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Schon wieder Zucker im SPIEGEL – und was wirklich dick macht

Zu Zucker ist eigentlich alles gesagt. Besonders vom SPIEGEL. Aber die Leier mit dem weißen Gift und der unheimlichen Lobby kommt immer wieder, wie in der Titelgeschichte vom 5.4.2018. Quarkundso.de verweist stattdessen auf ein umfangreiches Zucker-Dossier. Und enthüllt, dass sich an die wahren Dickmacher keiner rantraut.

Zuckerzeug – die Aufregung um den Süßkram lohnt nicht. Einfach weniger davon essen. Aus.

Och nöööö, SPIEGEL! Nicht schon wieder die Zucker-Nummer! Das ist doch langweilig.

Es gibt nichts Neues zur Sache, und das Rumreiten auf der angeblichen Lobby-Verschwörung in den USA, wie in der Titelgeschichte vom 5.4.2018 ausgewalzt, bringt für deutsche Verhältnisse nichts.

Es ist auch etwas fade, dass der Autor, SPIEGEL-Redakteur Jörg Blech, in dem Artikel lange Passagen aus seinem 2017 erschienenen Buch aufwärmt.

Dazu montiert er einen Arzt als O-Ton-Geber und einen netten szenischen Einstieg mit Schulkindern – zack, fertig ist die neue Titel-Story im Blatt.

Beides funktioniert übrigens nur mäßig.

Das mit dem zuckerfreien Vormittag in der Grundschule zeigt beispielhaft, wo wirklich die Verantwortung liegt, nämlich bei den Eltern und den Betreibern der Schulkioske.

Der Arzt, Dr. Stephan Martin aus Düsseldorf, den Blech ausgegraben hat, wird vor allem sekundär zitiert, nämlich aus seinem Buch. Aber Blech hat auch mit ihm persönlich gesprochen. Ein Zitat ist im Artikel fett gesetzt

Zucker macht nicht krank?
„Es ist bedauerlich, dass Leute einfach Unwahrheiten von sich geben.“

Kaum ein Mediziner hält was von der Zucker-Hysterie

Stephan Martin ist aber vor allem ein Praktiker und Diabetologe, der einer Low-Carb-Ernährung für Diabetiker anhängt. Es geht ihm um Ernährungsempfehlungen für Diabetiker sowie um Kohlenhydrate allgemein, speziell um Stärke, und nicht um weißen Zucker als Stoff. Die einseitige Konzentration auf Zucker hält Martin nicht für zielführend. In Fachartikeln kritisiert er das alleinige „Anprangern von Haushaltszucker“ wie in der Anti-Zucker-Kampagne einiger Krankenkassen.

Er ist für den SPIEGEL aber der einzige ärztliche Kronzeuge, den Blech aus konkretem Gespräch zitiert. Denn sonst ist wohl kein seriöser Mediziner für die Panikmache der Zuckerfeinde zu haben.

Natürlich sind alle Fachleute dafür, Übergewicht zu bekämpfen und in diesem Zuge weniger Zucker – unter anderem – zu essen. Aber die Hysterie dem reinen Stoff gegenüber teilen sie nicht.

Diese Reserviertheit der Experten liegt auch an den vielen verzerrten Details und der Schwarz-Weiß-Malerei, mit der die Zucker-Gegner in den Ring steigen.

So suggeriert Blech, dass Zucker, den wir essen, hohen Blutzucker macht und die Arterien verklebt, und dass die Lebensmittelindustrie absichtlich Zucker zusetzt, um Menschen zu unkontrollierten Fressanfällen zu verleiten.

Beides ist Unsinn.

 

Indien: Gesunder Zuckersaft

Dass die Hersteller Zucker zufügen, um die Kunden abhängig zu machen und deren Gehirne zu manipulieren, ist eine Verschwörungstheorie reinsten Wassers und kommt kurz hinter Chemtrails.

Ja, die Industrie tut Zucker rein. Und zwar überall dort, wo die deutsche Hausfrau und der durchschnittliche Koch auch Zucker reintun. Die Rezepte funktionieren übrigens ziemlich gut, und sie wurden über Jahrtausende erprobt: Zuckerbäcker waren schon im alten Indien und im Arabien des Harun Al Raschid eine angesehene Zunft.

Tatsächlich gilt Zuckersaft, frisch gepresst aus Zuckerrohr, noch heute in Indien als gesund, nämlich als gut für die Nieren, wirksam gegen Krebs, ausleitend und reinigend, gemäß ayurvedischen Prinzipien. Auf Märkten stehen die Menschen dafür Schlange, wie Quarkundso.de auf Recherchereise dokumentieren konnte.

Und ja, in Europa sollte man natürlich nicht so viel Rübenzucker essen. Das liegt daran, dass hier der Ernährungsstil viel üppiger ist als in Indien und man schnell dick wird. Es stimmt auch, dass – im Schnitt – alle zu viel Zucker zu sich nehmen, und viel mehr davon essen als früher überhaupt möglich.

Doch die Lösung dafür ist einfach: weniger Süßes essen. Das ist alles.

