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Holger Stromberg kocht fürs Klima: Ändert Essen wirklich alles?

Mit seinem neuen Buch will Promi-Koch Holger Stromberg Welt, Klima und Gesundheit retten. Doch sein Konzept zur Totalsanierung macht zu viele Versprechen auf einmal und serviert neben Fake Food auch Fake News.

 

Alle wollen jetzt für das Klima essen, also eigentlich gegen das Klima. Genauer: Gegen das, was sich da gerade ändert und sehr bedrohlich wirkt.

Und Essen scheint der einzige Weg zu sein, um die Katastrophe abwenden können: Tempolimit, Flugverzicht oder den gemütlichen Kamin abschaffen kommen ja nicht in Frage, was sollen wir uns denn noch alles verbieten lassen!

Am Essen aber kann man schrauben. Da sind die Ansprüche der Deutschen von jeher nicht hoch, also tut es nicht so weh, wenn das Niveau noch weiter sinkt. Unisono fordern Kommentatoren, Kolumnisten und Autoren daher, in erster Linie anders zu essen.

Auch der Fernsehkoch und ehemalige Küchenchef der deutschen Fußballnationalmannschaft, Holger Stromberg, hat dazu ein Buch herausgebracht.

 

Essen, Gesundheit und die Welt retten: ein Großkonzept

Es heißt „Essen ändert alles“. Das ist genial. Also, der Titel ist genial, weil knapp und vielversprechend. Und was draufsteht, steht auch drin.

Stromberg bietet nämlich nicht nur Rezepte, sondern eine Art Totalsanierung – körperlich, psychisch, ökologisch, global und überhaupt: die Umwelt schonen, mehr über Ernährung wissen, damit man sich danach „gesund essen“ kann, unter anderem, weil es im Darm wieder flutscht, weil man genügend „Vitalstoffe“ zu sich nimmt und überhaupt „Selbstverantwortung leben“ soll.

Dazu gibt es noch Abschnitte zu Achtsamkeit, besseren Schlaf, besseren Umgang mit Stress und ein starkes Immunsystem.

Das vorletzte Kapitel, bevor es endlich zu den Rezepten geht, heißt dann glatt: „Rette die Welt“. Es dreht sich um Nachhaltigkeit, „Industrielebensmittel“, Öko-Produkte und die Frage, ob man Tiere essen darf. Die folgenden „Genussrezepte“ umfassen nur noch 20 Seiten von 190, ein Kochbuch kann man das schon nicht mehr nennen.

Das Versprechen darin ist verführerisch, nämlich die unschlagbare Kombination von „ökologisch + gesund + einfach + schnell + total lecker“.

 

Die große Koch-Illusion: lecker, einfach und ganz schnell

Allerdings weiß jeder kochende Mensch: So einfach geht es nicht.

Denn was lecker ist, braucht meistens lange: Man muss es stundenlang einweichen, marinieren, kalt stellen, ziehen oder köcheln lassen; Gemüse vom Wochenmarkt nach Hause schleppen, kleine Spezialitätenläden aufsuchen oder Zutaten im Internet bestellen. Auch bei Stromberg geht es nicht ohne endloses Kleinschneiden, Raspeln, Portionieren und Vakuumieren ab.

Genau deshalb verdient die Lebensmittelindustrie Milliardenumsätze mit Fertiggerichten und kleinen Helferlein von Aufbackpizza über Teigmischungen bis zu Soßen in Quetschflaschen.

Auch „gesund“ ist so eine Sache. Was ist schon „gesund“?

Einfach „mehr Pflanzliches“ ist auf keinen Fall automatisch gesund, ebenso wenig wie „weniger Fleisch“ oder „weniger Fett“ pauschal gesund sind. Das behauptet Stromberg aber keck auf dem Umschlag.

Die von Haus aus misstrauische Chefredakteurin hat hier Lunte gerochen und Strombergs Sanierungskochbuch erstmal der Abteilung Dokumentation & Recherche reingereicht. Dort sitzen Pedanten, die auf sachliche Richtigkeit prüfen und nach Zahlen, Daten und Fakten fragen.

Steile Thesen bei Holger Stromberg

 

EAT-Lancet-Empfehlungen ohne wissenschaftliche Evidenz

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Als erstes notierten die Erbsenzähler, dass Stromberg sich auf die Empfehlungen der sogenannten EAT-Lancet-Kommission stützt. Dieses Gremium reklamierte schon im Januar 2019 für sich, zugleich die Gesundheit und den Planeten zu retten.

Nach dieser Vorlage ein Rezeptbuch zu stricken, ist natürlich clever, leichte Beute im Öko- und Klima-Mainstream.

Quarkundso.de aber hat einige Fragen dazu schon 2019 gestellt, hier nachzulesen. Denn die Widersprüche des Konzepts liegen offen, was Stromberg nicht thematisiert. Dazu gehört, dass die Mitglieder dieses illustren Kreises so unabhängig nicht sind, wie sie selbst und auch Stromberg behaupten, mehr dazu unten in den Links.

Ernährungsexperten von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), haben Quarkundso.de außerdem bestätigt: Evidenzbasiert ist das alles nicht.

