Archiv für den Monat: Juni 2016

Auf Krawall gebürstet: Aromastoffe bei „Vorsicht, Verbraucherfalle!“ in der ARD

 

Verbraucherformate in den Öffentlich-Rechtlichen nehmen fast überhand. Von Marktcheck bis Nelson Müller stellen sie immer dieselben Fragen. In der ARD ging es nun um Aromastoffe und die Frage, ob Verbraucher getäuscht werden, wenn „Aroma“ draufsteht und Chemie drin ist, Doch die Sendung schießt dramatisch über das Ziel hinaus – eine ins Bild gesetzte Verschwörungstheorie.

 

Petrischale mit Kiwischeibe, Reagenzgläser, Kolben

Obst oder Chemie? Manchmal ist es keines von beiden. Bild: Shutterstock / Nixx Photography

So. Jetzt nochmal ganz deutlich für alle:

Wer industriell hergestellte Lebensmittel kauft, bekommt einen Chemiebaukasten voller Zusatzstoffe, Farbstoffe und Aromastoffe.

Ist das eine Nachricht? Nein.

Das ist keine Nachricht. Denn es ist nicht neu, alle wissen es, man kann sich darüber informieren und selbst entscheiden, ob man das Zeug essen will oder nicht.

Trotzdem kann man darüber eine Fernsehsendung machen.

Aufklärung ist ja nie falsch, und manche Dinge kann nicht oft genug sagen. Daher gab es neulich in der ARD einen Beitrag zum Thema Aromastoffe, in einer Sendung mit dem schönen Titel „Vorsicht, Verbraucherfalle!“, produziert vom SW.

Das Thema Aromastoffe ist wichtig, sehr wichtig. Es liegt Quarkundso.de sogar ganz besonders am Herzen.

Bevor es ans Eingemachte geht, müssen allerdings ein paar Dinge geklärt werden.

Erstens nehmen die Verbraucherformate in den Öffentlich-Rechtlichen nervtötend überhand.

Markencheck, Tim Mälzers Lebensmittelcheck, Markt, WISO und Plusminus, die tapfere Hausfrau Yvonne Willicks, der uralte ARD-Ratgeber und das ARD-Buffett, aufgepimptes Hochglanz-Dokutainment im ZDF mit Nelson Müller und „seinen Freunden“, schon wieder Tim Mälzer – und immer geht es nur darum, wie treuherzigen Kunden das Geld aus der Tasche gelockt wird.

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Zweitens ist der Subtext der Sendungen noch nervtötender.

Er hat so eine unangenehme Note. Im modernen Psycho-Sprech nennt man sie Opferdenken, früher hieß es Klassenkampf: „Die da oben – wir hier unten“, „Immer auf die Kleinen“, „Die ziehen uns nur über den Tisch“, „Wie wir von Konzernen und Politikern belogen werden“.

Am schlimmsten sind ja die Discounter-Tests mit Fertiggerichten. Ich meine – wer kauft denn so einen Schrott? Und fragt sich dann noch, ob er für seine paar lumpigen Kröten auch wirklich Qualität bekommen hat und nicht etwa übervorteilt wurde?

Jaja, schon gut. Ich weiß. Millionen von Leuten kaufen das Zeug. Das ist ja der Ärger.

 

Wenn „Aroma“ draufsteht, ist Chemie drin

Deshalb, um jetzt zum Thema zu kommen, muss man über industrielle produzierte Lebensmittel und Zusatzstoffe wie Aromen informieren. Darum also ging es am 6. Juni 2016 in der ARD-Verbraucherfalle, produziert vom SWR. Aromastoffe sind überall, sie stecken in praktisch jedem Lebensmittel, das industriell hergestellt wurde. Es gibt fast nichts mehr ohne Aromastoffe.

Die gute Nachricht ist: Sie müssen als Zutat ausgewiesen werden, also auf dem Etikett stehen. Es muss auch klar sein, aus welcher Quelle sie stammen. Da ist das Lebensmittelrecht sehr penibel.

Die schlechte Nachricht ist: Wann immer nur das eine Wort „Aroma“ draufsteht, ist Chemie drin. In Säften, Limos, Bonbons, Eis, Soßen, Fertiggerichten, Dips, Milchprodukten, Kuchen, Torten, Wurst, Schinken, wirklich überall. Und bei loser Ware steht es noch nicht einmal drauf.

Leider dominieren diese Industrielebensmittel in einer solchen Masse den täglichen Verbrauch, dass man es kaum vermeiden kann, Aromastoffe aufzunehmen. Und wer viele Fertiggerichte isst, achtet wohl kaum darauf, welchen schlechten Geschmack er sich angewöhnt.

