marketingsprech drückt das sehr schön DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer in einer Pressemitteilung des Milchindustrie-Verbandes:

Er sehe

„große Chancen für die Milchviehhalter durch den freien Milchmarkt. Frei von Quotenkosten können Strukturen weiterentwickelt und die Produktion modernisiert werden. Die europäische Milchproduktion verstärkt sich an den wettbewerbsfähigsten Standorten, zu denen sicher Deutschland gehört, weil die Stückkosten niedrig und die Veredelung der Milch in wertvolle Produkte für nationale und globale Märkte durch einen leistungsfähigen nachgelagerten Bereich gelingt. „Made in Germany“ wird auch bei Milchprodukten ein globaler Renner“.

Beste Bedingungen für die Massentierhaltung

Was das heißt? Nun, hier, in Deutschland, Polen, Dänemark, England, Holland, Schweden und anderswo, können die Bauern massenweise Kühe in Ställe pferchen und deren entzündete Monstereuter mit Medikamenten behandeln lassen, denn hier gibt es das notwendige kühle Klima für die Kühe und für Massenställe, aber auch genügend Wasser und gute Kläranlagen für den Mist. Obendrein gibt es Subventionen für die Landwirtschaft und billigen Strom.

Das sind ideale Bedingungen. Die Standorte von Arla, sagen wir mal, im Nahen Osten, etwa in Saudi-Arabien, wo sie es auch probiert haben, sind da nicht so günstig gelegen.

 

Woher kommt die gute Lurpak-Butter?

Die Milch für die gute Lurpak-Butter kommt laut Lurpak vornehmlich aus Dänemark. Zumindest wird die Butter dort produziert. Dass wirklich nur dänische Milch drin soll, kann man sich kaum vorstellen, bei den Mengen. Ein Anruf bei Lurpak ergab nur das etwas dehnbare „Jaaaaa, also, die wird da hergestellt.“ Nichts weiter. Na gut, lassen wir das so stehen.

Da aber die dänischen Bauernhöfe, pardon, die Unternehmer, ja ihre „Strukturen weiterentwickeln“ und die „Produktion modernisieren“ müssen, bedeutet das in der Praxis: Gefördert werden große Massenbetriebe, und praktisch alle diese Arla-Kühe stehen im Stall, auf Betonboden, in Intensivhaltung. Den Käufern wird auf der Arla-Homepage in Videos und Diashows vorgegaukelt, dass die Kühe das ganz toll finden.

Sicherheitshalber wird der Konzern gleichzeitig nicht müde zu betonen, dass er sogar der weltgrößte Bio-Milchproduzent ist. Aber die Lurpak-Butter ist nicht bio. Lurpak wird konventionell erzeugt – nach hauseigenen Qualitätskriterien, auf die der Konzern großen Wert legt. Schließlich handelt es sich um ein teures „Premium-Produkt“.

 

Hohe Standards à la Weltkonzern: Genfutter und Augenwischerei

Schauen wir uns die hohen Standards an, zum Beispiel zum Futter

Livestock may only be given feed that complies with the relevant legal requirements.

Toll! Zugelassen ist nur Futter, das den geltenden gesetzlichen Vorgaben entspricht. Das ist schon was ganz Besonderes, gerade bei der als verschlagen bekannten Bauernschaft, oder? Vor allem spricht diese Orientierung am Gesetz nicht nur für das Qualitäts-, sondern auch für das Rechtsempfinden des Konzerns.

Ähnlich hoch sind die Arla-Richtlinien bei Genfutter. Gentechnisch verändertes Futter fressen ungefähr 70 Prozent aller Milchkühe, das sind praktisch alle, die in Massenställen auf Milchleistung getrimmt werden. Das Importfutter stammt aus den USA, Brasilien oder sonstwo und besteht inzwischen sogar mehrheitlich aus gentechnisch verändertem Mais und Soja.

Die Fütterung von Tieren mit Genfutter ist in der EU erlaubt und übrigens nicht kennzeichnungspflichtig. Beim Anbau von gentechnisch veränderten Futterpflanzen ist man in der EU ja bekanntlich noch nicht so weit. Aber die Sache ist den Strategen bei Arla schonmal eine vorsorgliche Regel strengsten Ausmaßes wert:

The cultivation of genetically modified (GM) crops must comply with all applicable legal requirements.