Das bedeutet: Wissenschaftlich gesicherte Belege für die Gesundheitsversprechen der EAT-Lancet-Kommission mit ihrer Planeten-Diät gibt es nicht. Und wer anders isst, ruiniert weder zwangsläufig seinen Körper noch den Erde.

 

Hauswirtschaft wie bei Oma – nur aus anderen Gründen

Immerhin: Das Vorkochen und Planen, zu dem Stromberg rät, ist nicht falsch, etwa, Gemüse gleich nach dem Einkaufen frisch zu verarbeiten, für die ganze Woche in den Kühlschrank packen, die ganze Bandbreite von Gemüse und Hülsenfrüchten auszunutzen, gut zu würzen – fertig ist das leckere Klimamenü.

Das ist zumindest teilweise inspirierend, wenn man den Geschmacksstil mag. Der ist von Miso, Sojasoße und allerlei Fertigwürzen mit viel Umami geprägt, was daran liegt, dass Stromberg Sahne, Butter, Milch und Speck aus den Rezepten streicht, dem Klima und der Gesundheit zuliebe, natürlich.

Leider bringt das fettige Tierzeug aber auch Geschmack und Textur ins Gemüse. Und die müssen ersetzt werden, Stromberg will das mit asiatischen Fertigwürzen und allerlei veganen Ersatzprodukten bewirken. Die Batterie von Flaschen und Dosen, auf die man da zurückgreifen soll, ist durchaus gewöhnungsbedürftig,

Ansonsten kommen die Tipps zum Vorkochen, im Buch trendig „Meal Prep“ genannt, aus der „guten alten Hauswirtschaft“, wie Stromberg selbst sagt: Nichts wegwerfen, Abfall vermeiden, Reste verwerten, frisch einkochen, planen – einfach alles wie bei Oma, die sparen musste. Nur aus anderen Gründen.

 

Mal wieder: Erlöst durch Essen

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Doch bevor es ans Kochen geht, hat das zweite Motiv, Gesundheit, den großen Auftritt. Die wird vom richtigen Essen natürlich auch gerettet, wenn man sie vorher ruiniert hat, und zwar mit falschem Essen.

Das ist die Logik, die Stromberg anhand seiner eigenen Geschichte ausbreitet.

Um seine „Stressspirale“ und eigene „Schlüsselmomente“ geht es da, und die persönliche Fallhöhendramatik erscheint, die fast alle Autoren von Ernährungsbüchern auftischen: vorher Fastfood-Esser, dick, krank, gestresst und unglücklich, immer mehr Probleme und Schmerzen, ratlose Ärzte, dann Umkehr, Erleuchtung und Gesundung durch (irgendwie) anderes Essen.

Wie Bas Kast in seinem Ernährungskompass nennt auch Stromberg keine Diagnosen, es erscheinen nur diffuse Beschwerden wie Hautausschläge und allerlei Schmerzen.

„Dutzende von Ärzten“ fanden angeblich nichts, erst der Promi-Doc Hans Jürgen Müller-Wohlfahrt hat den Patienten auf den richtigen Weg gebracht.

 

Gesunde müssen nicht essen wie Kranke

Er soll zwar auch nichts gefunden haben, trotzdem riet Müller-Wohlfahrt, schreibt Stromberg, viel Wasser zu trinken, und zwar ohne Kohlensäure, und auf Bier und Rotwein zu verzichten.

Die Pedanten von der Abteilung Dokumentation notierten an dieser Stelle: „Bei so etwas geht es meist um Gicht. Oder um Rheuma“.

Dafür sprechen auch die Ekzeme, Allergien, Hüftschmerzen und zuletzt die starken Schmerzen im linken Fuß von Stromberg, die nach den Ratschlägen des Fußballdoktors verschwanden. Solche Anfälle sind typisch für Gichtpatienten, auch für Rheumatiker, die Krankheiten sind verwandt.

Aber auf keinen Fall wollen wir hier aber über die Krankenakte von Holger Stromberg spekulieren, das wäre indiskret.

Es soll reichen, festzuhalten, dass die Strombergs Ernährungskonzept auffallend auf Gicht und Rheuma gemünzt ist: entzündungshemmend essen, wenig Fruchtzucker, wenig Fleisch, am besten gar keins – eigentlich ist das ein Schonkost-Konzept wie in der Kurklinik.

Vielleicht sollte man dann die Karten auf den Tisch legen und gleich sagen, für wen diese, nun ja, Diät, sinnvoll ist: Nämlich nicht für alle. Sondern nur für Leute, die bestimmte Krankheiten haben, oder die vorher so schlaf- und essgestört waren wie der Autor zeitweise selbst.

Die Ernährung aber mit der Last für das ganze Leben zu überfrachten – „Essen ändert alles!“ – ist nicht wirklich sinnvoll. Wenn jemand im Lebensrhythmus komplett entgleist, nächtliche Fressanfälle hat und, wie Stromberg selbst beschreibt, ein Workaholic ist, der keine Struktur mehr einhalten kann. liegen die Probleme eigentlich nicht am Essen.