Hier noch die Beweisbilder von einem Marktstand mit Zuckerrohr im südindischen Goa. Der Zuckersaft, versetzt mit ein paar Tropfen Limette, schmeckt übrigens köstlich.

 

 

 

Welcher Zucker verklebt das Blut?

Um das zu erreichen, muss man sich halt am Riemen reißen. Und auch die eigene Küchenpraxis, eigene Geschmacksgewohnheiten, Alltagsrituale wie „Naschen“ oder den „kleinen Hunger zwischendurch“ in Frage stellen.

Produkte, die die Industrie auf den Markt wirft, nutzen nur die eigenen Schwachstellen und sind schlicht das, was die Kunden auf Teufel komm raus verlangen. Denn so sieht es aus: Der Deutsche will die süße Note, und zwar in allem, von Salatdressing über Rotkraut und Gewürzgurken bis zur Tomatensuppe.

Wir können gar nicht genug dagegen polemisieren, und speziell für die Chefin von Quarkundso.de  ist dieses Süßgepansche in allen Speisen die Pest. Allerdings ist das vor allem eine Geschmacksfrage. Es geht nicht um Zucker als Stoff.

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Was den Zucker im Blut aber angeht: Der kommt vom Überessen, und zwar auch, wenn Menschen, speziell Übergewichtige, keine Süßigkeiten in sich reinstopfen. Man kann sich die Kilos und die darauf folgende Insulinresistenz nämlich auch mit Brot und Nudeln, Fleisch, Wurst und Obst (so gesund!) anfressen.

Der Körper wandelt, was Herrn Blech sehr wohl bekannt ist, alle Kohlenhydrate wie Stärke, aber auch Eiweiß in Blutzucker – Glukose – um, vermutlich sogar gespeicherte Fettsäuren.

Man muss für einen hohen Blutzucker also keinen Rüben- oder Rohrzucker, Saccharose, gegessen haben. Ernährungsprotokolle von Medizinern beweisen das: Sie zeigen, dass schwer Übergewichtige oft wenig Süßes essen, dafür aber allerlei anderes, darunter vor allem Wurst, Nudeln, Obst und Brot.

Und das oft und viel. Das ist das Problem. Und nicht der weiße Haushaltszucker.

 

Statt Zucker: gepimpte Süßmittel aus Genmais

Wir von Quarkundso.de wollen uns daher mit dem aufgewärmten Buchkapitel, das der SPIEGEL als aktuelle Titelstory verkauft, nicht weiter abgeben.

Auch halten wir Zucker in der Küche für unentbehrlich – und Gott bewahre uns vor künstlichen Ersatzstoffen wie dem gepimpten Fruktosesirup aus genmanipuliertem Mais oder synthetischen Süßmitteln wie Sucralose, die ebenfalls aus Genmais gebastelt werden.

Beide Stoffe sind zwar inzwischen in der EU zugelassen, aber zu Recht umstritten, weil sie neu sind für den Organismus und der Mensch nicht an sie angepasst ist. Dagegen ist echter Zucker ein Waisenkind. Und er ist auch geschmacklich überlegen, was Tests immer wieder ergeben.

Wer aber auf Zucker als „gefährlicher Substanz“ so herumreitet wie Jörg Blech, der provoziert, was uns im großen Stil droht: Die Industrie sucht chemisch erzeugte Ersatzstoffe, um die Süße zu erhalten, aber „zuckerfrei“ auf ihre Produkte schreiben zu können.

Quarkundso.de empfiehlt daher klar:

Esst lieber echten Zucker.

Wenig.

Aus.

 

Das Zucker-Dossier von Quarkundso.de

Dabei kann es natürlich nicht bleiben. Das ist kein Service. Mit Recht erwarten unsere Leser mehr von Quarkundso.de.

Wir lassen uns da nicht lumpen. Aber weil auch immer Beschwerden über elend lange Textriemen kommen, müssen wir auf die Aktenlage verweisen.

Vielmehr: Wir gehen davon aus, dass unsere Qualitätsleser die Beiträge zu Zucker auf Quarkundso.de kennen. Dazu gehört zum Beispiel der Artikel über die Arte-Doku „Die Zuckerlüge“, auch der Nachschlag zu Zucker und Wurst, als es um angebliche „Grenzwerte“ ging.

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Außerdem der Beitrag über den Fehltritt des NDR vom letzten Winter: Der Sender jagte durch das Netz, dass Zucker auf das Gehirn wirke „wie Kokain“ und dass angeblich „deshalb“ die WHO die Empfehlung zur Zuckermenge geändert habe.

Hier stellen wir die tatsächliche wissenschaftliche Lage dar, was für das Verständnis des SPIEGEL-Titels von Bedeutung sein könnte.

Diese Beiträge sind durchzuarbeiten und werden bei nächster Gelegenheit abgefragt. Die Links dazu stehen – Service! – unten.

Sodann kündigen wir neue Artikel zum Thema an. Es soll eine lose Folge werden, die sich mit Übergewicht und Abnehmen beschäftigt, und den Dingen, die man dafür tun oder lassen, und vor allem weniger essen und trinken sollte.

