Im Januar 2026 kam ein neuer Report der WHO heraus, die Weltgesundheitsschützer sorgen sich um das grassierende Übergewicht – und der Streit um die Zuckersteuer geht wieder los. Die Positionen sind verhärtet, dabei könnte es Lösungen geben. Doch die fordern Mut zur Verantwortung.
Eigentlich haben wir überhaupt keine Lust mehr auf diese Zucker-Diskussion.
Aber gerade ist sie wieder hochgekocht, mit dem neuen Report der WHO von Januar 2026, einem Antrag von Daniel Günther, CDU, der in seiner Partei eine Steuer auf gesüßte Getränke durchbringen wollte, einer Doku von TV-Arzt Hirschhausen und einer Runde in „Hart aber fair“.
Wir arbeiten das kurz auf: Die WHO empfiehlt eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke, die CDU hat den Antrag von Daniel Günther aber abgelehnt, sie will keine Steuer auf Limo und Cola.
Die Hirschhausen-Doku stiftet mehr Verwirrung als Klarheit, wenn sie das Langen und Breiten Diabetes Typ 2 und seine Folgen illustriert, über die Hälfte der Sendezeit. Aber diese Suggestion ist populistisch und falsch.
Und in „Hart aber fair“ vom 23.2.2026 dreht sich auch nur die alte Leier: Zucker macht krank, die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert deshalb eine Zuckersteuer, Kinder müssen geschützt werden kam von der einen Seite.
Zucker ist ein normales Lebensmittel, mündige Bürger können selbst entscheiden, Geschmack ist persönlich, Steuern bringen nichts kam von der anderen.
Ergebnis: Das übliche Patt. Keiner bewegt sich.
Hart aber fair: Niemand war neutral
Denn erstens waren alle Anwesenden parteiisch: Befürworter der Zuckersteuer war einmal TV- und Show-Arzt Eckart von Hirschhausen, der sich mit aufrüttelnden Gesundheitsdokus profiliert.
Neben ihm saßen Ex-Gesundheitsminister Lauterbach von der SPD, der auf alles verzichtet, was Spaß macht, sowie Luise Molling von Foodwatch, dort zuständig für Kampagnenplanung. Diese Funktion ist nicht gerade ein Ausweis von Objektivität und Sachkenntnis.
Auf der anderen Seite, der Steuergegner, war eine Partei vertreten, die nicht einmal mehr im Bundestag sitzt, mit ihrer Generalsekretärin Nicole Günther, FDP. Diese Kleinpartei ist bekanntlich gegen alle Steuern, völlig unabhängig von der Sache. Niemanden überrascht, was die zu sagen haben.
Der zweite war ein Vertreter von Fritz-Cola, ein Limofabrikant. Der musste natürlich pro domo reden.
Betroffene: „Eine Zuckersteuer ist sinnlos“
Neben den beiden Gegnern der Zuckersteuer saß noch jemand: eine Betroffene.
Die junge Frau hatte bei einem BMI von 50, also einem Übergewicht von rund 70 Kilo, verzweifelt zur Abnehmspritze gegriffen. Weder Diät noch Ernährungsratschläge, Sport oder Hungern hatten ihr geholfen.
Die wurde wohl den Steuergegnern zugerechnet, weil auch sie sich nichts von einer Zuckersteuer verspricht.
Grund: Ständiges Naschen nannte sie offen eine Sucht und erklärte, dass höhere Steuern oder Preise dagegen überhaupt nicht helfen würden. Betroffene würden sich ihren Stoff einfach anders besorgen.
Eine bemerkenswerte Aussage, die aber bei Streithähnen um sie herum erstaunlicherweise keiner Resonanz fand.
Wer hatte eigentlich was zu sagen?
Zweitens war niemand da, der wirklich Einfluss hatte.