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Dabei gibt es bessere und schlechtere Aromastoffe, was die Zusammenstellung und die Qualität angeht. Und es gibt verschiedene Rohstoffquellen. Neben den künstlich hergestellten Geschmackszutaten gibt es noch „natürliches Aroma“ aus irgendwelchen Rohstoffen wie Holz, Schimmelpilzen oder Ölen. Und echte Aromen oder Extrakte aus den Originalstoffen, dann muss Vanille-Aroma, Erdbeer-Aroma oder ähnliches draufstehen. Nur dann stammt das Aroma auch aus der Vanilleschote oder der Erdbeere.

So weit, so gut. Das sollte man wissen, und es ist nicht falsch, dass der SWR einen ausführlichen Beitrag macht, um darüber aufzuklären.

Blöd ist aber, wenn Offensichtliches aufgebauscht, Wesentliches verschwiegen und Wichtiges verzerrt wird.

 

Etikettenschwindel ist das kleinere Problem

Da ist also SWR-Reporter Sebastian den „Aroma-Tricks der Lebensmittelindustrie“ auf der Spur (O-Ton Sendung). Er ist auch sicher, ebenfalls Originalzitat, dass „keiner blickt“, wo überall Aromen drinstecken, was Kennzeichnungen bedeuten und warum die Industrie zum Beispiel „ohne künstliche Aromastoffe“ auf die Packung schreiben darf, wenn doch Aroma drinsteckt.

Aber wirklich – das ist uns doch landauf landab in einschlägigen Berichten schon hundert Mal erklärt worden. Seit mindestens fünf Jahren ist dieses Etiketten-Thema ein Dauerbrenner der Verbraucherzentralen, bei Foodwatch und vielen Verbänden.

Das schon wieder groß aufzubauschen bringt nicht weiter.

Noch dazu ist das Reduzieren auf den Aspekt der Kennzeichnung und das angebliche Vorgaukeln falscher Tatsachen samt Schönfärberei auf der Packung weiß Gott nicht das größte Problem an der Sache.

Dazu kommen wir gleich – in der Sendung folgt nach dem steilen Einstieg erstmal eine wirre Reihe von Vor-Ort-Besuchen (Chemielabor), Tests (an Passanten, an Feinschmeckern in einem Lokal) und oberflächlichen Thesen.

Sebastian geht zum Beispiel zu einem Chemieprofessor ins Labor und lernt dort, dass Ananas-Aroma aus Weißkohlstreifen entsteht, wenn man diese mit Traubenzucker und Salz versetzt. Auch kann der Professor Vanillearoma aus Rizinusöl machen.

Das ist, man muss es einräumen, nicht wirklich abschreckend, wenn man Bilder und Interviews sieht. Im Gegenteil. Es ist interessant – Schüler hätten im Chemieunterricht ihre Freude daran. Noch dazu wirken Labor und Professor freundlich und engagiert.

Dumm gelaufen.

 

Wenn das Storytelling knirscht

Denn Sebastian will uns eigentlich das Fürchten lehren, kann aber die netten – von Steuergeldern bezahlten und redlich arbeitenden – Lebensmittelchemiker nicht in die Pfanne hauen.

Da knirscht es schon ein wenig im Storytelling.

Und ehrlich, ich finde es nicht schlimm, etwas aus Weißkohl zu mir zu nehmen. Was soll daran das Problem sein? Wobei es natürlich ein Problem gibt – doch das sagt und zeigt Sebastian uns nicht.

Denn seine ganze Argumentation beruht auf dem längst abgefrühstückten Täuschungsvorwurf.

Der springende Punkt ist: Das, was Chemiker aus dem Weißkohl rausholen und die Lebensmittelindustrie uns später als „Ananasgeschmack“ präsentiert, schmeckt eben nicht nach Ananas. Es erinnert nur entfernt daran.

Und hier liegt der Hund begraben: Der Geschmack und die Aromen von Obst oder Gewürzen sind sehr komplex, es stecken Hunderte von Komponenten drin. Die alle nachzubauen, wäre viel zu teuer und schwierig. Stattdessen begnügen sich die Chemiker damit, einige wenige, typische Aromenbestandteile zu isolieren.

Aus diesen „Leitaromen“ basteln Fachleute, die Flavoristen, Aromastoffe, die dem Vorbild irgendwie nahekommen sollen. Das gelingt sowieso nur näherungsweise. Künstlicher Erdbeergeschmack zum Beispiel enthält nur 15 bis 20 Aromastoffe, während in echten Erdbeeren satte 200 Aroma-Komponenten stecken.