 

Zahlen, Daten, Fakten bei Stromberg

Trotzdem kann man nichts dagegen haben, wenn das Klima gerettet und weniger Tiere in Massenställen gequält werden. Darüber ist sich inzwischen die halbe Welt einig, zum Glück. Die Fakten dafür sollten trotzdem stimmen. Und hier haut Stromberg so oft und geradezu absichtsvoll daneben, dass er die guten Intentionen seines Buches fast zunichte macht.

Gleich am Anfang droht er zum Beispiel ob des üppigen Konsums in den Industrieländern:

“… anderswo hungern Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation hat ausrechnen lassen, dass im Jahr 2017 mehr als 820 Millionen Menschen an Hunger und chronischer Unterernährung leiden – und es werden immer mehr …

Für die Tieraufzucht werden also Nahrungsmittel gebraucht, die woanders fehlen … So ist der hohe Fleischkonsum in der westlichen Welt ein wichtiger Faktor, warum so viele Menschen in armen Ländern hungern müssen“.

Nun ja. Nicht nur, dass es keinen Zusammenhang zwischen Überproduktion und Übergewicht in Industriestaaten und Hunger anderswo gibt. Auch hat die WHO diesen Zusatz „ – und es werden immer mehr“ nicht ausrechnen lassen.

 

Mit dem Holzhammer

Dramatisch und mit Aplomb geht es weiter: Zu viel Zucker, „Fett aus tierischen Quellen“ und eine „Unmenge an ungesunden Zusatzstoffen“ in der heutigen Ernährung machen „den Darm kaputt“ (Seite 25), na, dann müssten die Deutschen schon längst ausgestorben sein.

Demgegenüber ist „pflanzliche Nahrung generell reich an Stoffen, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2 und einigen Krebsarten vorbeugen können“ (S. 26) – schön wär`s: Das ist selbst bei den allergrößten Studien wie der EPIC-Studie so nicht rausgekommen, alle Erwartungen an die besonders vorbeugende Wirkung von Obst und Gemüse bei Krebs konnten bislang nicht bestätigt werden.

Haltbare Milch hat wiederum laut Stromberg „nicht mehr viele Nährstoffe“ (Seite 128) – wie bitte? Zwar müssen beim Erhitzen zwecks Haltbarmachung der Milch ein paar Vitamine dran glauben. Das ist aber immer so, wenn es heiß wird – Vitamine gehen auch kaputt, wenn man zuhause die Milch für Kaffee oder Kakao aufkocht.

Die eigentlichen Nährstoffe bleiben dabei aber erhalten, auch in H-Milch: Es sind Eiweiß, Fett und Milchzucker, dazu das begehrte Kalzium, bestätigt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE); Link steht unten.

Zucker und Weizen, die üblichen Verdächtigen, hat Stromberg auch auf dem Kieker. Zu Zucker kommt die alte Leier – steckt überall drin, macht krank und süchtig (!), dazu heißt es auf Seite 37: „Wissenschaftler vergleichen die Wirkung von Zucker auf das Gehirn mit der von harten Drogen wie Kokain.“

Das ist rundheraus Quatsch, den wir nicht mehr hören können. So etwas verzapfen nur verstrahlte, esoterische Hausärzte oder Heilpraktiker, keine Wissenschaftler – bitte hier bei Quarkundso.de nachzulesen, der NDR musste damals bekanntlich zurückrudern und hat seinen Text geändert.

 

Hallo, Lektorat?

Lecker Makkaroni aus Hartweizen: voller Eiweiß

Über Weizen heißt es bei Stromberg, der habe wenig Eiweiß (Seite 40).

Alle möglichen anderen Getreidearten wie Dinkel, Emmer, Einkorn, dazu Hafer, Gerste und Roggen, seien daher dem Weizen vorzuziehen, weil sie mehr, nämlich bis zu 15 Prozent Protein, enthalten.

Dummerweise sind Dinkel, Emmer und Einkorn auch Weizen (hallo, Lektorat?).

Und dann gibt es Weizensorten, die locker auf 15 Prozent Eiweiß kommen, nämlich der Hartweizen, und zwar von alters her.

Über Jahrtausende haben ganze Völker damit ihren Eiweißbedarf gedeckt, in China seit 4000 v. Chr.

Rund um das MIttelmeer sind Brot und Nudeln traditionell aus proteinhaltigem Durumweizen, gerade wegen des hohen Eiweißgehalts. Auch in Arabien und Asien ist Weizen bedeutsam, weil er sich unschlagbar vielseitig backen und zu elastischen Teigen verarbeiten lässt, und dabei nicht nur Eiweiß liefert, sondern auch köstlich knusprige Ergebnisse liefert, anders als Roggen und Gerste, übrigens.

Das kann man in jedem Ernährungslexikon nachschlagen – wenn man denn nachschlägt. Dort erfährt man auch, dass Roggen nicht mehr, sondern weniger Eiweiß enthält als alle Weizenarten, und Hafer weniger Eiweiß als Hartweizen.

 

Energetisiertes Wasser und falsche Versprechen

Doch anstatt nachzuschlagen, zieht Stromberg andere Register: „Echte Lebensmittel“ nennt er „energetisch hochwertig“ weil sie „frisch und vitalstoffreich“ seien, im Gegensatz zu den bösen „bloßen Nahrungsmitteln“, die „sättigen bei gleichzeitig hoher Energiedichte“ (Seite 29).