Die oder der eine aktuelle politische Position vertrat, etwa ein amtierender Minister, eine Staatssekretärin, ein Generalsekretär. Oder wenigstens jemand von der CDU, der die Entscheidung der Partei gegen eine Zuckersteuer, die auf dem jüngsten Parteitag gefallen ist, vertreten hätte.
Vor allem war aber kein echter Experte da. Das wäre jemand aus der Ernährungsmedizin oder –wissenschaft gewesen.
Eine solche Fachkraft hätte erklären können, wie Zucker im Körper wirkt, woher ein erhöhter Blutzuckerspiegel kommt, der für so viele Krankheiten verantwortlich gemacht wird, welchen Beitrag Zucker als Stoff zur Übergewichtsepidemie leistet und welche Ursachen Übergewicht hat.
Oder ob Zucker Schuld an Diabetes ist, wie die Hirschhausen-Doku massiv insinuiert.
Spoiler: Das ist er nicht. Zucker ist auch nicht Schuld am Übergewicht.
Aber die Redaktion von „Hart aber fair“ muss wohl nehmen, wen sie kriegen kann. Und scheinbar haben Fachleute keine Lust auf Krawall im Fernsehstudio.
Dabei verlief diese Diskussion noch vergleichsweise zivilisiert. Aber gebracht hat sie nichts.
Die Fakten liegen auf dem Tisch
Jede Seite warf der anderen nämlich vor, unlauter zu argumentieren und Fehlinformationen zu verbreiten.
Dazu wollen wir uns grundsätzlich positionieren: Das kann nicht sein.
Ehrlich, die Fakten sind doch frei zugänglich. Fachleute kennen sie sowieso und sogar Laien können nachlesen, was es mit dem Zucker und der Zuckersteuer auf sich hat: Studien sind da, Reviews, Gutachten, Literaturübersichten, Positionspapiere der WHO, Erfahrungen aus Ländern, die eine Zuckersteuer oder Werbebeschränkungen haben oder hatten.
Warum gibt es immer noch Streit? Warum kann man so etwas nicht vernünftig auswerten und die Tatsachen respektieren? Unter zivilisierten Menschen, die sich zur Wissenschaft bekennen, sollte das doch möglich sein?
Scheinbar ist dem nicht so.
Die Redaktion von Quarkundso.de hat sich daher entschlossen, endlich aufzuräumen.
Nach einem Brainstorming und einer langen Klausursitzung haben wir erarbeitet, was die Klarheit verhindert: Es sind mehrere Totschlagargumente, die immer wieder kommen, dazu Paradoxien in der Sache. Alles zusammen macht die Angelegenheit unerfreulich bis unfruchtbar.
Zuckerstreit: Annahmen, Irrtümer, Widersprüche
Diese Reibungspunkte klar zu sehen und realistisch zu verarbeiten, würde einen Konsens fördern. Daran hapert es aber bisher.
So bleibt an uns wieder die Schmutzarbeit hängen, diese leidige Zuckerdebatte zu entmüllen.
Dabei müssen wir unseren Qualitätslesern leider zumuten, Irrtümer einzugestehen und Widersprüche auszuhalten. Bitte, das liegt nicht an uns, sondern in der Natur der Sache.
Oder an der Welt, wie man es nimmt.
Später gibt es aber auch Lösungen aus dem ThinkTank von Quarkundso.de. Die sind nicht einfach, aber es hat ja auch niemand gesagt, dass sie einfach sein müssen.
Einfache Lösungen gibt es für das Problem nicht.
Aber jetzt der Reihe nach.
Die Frage: Fordert die WHO eine Zuckersteuer?
Dass die WHO in ihrem Report von Januar 2026 eine Zuckersteuer fordert, ist das Totschlagargument der Steuerbefürworter. Rhetorisch gesehen handelt es sich um ein klassisches Eminenz- oder Autoritätsargument, das die Steuerbefürworter unangreifbar machen soll.
Aber die WHO fordert keine Zuckersteuer – Überraschung!