Noch dazu gibt es eben komplexere und einfältigere Mischungen – je teurer das Aroma, desto komplexer, je billiger, desto vordergründig-kreischig. Jeder kennt das von Supermarkt-Sirup der Geschmacksrichtungen Kirsche oder Erdbeere. Die sind meilenweit vom echten Geschmack entfernt.

 

Aromastoffe: Pimpen, Verzerren, Verkünsteln

Dann treten aber noch die Produktentwickler in der Industrie auf den Plan. Sie geben ein paar Tropfen aus dem Aromafläschchen an ein neues Produkt, und mixen Zucker, Salz, Verdickungsmittel, Farbstoff, Geschmacksverstärker, mehr oder weniger Fett und je nach Gericht das Passende dazu.

Anschließend testen sie das Ergebnis in vielen Runden, erst intern mit Fachleuten, dann an Normalverbrauchern, und optimieren sie: Bitteres kommt raus, Süßes kommt rein, zusätzliche Fruchtaromen, Säure, Vanille oder andere beliebte Noten werden beigemengt, alles wird gezielt an den Massenstil angepasst, und wenn die Zielgruppe es gut findet, ist der neue Geschmack fertig.

Und das ist eigentlich die heiße Botschaft: Nicht die Rohstoffe, aus denen Aromen gewonnen werden. Sondern die Veränderung des natürlichen Geschmacks, erst durch die reduzierten Aromenmixturen, dann nochmal in den fertigen Produkten, vor allem im Billigsement.

Wenn man das volle Aroma nachbauen würde, wäre bei natürlichen Aromen gar nicht viel gegen die Ersatzwirtschaft zu sagen. Was ist schlimm daran, dass Vanillearoma aus Reiskleie gewonnen wird, oder ein Hauch von Ananas aus Weißkohl?

Nichts. Die reinen Techniken sind nichts anderes als das, was wir in der Küche machen: Man lockt aus irgendwelchen Rohstoffen Geschmack hervor, mit der Hilfe von Chemie und Physik.

Aber die systematische Manipulation des Geschmacks, das Reduzieren auf wenige Leitaromen und dann das Pimpen, Verzerren, Verkünsteln – das ist das wahre Problem. Diese neuen Noten werden gelernt, mehr und mehr akzeptiert und schließlich auch verlangt.

Am Ende steht eine Gleichschaltung des Massengeschmacks auf künstliche Geschmacksrichtungen. Aber weil Sebastian seinem Täuschungsverdacht hinterherjagt, hat er keine Zeit, das wirklich darzustellen.

 

Was der Test beweisen soll, kann er nicht beweisen

Schließlich hat er plakative Tests ausgeklügelt, die belegen sollen, wie die Kunden hinters Licht geführt werden. Zuerst lässt er in der Fußgängerzone Passanten verkaufsüblichen Ananasjogurt probieren. Der Jogurt einer bekannten Marke enthält natürliche Aromastoffe und nicht allzu viel echte Frucht – mutmaßlich. Denn so richtig zeigt uns Sebastian nicht, was in dem Jogurt drinsteckt. Immerhin ist der von Weihenstephan, einer Firma, die was auf sich hält.

Aber um Fairness und gutes Testdesign geht es hier ja eher nicht. Sondern um das Drama.

Wie gewünscht greifen die befragten Passanten beim Probieren daneben: Sie tippen auf allerlei andere gelbe Früchte, wie Maracuja, Birne oder Mango. Die Ananas erkennen sie nicht, jedenfalls die nicht, die zu Wort kommen. Andere sind nicht im Bild. Wie viele Probanden insgesamt getestet wurden, wie viele richtig lagen und wie viele falsch, erfährt man auch nicht.

Was, wenn die Mehrheit unter, sagen wir, 200 Testessern, richtig gelegen hätte?

Das Risiko geht der wackere Sebastian lieber nicht ein, und Zahlen verrät er nicht. Stattdessen hat er noch ein As im Ärmel: Raffiniert verwirrt er in einem zweiten Durchgang seine Probanden, indem er dem Ananasjogurt roten Farbstoff zusetzt.

Jetzt tippen die Befragten auf rote Früchte wie Erdbeere oder Himbeere. Und prompt konzediert der Sprechertext düster:

„Viele haben durch die Aromazusätze offenbar längst verlernt, wie etwas schmeckt.“

Ach ja? Dieser Befund stand wohl schon vorher fest. Und ist, wenn überhaupt, höchstens halb richtig. Denn in Wahrheit haben die Leute nichts verlernt. Sie haben es nie gelernt.