„Energetisch“ ist hier esoterisch – liefern „Frische“ und „Vitalstoffe“ Energie? Sind das nicht die Kalorien?

Und umgekehrt: „Sättigende Lebensmittel mit hoher Energiedichte“, hier als schlecht gebrandmarkt, sind ausgerechnet Vollkornbrot aus Roggen sowie Vollkornnudeln. Diese sind in Strombergs eigenem Ernährungskreis, vorne im Umschlag, prominent platziert und sogar bevorzugt zu verzehren – da versteht der Autor offensichtlich nicht, was er über Sättigung und Energiedichte schreibt.

Mit der Esoterik hat Stromberg es aber, er preist nämlich „energetisiertes Wasser“ an (Seite 56), und stellt einen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln vor, „Vitalstoffe“ genannt.

Über das Konzept der Firma schreibt Stromberg, dass es „heute in der Fachwelt und in der Wissenschaft hohe Anerkennung genießt.“ (Seite 74).

Leider ist das Gegenteil der Fall: LaVita, so heißt der Hersteller, ist schon mehrfach wegen unerlaubter Gesundheitsversprechen abgemahnt worden und fällt laut Verbraucherzentralen damit „unangenehm auf“ (Link steht unten).

 

Essen nach Laborwerten

Bei einer Liste von pflanzlichen Eiweißlieferanten, die das Fleisch ersetzen sollen, stehen auf Seite 44 an erster Stelle Hanfsamen, es folgen Hülsenfrüchte, an dritter Stelle Mandeln, an vierter Stelle Brunnenkresse, später Pilze, Spinat und Brokkoli.

Nur die Hülsenfrüchte leuchten ein. Brunnenkresse für den Eiweißbedarf anzuführen, ist Unsinn, dasselbe gibt für die neumodischen Hanfsamen.

Diese Exoten-Zutat ist erstens teuer, zweitens geht sie nur als Körnerstreu über Müsli oder Salat durch. Mit Weizennudeln oder Hirsebrei erreicht man für die tägliche Proteinzufuhr wesentlich mehr, wenn es denn weder Fleisch noch Fisch noch Eier oder Käse – die Top-Eiweißlieferanten – sein sollen.

Neu im Veganer-Regal; Hanfsamen

Das heißt natürlich nicht, dass man Pilze, Spinat und Brokkoli oder auch Hanfsamen nicht essen sollte.

Aber die Liste von Eiweißlieferanten damit anzuführen ist absurd, zumal der ganze Abschnitt damit überschrieben ist, dass man am besten essen solle wie die Menschen am Mittelmeer.

Doch dort zieht man Fisch, Fleisch, Käse und Nudeln vor, wenn es um Eiweiß geht, nicht Brunnenkresse und Hanfsamen. Scheinbar hat der Koch die Lebensmittel an dieser Stelle rein nach ihren Laborwerten ausgesucht, nicht nach ihrem echten Stellenwert in der Küche.

 

Mit Fake-Food die Welt retten? Lieber mit echtem Essen

Dieses Künstliche findet sich am Ende auch in der Einkaufsliste, denn dort stehen – dem Klima und den Tieren zuliebe – jede Menge vegane Kunstprodukte: industrielle Imitate von Butter, Sahne, Käse, Milch, Wurst, Mayonnaise und Käse, dazu Sojaschnetzel und weitere „Fleischalternativen“, alles aus dem Veganer-Bedarf, für die „planetengesunde Woche“.

Aber leider, leider haben diese Imitate mit echtem Essen so wenig zu tun wie Hanfsamen mit Mittelmeerkost. Sie sind Industrieerzeugnisse, hochprozessiert, mit vielen Zusatzstoffen.

Echtes Essen ist aber das, was sich Stromberg auf die Fahnen geschrieben hatte, mit seinem „Meal Prep“. Davon bleibt am Ende leider nicht viel übrig.

Noch dazu ist der weit überwiegenden Mehrheit aller Experten weltweit klar, dass eine zukunftsfähige Landwirtschaft nicht ohne Tiere auskommt – und der Mensch nicht ohne tierische Produkte. Man wird also andere Strategien suchen müssen, um diese wertvollen Nahrungsmittel tier- und umweltfreundlich herzustellen. Fake-Food, Ersatzessen und Fertigsoßen lösen das Problem nicht.

©Johanna Bayer

LINKS

Die Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder zu den Interessenskonflikten der EAT-Lancet-Kommission

Die Verbraucherzentralen über die Geschäftspraktiken von LaVita

Weitere Rüge für LaVita

Das BZfE zu Inhaltsstoffen bei haltbarer und erhitzter Milch

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In der TAZ: Das Klima retten durch Fleischverzicht und Fleischsteuer? Vielleicht lieber anders.

Das Klima lässt sich nur retten, wenn wir weniger Fleisch essen, am besten nur noch halb so viel, heißt es bei der TAZ. Doch so viel Fleisch essen wir gar nicht – dafür aber viel zu viel von anderem, weit nutzloserem Zeug: Kuchen, Schokolade, Bier. Es wäre viel besser, hier auf die Hälfte zu verzichten. Mindestens, aus Gründen. Gut wäre auch nur noch halb so viel Autofahren – für das Klima. Quarkundso.de mit unschlagbaren Argumenten zur Rettung der Welt.