Sie empfiehlt in ihrem Report von Januar 2026 Maßnahmen gegen zuckergesüßte Getränke, umgangssprachlich Limosteuer genannt.
Das ist durchaus ein Unterschied.
Es geht nämlich um ein Ernährungsmuster, in dem so viele überflüssige Kalorien aufgenommen werden, dass Menschen dick werden – mit den bekannten Folgen wie Diabetes, Arthrose, Herzinfarkt oder Bluthochdruck.
Zucker als Zutat oder Inhaltsstoff ist nicht direkt im Visier der WHO. Sonst müsste sie ja Steuern auf alles fordern, was süß ist: Schokolade, Kuchen, Bonbons, Eis, Honig und, Achtung, Obst.
Das tut sie aber nicht. Wir wiederholen: Die WHO fordert keine Zuckersteuer.
Sie propagiert auch kein Zuckerverbot, weil Zucker etwa gesundheitsschädlich sein sollte. Sie spricht im Report von Januar 2026 jedoch davon, dass zuckergesüßte Getränke überflüssige Kalorien in den Körper schwemmen, was das Risiko für Übergewicht erhöht.
Das stimmt, das muss man – Achtung, Steuergegner! – anerkennen.
Daher rät die WHO dazu, gegen den übermäßigen Konsum von gezuckerten Getränken vorzugehen („excessive consumption“), als Gründe nennt sie die überflüssige Kalorien und Karies.
Dagegen kann man schlechterdings nichts sagen.
Aus dem Report herauszulesen, dass Zucker Gift ist oder Zucker an sich der Gesundheit schadet, ist – Achtung, Steuerbefürworter! – tendenziös und schlicht falsch.
Das Problem: Weniger Zucker nützt nichts
Das Totschlagargument der Steuergegner – die zeigen gerne mit Studien und Statistiken auf, dass weniger Zucker nicht weniger Übergewicht bedeutet und dass Zucker- ebenso wenig wie Limosteuern bisher Erfolg hatten.
Teilweise stimmt das: Seit Jahrzehnten ist wissenschaftlich klar, dass es nicht den einen Stoff, das eine Lebensmittel oder die eine Zutat gibt, die Schuld am Übergewicht ist.
Auch gibt es keine gesunden oder ungesunden Lebensmittel, wie Experten zu Recht betonen, wenn die Fraktion der Steuergegner auf von „Ungesundem“ und „ungesunden Lebensmitteln“ schäumt.
Im Klartext: Weder Fett noch Zucker, Fleisch oder andere übliche Verdächtige konnten bisher als einzig Schuldige für Übergewicht ermittelt werden.
Herausgefunden hat man dies, indem man Hundertausende von Übergewichtigen und Adipösen beobachtet und befragt hat.
Ergebnis: Die einen essen sehr viel Süßes, die anderen sehr viel Fett, wieder andere zu viel Brot und Nudeln, weitere trinken sehr viel Bier dazu, alle essen insgesamt zu viel und bewegen sich zu wenig.
Mit anderen Worten, Achtung, Steuerbefürworter: Wer der Meinung ist, dass weniger Zucker in Lebensmitteln Übergewicht bremst oder verhindert, ist blauäuig.
In keinem der Länder, die bisher eine Zucker- oder Limosteuer eingeführt haben, ist das Übergewicht gesunken, auch in England nicht. Bei den erwachsenen Briten steigt es sogar weiter an, trotz weniger Zucker in einigen Süßgetränken.
Andererseits ist wissenschaftlich auch klar – Achtung, Steuergegner! – dass gezuckerte Getränke zu den Treibern von Übergewicht gehören.
Das zeigen Studien seit vielen Jahren: Die ersten Metanalysen dazu gab es schon 2006, weitere 2013, 2015, 2019, zuletzt 2023 und 2024. Auf diese großen Übersichtsarbeiten beruft sich die WHO, wenn sie von robuster oder massiver Evidenz spricht.