Ich bin mir nicht sicher, ob derlei sinnfreie Verkaufskosmetik wirklich das Image des Konzerns verbessert. Oder ob es irgendjemanden beruhigen kann, was den Anbau von Genmais in unseren Breiten bedeuten könnte.

Aber ich gehe davon aus, dass nicht nur der eine oder andere Blogger jetzt schluckt – mit Gen-Futter ernährte Kühe geben die Milch für Lurpak-Butter? Womöglich sind gentechnisch veränderte Organismen in der guten dänischen Butter? Überhaupt in allen Milchprodukten, die hier auf dem Markt sind?

Davon möchte man lieber nichts wissen. Und doch ist es so.

Wobei das Bundesamt für Risikobewertung seit Jahren hoch und heilig verspricht, dass der flächendeckend verfütterte Genfraß sich nicht auf die Milch auswirkt. Er ist auch weder kennzeichnungspflichtig noch nachweisbar.

Aber Fakt ist: Die Milchkühe in großen Betrieben fressen überall Genfutter. Und globale, strikt wachstumsorientierte Konzerne wie Arla fördern große Betriebe und Intensivhaltung – mit der Turbo-Kuh, die immer mehr Milch geben muss. Sonst rechnet sich das Ganze nicht, und „Wachstum“ gibt es auch nicht.

 

Kühe lieber im Stall einsperren – aus Tierschutzgründen

Wenden wir uns kurz noch dem Tierschutz zu, der bei Arla natürlich auch besonders hoch gehalten wird:

Animals must be provided with adequate quantities of feed and water of good quality.

Es ist schon beeindruckend, mit welcher Stringenz die Argumentation durchgezogen wird: Als hohe Qualitätsvorschrift verkaufen, was sowieso selbstverständlich und geltendes Recht ist – und in dem Fall nur der Minimalstandard (!).

Interessant ist hier aber noch, dass für den Tierschutz scheinbar die Abteilung Marketing und Corporate Identity zuständig ist. Denn in derselben Passage, bei der es um das Wohl der Kühe geht, heißt es weiter:

It is recommended that livestock is allowed to come out and graze on pastures. Grazing animals are easily noticeable to consumers and outsiders, having therefore a very positive influence on the farmers’ and Arla Foods‘ Image.

Das ist so erfrischend einfach, offen und ehrlich, dass es bestimmt auch der dümmste Bauer versteht.

Aber halt. Bei größeren Betrieben, oder so ab 80 Kühen, wird es schon schwierig mit dem Raustreiben auf die Weide. Das kostet Zeit, Geld, verringert die Rendite, und so große Weiden hat kaum einer. Daher schiebt Arla schnell wieder einen Riegel vor das lustige Treiben der Kühe auf der Weide – den Tieren zuliebe, versteht sich:

However, animal welfare is first and foremost. Grazing is no longer beneficial to animals if, for instance, the passageways for the livestock get muddy in rainy periods, which may cause health problems.

Ungelogen, das steht original in den Qualitätsdokumenten von Arla.

 

Der ultimative Warentest von Quarkundso.de

Lurpak wirbt auch sonst noch mit allerlei – alte Tradition, Blindverkostungen für den einzigartigen Geschmack, natürliche, reine Zutaten, Hygiene auf höchstem Niveau. Nur ist das alles genau so wie etwa bei der günstigen Deutschen Markenbutter aus dem Discounter, die 89 Cent kostet. Da gibt es auch Blindverkostungen zur Wahrung der höchsten Qualität, und sie ist das, was man rein und unverfälscht nennt, weil nichts drin ist als Wasser und Milchfett. Das ist normaler Standard für Markenware aus der industriellen Landwirtschaft.

Nun, hämen kann ja jeder – was wäre so ein Bericht ohne einen eigenen Test? Selbstverständlich nach den hohen Qualitätskriterien von Quarkundso.de.

Das Ergebnis für Lurpak: etwas blass, etwas spröde – eindeutig ein Hinweis auf Kraftfutter statt Weide. Denn Butter von Weidekühen ist von Natur aus gelblicher, weil das Gras Farbstoffe in die Milch abgibt, und wegen anderer Fettsäuren ist sie auch weicher und cremiger.

Zwei Stücke Butter auf Teller, nah, das linke ist gelblicher

Links echte Weidebutter, rechts Lurpak – die ist deutlich blasser und hat eine weniger cremige Struktur.