 

Fleischtheke und Verkäuferin

Weg von der Fleischtheke! Wir wollen doch das Klima retten. Bild: Shutterstock/racom

Damit niemand denkt, Quarkundso.de würde nur rumkritteln, wird jetzt gelobt. Dafür habe ich mir die TAZ ausgesucht.

Die ist an sich für Quarkundso.de kein lohnendes Ziel, weil aus Berlin, einem kulinarisch öden Gebiet.

Dort ansässige Redakteure und Journalisten sind als Ex-Hausbesetzer und/oder grünbewegte Kiezbewohner an Essen nur als Mittel zur Politik interessiert.

Schnödes Genießen ist nicht ihr Ding. Schreiben können die aber. Wenn sie also was zum Thema Essen machen, dann scharfe Kommentare, die sich gegen unseren exzessiven Konsum richten. Oder schöne Reportagen.

Letztere drehen sich dann um politisch korrekte Ernährungsthemen, also um Imker und Bienen, oder um neue Restaurants von Veganern, oder alte Gemüsesorten, die in den Gärten verwitterter Datschen von Hand gezogen werden.

Das qualifiziert aber nur ausnahmsweise für Quarkundso.de, da im Allgemeinen zu vorhersehbar und zu langweilig. Aber jetzt kommen sie dran, und zwar im Guten.

 

Irgendjemand muss die Welt ja retten

An dieser Stelle sollen auf keinen Fall Missverständnisse aufkommen: Quarkundso.de bekennt sich ausdrücklich zu Umweltschutz und bewusstem Essen, zu verantwortungsvollem Konsum und zu ebensolchem Umgang mit der Natur.

Die Welt muss gerettet werden und irgendjemand muss den Job ja machen. Danke, Berlin.

Aber ein bisschen Spaß beim Essen darf schon noch sein. Ehrlich. Wenn wir wegen der Klimakatastrophe bald nicht mehr Auto fahren, in Urlaub fliegen, pro Kleinfamilie ein Reihenhaus besitzen und zweimal im Jahr den Inhalt des Kleiderschranks komplett erneuern dürfen, wollen wir doch wenigstens was Gutes essen.

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Allerdings scheint es eher so zu sein, dass kaum jemand daran denkt, sich des Klimas wegen beim Autofahren, beim Häuslebauen oder beim Shoppen wesentlich einzuschränken: Die Deutschen bewegen unnötig viel Blech mit bulligen SUVs und Spaßmaschinen, auf Autobahnen rasen sie weiterhin wie die Irren, Millionen fliegen Kurzstrecke und wehe, im gemütlichen Reihenhaus schafft die Heizung weniger als 24 Grad Wohlfühltemperatur.

Aber am Essen wollen plötzlich alle rumschrauben.

Essen, diesen unnötigen Luxus, hat man jetzt im Visier, besonders jene Gier nach Fleisch, die das Volk beherrscht. Dass Fleischessen von vielfältigem Übel und einzudämmen sei , ist im Moment flächendeckender Konsens, und dafür macht sich auch die TAZ stark.

Ein Weg wäre die Fleischsteuer, damit Fleisch teurer wird, aber man ist bei der TAZ auch grundsätzlich für eine massive Verringerung des Fleischkonsums: Alle Deutschen sollen höchstens halb so viel Fleisch essen wie bisher.

Denn das sei nicht nur gut für das Klima, sondern auch viel gesünder, schreibt TAZ-Autor Jost Maurin in mehreren Artikeln, darunter einem Kommentar mit dem Titel „Schlechtes Klima für Fleischfresser“ vom 2.11.2016.

 

Nur ein Vorschlag schafft es in die Öffentlichkeit

Diese Diskussion um Fleischkonsum und Fleischsteuer besteht seit einiger Zeit, auch ausgelöst durch den aktuellen Klimaschutzplan 2050.

Den hat Umweltministerin Hendricks gerade vorgelegt und darin Hunderte von Maßnahmen beschrieben, um Treibhausgase einzudämmen: Industrie, Verkehr, Handel, Landwirtschaft, Energieunternehmen, Hausbesitzer, alle sollen einen Beitrag leisten und Emissionen einsparen.

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In die öffentliche Diskussion schaffte es aber kaum ein Detailvorschlag – einer der wenigen ist der mit der Halbierung des Fleischkonsums.

Den hatte Hendricks mal in einen Entwurf geschrieben: Die Deutschen sollten von ihren durchschnittlichen 60 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr auf ungefähr 30 Kilo runterkommen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE, empfehle das ja auch, wegen der Gesundheit, heißt es zur Begründung: So viel Fleisch, 60 Kilo im Jahr, etwa ein Kilo in der Woche, sei ungesund.

Der Vorschlag flog zwar wieder raus, weil Wirtschaftsministerium und Kanzleramt den Passus strichen. Aber er hält sich hartnäckig in der Diskussion.

Und TAZ-Autor Maurin bringt auf seiner Mission – höchstens noch halb so viel Fleisch essen – dazu den Vorschlag mit der Mehrwertsteuer aufs Tapet: Fleisch wird bisher mit sieben Prozent ermäßigt besteuert, man könnte es teurer machen und 19 Prozent draufschlagen, den normalen Mehrwertsteuersatz. Das würde den Fleischkonsum verringern.