Und das ist nur scheinbar ein Widerspruch dazu, dass keine einzelne Zutat Schuld am Übergewicht ist.
Denn mit dem Konsum von zuckergesüßten Getränken steigt das Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit, Diabetes Typ 2 und Herzinfarkt weiter an, selbst wenn sie diese Krankheiten nicht alleine auslösen.
Eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke könnte nun einerseits die Industrie lenken, damit weniger Zucker in der Limo landet. Aber eben – weniger Zucker reicht ja nicht.
Ein Irrtum: Es geht um unsere Kinder
Das moralische Totschlagargument beider Seiten: Es geht um unschuldige Kinder! Sie werden für ihr Leben verdorben!
Deshalb müssen, finden die Steuerbefürworter, Kinder vor Zucker, Naschwerk, Limos und Säften geschützt werden, denn das macht sie dick und krank. Und Werbung dafür sollten sie am besten gar nicht sehen, finden ihre Hardliner.
Aber auch den Steuergegnern geht es um die Kinder, wie oben schon angeführt: Freiheit, Mündigkeit, Aufwachsen in der Konsumwelt, Umgang mit Medien. Das alles sollen Kinder nicht im Schonraum lernen, sondern in der großen, bunten Warenwelt.
Kinder sind jedoch in der Debatte nicht mehr als ein moralisches Feigenblatt. In Wahrheit sind nämlich nicht Kinder, sondern Erwachsene das Problem, zumindest in Deutschland.
Denn bei uns werden Menschen im Erwachsenenalter dick und verfetten im Alter weiter, so dass ab 60 die Normalgewichtigen schon in der Minderheit sind.
Seit über zwanzig Jahren stagniert dabei der Anteil von dicken und übergewichtigen Kindern und Jugendlichen, wie das Bundesinstitut für Lebensmittel und Ernährung BLE erst im September 2025 bekannt gab.
Natürlich sind immer noch zu viele zu dick, rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen laut Robert-Koch-Institut.
Dem stehen aber 67 Prozent Übergewichtige und Fettleibige Erwachsene über 30 gegenüber, ein gewaltiger Unterschied.
In England sind übrigens fast doppelt so viele Kinder und Jugendliche übergewichtig oder fettleibig wie in Deutschland, 27 Prozent.
Nun bringen die Steuerbefürworter immer wieder die Sorge an, dass leicht verfügbare Süßigkeiten in der Jugend zu dicken Erwachsenen führt.
Aber das ist nicht zwangsläufig. Schließlich lieben Kinder auf der ganzen Welt Süßes und essen mehr davon als Erwachsene.
Mit dem Alter wächst sich das normalerweise aus: Wer der hier anwesenden Qualitätsleser hätte als Kind nicht Maoam, Karamellbonbons, Eis und Schoko-Ostereier verputzt, heimlich das Taschengeld darauf verwendet, sich das Zuckerzeug von Oma gewünscht (und bekommen)?
Diese Vergangenheit haben alle, ob dick oder dünn.
Mit dem Heranwachsen und spätestens in der Pubertät differenzieren sich aber Essverhalten und Speisevorlieben – vorausgesetzt, die Kinder bekommen ein entsprechendes Angebot.
Also gutes, vielfältiges, an ihren Bedarf angepasstes Essen, übrigens auch Anreize und Förderung, sich mit anderen Dingen als Essen zu beschäftigen.
Dafür und für eine vernünftige Ernährungserziehung haben – Achtung, Steuerbefürworter! – Erwachsene die Verantwortung.
Erwachsene sind überhaupt verantwortlich, für eine ganze Menge mehr. Auch diesen Gedanken nehmen wir nochmal auf, die Steuergegner wird das freuen.
Der Druck, etwas zu tun – irgendetwas
Nachdem wir einige Fallen der Argumentation aufgespürt haben, sind wir am Boden der Tatsachen angelangt: Politiker, verzweifelte Gesundheitsschützer, selbst die WHO sind fast hilflos mit ihrem Gestrampel. Niemand hat ein Patentrezept hat.