 

20 Prozent aller Menschen sind geschmacksblind

Der Normalbürger kann ohne Übung bei einem solchen Test überhaupt nicht herausschmecken, was wo drinsteckt, ob künstlich oder nicht. Im Klartext: Die Passanten in der Fußgängerzone wären auch an einem Jogurt mit echter Ananas gescheitert, den man rot gefärbt hat.

Der Trick mit der Farbe ist ein Klassiker in der Sinnesphysiologie: Damit führen Psychologen und Sensoriker seit 40 Jahren immer wieder vor, wie das Gehirn sich beim Schmecken vom Aussehen beeinflussen – und täuschen lässt.

Rote Farbe wird gemeinhin mit Beeren, roten Früchten, reifen Früchten und Süße assoziiert. Das ist gelernt und tief verankert. Probanden, die eine Cola mit weißem Etikett tranken, waren in Experimenten zum Beispiel sicher, dass die Brause weniger süß war als die Cola in einer Flasche mit rotem Etikett. Beide waren gleich stark gesüßt, nur wirkte der Rot-Effekt.

Die Verwirrung ist also völlig normal, das Gehirn funktioniert so.

Es verbindet Geschmackseindrücke mit anderen Sinneswahrnehmungen und Erfahrungen. Nur wer ein trainierter Profi ist, kann isolieren und differenzieren. Dazu braucht es eine Ausbildung und jahrelange Übung. Doch selbst Weinfachleute und Sommeliers hielten in Tests schon rot gefärbten Weißwein für echten Roten.

Der normale Passant ist damit in der Regel überfordert.

Dazu kommt, dass mindestens 20 Prozent aller Menschen geradezu geschmacksblind ist. Die würden überhaupt nichts schmecken, von Natur aus, Farbe hin oder her. Unter den restlichen 80 Prozent Schmeckern hängt alles von der individuellen Erfahrung, also vom Training, ab. Immerhin tippten einige auf gelbe Früchte, was schon ziemlich gut ist.

Was der Test also beweisen sollte, kann er gar nicht beweisen. Dafür hat Sebastian selbst ganz schön getrickst.

 

Forget the Facts, push the Story

Man kann sogar darauf wetten, dass die Berater, die die SWR-Redaktion mit dem Test-Design versorgt haben, genau wussten, dass der Farbstoff-Trick in die Irre führt. Denn natürlich hat der Autor sich den nicht selbst ausgedacht.

Ich spiele mal das Teufelchen und tippe auf Leute aus einer Verbraucherzentrale. Vielleicht waren es die üblichen Verdächtigen aus der Filiale in Mainz, die von der Verbraucherzentrale RLP. Die sind öfter für den SWR tätig. Oder es waren Aktivisten von Foodwatch. Die bezeichnen in der Sendung schon Gewürzextrakte als „Geschmacksverstärker“. Das ist einigermaßen absurder und weltfremder Purismus. Aber egal – jedenfalls waren im Hintergrund Fachleute am Werk, die die Effekte gut kennen.

Die Tendenz, den Zweck das Mittel heilen und alle fünfe grade sein zu lassen, kann dann als Synergieeffekt zwischen Beratern und Journalisten entstehen: Hauptsache, die Botschaft kommt rüber und man hat aussagekräftige O-Töne. Dann sind solche „Tests“ sexy für die Primetime.

Aber wenn man den Passanten zwei Jogurts zum Probieren gegeben hätte, einen mit echten Früchten und einen mit industriell hergestelltem Jogurt, dann hätte die Sache vielleicht ganz anders ausgesehen. Was ist echt, was ist künstlich, hätte man fragen müssen, und 100 oder mehr Leute probieren lassen müssen.

Vielleicht wäre das Ergebnis dann gewesen, dass die Passanten im direkten Vergleich die echte Ananas mit ihrem Aromenspektrum und ihren herben, säuerlichen und bitteren Geschmacksanteilen sehr gut herauskennen.

Das ist sogar wahrscheinlich. Die vier Testesser von Slow Food, die Sebastian in seinem Beitrag nach dem Straßentest herausfordert, haben zum Beispiel alle das künstlich aromatisierte Ananas-Eis erkannt.

Man konnte es sogar in einer Sendung desselben Hauses sehen, einem Marktcheck im SWR ein Jahr früher, am 23.6.2015: Probanden in der Fußgängerzone probierten Biojogurt mit echten Früchten gegen einen künstlich aromatisierten Jogurt.

Und was kam raus? Zwei Drittel der Befragten in der Fußgängerzone erkannten, welcher Jogurt den künstlichen Geschmack hatte.