Die Kuh, die die Milch für das Probepäckchen gegeben hat, hat jedenfalls Kraftfutter bekommen, stand wohl lebenslang im Stall und hat kein Gras gesehen. Die Zeitschrift Ökotest sprach in ähnlichem Zusammenhang von „wiesenferner“ Milchproduktion und vom „gehörnten Verbraucher“. Das ist hübsch formuliert und trifft den Eindruck genau.

Im – natürlich streng objektiven – Geschmackstest, verglichen mit einer Demeter-Bio-Süßrahmbutter und einer Weidebutter, kam auch nichts Weltbewegendes heraus: Lurpak ist eine mildgesäuerte Butter, sehr mild, fast wie eine Süßrahmbutter. Den sahnigen Geschmack, mit dem Arla wirbt, hat Lurpak mit anderer Süßrahmbutter gemein, die leichte Frische mit mildgesäuerten Buttersorten. Das ist nichts Besonderes.

Butter und Brot auf einem Teller, von oben

Nicht schlecht, der Geschmack von Lurpak. Aber so gut auch wieder nicht. Oben links: Fettfleck auf Linse, kommt vor beim Butter-Shooting.

Da fährt man mit einem wirklich guten Produkt, das tierfreundlich, regional und in kleinen, nachhaltigen Strukturen produziert wurde, aus mehreren Gründen besser. Auch, weil die echte Weidebutter (mildgesäuert) um Klassen besser und aromatischer schmeckt. Sie ist übrigens auch gesünder.

 

Wann ist Butter gute Butter?

Soweit mal die Aktenlage. Für ein begründetes Urteil muss das Bisherige genügen, und das Fazit fällt kurz aus: Lurpak ist normale Molkereibutter aus Massenviehhaltung und industrieller Großproduktion, die schick verpackt und teurer ist als die Konkurrenz, aber weder besser noch fairer zu Umwelt oder Tieren.

Mit Sicherheit besser ist dagegen Butter von Biobetrieben, denn dort ist Genfutter verboten. Besser als das Dänenfett ist auch jede Butter aus Weidemilch, denn da waren die Kühe wirklich draußen und leben artgerecht. Und immer noch besser als das teure Industriezeug aus dem Norden ist Butter aus kleineren und regionalen Molkereien, die ihre Mitglieder nicht stramm auf Wachstumskurs trimmen.

Ihr wollt Namen? Hier sind sie: Jede Art von Biobutter, etwa von Demeter, Bioland, Naturland, Dennree, sogar von BioBio der Supermarkt-Kette Netto; auch die konventionelle Marke des Bauern-Verbandes Sternenfair kann punkten, wegen der besseren Bedingungen für die Kühe und der gentechnikfreien Fütterung.

Regional arbeitende kleinere Molkereien und Genossenschaften wie Andechser, Sternenfair, Bergader, die Upländer Bauernmolkerei oder Berchtesgadener Land sind aus vielen Gründen sowieso vorzuziehen, und wer echte (und hervorragende) Weidebutter will, kauft Kerrygold aus Irland, gut ist auch ein Konzept aus Österreich unter der Bezeichnung „Heumilch“.

Ach, machen wir´s kurz: Arla hat die großen Food-Blogs schön verschaukelt. Die haben brav Werbung gemacht, was man ihnen kaum übel nehmen kann. Aber es gibt bessere Butter als Lurpak.

 

© Johanna Bayer

 

Lurpak-Werbung auf großen deutschen Food-Blogs, mal mehr mal weniger gut gekennzeichnet.

Hervorragend und korrekt: Die Seelenschmeichelei

Andere:

Nicest Things

Feines Gemüse

Foodlovin.de

trickytine.com

Die Qualitätsvorschriften von Arla, Fassung 4.4. von Januar 2015

Die Zeitschrift Oekotest stellt 2013 die Illusion von weidenden Kühen in Frage und spricht vom „gehörnten Verbraucher“.

Und dann strahlt die ARD in der Reihe ARD-Exclusiv am 20. Juli diese verstörende Reportage über Milch aus Massenproduktion und das Leiden der Milchkühe aus – recherchiert wurde in ganz normalen Betrieben. So sieht das aus.

Geld und so: Ja! Man kann jetzt spenden. Natürlich völlig freiwillig. 1 Euro würde schon reichen, mehr ist möglich – einfach ins Sparschwein stecken.

Das steht mit diesem Bild ganz oben rechts im Menü. Wer draufklickt, landet bei PayPal, braucht zum Spenden aber kein PayPal-Konto.