Einfach so weitermachen und gegenseitig mit dem Finger aufeinander zeigen geht aber nicht. Dabei ist es naheliegend und rational – Achtung, Steuergegner! – überflüssige Kalorien ins Visier zu nehmen.
Die stammen sehr häufig aus Lebensmitteln, die wir nicht brauchen, darunter Limo, Cola und Säfte, auch Bier und sonstige Alkoholika.
Wenn man ehrlich ist, braucht man sogar eine ganze Menge nicht, was meterweise in Supermarkregalen liegt – Schokolade, Eis, Kuchen, Pralinen, Kekse, Chips, Salzstangen, Lakritz, Fertigpudding mit Sahne, süße Milch- und Jogurtmixgetränke, Energy- und Kaffee-Drinks.
Das sind keine Lebensmittel des täglichen Bedarfs – und hier setzen wir an.
Vorschlag Nr. 1: Mehrwertsteuer statt Zuckersteuer
Es spricht tatsächlich aus unserer Sicht nichts dagegen, über Steuern nachzudenken. Wir sehen eine solche Steuer aber nicht als Straf- oder Lenkungssteuer für die Industrie, sondern als eine Art Lebensstilumlage für die Gesellschaft. Also für alle.
Der Staat kann damit Geld einnehmen, um Prävention und Forschung zu stärken oder besseres Schulessen zu finanzieren. Das hat Karl Lauterbach in „Hart aber fair“ gefordert, der damit seine Besteuerung speziell von Zuckerzeug begründen wollte.
Mit Letzterem fangen wir an, allerdings würden wir nicht einfach Zucker als Zutat oder nur Limos und Naschzeug besteuern. Sondern Genussmittel, und zwar über die Mehrwertsteuer.
Die teilt Esswaren eigentlich schon sinnvoll ein: 7 Prozent Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel wie Milch, Mehl, Nudeln, Fleisch, Gemüse, 19 Prozent für anderes: Süßigkeiten, Chips, aber auch Kaviar und andere Luxusgüter. Das sind Genussmittel.
In diese Richtung gehen schon seit Jahren Vorschläge, zuletzt der des Bürgerrats für Ernährung 2024. Der empfahl, „gesunde“ Grundnahrungsmittel wie Gemüse und Milchprodukte von der Mehrwertsteuer ganz zu befreien, um Menschen anzuregen.
Mal abgesehen, dass das nicht funktioniert: Der Staat würde dabei Geld verlieren. Das wollen wir nicht – wir wollen Geld schöpfen, und zwar nicht aus einer selektiven Zuckersteuer, wie sie der Bürgerrat vorgeschlagen hat, der gezielt „den Rohstoff Zucker“ besteuern wollte.
Wir wollen möglichst alle unnötigen Lebensmittel identifizieren und besteuern. Das bedeutet übrigens nicht, dass wir diese Produkte rundheraus für „ungesund“ halten, im Gegensatz zu „gesund“. Das gibt es ja nicht, wie wir oben herausgearbeitet haben, zur Freude der Steuergegner.
Aber es gibt sehr wohl Produkte, die für den täglichen Bedarf unnötig sind und die wir auch laut DGE nicht jeden Tag naschen sollen: lecker, aber nicht lebensnotwendig.
Genussmittel eben. Die dürfen gerne etwas teurer sein, damit der Staat ein Zeichen setzt, die Bürger was lernen und Geld für die Folgekosten reinkommt.
Nutella, Marmelade, Sahnetorte
Tatsächlich gehen einem die Augen über, wenn man sich die Liste der sogenannten Grundnahrungsmittel anschaut, die unter dem niedrigen Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent aufgeführt werden.
Zu Recht werden Limo, Cola und Fruchtsäfte mit 19 Prozent besteuert. Gesüßter Fruchtjogurt und alle Arten von Milchmixen liegen aber bei 7 Prozent – rauf damit in den höheren Satz.