 

Die Seuche der Zivilisation: Übergewicht

Neben Zucker gilt es nämlich, weitere Übeltäter dingfest zu machen. Es gibt eine ganze Reihe von stillen Killern, die an der Seuche der modernen Zeit, dem Übergewicht, Schuld sind. Aber kaum will sie benennen.

Nur die Weltgesundheitsorganisation, die WHO, hat sich vor kurzem aus der Deckung gewagt und den Versuch gestartet, einen schlimmsten Dickmacher zu brandmarken: Er sollte auf keinen Fall mehr beworben, vielmehr endlich gesellschaftlich sanktioniert werden.

Denn was wird in seiner gefährlichen Wirkung auf das grassierende Übergewicht seit Jahrzehnten verkannt und verharmlost, schon im Jugendalter?

Was wütet in ganz bestimmten Ländern auffallend? Verheerend?

Die WHO hat es Ende 2017 enthüllt. Aber keiner, auch der SPIEGEL nicht, hat sich getraut, das heiße Eisen anzupacken und daraus eine große Story zu machen.

Denn nur Zucker scheint der ausgemachte Sündenbock und willfähriges Opfer – an die großen Dickmacher des Nordens will keiner ran.

 

WHO: Bier macht besonders dick!

Glaskrug mit Bier vor blauem Himmel

Bier: Der heilige Gerstensaft ist laut WHO ein Dickmacher

Einer von ihnen ist das Bier.

Ja, Bier ist ein Problem – und die WHO hat am 29.12.2017 tatsächlich Werbebeschränkungen für Bier gefordert.

Bier macht nämlich besonders dick, sagte eine WHO-Ernährungswissenschaftlerin namens Juana Willumsen der dpa.

Sie ist Expertin für Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen, und sie hat mit Blick auf diese Gruppe nicht nur Werbeverbote für Süßigkeiten, Fastfood und Softdrinks im Auge.

Sondern auch für Bier. Denn das trage zum steigenden Gewicht vieler Erwachsener bei und das Problem beginne schon mit der üblichen Sozialisation im Jugendalter.

Tatsächlich zeigen Zahlen, dass auffallend viele Biertrinker- und Brauerländer wie Deutschland, England und Tschechien in Europa die dicksten Bäuche haben. Sie haben also die größten Probleme mit dem Übergewicht, zugleich mit einem hohen Bierkonsum.

Noch dazu ist Bier die Einstiegsdroge für Alkoholkonsum generell. Auch hier legen die Zahlen Beunruhigendes nahe: Die Länder, in denen viel Alkohol getrunken wird, weisen auch hohe Zahlen beim Übergewicht auf. Zusammen mit Tschechien, England und Ungarn liegt Deutschland auch hier wieder weit vorne.

Weinländer wie Italien und Frankreich dümpeln dagegen zufrieden im Mittelfeld oder weiter unten herum, und zwar sowohl bezüglich des Alkohols als auch bezüglich des Übergewichts.

In einem anderen früheren Beitrag von 2016, als es um Fleisch ging, hatten wir das schon angerissen, geradezu visionär die Position der WHO vorweggenommen. Hier die Originalpassage:

Höchstens halb so viel Bier!
2015 lag der Bierkonsum bei 105 Litern pro Kopf und Jahr – das ist für jeden, vom Baby bis zum Greis, ein Bier am Tag. Was das in absolutem Saufen für die notorischen Feierabendtrinker heißt, mag man sich gar nicht ausdenken.
Dabei ist Bier für die Ernährung höchst nutzlos und noch nicht einmal ein Lebensmittel. Außerdem enthält es nicht nur den giftigen Alkohol, sondern macht auch noch dick und lässt Männern Brüste wachsen. Ab sofort also nur noch die Hälfte: Höchstens jeden zweiten Tag ein Bier, lieber aber überhaupt keins. Das spart Emissionen im Hopfenanbau und wird auch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen empfohlen.

Weniger Bier, davon sind wir überzeugt, könnte das Problem mit dem Übergewicht erheblich entschärfen, vor allem bei Männern in Deutschland. Denn die sind noch häufiger dick als Frauen, was vom wesentlich höheren Alkoholkonsum der Männer wohl kaum zu trennen sein dürfte: Sie trinken doppelt so viel Alkohol wie Frauen, und sechsmal so viel Bier.

 

Die Leier von den Studien und der Eigenverantwortung

Interessanterweise hat aber das Interview, das die dpa mit der Expertin von der WHO führte, praktisch nichts bewirkt. In Deutschland gab es ein paar Meldungen, dann war es sehr schnell wieder still.

Unser Brauhandwerk! Die Tradition! Die Bierkultur! Das Reinheitsgebot!
Ausgeschlossen, dass dieses Fass angestochen wird. Niemand, wirklich niemand hat die Warnung der WHO-Expertin ernsthaft aufgegriffen.

Kein Wunder.