Diese Idee stammt nicht aus dem Klimaschutzplan, sondern von Agrarexperten aus dem Umfeld des Landwirtschaftsministeriums. Aber leider, so Maurin, hört Landwirtschaftsminister Schmidt nicht einmal auf seine eigenen Leute und lehnt jede Verteuerung ab.

Dem widerborstigen Beamen hält der TAZ-Mann entgegen, dass die Landwirtschaft ganze acht Prozent Anteil vom Ausstoß von Treibhausgasen hat.

 

Ob der Minister so Unrecht hat?

Acht Prozent? Das ist wenig.

Bei diesem geringen Anteil geht es laut TAZ schon um die Wurst? Die Landwirtschaft muss massiv Emissionen einsparen und die Bevölkerung muss mindestens auf die Hälfte, am besten aber ganz auf Fleisch verzichten – bei diesem geringen Anteil der gesamten Landwirtschaft an den Treibhausgasen?

Hm. Ob da nicht der Minister ein wenig Recht hat? So klingt das wirklich nicht plausibel. Sondern eher konstruiert.

Zwar könnte man, wie es Jost Maurin auch tut, den Anteil der „Agrarbranche“ noch nach Kräften hochrechnen, aber solche Zahlenspiele geraten leicht unlauter und geben kein klares Bild ab.

Da kann man sich getrost an diese Grafik des Umweltministeriums halten: Der Treibgas-Anteil der Bauern bleibt bei unter zehn Prozent.© BUMB

Natürlich gilt: Keiner kann sich rausreden, die Klimaziele müssen erreicht werden und jeder muss beitragen. Trotzdem ist wirklich die Frage, welcher Bereich welche Einschnitte wofür hinnehmen muss und was sinnvoll ist.

Und da hat der Minister Schmidt, obwohl er von der CSU ist, nicht ganz Unrecht: Essen ist ein Grundrecht und die Landwirtschaft hat eine wirklich besondere Bedeutung – die sollten wir nicht leichtfertig an den Pranger stellen, sondern genau hinsehen. Und vielleicht anderswo mehr einsparen.

 

In derselben Redaktion: andere Meinung

Die TAZ lässt aber auch jemand anderen zu Wort kommen, das ist das Schöne. Es ist ein Kollege des Autors Maurin, ebenfalls aus dem Ressort Wirtschaft und Umwelt. Der sieht das Ganze erfrischend anders. Zwei Tage später, am 4.11., schreibt er seinen Kommentar zur Sache und nimmt den Vorschlag mit der Fleischverteuerung auseinander.

Diesen Kommentar muss man sich in Ruhe durchlesen, unten steht der Link.

Treffend argumentiert Richard Rother, dass man mit dem Klimaargument wirklich jede Steuererhöhung beim Essen begründen könnte – schließlich findet sich immer ein Lebensmittel, das noch klimafreundlicher ist, bis runter zum Leitungswasser.

Fleisch, sagt er dann richtig, ist aber zu wertvoll, ein Grundnahrungsmittel, das gerade für niedrige Einkommensgruppen und deren Kinder wichtig ist. Die würden benachteiligt, selbst wenn etwa Hartz-IV-Familien mehr Geld für die Lebenshaltung bekommen würde: Es wäre einfach der falsche Anreiz und würde keine ausgewogene Ernährung fördern.

Stattdessen könnte man, so Rother, wirklich unsinnige Steuerermäßigungen abschaffen, etwa beim Tierfutter, und überhaupt müsste man den Mehrwertsteuerdschungel mal lichten. Da ist noch viel Luft drin – Einnahmen, die man zugunsten einer tier- und klimafreundlichen Landwirtschaft verwenden könnte.

Rothe plädiert dann für Verantwortung und gute Ernährungsbildung, um vernünftige Essgewohnheiten zu entwickeln – gegen Verschwendung und riesige Fleischberge auf dem Teller.

 

Schluss mit dem Geschummel

Der Kommentar ist einfach großartig, weil er den Kern der Sache trifft und nicht so platt auf dem Generalvorwurf „Wir essen doch alle viel zu viel Fleisch – so viel Fleisch ist ungesund“ herumreitet.

Und ja, dass weniger Fleisch besser wäre und Fleisch teurer werden muss, ist trotzdem richtig – damit die Massentierhaltung endlich eingedämmt und der Tierbestand reduziert wird.

Allerdings ist die Frage, wieviel weniger das sein muss.

Und es ist die Frage, was wir damit erreichen wollen. Die Nitratbelastung, das Grundwasser, Kosten für Kläranlagen, der Gestank und das Leid der Tiere sind bei der Massentierhaltung tatsächlich große Probleme – nicht in erster Linie ihr Anteil an den emittierten Treibhausgasen.

Da sind vornehmlich andere Player gefragt, ganz vorne: Kohlekraftwerke, zum Beispiel. Auch private Haushalte. Und die lieben Autofahrer. Dazu kommen wir noch.

Auf jeden Fall muss dieses Geschummel mit dem Klimaschutz durch Fleischverzicht endlich aufhören. Und das Getrickse mit der angeblichen Gesundheit.