Hochkalorische Burger, Pommes frites und andere Fastfood-Gerichte sind auch Kandidaten, die man hochstufen muss. Denn nimmt man sie am Imbiss mit, gehen sie mit den billigen 7 Prozent raus, ebenso als Tiefkühlpackung im Supermarkt.
Mit dem Billig-Privileg versehen sind auch Marmelade und Konfitüre: Die gelten seltsamerweise als „verarbeitetes Obst“, selbst wenn sie zu mehr als der Hälfte aus Zucker bestehen. Was soll das?
Sogar Nutella, strotzend vor Fett und Zucker, genießt den Status eines Grundnahrungsmittels, da „Brotaufstrich“, ebenso wie Honig.
Beide sind aber so lebensnotwendig wie ein fauler Zahn.
Erstaunlicherweise gilt auch Eiscreme in der Großpackung aus dem Supermarkt als Grundnahrungsmittel – wie bitte? Rauf in die höhere Steuerklasse!
Was außerdem konsequent in die höhere Klasse gehört, sind Kuchen, Torten, Krapfen, Donuts, Stückchen, kurz: das ganze süße und fette Zeug aus der Bäckerei. Die dürfen bisher mit dem verbilligten Satz von 7 Prozent nach Hause geschleppt werden.
Vorschlag Nr. 2: Neuer Mehrwertsteuersatz
Die seltsame Klassifizierung entstammt noch der Fresswelle des Wirtschaftswunders 1968, als die Oberen dem Volk etwas Gutes tun wollten.
Diese Zeiten sind aber vorbei – wir haben jetzt andere Probleme.
Deshalb hebt Quarkundso.de den oberen Mehrwertsteuersatz für Genussmittel auch gleich mal an, und zwar von 19 auf 20 Prozent.
Das ist nur minimal mehr für die Verbraucher, an die eine solche Steuererhöhung weitergegeben würde, Centbeträge. Niedrige Einkommensklassen müssen deshalb nicht verzichten.
In der Masse liegen aber die Einnahmen für den Staat definitiv in Milliardenhöhe, verwendbar für Prävention, Forschung und besseres Schulessen.
Zudem sinken in unserem Modell die echten Grundnahrungsmittel nicht auf Null. Die bleiben bei 7 Prozent, Grund: Dick futtern kann man sich auch mit Brot, Nudeln, Fleisch und Wurst. Da müssen wir ehrlich sein.
Ehrlich ist es auch, sich einzugestehen, dass null Prozent Mehrwertsteuer für Gemüse niemanden dazu bringen, an Karotten statt an Chips zu knabbern. Sonst würde das ja jetzt schon funktionieren, schließlich sind Karotten billig genug.
Und wenn wir schon dabei sind, heben wir auch die Steuern für Alkohol aller Arten weiter an, um vielleicht 10 oder 15 Prozent.
Schnaps, Wein und Bier tragen nämlich ganz erheblich zum Übergewicht bei, zumal bei Erwachsenen, die wir im nächsten Abschnitt energisch zur Verantwortung ziehen wollen – Achtung, Steuergegner!
Kleine Brauereien und Winzer kann man natürlich wieder entlasten, wenn sie jammern, auch sonstige Kleinproduzenten wie Imker.
Ansonsten stellt unsere Genussmittelsteuer ausdrücklich keine generelle Erhöhung der Mehrwertsteuer dar, die alle Waren betrifft und vor der so oft gewarnt wird, Wahlversprechen, Belastung der ärmeren Einkommensschichten etc. pp.
Sie ist gezielt und richtet sich gegen Prassen und Übermaß – gegen erklärte Dickmacher, bei denen alle die Augen zumachen.
Vorschlag Nr. 3: Das Prinzip Verantwortung
Damit kommen wir zum letzten Punkt, der Verantwortung aller gesellschaftlicher Kräfte.
