Archiv für den Monat: März 2018

Fasten ist für Doofe, sagt die FAZ. Aber was, bitte, ist das für ein Text?

In der FAZ ärgert man sich über das Fasten, eine Redakteurin polemisiert dagegen nach Kräften: Sie hält dieses „verstaubte religiöse Ritual“ für einen bloßen Vorwand, den verklemmte Selbstoptimierer nutzen, um sich Genüssen zu verweigern. Man kann dieser Meinung sein. Aber man kann es nicht schreiben – nicht so. Daher erlaubt sich Quarkundso.de ein paar Anmerkungen zum journalistischen Handwerkszeug und eine kleine Gegenrede zu stumpfen Büroritualen und dem heiligen Geburtstagskuchen. 

 

Drei gegrillte Sardinen

Fastenessen: traditionell Fisch.

Es ist Fastenzeit, daher kommt nach der Sache mit dem Übergewicht und Plasberg wieder was mit Verzicht. Das ist zwar langweilig, aber was sollen wir machen.

Wenn ein Thema so aktuell ist, müssen wir reagieren, da hat Quarkundso.de keine Wahl.

Wir sind das Opfer.

Zum Glück bietet aber der Fall, der heute behandelt wird, viel Abwechslung.

Es geht um die Berufsehre der Journalisten, ihr Handwerkszeug und ihre Kernkompetenz, gewisse redaktionelle Pflichten, außerdem natürlich ums Fasten im Allgemeinen und im Besonderen, und dann noch um Bürorituale, unfeine oder elegantere Ausflüchte und eine deutsche Obsession namens Geburtstagskuchen.

Ein buntes Programm, und alles abgehandelt an einem einzigen Artikel aus der FAZ. Das ist doch schön.

Bei der FAZ hat man sich nämlich mit dem Fasten vor Ostern beschäftigt, einem saisonalen Bedürfnis nach Pause vom Konsum, das zur vorösterlichen Bußzeit gehört und mit allerlei religiösen Pflichten einhergeht. Die Pfarrer freuen sich, dass das Konzept in den letzten Jahren auch bei einer wenig religiösen Klientel ins Blickfeld gerät.

Die FAZ aber ärgert sich.

In Frankfurt ist man gegen das Fasten. Schon letztes Jahr hat im FAZ-Blog eine Psychologin gegen Verzicht und Abnehmversuche polemisiert, Quarkundso.de berichtete.
Dieses Jahr hat das Ressort Gesellschaft eine Breitseite gegen das Fasten abgeschossen, übrigens am Tag der gesunden Ernährung, dem 7.3.2018.

 

Fasten? Alles Kokolores

Das ist insofern bemerkenswert, als dass eine Form des Fastens, das Intervallfasten, gerade ganz groß rauskommt. Viele entdecken, dass diese Art von Nahrungspause an nur ein oder zwei Tagen in der Woche sehr effektiv sind, um das Gewicht zu regulieren. Vor allem lässt sie sich ganz einfach praktizieren.

Die FAZ sagt: Alles Kokolores.

Das neue Gesundheitsheft von Gruner&Jahr hat mit dem Thema Intervallfasten einen Hit gelandet. Dort hat der Fernseharzt Eckart v. Hirschhausen von seinen persönlichen Erfahrungen mit dem Kurzzeitfasten berichtet: 10 Kilo abgenommen, Gewicht gehalten, einfaches System. Er berichtet auch über Studien und spricht mit einem Fastenexperten und Forscher. Das Heft war sofort ausverkauft, man musste nachdrucken.

Auch ohne Promi-Faktor erscheint ein Arzt nach dem anderen auf diversen Kanälen und betont, dass dieses Intervallfasten speziell Diabetikern und Übergewichtigen Kalorien ersparen kann, ohne dass übermäßiger Hungerstress auftritt. Intervallfasten ist nicht radikal, greift nicht tief in die Essgewohnheiten ein und bedeutet keinen langfristigen Stress wie Diäten mit strenger Kalorienreduktion, die man über Monate durchhalten muss.

Die FAZ: Der Quatsch nervt.

Forscher und Mediziner erklären dazu außerdem, dass der kurzzeitige Nahrungsverzicht und eine längere Nahrungspause am Tag geradezu artgerecht für den Menschen ist, weil das ständige Futtern zwischendurch, etwa von Kuchen, Schokoriegeln und Chips, den Stoffwechsel überfordert. Das Intervallfasten macht es laut Praxisberichten sogar möglich, dass der Körper sich umstellt und man schädliches Essverhalten mit dem Kurzzeit-Verzicht ganz loswerden kann.