Denn seit Jahren werden die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Alkoholkonsum, speziell dem Biertrinken, von interessierten Kreisen heruntergespielt: Natürlich kommt es auf die Menge an, natürlich gibt es verschiedene Studien, natürlich gibt es Hinweise darauf, dass das alles nicht so ist wie es scheint, dass die Vorwürfe nur auf Annahmen und windigen Korrelationen von Zahlen beruhen, dass mäßiger Alkohol- und Bierkonsum nicht schadet, im Gegenteil, er könnte vielleicht auch nützen, außerdem muss das Leben ja noch lebenswert bleiben und Werbeverbote bringen sowieso nichts.

Es ist dieselbe Argumentationsstrategie, wie sie – als reflexhafte Masche – der Zuckerindustrie vorgeworfen wird: das Herumreiten auf Studien und auf der Lebensqualität, das Pochen auf Eigenverantwortung und Maßhalten, und das Ablehnen von Verboten.

Nur sind beim Bier alle einverstanden. Beim Zucker nicht.

Aber ist der unschuldig-weiße Süßstoff wirklich gefährlicher als Bier, das erwiesenermaßen ein gefährliches Nervengift enthält?

Wohl kaum.

 

„Biertrinker aller Länder, vereinigt euch!“

Aber sogar Ärzte steigen für Bier ins Geschirr: Nach der WHO-Warnung tat das auch ein Mediziner in einem Artikel der Ärzte-Zeitung vom 17.01.2018. Der Internist, überschrieb seinen Artikel mit dem Aufruf „Biertrinker aller Länder, vereinigt auch!“.

Dann führte er die gemischte Studienlage aus, bescheinigte Juana Willumsen und der WHO mangelnde Sachkenntnis (!) und sprach sich, Achtung, allgemein gegen Verbote bei Lebensmitteln und Werbung aus:

„Gewichtszunahme bei Kindern und Erwachsenen ist ein wirkliches Problem, das nicht durch irgendwelche Verbote von Werbung gelöst werden kann. Wichtig ist die Stärkung der Eigenverantwortung jedes Einzelnen…“

Ein bemerkenswerte Position, denn sie richtet sich generell gegen Versuche, die Werbung für Süßigkeiten, Junkfood, Bier und andere Dickmacher von Gesetz wegen einzuschränken. Und das von einem Arzt, in der Ärztezeitung, nicht etwa vom Deutschen Brauerbund oder vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie.

Man kommt ins Nachdenken, wenn man die Argumentation des SPIEGEL-Mannes Blech daneben stellt, der genau das fordert – Verbote und Gesetze, die endlich der Industrie das Handwerk legen, ein energisches Einschreiten der Politik, einen Schutz der Menschen vor den Machenschaften der bösen Hersteller und korrupter, ja, Mediziner und Forscher.

 

Der Arzt, der gegen Werbeverbote ist

Noch mehr ins Nachdenken kommt man, wenn man sieht, welcher Arzt es ist, der sich da im Ärzteblatt gegen Werbeverbote und für die Eigenverantwortung stark macht.

Es ist nämlich Dr. Stephan Martin, der Gewährsmann von Jörg Blech. Ja, eben der, den Blech zitiert. Der Mann ist offensichtlich durchaus gemischter Meinung zu Lebensmitteln im Allgemeinen und zu den richtigen Strategien zur Vermeidung von Übergewicht und Diabetes.

Natürlich war das eine Sache für die Investigativ-Abteilung von Quarkundso.de. Die haben sich gleich festgebissen wie die Terrier und so lange rumgenervt, bis sie Dr. Martin in Düsseldorf ans Telefon bekommen haben.

Das Gespräch ergab, was ein Gespräch mit einem vernünftigen Mediziner ergeben kann: Der Zucker ist es nicht allein, vor allem weniger Kohlenhydrate im Allgemeinen sind wichtig, rät der Spezialist. Dabei hat er Diabetiker und Übergewichtige im Blick, die krank sind und abnehmen wollen.

Wenn jemand gesund und normalgewichtig ist, braucht er sich keine Sorgen um etwas Zucker zu machen, sagt Dr. Martin. Und von Werbeverboten und speziell der Lebensmittelampel hält er tatsächlich nichts.

Das war’s. Damit ist zu Zucker eigentlich alles gesagt. Was sonst noch zu sagen ist, gibt es wie angekündigt in der neuen Serie. Leitmotiv und Arbeitstitel: „Was zum Leben nötig ist – und Produkte, die die Welt nicht braucht“.

©Johanna Bayer

 

SPIEGEL-Titel zu Zucker vom 5.4.2018

Dr. Stephan Martin, Düsseldorf, über die Zucker-Gipfel der Krankenkassen 2017

Das Zucker-Dossier von Quarkundso.de:

Über Arte und die Doku „Zucker-Lüge“

Nachschlag zur Diskussion um die neue WHO-Empfehlung zu weniger Zucker

NDR-Visite und die Behauptung, Zucker wirke im Gehirn wie Kokain

Dr. Stephan Martin in der Ärztezeitung mit dem Aufruf „Biertrinker aller Länder, vereinigt euch!“

Zuckerlüge, Wurstgate – nur Luftnummern? 1x Nachschlag zu Wurst und Zucker, Krebs und Industrie

 

Wie war das noch gleich, im Oktober 2015? Da war doch der große Zucker- und Wurstalarm.; Wurst macht Krebs, Zucker ist Gift, Über beides hat Quarkundso.de ausführlich berichtet. Seitdem ist aber in beiden Fällen nichts passiert. Keine neuen Gesetze, Richtlinien, Verbote, Empfehlungen. Wohl aber eine Dauerdebatte. Die verstört die hilflosen Verbraucher und Esser. Daher muss Quarkundso.de in die Bresche springen – mit dem Nachschlag zum Stand 2017.