Dazu gehört neben der Politik natürlich die Ernährungsindustrie, die weiter an Rezepten und Reduktion arbeiten muss. Dazu gehören aber auch die Konsumenten – die erwachsenen, mündigen Bürger, wie sie so oft in der Debatte bemüht werden.
Ihre Verantwortung kommt in der Diskussion – Achtung, Steuergegner! – oft zu kurz, sie wird geradezu abgelehnt.
Die Zuckerfeinde stellen dabei Kinder ohnehin, aber auch Erwachsene gerne als Opfer dar, und zwar als Opfer von allem: der Ernährungsindustrie, der Werbung, der Politik, der Verhältnisse, eigentlich des Wohlstands überhaupt.
Wenn nicht überall „Ungesundes“ so billig zu haben wäre, so das Argument, hätten wir kein Problem: „Wir leben in Verhältnissen, in denen es schwer ist, sich gesund zu ernähren“, so Luise Molling von Foodwatch in Hart aber fair vom 23.2.2026, und Eckart von Hirschhausen bestärkt, es sei „ so leicht, in diesem Land krank zu werden“.
Doch es ist geradezu wahnwitzig, den Wohlstand, der so lange erträumt wurde, als Hindernis für ein gesundes Leben zu betrachten. Ein riesiges Lebensmittelangebot, ein weltweit einzigartig ausgebautes Gesundheitssystem ebenso wie der einzigartig günstige Zugang zu Sport und Kultur sollen das Problem sein?
Tatsächlich war es noch nie so leicht – und so billig! – sich dermaßen vielfältig, wohlschmeckend, bedarfsgerecht, gesund zu versorgen.
Dabei Normalgewicht zu halten und sich kein massives Übergewicht anzufuttern, muss von Erwachsenen verlangt werden können.
Das bedeutet, dass normalgewichtige Menschen, die nicht an früher, krankhafter Adipositas leiden, im Erwachsenenalter ihr Körpergewicht kontrollieren müssen. Aus Verantwortung für sich und für ihre Kinder, und als Mitwirkung am Wohl aller im Sozialstaat.
Zugleich müssen Medizin, Sozialmedizin, Psychiatrie mehr Angebote zu Prävention und Therapie bereitstellen. Dafür war die Aussage der jungen Betroffenen im Fernsehstudio so wertvoll: Ihr Übergewicht ist Folge einer Sucht.
Auch beim Essen: Eltern haften für ihre Kinder
Unter den Erwachsenen aber gibt es noch eine Gruppe, die man besonders adressieren muss: Eltern sind in der Pflicht, ihre Kinder angemessen zu versorgen und vernünftig zu erziehen. Das steht so im Grundgesetz.
Allerdings hat sich eine Art Schonhaltung breitgemacht, nach der Eltern und besonders Müttern niemals reingeredet werden darf, damit man sie nicht „überfordert“. Auf keinen Fall dürfen sie „unter Druck“ gesetzt werden, so dass das Recht, ihre Kinder nach eigenem Gusto zu erziehen, über allem steht.
Wir wollen das nicht juristisch oder historisch diskutieren, im Hinblick auf Grundgesetz, Nazizeit und so weiter.
Wir wollen aber darauf hinweisen, dass die Entscheidung von Eltern, Kinder von Schul- oder Kitamahlzeit abzumelden, ihren Kindern kein Pausenbrot mitzugeben, kein warmes Essen zu kochen und sie mit Schokoriegeln und Limo vor dem Fernseher zu parken, im Hinblick auf das Kindeswohl mindestens offen diskutierbar sein müssen.
Eltern müssen auch für Grenzen sorgen. Wenn Limo und Cola nicht automatisch zum Essen auf dem Tisch stehen, wenn es vernünftige Mahlzeiten gibt und nicht nach jedem Konflikt zum Trost ein Eis, können weder Werbung noch Quengelangebote im Supermarkt Kinder manipulieren.
Die sind dann einfach da. Aber echtes Essen ist besser.
@Johanna Bayer
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