Dieses Risiko ist Sebastian sicherheitshalber nicht eingegangen – es wäre ja das Falsche herausgekommen und die Dramaturgie hätte nicht gestimmt.

Screenshot zur Sendung Marktcheck, Video-Bild mit Erdbeeren und Himbeeren

Screenshot: Sendungsseite Marktcheck mit Video vom 23.6.2015 – leider gerade gelöscht.

 

Pseudoinvestigativ in Brüssel

Auf einem anderen Blatt steht dabei übrigens die Frage, welches Produkt den Probanden besser schmeckt. Da die meisten lieber mögen, was süßer ist, entscheiden sich viele für das künstlich aromatisierte Industrieprodukt, weil es in der Regel mehr gezuckert ist.

Den Effekt konnte man auch beim SWR-Marktcheck von 2015 beobachten. Allerdings ist „Vorsicht, Verbraucherfalle!“ von ganz anderem Format – differenzierte Testergebnisse und aufwändige Designs haben da keinen Platz.

Nein, hier muss es ordentlich knallen, scheppern, krachen. Das steht schon so im PR-Text des Hauses:

Die Sendung „Vorsicht, Verbraucherfalle!“ entlarvt die Verkaufstricks der Dienstleister, Händler und Hersteller. In vielen Fällen verführen sie damit zu unvorteilhaften Käufen. Die Reporter analysieren die Maschen, drehen dann den Spieß um und schlagen in öffentlichkeitswirksamen Aktionen im Namen der Verbraucher zurück.

Für mehr Transparenz

Damit entzaubern sie das Vorgehen der Händler und sorgen für mehr Transparenz für die Kunden. Reporter ermöglichen den Blick hinter die Kulissen solcher Verkaufsmaschinerien. Mit dieser Vorgehensweise verlässt das neue Format das der herkömmlichen Berichterstattungsmuster von traditionellen Verbrauchersendungen und geht einen neuen Weg.

Eindrücklicher geht das Credo nicht: Sie belügen uns alle!

Und mit einem solchen Briefing ausgestattet lässt sich gut Krawall machen. Deshalb fährt Sebastian auch nach Brüssel. Dort sitzen die EU-Politiker, die „für die irreführende Kennzeichnung verantwortlich sind“. Laut Sprechertext will Sebastian wissen, „warum das alles legal ist“.

Und jetzt kommt es ganz, ganz dick.

Denn die Macher des SWR bauen einen großen pseudoinvestigativen Popanz auf. Auf die Frage des SWR zu Aromastoffen wollte in Brüssel keiner ein Interview geben, und als Sebastian sich in der öffentlichen Pressekonferenz meldet und fragt, ob denn die Kennzeichnungsregeln transparent seien, bekommt er als Antwort nur: Ja, finden wir schon.

Damit gibt sich Sebastian natürlich nicht zufrieden. Es folgt die „öffentlichkeitswirksame Aktion im Namen der Verbraucher“: Der rasende Reporter hat einen ekelhaft gewucherten, riesigen Schimmelpilz im Glas dabei, den er den Pressesprechern in Brüssel unter die Nase halten will. Sie sollen sehen, was die böse EU dem Volk in den Schlund stopft.

Mit dem Glas im Anschlag versucht Sebastian also, auf die Bühne zu gelangen. Doch die Pressesprecher der EU erlauben das nicht, er muss unverrichteter Dinge zurück zu seinem Platz. Ein letzter Versuch zur Konfrontation scheitert, als der Pressesprecher „durch die Hintertür“ verschwindet, im Bild zu sehen und vom Sprecher triumphierend kommentiert.

 

Die ins Bild gesetzte Verschwörungstheorie

Da stockt einem schon der Atem – wie die ARD journalistische Mittel missbraucht, um einen Skandal zu inszenieren, den es nicht gibt. Denn natürlich beantwortet die EU nicht gerne falsch und polemisch gestellt Fragen nach Themen, die schon hundertmal durchgekaut wurden.

Sie fördert auch keine Grundsatzzweifel an lebensmitteltechnologischen Fakten. Schließlich werden Schimmelpilze seit Jahrtausenden für die Produktion von Aromen verwendet. Oder wissen die Leute vom SWR nicht, wie Roquefort, Salami und Kefir entstehen?

Die primitive Masche, mit der der SWR so tut, als ob er etwas aufdecken würde, hat schon ein Geschmäckle, wie man dort unten im Südwesten sagen würde – es ist eine ins Bild gesetzt Verschwörungstheorie: verzerrte Zusammenhänge, verzerrte Informationen, manipulierte Fakten. Gewünschtes Ergebnis: Volkszorn gegen EU-Funktionäre und böse Politiker, die der Industrie erlauben, den Verbraucher zu betrügen.