Beides ist Unsinn, weil Fleischverzicht nicht das Klima rettet. Weil Fleisch nicht pauschal ungesund ist. Und weil Fleischverzicht nicht pauschal gesund ist.

 

Eine Lektion in Küchenpsychologie

Warum wir unseren Fleischverzehr, wenn nicht gleich ganz aufgeben, dann mindestens halbieren müssen, leuchtet Quarkundso.de nicht ein.

10, 20 oder 30 Prozent reduzieren wären doch ein leichterer Einstieg in eine Veränderung? So viel Küchenpsychologie müsste doch inzwischen durchgesickert sein: Ernährungsgewohnheiten kann man nicht von heute auf morgen umkrempeln.

Das haben die öden Diättipps der Art „Müssen es denn Chips vor dem Fernseher sein? Knabbern Sie doch an Karotten!“ gezeigt, die keiner befolgt. Auf einer unrealistischen Maximalforderung zu bestehen führt eben nicht zum Ziel.

Funktionierende Diätkonzepte von Medizinern setzen stattdessen auf kleine Veränderungen, bei denen die persönlichen Vorlieben erhalten bleiben. Es darf dann mal ein Stück Schokolade sein, und die geliebten Kartoffelchips haben auch ihren Platz. Gespart wird anderswo.

Auch dazu gleich noch mehr.

 

So viel Fleisch essen wir gar nicht

Dass die Deutschen doppelt so viel Fleisch essen, wie es angeblich laut DGE gesund ist, ist auch so ein Gerücht.

Dabei behandeln TAZ-Autor Jost Maurin, aber auch viele andere, die Umweltministerin eingeschlossen, die DGE-Regel von maximal zwei- bis dreimal die Woche Fleisch (300 – 600 Gramm) wie den Grenzwert einer gefährlichen Chemikalie: Huhuhu, doppelt so hoch wie erlaubt – ungesund!!!

Das ist absichtlich irreführend.

Nicht nur, weil die Menge von 300 bis 600 Gramm natürlich überhaupt kein Grenzwert ist, nur eine unverbindliche Empfehlung.

Sondern auch, weil die DGE schon seit Jahren auf dem Ökotrip ist und die Nachhaltigkeit als Grund für ihre Fleischration anführt. Nicht die Gesundheit. Der Öko-Effekt hat viel mehr zu dem Richtwert von 300 bis 600 Gramm beigetragen als jedes andere Argument.

Das Gespenst vom überhöhten Fleischkonsum an die Wand zu malen, ist auch faktisch falsch, weil die Deutschen nicht reihenweise tot umfallen, obwohl sie schon seit 60 Jahren viel mehr Fleisch essen als es die DGE empfiehlt.

In dieser Zeit, seit 1950, hat sich der Fleischkonsum verdoppelt und parallel dazu ist die Lebenserwartung gestiegen: von 64 beziehungsweise 68 Jahren (Männer/Frauen) auf 78 und 83 Jahre (Männer/Frauen). Das sind in beiden Fällen über 20 Prozent – und sie steigt weiter.

Mit unseren 60 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr liegen wir im Vergleich unter Industriestaaten sowieso nur im Mittelfeld. Die großen Fleischesser sind andere: die USA, Brasilien, Argentinien, Kanada, Australien. Die kommen auf bis zu 120 Kilo pro Kopf und Jahr. Über zwei Kilo in der Woche.

Wenn man von viel reden will: Das ist viel.

Selbstverständlich kann man sich nicht damit aus der Affäre ziehen, dass man mit dem Finger auf andere zeigt. Aber welche Karten man in der Debatte ausspielt, sollte man sich schon gut überlegen: Sparen – ja. Aber nicht, weil es angeblich so grauenvoll viel und ungesund ist, was wir verschlingen.

Sondern weil wir die Umwelt schonen und den Tieren ein besseres Leben gönnen müssen, bevor wir sie aufessen. Auf diese Argumente kommt es an. Alles andere ist Volksverdummung und kontraproduktiv.

 

Für Klima und Gesundheit: nur noch halb so viel!

Andererseits sticht etwas bei der Formel „Höchstens die Hälfte, für Klima und Gesundheit“ ins Auge: Sie ist betörend simpel, für jeden verständlich und einfach anzuwenden.

Möglicherweise ist das der Grund, warum Klimaschützer und Umweltaktivisten so auf die Halbierung des Fleischkonsums drängen.

Wenn man darüber nachdenkt, wird die Sache immer einleuchtender. Ehrlich – das ist super: Einfach nur noch Hälfte von, sagen wir, unnützem Kram, dann sind Klima und Gesundheit ruckzuck wieder im Lot!

Quarkundso.de wird daher bei der Weltrettung selbstverständlich nicht kneifen und hat den eigenen Fleischverzehr bereits reduziert (Details auf Anfrage).

Dafür fordert Quarkundso.de aber zum Ausgleich, bei anderen – überflüssigen – Lebensmitteln und schlechten Gewohnheiten von Privatleuten diese unschlagbare Faustregel anzuwenden: „Höchstens halb so viel – für Klima und Gesundheit!“.