Die FAZ höhnt: Spaßbremsen, elende!

Tatsächlich lehnt die Autorin des kleinen Artikels in der FAZ das Fasten rundheraus ab, hält es, was Mäßigung beim Essen angeht, für nur vorgeschützt und für einen „verstaubten religiösen Ritus“ (wörtlich), alles in allem nichts als Imagepolitur prahlerischer Selbstoptimierer, die zeigen wollen, wie gut sie sich selbst beherrschen können.

 

Eine Welt voller verklemmter Selbstoptimierer

Jetzt ist natürlich die Frage: Welche Gründe hat man in Frankfurt für das Verdammen der Fastenpraxis? Wo und wie hat die Autorin recherchiert, welche Argumente hat sie? Und was ist das eigentlich für ein Beitrag?

Letzteres, das journalistische Genre, ist nicht so einfach auszumachen: ein Kommentar? Eine Glosse? Ein Bericht?

Aufhänger ist ein Geburtstag in der Redaktion, von dem die Autorin erzählt.

Da hat ein Kollege Kuchen mitgebracht und nicht alle Stücke gingen weg; das sei doch traurig und unhöflich; in welcher Welt leben wir denn, dass nicht einmal einer Kuchen mitbringen kann, ohne dass Leute sagen „Nein danke, für mich nicht“, und zwar mit Berufung auf die Fastenzeit.

Dann entwickelt sie ihre Thesen: Die Verweigerer behaupten, dass sie fasten, weil das schicker und trendiger klingt als Diät oder Daueraskese.

„Fasten hingegen ist sexy, Fasten bedeutet, dass man sich selbst im Griff hat, zwar nur für vierzig Tage, aber hey … Und so treiben sie dahin, die Fastenden und Intervallfastenden: Frei von Wassereinlagerungen, fester Nahrung und Zwängen („Ich brauche kein Essen, um glücklich zu sein.“) schweben sie durch einen zucker- und spaßbefreiten Alltag.“

Den wenigen, die vielleicht doch aus religiösen Gründen fasten, bescheinigt die Autorin, dass sie das Ganze falsch verstehen. Verzicht auf Schokokuchen habe Jesus nämlich nicht gewollt. Im „religiös-traditionellen Sinne“ gehe es „selbstverständlich ums Entgiften“.

Kein Witz, das steht da wirklich, in der FAZ – Jesus auf Detox.

 

Das böse G-Wort

Gemeint ist das von der Autorin als Entgiften „im körperlichen und im geistigen Sinn“: „ungesunde Gewohnheiten loslassen, sich von höheren Gedanken leiten lassen.“

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Die Goldenen Blogger: Nominiert als einer der vier besten Foodblogs 2015

Diese Definition ist so anachronistisch wie oberflächlich – Lifestyle-Wischiwaschi für eine Leserschaft, der das böse G-Wort gar nicht erst zugemutet werden kann: Gott.

Um den geht es aber beim Fasten vor Ostern, und zwar nach dem Verständnis der katholischen Kirche.

Denn die Protestanten haben keine Fastenpflicht, oder von welchen Religionen redet die Autorin? Im Besonderen geht es aber um Buße und Umkehr, um das Evangelium und die Vorbereitung auf Ostern.

Mit lästigen Fakten will sich die FAZ-Frau aber nicht aufhalten. Sie tut einfach, als gäbe es so etwas wie ein allgemeines „religiös-traditionelles“ Fasten, wie im spirituell beliebigen Retreat des Yoga-Zentrums um die Ecke.

Nach ihrem Verständnis ist es auch vollkommen egal, worauf man verzichtet, Hauptsache irgendwie „entgiften“. Am Ende fordert sie daher, dass Leute in der Fastenzeit lieber nicht auf das Essen von Süßigkeiten, sondern zum Beispiel auf das „Doof-Sein“ verzichten sollten.

Das sei doch wenigstens was Soziales und der arme Kollege hätte seine köstlichen Kuchen nicht wieder nach Hause tragen müssen.

Spätestens an dieser Stelle wird zumindest das Genre klar: Es sollte was Humoristisches sein. Was für die junge Zielgruppe, unter 30, zu der die FAZ-Frau selbst gehört.