Zum Glück ist das nicht gelungen. Mit guter PR-Arbeit haben es ARD und SWR zwar geschafft, dass einige Internet-Portale und auch ein paar Zeitungen die Sendung angekündigt haben. Aber das war‘s dann auch, es gab ja nichts Neues zu sehen. Und Anschläge auf Käsereien und Freilassung von Schimmelpilzen hat es nicht gegeben.

Trotzdem: Eine solche Inszenierung ist keine Aufklärung, sondern eigentlich Desinformation. Sie kann auch Vertrauen zu Politikern, Institutionen und Leuten zerstören, die ihre Arbeit ordentlich machen.

 

Künstliche Aromastoffe: Die Deutschen wollen das so

Dass es andererseits bei künstlichen Aromastoffen und der Herstellung von Fertiggerichten eine Menge zu kritisieren gibt, ist klar. Am besten kauft und isst man das Zeug nicht, fertig. Aber ein bisschen Verpackungsschwindel im Rahmen der geltenden Gesetze ist da nichts gegen die Gastronomie und den riesigen Sektor loser Ware.

In Restaurants wird inzwischen mit Aroma aus Sprühdosen gearbeitet, lose Süßwaren, Eis, Kuchen, Torten, Likör, Sirup in Kaffee- und Cocktailbars, Salatsoßen, Suppen und sogar Schnäpse auf Skihütten sind flächendeckend künstlich aromatisiert. Da kann man nicht einmal mehr auf der Packung nachsehen – das Zeug bekommt man einfach vorgesetzt.

Die Pest ist künstlich aromatisierter Tee, ein Riesenmarkt in Deutschland. Und die Deutschen – Überraschung – wollen das so. Hier liegt der Hase im Pfeffer, nicht bei falscher Kennzeichnung.

Natürlich bekämpft Quarkundso.de dieses Unwesen selbst aktiv. Mehr demnächst, in der Rubrik Küchenzeile.

Aber, lieber SWR und liebe ARD: So nicht.

©Johanna Bayer

 

SWR – Verbraucherfalle vom Montag, 6.6.2016

Achtung, der Beitrag im verlinkten Video ist in mehrere Stücke geteilt. Wie Sebastion mit dem Schimmelpilz die Bühne stürmen will, ist ab Minute 20:25 zu sehen.

PR-Text ARD / SWR zum Format „Vorsicht, Verbraucherfalle!“

Die Sendung „Marktcheck“ von 2015 war bis 24.6.2016 online – und ist jetzt leider aus dem Netz verschwunden.

Geld und so: Ja! Man kann jetzt spenden. Natürlich völlig freiwillig. 1 Euro würde schon reichen, mehr ist möglich – einfach ins Sparschwein stecken.

Das steht mit diesem Bild ganz oben rechts im Menü. Wer draufklickt, landet bei PayPal, braucht zum Spenden aber kein PayPal-Konto.

Vegan ist nicht gesünder, sagt die DGE. DGE abschaffen, sagt die SZ.

Weiße Flüssigkeit in Gläsern, Mandeln, Sojabohnen

Kann man essen. Muss man aber nicht, zumindest nicht aus gesundheitlichen Gründen: vegane Ersatzprodukte. Hier: Milchimitate. Bild: Shutterstock

 

Das hatten sich die Veganer anders erhofft.

Das lange erwartete neue Positionspapier zur veganen Ernährung sollte tierfreies Essen endlich der Mischkost und der vegetarischen Kost mit Milch und Eiern gleichstellen.

Aber die DGE hat am 12.4.2016 ihren Standpunkt klargemacht – sie bleibt bei der Einschätzung: Vegane Ernährung wird nicht allgemein empfohlen. Besonders nicht für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende, Alte und Kranke.

Wer alles Tierische weglässt, also außer Fleisch auch Milch, Eier, Butter, alle tierischen Fette, Proteine und sonstigen Produkte, riskiert einen Mangel an wichtigen Nährstoffen und Vitaminen. Das ist besonders für Babys, Kinder und Jugendliche gefährlich, schreiben die obersten Ernährungshüter.

Im Klartext lautet die Position: Wer sich als gesunder, gut informierter Erwachsener vegan ernähren will, kann das machen. Doch selbst dann sollte man sich von Arzt und Ernährungsberater betreuen lassen und sicherheitshalber die wichtigsten Vitamine als Pille einwerfen. Sonst geht es schief.

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Die neue Richtung ist also die alte. Geändert hat sich nichts.