Hier die kreativen Vorschläge der Redaktion*:

 

Höchstens halb so viel Bier! 2015 lag der Bierkonsum bei 105 Litern pro Kopf und Jahr – das ist für jeden, vom Baby bis zum Greis, ein Bier am Tag. Was das in absolutem Saufen für die notorischen Feierabendtrinker heißt, mag man sich gar nicht ausdenken. Dabei ist Bier für die Ernährung höchst nutzlos und noch nicht einmal ein Lebensmittel. Außerdem enthält es nicht nur den giftigen Alkohol, sondern macht auch noch dick und lässt Männern Brüste wachsen. Ab sofort also nur noch die Hälfte: Höchstens jeden zweiten Tag ein Bier, lieber aber überhaupt keins. Das spart Emissionen im Hopfenanbau und wird auch von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen empfohlen.

Halb so viel Schokolade! Die Deutschen essen mehr Schokolade als die Schweizer, 11,5 Kilo pro Kopf und Jahr, 31 Gramm am Tag. Das sind für jeden etwa zwei Riegel einer Schokotafel. Aber Schokolade ist teures Importzeug, der Kakao-Ernte beruht auf unfairen Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit, von klimaschädlicher Verpackung (Alufolie!) und dem Transport mal ganz abgesehen. Ab sofort also höchstens noch die Hälfte – aber am besten gar keine Schokolade mehr. Das macht Freude, gerade zur Weihnachtszeit, weil man das Klima rettet. Aber der Verzicht lohnt sich, das sagt auch der Verband Deutscher Zahnärzte.

Ganz wichtig: Nur noch halb so viel Kuchen! Der wird weit überwiegend aus Weizenmehl gebacken, und Deutschland muss Weizen importieren, darunter fast zwei Millionen Tonnen aus Tschechien. Da fallen also wieder Emissionen im Transport an, und seien wir mal ehrlich: Kuchen, Stückchen, Torten und Kekse machen doch nur dick und jagen den Blutzucker in die Höhe. Diabetes lässt grüßen. Also bitte gar nichts mehr oder maximal die Hälfte – nicht mehr jeden Tag süße Backwaren in sich reinstopfen, sondern höchstens zweimal die Woche. Das empfiehlt übrigens auch die DGE. Wegen des Übergewichts.

Entscheidend: Halb so viel Autofahren! Die Emissionen aus dem Straßenverkehr sind doppelt so hoch wie die aus der Landwirtschaft. Wir hatten das oben schon. Damit ist die Richtung klar: Nur noch jeden zweiten Tag Autofahren. Die Fahrzeuganzahl pro Familie wird halbiert: Wo es zwei Autos gibt, bleibt nur noch eine Familienkutsche übrig. Höchstens. Dafür werden Fahrräder angeschafft. Das ist auch viel gesünder und wird vom Deutschen Sportbund empfohlen.

Dass es ein Tempolimit geben muss, ist sowieso klar und stand auch schon einmal im Klimaschutzplan: 130 km/h auf der Autobahn, 30 km/h in Ortschaften. Quarkundso.de geht jetzt weiter und verlangt die Hälfte: Überall dort, wo es schon eine Geschwindigkeitsbeschränkung gab, gilt davon das halbe Tempo. Vorher 80 bedeutet jetzt also Tempo 40, vorher 30 bedeutet jetzt 15. Am besten geht man gleich zu Fuß. Auf Autobahnen gilt generell nur 100. Das ist die Hälfte von 200, wer je schneller gefahren ist, hat eh ein Rad ab. Und glaubt mir – das Tempolimit würde richtig was bringen, was Spritverbrauch und Emissionen angeht. Auch für die Gesundheit – man denke an die tödlichen Unfälle durch Raser. Diese Position vertritt auch die Deutsche Verkehrswacht.

Zuletzt, weil der Winter kommt: Halb so viel heizen! Nicht in jedem Raum, sondern nur in jedem zweiten Zimmer die Heizung aufdrehen. Wer das toppen will, reduziert überall die Raumtemperatur auf die Hälfte – 12 Grad statt 24 Grad. Dicken Pulli an, wie Thilo Sarrazin riet, dann geht das schon. In den privaten Haushalten liegt nämlich noch viel Einsparpotenzial. Übrigens empfiehlt ähnliche Temperaturen auch der Deutsche Kneipp-Bund: Gezielte Kältereize stärken das Immunsystem, und ständig überheizte Räume schaden der Haut und der Lunge.

 

Diese Vorschläge zum umfassenden Klima- und Gesundheitsschutz sind natürlich erst der Anfang. Sobald Quarkundso.de das Gesundheits- und das Ernährungsministerium übernommen hat, werden Maßnahmen nach diesem Rezept flächendeckend eingeführt.

Sie werden die Welt retten.

Und bei optimaler Klimabilanz durch das „Höchstens-die-Hälfte“-Programm ist auch wieder ein Stückchen Fleisch drin. Versprochen.

*Achtung! Teilweise ernst gemeint.

©Johanna Bayer

TAZ-Kommentar „Schechtes Klima für Fleischfresser“ vom 2.11.2016

TAZ-Kommentar „Ran an die Buletten!“ vom 4.11.2016

Spiegel-Meldung zur Besteuerung von Milch und Fleisch

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