 

PB_Wurst_2109025_1280Um Wurst und Zucker herrscht seit Ende 2015  große Aufregung – die WHO bereitete der Wurst ihren 11. September und stufte sie als krebserregend ein.

Kurz zuvor hatte ARTE in der Doku  „Die große Zuckerlüge“ behauptet: Die Industrie streut uns Gift ins Essen und gaukelt uns vor, es wäre gesund!

Danach war Schweigen. Dabei hatte sich gerade ARTE die größte Mühe gegeben, einen Aufschrei zu provozieren und die von der Zuckerindustrie angeblich gekauften Politiker und Gesundheitsschützer endlich zum Handeln zu bewegen.

Aber erstens kam die Wurst dazwischen. Die Meldung der WHO zur Krebsgefahr durch rotes Fleisch und Fleischwaren erschien 2015 nur zwei Wochen nach der Ausstrahlung der pompösen Zuckerlügen-Doku.

Falls da gerade einige Politiker aus ihrem Zuckerkoma erwacht waren und zur Tat schreiten wollten, mussten sie erst ein wichtigeres Kulturgut verteidigen.
 

 

Olle Kamellen über Zucker als „Gift“

Zweitens hatte ARTE wirklich nicht viel zu bieten. Die Industrie will uns abhängig machen, belügt uns, Zucker macht süchtig, Zucker ist Gift – alles olle Kamellen. Speziell diese Vorstellung von einer Vergiftung – weil „versteckter Zucker überall drin“ ist, und uns abhängig macht, ist so überzogen, dass der gesunde Menschenverstand genervt abwinkt.

Darum hat auch kein seriöses Medium die ARTE-Doku von der „großen Zuckerlüge“ besprochen oder weiter aufgenommen. Das ganze Ding ist verpufft.

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Selbst wenn Zucker-Gegnern hundertmal vorrechnen, wie viele Zuckerwürfel in einer ganzen Ketchup-Flasche stecken – 9 Stück! – es bleibt dabei: Ein Teelöffel Ketchup auf einem Hamburger oder ein Esslöffel davon über den Pommes Frites führen nicht zur Zucker-Vergiftung der gesamten Bevölkerung.

Für die allgemeine Gefräßigkeit, was Hamburger, Fritten und alles andere angeht, kann der Zucker aber nichts. Die haben sich die Deutschen selbst zuzuschreiben. Das Problem ist dabei weder der Zucker als Stoff noch die Zucker-Industrie.

Und wenn schon, müsste man die wahren Dealer ausheben – die Bäckereien, die Konditoreien, die Cafés und Eiscafès, die Schokoladen- und Pralinengeschäfte, die Süßwarenläden.

Ich schätze, das gäbe einen Volksaufstand, und zwar nicht ganz zu Unrecht.

 

Schlechte Gewohnheiten, schlechter Geschmack

Vielleicht wäre es auch gut, sich mal an die an die eigene Nase zu fassen, was das angeblich von der Industrie versteckte Gift angeht. Der größte Anteil des Zuckerkonsums geht nämlich auf das Konto des eigenen Geschmacks.

Und zwar des schlechten Geschmacks – den beschreibe ich als die Einengung auf aromalose, „milde“, süßliche, allenfalls salzige Geschmacksrichtungen. Diese persönlichen Vorlieben sind in der Regel verbunden mit einer Scheu vor Bitterem, vor Kräutern, Knoblauch, Zwiebeln und anderen aromatischen Knollen, vor sauren Früchten, bitteren Gemüsesorten und scharfen Gewürzen.

Menschen mit diesem Ernährungsstil wagen ihren kleinen Kindern nichts anzubieten, was nicht süß ist. So werden schon Babys hierzulande auf gezuckerte Breie und Fruchtsäfte abgerichtet, aber von allem anderem, nach dem sie am Tisch neugierig die Händchen ausstrecken, ängstlich ferngehalten.

Das ist fatal für die Prägung eines vielseitigen Geschmacks und gesunder Essgewohnheiten.

Viele kennen es aber nicht anders. Und damit es nie an Zucker fehlt, trinken sie zum Essen sicherheitshalber Cola, sehr gerne auch süßen Saft, bio natürlich. Zuhause setzen sie, falls sie jemals etwas selbst machen, überall Zucker zu und servieren süße Vorspeisen und Beilagen.

Saures und Pikantes, etwa Krautsalat oder Rotkohl, wird extra mit Zucker oder Gelee abgemildert. Und genau das bedient die Lebensmittelindustrie mit ihren gesüßten Produkten. Sie verdient nicht schlecht daran.