Zuvor war man in der Szene von der Basis bis in prominente Kreise hinein anderer Meinung. Es gäbe, behaupteten die Veganer und ihre Freunde in NGOs, Stiftungen und Verbänden, inzwischen viele wissenschaftliche Belege dafür, dass vegane Ernährung mindestens so gut sei wie Mischkost. Wenn nicht sogar „gesünder“ oder „am gesündesten“, wie gelegentlich kolportiert wurde.

Aber das war nur Wunschdenken. Denn es ist nicht so. Nicht, wenn es nach der Wissenschaft geht.

 

Nicht alle wollen die Kröte schlucken

Und nach der DGE, der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Ernährung. Die DGE, der alte, schwerfällige Tanker, hat dazu in einem umständlichen Prozedere alte und neue Studien gesichtet, und sich Einschätzungen von Kinderärzten und Ernährungsmedizinern geholt.

Jetzt ist die neue alte Position in Stein gemeißelt. Das ist ein dicker Brocken.

Viele wollen den nicht schlucken. Die Veganer nicht, das ist klar. Interessierte Kreise nicht, wie die Albert-Schweitzer-Stiftung. Die schafft es auf ihrer Homepage, das DGE-Papier in eine Empfehlung für vegane Ernährung umzudeuten – ein Meisterstück der selektiven Textauslegung.

Und bei der SZ wollen auch nicht alle die Kröte runterwürgen.

Aufmerksame Leser des Blattes wundert das. Denn bei der SZ ist ein Arzt der Leiter des Ressorts Wissenschaft, Medizin und Gesundheit, der legendäre Werner Bartens. Seit Jahren wird der Promi-Journalist nicht müde zu erklären, dass jeder Glaube an besondere Ernährungsformen müßig, da wissenschaftlich nicht belegt ist.

Mit diesem Credo tingelt der ausgebildete Internist durch Talkshows von Plasberg bis Maischberger und plädiert für Genuss und Wohlbefinden beim Essen. Alles andere sei verkrampft und führe zu nichts, meint Bartens.

Klipp und klar sagt er in einem Video vom 7.4.2015, das auf der SZ-Homepage zu sehen ist:

„Ein medizinischer Nutzen der fleischlosen oder veganen Ernährung ist nicht bewiesen.“

So weit der Chef.

 

Die SZ leistet sich eine andere Meinung

Man darf aber innerhalb der SZ durchaus anderer Meinung sein. Und daher hat eine Redakteurin aus Bartens` Ressort einen gepfefferten Kommentar zur neuen Veganer-Position geschrieben. Sie sitzt nicht wie der genießerische Bartens in München, sondern in Berlin, der Hauptstadt der Veganer, heißt Kathrin Zinkant und ist keine Freundin der DGE.

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Denn sie verpasst dem hauptsächlich vom Bund finanzierten Ernährungsverein eine unerhörte Breitseite: Das Papier zu Veganern sei an abstrakten Messwerten von Nährstoffen orientiert und sinnlos. Mehr noch, die gesamte, ehrwürdige DGE sei eine Luftnummer, giftet Zinkant gleich am Anfang:

„Es gibt nur wenige Institutionen in Deutschland die sich als wissenschaftlich bezeichnen und trotzdem das uneingeschränkte Vertrauen der Bevölkerung genießen. Und das dann auch noch ohne jeden triftigen Grund. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zum Beispiel.“

Härter geht es nicht.

Dann erklärt die Autorin, dass die DGE in ihrem Veganer-Papier fragwürdige Laborwerte zur Doktrin erhebe, wenn sie auf die kritische Unterversorgung aufmerksam macht, zum Beispiel bei Vitamin B12. Vitamin B12 ist tatsächlich wichtig für Hirn und Nervensystem, ein Mangel kann bei Kindern schwere neurologische Schäden hervorrufen. Davor zu warnen hält Zinkant für falsch.

Das ist wirklich erstaunlich. Wie kann man es für falsch halten, wenn vor einer Gefahr gewarnt wird? Immer wieder gibt es Fälle von vegan ernährten Babys und Kleinkindern, die mit schweren, nicht mehr rückgängig zu machenden Schäden in den Praxen von Kinderärzten landen.

Und worauf sollte man sonst schauen als auf wichtige Nährstoffe? Auf Geschmack? Den muss man schon den Bürgern selbst überlassen. Die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen und das Verhüten von Schäden sind faktisch das Einzige, worauf staatlich bestellte Ernährungshüter achten können.