 

Viel Meinung, schlechtes Handwerk

Nun liegt die gesamte Redaktion von Quarkundso.de ganz knapp außerhalb dieser Altersgrenze von „unter 30“. Mit dünnen, verkniffenen Lippen sitzt die Chefredakteurin vor dem Text, neben sich einen ungesüßter Kräutertee, denn es ist Fastenzeit.

Was Religiöses angeht, verstehen wir altersgemäß wenig Spaß. Noch weniger Spaß verstehen wir – aus Gründen – bei Recherchefragen rund ums Essen. Bei Textfehlern dagegen sind wir eher nachsichtig. Gerade, wenn es um Anfänger wie diese Autorin geht. In einem Online-Portal oder so.

Aber nicht bei der FAZ.

Wer so angibt mit seinem Renommee und diesem Slogan mit dem klugen Kopf, der muss auf einen groben Klotz auch einen groben Keil vertragen: Was ist das für ein Text? Hat da niemand drüber geschaut?

Wobei hier keineswegs billiges Personal aus der Riege der hungerleidenden Freien schreibt. Sondern eine fest angestellte Redakteurin des Ressorts Gesellschaft.

Da darf man ein paar unbequeme Fragen stellen.

Zuerst kommen die reinen Recherchepflichten dran: Auch bei einem humoristischen Stück ebenso wie bei Meinungsbeiträgen muss zur Sache selbst etwas kommen. In diesem Fall wäre das ein Wort zum medizinischen Fasten, neben dem religiösen.

Schließlich verdammt die Autorin auch das Intervallfasten, das aus der medizinischen Forschung stammt. Fasten aus gesundheitlichen Grünen haben aber schon antike Ärzte lange vor dem Aufkommen des Christentums verordnet und es gibt meterweise Literatur dazu, zum Beispiel bei Rheumakrankheiten.

Ein Satz hätte genügt. Diesen Hintergrund komplett auszulassen, ist ignorant.

Dann: Das religiöse Fasten hat mit „Entgiften“ wenig zu tun, und es ist offensichtlich, dass die Autorin keine Ahnung von den Fastenregeln etwa in der katholischen Kirche oder überhaupt in Religionen hat. Ganz abgesehen davon, dass die esoterische Modevokabel „Entgiftung“ an sich schon verdächtig ist. Hier aber wird sie höchst unbedarft verwendet und in der Definition des Fastenbegriffs von der Autorin sogar positiv besetzt.

Eine anständige Redaktion hätte da eingreifen müssen.

 

Gewollt und nicht gekonnt

So urteilt die Autorin nur, ohne den Sachverhalt zu kennen.

Ihren fastenden Kollegen wirft sie dabei Heuchelei und Angeberei vor. Denn „in der Welt der Selbstoptimierer“ komme jeder noch so „profane Vorwand gerade gelegen“ um „sich selbst zu geißeln und noch fitter zu werden.“

Moment – wieso „profan“? Das bedeutet doch „weltlich“, im Gegensatz zum Sakralen? Und die Autorin redet an dieser Stelle gerade von einem religiösen Grund, den die Spaßbremsen vorschützen, um ihre Selbstkasteiung zu rechtfertigen.

Sollte sie vielleicht so etwas gemeint haben wie: „jeder noch so abstruse Vorwand“? Oder „jeder unglaubwürdige“, „fragwürdige“, „zweifelhafte“, „abwegige“? Das hätte zu ihrer Aussage gepasst.

„Profan“ passt nicht und legt leider nahe, dass die Autorin nicht weiß, was dieses Wort bedeutet. Das wiederum passt zu ihren Bildungslücken bei der Religion, und auch hier hätte eine Redaktion klarstellen müssen, worum es geht.

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Wissenschaftsblog 2015: Sonderpreis der Redaktion „Wissenschaft kommuniziert“

Damit wären wir in der Sphäre des journalistischen Texthandwerks.

Hätte es einen ordentlichen redaktionellen Durchgang gegeben, wäre der „Schokladenkuchen“ in der Bildunterschrift auch rausgeflogen.

So ein Tippfehler ist zwar eine lässliche Sünde, das kann passieren. Schlusskorrektoren gibt es ja kaum noch, schon gar nicht im Online-Bereich. Wobei sich die FAZ übrigens, wenn es um Fehler geht, gerne auf die schlampigen Onliner rausredet, wie wir aus gut informierten Kreisen wissen.