 

Marotten aus dem Mittelalter

Die Vorliebe für eine deutliche Süßnote ist leider eine nordeuropäische Geschmacksverirrung, die zum guten Teil auf das Mittelalter zurückgeht. Honig war das einzige Süßungsmittel und recht selten und teuer. Dörrobst aber wurde als süße Zutat zu fast allem kombiniert.

Aber dann gelangte der Zucker an die europäischen Fürstenhöfe, wo man ihn zum Protzen sehr großzügig über alle Gerichte streute, vom Braten bis zur Leberpastete.

Das galt damals als Zeichen von Reichtum, denn Zucker kam mit Spezereienschiffen aus dem Orient. Da man aber gleichzeitig sauren, eingedickten Traubenmost in Saucen und Speisen kippte, entstand praktisch durchweg eine süß-säuerliche Note zu pikanten Gerichten.

Diese mittelalterliche Untugend feiert heute fröhliche Urständ. Vor allem die Marotte, angeblich exotische, aus Asien oder vom Mittelmeer stammende Würzsaucen zu verzuckern, zeugt davon.

Der Ketchup, als gesüßte Tomatensauce erfunden im England des 19. Jahrhunderts und schon damals wohl aus Marketing-Gründen den unschuldigen Indonesiern in die Schuhe geschoben, ist nur ein Auswuchs davon.

 

Marmelade zu allem

Traditionell gibt es besonders in England und den USA, aber auch in Deutschland einen Hang zu süßlichen Grillsaucen, Barbecue-Dips und furchterregenden Mischungen aus Senf, Honig und Obst zu Braten, Spareribs, Salaten und sogar zu Fisch.

Auch die Skandinavier schätzen süße Saucen und Marmelade zu allem, sei es Fleisch, Fisch, Wurst oder Käse. Touristen berichten mit Schaudern von gesüßten Heringshappen und süßem Brot.

Insgesamt zeigen diese infantilen Essvorlieben ein deutliches Nord-Süd-Gefälle – mild und süßlich im Norden, herzhaft, scharf und aromatisch im Süden. Das gilt für Europa, aber auch schon innerhalb Deutschlands.

Kulinarisch hoch entwickelte Nationen wie Frankreich und Italien hingegen trinken Leitungswasser oder herbe Weine zum Essen, schätzen Bittergemüse und Knoblauch, und geben Zucker nicht in Fleischsaucen sondern ins Dessert. Süßspeisen zum Nachtisch lieben und zelebrieren sie, aber naschen nicht ständig zwischendurch.

Folgerichtig verzehren sie – trotz exzellenter Patisserie – auch erheblich weniger Zucker: Pro Kopf und Jahr beträgt der Durchschnittsverzehr in Frankreich und Italien rund 25 Kilo Zucker, das sind über 10 Kilo weniger als in Deutschland.

Auch sonst auf der Welt kommt der überwiegende Teil der Esskulturen mit sehr wenig Zucker aus. Selbst Schuld, könnte man also den Deutschen sagen – schüttet halt nicht überall Zucker rein. Es geht nämlich auch anders.

 

Die Jagd nach „verstecktem Zucker“

Dabei gibt es nicht erst seit dem ARTE-Aufruf gleichzeitig eine Art Zucker-Paranoia: Unzählige Warnungen und Listen, mit denen auf „versteckten Zucker“ hingewiesen wird, mit bösen Unterstellungen in Richtung Hersteller, die das Gift angeblich unter falschem Namen einschmuggeln: als Malz- Milch- und Traubenzucker oder sonstige Tarnstoffe.

Um es nochmal deutlich zu sagen: Nicht der „versteckte Zucker“ ist ein Gesundheitsproblem. Sondern das literweise Schlürfen von Säften und Limos und das ständige Schlecken an Süßem zwischendurch.

Allerdings scheint es leichter zu sein, naive Käufer von einer Industrieverschwörung zu überzeugen als sie von ihrer Nascherei und ihren süßen Nuckelpullen abzubringen.

Diesen Weg des geringsten Widerstandes gehen esoterische Zucker-Gegner gerne, unfreiwillig unterstützt von den ehrwürdigen Verbraucherzentralen.

Auf der Jagd nach verstecktem Zucker haben diese eine Liste zusammengestellt, auf der typische Lebensmittel stehen, die im Supermarkt massenweise über die Theke gehen. Man kann damit in etwa überschlagen, wieviel Zucker man aufnimmt – theoretisch.

Praktisch zählt natürlich die Portionsgröße. Wieviel Nutella man sich aufs Brot streicht, oder wieviel Müsli man löffelt. Diese Portionsrechnerei macht alles kompliziert. Aber die Liste gibt erstmal einen Überblick darüber, wo „weißes Gift“ drinsteckt.