Aber richtig peinlich wird es, wenn die Autorin erklären will, warum es früher mal zwei Fastentage in der Woche gab. Da textet sie:

„Der Mittwoch erinnert an den Verrat Jesu, der Freitag an seine Kreuzigung.“

Das ist schon mehr als ein durchgerutschter Tippfehler. Das ist ein dicker Grammatikpatzer, der, ebenso wie die irreführende Verwendung von „profan“, in eine fatale Richtung geht: gewollt und nicht gekonnt.

 

Profis müssen das spüren

Der hochgestochene lateinische Genitiv der U-Deklination „Verrat Jesu“ gehört sowieso in eine Predigt, nicht in ein Publikumsblatt. Hier wirkt die Form aufgebläht und bemüht. „Der Verrat an Jesus“ hätte genügt, den Text davor hätte man dazu leicht anpassen können.

Autoren, die mit Latein angeben wollen, sollte aber auf jeden Fall klar sein, dass „der Verrat Jesu“ in erster Linie bedeutet: „der Verrat, den Jesus begangen hat“.

Also nicht: „der Verrat, dem Jesus zum Opfer fiel“. Und den folglich ein anderer begangen hat.

Zu schreiben, das Fasten am Mittwoch erinnere an den Verrat Jesu, obwohl es der Verrat des Judas war, ist nicht irgendein Lapsus. Er gehört zum Typ Kategorienfehler – wenn es mit der Logik hapert. Das ist mehr als nur ein Textproblem.

Wenn redigiert worden wäre, hätte man das rausgekämmt, ebenso die falsche Wortwahl an einer anderen Stelle:

„Allein, der ehemalig religiöse Brauch wurde von den Fitness-Influencern und Yoga-Lehrern dieser Welt zweckentfremdet.“

„Ehemals“ muss das heißen, „ehemalig“ ist, sorry, die falsche Wortart.

Auch das ist ein sprachlogischer Patzer der Art Kategorienfehler. Wer Profi ist, braucht die Wortarten aber nicht erst im Duden nachzuschlagen. Was geht und nicht geht, muss man spüren, das sind die absoluten Basics.

Dabei geht es nicht um – unvermeidliche – Betriebsunfälle wie kleine Tippfehler, und auch nicht um Deutschlehrer-Gemaule oder geschmäcklerische Kritik. Es geht um die Art von Sprachgefühl, das für Journalisten so etwas ist wie das Beherrschen der Grundrechenarten für Bankkaufleute.

Wobei es tatsächlich vorkommt, dass Autoren ordentliche Texte machen und erleben, dass ein Redakteur verschlimmbessert (wir können das beweisen).

Aber egal, wer es verbockt hat: Für ein Blatt wie die FAZ geht so etwas nicht. *

 

Die heiligen Bürorituale

Jetzt soll mit der Sprachpingelei aber Schluss sein. Wir kommen in Teufels Küche, wenn sämtliche FAZ-Praktikanten rachsüchtig bei Quarkundso.de auf die Suche nach Fehlern gehen. 

Kommen wir also endlich zu den Inhalten. Zum Kern der Sache, dem – vorgeschützten – Fasten. Das ist ja das Thema der Autorin, am Beispiel des verschmähten Geburtstagskuchens.

Sie fragt:

„Warum aber waren die Kollegen so wenig fress- und schokoladenwütig?“

Als ob Fress- und Schokoladenwut der Naturzustand des Menschen wäre.

Es ist doch mehr als verständlich, dass einige Kollegen dankend ablehnen. Wir jedenfalls verstehen es. Vielleicht haben die Ärmsten in ihrer Not das Fasten tatsächlich nur vorgeschützt, und zwar aus Höflichkeit. Schließlich fürchten nicht wenige die ständigen Feiern im Büro – Einstände, Ausstände, Beförderungen, Projektabschluss und dann die Geburtstage.

Denn seien wir mal ehrlich: Es hat doch dauernd jemand Geburtstag.

In Stoßzeiten, also im September und Oktober (die Weihnachtskinder) und im Januar und Februar (die von Ostern) stellt dreimal in der Woche einer Kuchen, Gummibärchen, Schokolade und Marshmellows auf den Tisch und entkorkt einen Sekt, wobei es zur Feier des Tages auch mal was Feineres sein darf – Freixenet semi seco. Dann strahlt er oder sie in die Runde und ist beleidigt, wenn man nicht kräftig zulangt. Durchaus zu Recht, aber das hält erheblich von der Arbeit ab. Die drängt bisweilen, gerade bei der Tageszeitung.