 

Zucker in Lebensmitteln (pro 100 g / 100 ml)
Frühstückscerealien 28 g
Nuss-Nougat-Cremes 40-55 g
Plunderteil (wie Mohnschnecke) 20 g
Süße Hefeteilchen 10 g
Apfelmus 16-18 g
Obstkonserven 10-20 g
Trockenfrüchte 40-50 g
Gezuckerte Tiefkühlkost 10 g
Kaffeegetränke aus Instantpulver 8-11 g
Latte Macchiato aus dem Kühlregal 9 g
Eistee 6-8 g
Limonade 8-10 g
Milchdrinks für Kinder 10 g
Müsliriegel 5-40 g
Vanilleeis 25 g
Gummizuckerwaren (wie Bärchen) 45-60 g
Instant-Kakaopulver 75 g (zubereitetes Kakaogetränk enthält laut Hersteller 19 g Zucker)
Milchreis klassisch 10 g
Ketchup 16-22 g
Grillsaucen 10-20 g
Salatdressings 4-8 g
Milchreis mit Frucht- oder Karamellsaucen 12-15 g
Quelle: aus dem Internet, nach „Achtung, Zucker!“ – Ratgeber der Verbraucherzentrale

 

Warum uns die Industrie nicht reinlegen kann

Das sieht schon beeindruckend aus. Aber die Liste ist eigentlich komplett überflüssig, wenn man mich fragt. Wer den eigenen Zuckerkonsum zurückfahren will, dem genügt nämlich eine simple Faustregel:

Was süß schmeckt, enthält Zucker in irgendeiner Form.

So einfach ist es. Und da man schon vorher weiß, was süß ist – vom Müsli bis zu den Gummibärchen – muss man nicht einmal alles probieren, um den Zucker zu vermeiden. Man kauft es einfach nicht. Oder isst weniger davon.

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Für das, was übrig bleibt, gibt es den ultimativ leichten Test: Schmeckt es süß?  Dann weg damit,  selbst machen, reduzieren. Wenn man das befolgt, stimmt die Zuckerbilanz. So einfach ist es. Ein Nachtisch nach dem Sonntagsessen, ein Stück Torte am Wochenende, die sind dann ohne jede Rechnerei drin.

Um Zucker zu sparen, braucht man also keine Tabellen und Ratgeber, die Unmündigkeit suggerieren und der Industrie üble Tricks unterstellen.

Man kann sich einfach auf seinen Geschmack verlassen. Niemand muss studiert haben, um den „versteckten Zucker“ auf Zutatenlisten zu entlarven. Man muss nicht einmal lesen können.

Man muss nur schmecken.

 

Zurück zur Mündigkeit

Was wiederum nicht vordergründig süß schmeckt, enthält zwar manchmal etwas Zucker, wie Leberwurst oder Bratenfonds. Diese homöopathischen Dosen spielen aber wirklich keine Rolle.

Natürlich ist damit nicht gleich das Problem gelangweilter, benachteiligter, schlecht versorgter Kinder und gestresster Erwachsener beseitigt, die sich aus Frust mit Süßigkeiten vollstopfen. Aber das Gefühl, vergiftet zu werden und keine Wahl zu haben, das kann man auf diese Weise loswerden. Das ist doch auch schon was.

Wenn dann noch die Erwachsenen mit gutem Beispiel voran gehen, den Süßkram reduzieren, nicht ständig naschen und auf das eigene Gewicht achten, ist das schon die halbe Miete, würde ich sagen.

 

Meine persönliche Zuckerbilanz

Falls jemand mein persönliches Testergebnis wissen will: Versteckter Zucker aus diesen Lebensmitteln schlägt bei mir kaum zu Buche.

Denn keines der Produkte von dieser Liste habe ich in den letzten vier Wochen gegessen oder gekauft. Apfelmus, ja, mal ein Glas, das war aber vor Monaten. Dörrpflaumen habe ich im Haus, die kommen in bestimmte Desserts bei mir (als Beigabe in Cognac gekocht, zu meinem legendären Safranparfait, und nein, es gibt kein Foto und kein Rezept).

Saucen mache ich grundsätzlich selbst, Obst in jeder Form halte generell für überbewertet, fertige Milchdrinks und Milchreis für Kinder sind unnötig, die macht man besser selbst. Gegen Durst oder zum Essen trinke ich persönlich nur Leitungswasser – oder trockenen Wein. Morgens gibt es Tee oder Kaffee mit Milch, ungesüßt.

Da spart man schon eine Menge versteckten Zucker ein. Über die freigewordenen Kalorien verfüge ich großzügig: Ich investiere sie in Käse, Fleisch, Sahne und Butter.

Na gut, einige auch in Nachtisch und Torte. Bei Wahrung des Normalgewichts, versteht sich.

Vor allem morgens mag ich gar nichts Süßes, weswegen auch Marmelade, Nutella, Müsli und fragwürdige Erfindungen wie „Frühstückscerealien“ bei mir wegfallen. Davon wird mir schlecht, auf nüchternen Magen. Nein, morgens brauche ich was Herzhaftes, Kräftiges als Start in den Tag.

Zum Beispiel ein Wurstbrot.

 

Wurstgate: Rauchende Köpfe bei der WHO

Apropos Wurst: Bei der Wurst steht noch was aus. Da ist ja auch nichts passiert, genau wie beim Zucker. Aber aus anderen Gründen: Nach ihrer Krebswarnung haben die Welt-Gesundheitshüter nichts weiter von sich hören lassen. Der übliche Bericht, der zur Entscheidung gehört, ist noch nicht veröffentlicht.