Wenn man Pech hat, wird das Ganze statt Mittagessen aufgetischt: „Du brauchst heute nicht in die Kantine, ich hab was Leckeres mitgebracht, in der Teeküche um 12. Du kommst doch?“.

Für Leute mit erwachsenem Geschmack und vernünftigem Essverhalten ist das tragisch. Denn man kann schlecht ablehnen, aus den von der FAZ genannten sozialen Gründen. Man mag ja die Kollegen gerne, aber manche Leute wollen mitten am Tag keinen Kuchen oder Süßzeug essen, und schon gar nicht das warme Mittagessen dafür ausfallen lassen. Der gesamten Redaktion von Quarkundso.de wird schon bei dem Gedanken daran schlecht.

Käsekuchen, hausgemacht

Geburtstagsterror im Büro: Käsekuchen. Mit Liebe gemacht.

Denn es gibt sie, Erwachsene, die sich wie Erwachsene ernähren. Also von einem gescheiten Mittagsgericht als Hauptmahlzeit. Nicht von Kuchen und Naschwaren.

Es gibt tatsächlich auch Leute, die, selbst wenn sie nicht gerade fasten, nicht jeden Tag Süßes mögen, sondern nur ab und an. Auch ist wahlloses Zwischendurchfuttern nicht jedermanns Sache.

Dazu müssen diese Menschen sich nicht kasteien. Es ist natürlich, nicht ständig Gier nach Süßem zu haben.

Das Gegenteil ist es nicht, das nur am Rande.

Und es gäbe dazu eine Menge zu sagen, was wir bei nächster Gelegenheit wortreich nachholen werden.

Jetzt aber nicht. Jetzt begnügen wir uns damit, zu konstatieren: Eine ganze Reihe von Menschen mag Süßes nicht besonders und nicht so oft. Viele bevorzugen Salziges und Herzhaftes, das ist normal.

 

Diät, Antibiotika oder Arzttermin

Beim Büro-Geburtstag kommt aber selten jemand auf den Gedanken, für diesen – erheblichen – Teil der Menschheit mittags einen schönen Aufschnitt zu servieren.

Käseplatte, drei Stück Käse, Schälchen mit Saucen und Fruchtzubereitungen

Bitte mal was anderes. Vielleicht eine Käseplatte?

Oder kaltes Roastbeef mit ein paar Gewürzgürkchen und Laugenbrezeln, vielleicht noch eine selbstgemachte Sauce Tartare dazu. Oder eine Käseplatte.

Nein, es muss ein Geburtstagskuchen sein.

Und erschreckend oft ist ein betonschwerer, nasser Käsekuchen im Spiel.

Gerne nach dem Rezept der sächsischen oder schlesischen Oma, dann gibt es statt Freixenet halbtrockenen Rotkäppchen-Sekt.

Die Variante im hippen Ambiente sind Donuts mit Zuckerguss in Giftfarben. In dieser Szene drohen auch vegane Kuchen, die eiskalt aus dem Kühlschrank kommen, weil sonst die Füllung vom Kekskrümel-Boden fällt.

Oder die trocken und extrem süß sind („der ist aber gesund, da ist kein Zucker drin, nur Agavendicksaft!“).

Ja, ist klar. Dankeschön, sehr lecker.

Ehrlich, es ist hochnotpeinlich, dem auszuweichen, wenn man nicht zur Fraktion der Süßesser und Liebhaber halbtrockener Kreszenzen gehört. Dann muss man halt manchmal was vorschützen: Fastenzeit, Diät, Antibiotika, ganz viel Arbeit oder einen Arzttermin in der Mittagspause.

Die elegante und faire Lösung ist es natürlich, einen Kaffee oder Tee (heimlich ohne Zucker) mitzutrinken und zu fragen, ob man sich von dem köstlichen Kuchen was einpacken kann.

Dann freut sich das Geburtstagskind, der Kuchen kommt weg und wer ihn wann isst, kann man selbst bestimmen.

Die bessere Lösung sind weniger stumpfe Fress-Rituale im Alltag.

Das aber ist der Beginn einer langen, langen Serie.

©Johanna Bayer

Artikel in der FAZ über Fasten als „bessere Diät“ vom 7.3.2018

Fasten mit der FAZ 2017 bei Quarkundso.de

 

* Den Stand des Textes mit Datum vom 11.3.2018 kann die Abteilung Dokumentation bei Quarkundso.de natürlich belegen, ist als PDF gesichert.