Das ist sehr ungeschickt.

Das weiß die WHO natürlich auch. Aber ihre Krebsforscher sitzen jetzt mit rauchenden Köpfen an möglichst wasserdichten Formulierungen und Quellenverweisen. Denn sie wissen, dass sie komplett auseinander genommen werden, wenn sie das Ding rausbringen.

Deshalb sind sie ja schon vier Tage nach der Entscheidung wegen des weltweiten Sturms der Entrüstung mit ihrer Botschaft zurückgerudert, wie berichtet.

 

Ein Teil dieser Antwort wird Sie verunsichern

Vorerst hat die Organisation einen Frage-Antwort-Katalog ins Netz gestellt. Die ganze Eierei wird da recht deutlich sichtbar. Hier eine einschlägige Passage im Wortlaut der WHO, nachzulesen bei Frage/Antwort 4. Thema: Warum Fleisch und Wurst ins Visier der Krebsforscher gerieten.

Why did IARC choose to evaluate red meat and processed meat?

(…) based on epidemiological studies suggesting that small increases in the risk of several cancers may be associated with high consumption of red meat or processed meat. Although these risks are small, they could be important for public health because many people worldwide eat meat and meat consumption is increasing in low- and middle-income countries.

Das macht klar, dass es sich bei dem ganzen Vorgang wirklich um eine Präventionsmaßnahme handelt. Sie soll Menschen, die Fleisch essen, daran hindern, zu viel Fleisch zu essen. Und sie soll die, die viel Fleisch essen, daran hindern, noch mehr zu essen.

Denn das nur leicht erhöhte Risiko, von dem die WHO spricht, gibt es – möglicherweise – bei hohen Mengen von Fleisch und/oder Wurst und Schinken. Mit „hoch“ ist sowas um 300 Gramm pro Tag gemeint. Das schaffen zum Beispiel Amerikaner, Argentinier, Neuseeländer oder Brasilianer, große Fleischesser-Nationen, die auf Verzehrmengen von 100 bis 120 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr kommen.

Dagegen sind die Deutschen mit ihren 60 Kilo Fleisch pro Jahr Waisenkinder, allesamt vorsichtige Flexitarier.

 

Vielleicht muss die WHO zurückrudern

Aber natürlich sagt so eine Durchschnittszahl nichts aus. Denn auch in Deutschland gibt es Vegetarier, die kein Fleisch essen (und trotzdem Darmkrebs bekommen). Andere peilen dagegen die 300-Gramm-Portion an, essen also viel Fleisch, Wurst und Schinken. Wenn die dazu noch, was nicht selten vorkommt, Alkohol trinken, rauchen und übergewichtig sind, hat nicht nur der Darmkrebs leichtes Spiel.

Weil das alles nicht so ganz einfach ist und in einigen der Studien, wie schon berichtet, Vegetarier sogar ein leicht erhöhtes Darmkrebsrisiko hatten, muss die WHO vielleicht bald noch mehr zurückrudern.

Einerseits müssen sie ihren Job machen und vor potenziellen Krebsauslösern warnen, auf wissenschaftlicher Grundlage. Aber die Einstufung von Lebensmitteln ins Krebsregister wird man vielleicht grundlegend überdenken. Lebensmittel enthalten viele Stoffe gleichzeitig, werden zubereitet, gehen verschlungene Wege im Organismus – und haben außerdem viele Vorteile: Sie machen satt und versorgen den Organismus mit dem Nötigen. Ohne sie geht es ja nicht.

Es ist viel einfacher, einzelne Substanzen auf eine krebserregende Wirkung zu überprüfen als ein komplexes Lebensmittel, für das so viel mehr zu beachten ist, darunter auch sonstige Ess- und Lebensgewohnheiten.

Deshalb haben die Krebsforscher zwar die Einstufung vornehmen können, so weit, so gut. Aber mit allem anderen – wasserdichte Begründung, Empfehlungen und Folgen – tun sie und alle anderen sich sehr schwer.

Es könnte daher übrigens sein, dass es sinnvoll ist, für Lebensmittel und bestimmte menschliche Verhaltensweisen eine eigene Krebsrisiko-Kategorie bei der WHO einzurichten, eine Sonderliste. Da könnten dann auch Sachen draufkommen wie Rauchen, Übergewicht haben, Sonnenbaden, Grillen, Saufen und Faulenzen.

Ernsthaft. Das ist kein Witz. Das mit der Sonderkategorie sage ich hier und jetzt einfach mal voraus. Präventiv, sozusagen.

Zurückrudern kann ich später ja immer noch.

© Johanna Bayer

 Fragen und Antworten bei der WHO – der Katalog im Internet.

Nochmal nachlesen? Quarkundso.de zu „Wurstgate“ und „Die Zuckerlüge“

Artikel aus der TAZ –  ein Dokument der Zucker-Paranoia, von 2013, abgeschrieben von den Verbraucherzentralen. Schildert die „Trickkiste der Hersteller“ und führt den unmündigen Verbraucher vor.

Aktueller, vom 24.11., mit dem vollen Programm: Marktcheck SWR/ARD

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