Aber Zinkant hält das ganze Problem für irrelevant und generell das Pochen auf Nährstoffmengen für verfehlt:

„Was aber noch wichtiger ist: Wieder fällt niemandem auf, wie frappierend einseitig diese Art der Nahrungsbetrachtung bleibt. Es dreht sich alles darum, eine Tabelle von Nährstoff-Sollwerten einzuhalten. Die Wahrnehmung von Lebensmitteln ist fixiert auf die Frage, ob etwas besonders „reich“ oder „arm“ an X und Y ist. Wie es dem Veganer oder der Veganerin geht, spielt keine Rolle. Ob solches Essen schmeckt oder gut tut. Oder ob es wirklich krank macht.“

Jetzt ist die DGE ja schon Kummer gewohnt. Viele flicken ihr am Zeug: Ihre Nährstoffempfehlungen seien nicht belegt, die Lebensmittelpyramide falsch aufgebaut, die empfohlene Menge an Protein willkürlich, Fett zu Unrecht inkriminiert, Kohlenhydrate und Vollkorn ebenso zu Unrecht bevorzugt, die gesamte DGE sei verbohrt, unterwandert von Nazis, verschwende Steuergelder – alles schonmal dagewesen.

Man kann das sogar bei Wikipedia nachlesen, samt Alt-Kritik von 1999.

 

Mein Bauch gehört mir

Tatsächlich hat sich die DGE bei vielen ihrer Aufgaben nicht mit Ruhm bekleckert, etwa bei den Empfehlungen zum Schulessen, zur Kinderernährung und zur Bekämpfung des Übergewichts, aber auch bei der generellen Ernährungsdoktrin.

Da fruchtet nämlich nichts. Kindern Magermilch statt Vollmilch aufzuzwingen, ist für den gesunden Menschenverstand widersinnig und inzwischen auch wissenschaftlich stark in der Kritik. Und von den öden Ratschlägen, mehr Vollkorn, Äpfel und Karotten zu essen, werden die Deutschen nicht dünner.

Nicht nur, weil es möglicherweise die falschen Ratschläge sind. Sondern auch, weil die Menschen sich generell nicht an „Ernährungsempfehlungen“ halten. Das gilt international, alle Institutionen klagen darüber: Die Leute essen einfach, was sie wollen.

Vielleicht wirklich, weil die genormten, sterilen Regeln an Esskultur und Geschmacksvorlieben vorbei gehen. Selbst wenn alle gebetsmühlenartig das hohe Lied von Vollkorn, Obst und Gemüse singen – der überwältigenden Anzahl von Menschen schmeckt und bekommt das nicht.

Sicher aber auch deshalb, weil das Feld der Ernährungswissenschaft von Haus aus mit Unschärfen belastet und von Ideologien bedroht ist. Deshalb ist das Anliegen selbst, irgendwie für „gesunde“ Ernährung sorgen zu wollen, immer noch legitim. Aber auch das gilt international: Keiner macht es besser als die DGE. Alle sind praktisch gleich erfolglos und einseitig.

 

Wie Veganer sich so fühlen, ist kein Maßstab

Trotzdem schießt Zinkant ihren Giftpfeil auf das falsche Ziel. Denn erstens ist die DGE nicht dafür da, Leute dabei zu beraten, wie sie eine spezielle, selbst erfundene Kostform praktizieren.

Die DGE gibt Empfehlungen für die breite Bevölkerung, nicht für winzige Randgruppen. Schön ist im Papier nochmal nachzulesen, dass der Anteil der Veganer daran verschwindend gering ist. Offizielle Zahlen gibt es sowieso nicht, Schätzungen liegen bei nur 0,1 Prozent bis höchstens einem Prozent. Letzteres ist übrigens nicht gesichert und geht zurück auf interessierte Kreise, deren Anliegen es ist, die Zahl der Veganer hoch erscheinen zu lassen.

Dafür die Maschinerie eines Positionspapiers anzuwerfen, ist fast schon unverhältnismäßig. Aber Anlass war wohl das hohe Presseinteresse, wie eine Mitarbeiterin der DGE-Pressestelle am Telefon durchblicken ließ. Dort häuften sich in den letzten Jahren die Anfragen zu veganer Ernährung – was übrigens in interessantem Missverhältnis zur Zahl der echten Veganer steht.

Wie auch immer: Wie sich einzelne Veganer so fühlen, wenn sie ihr Gemüse verdrücken, können die Ernährungshüter nicht berücksichtigen. Auch nicht, wie sie sich fühlen, wenn die wissenschaftliche Lage klar sagt, dass vegane Ernährung ein Risiko darstellt.

Was Zinkant aber verlangt, ist eine Spezialberatung für engagierte Tierfreunde mit restriktiven Kostformen (ja, restriktiv, so steht das – richtig – im DGE-Papier).

Wie es den restriktiven Essern also mit der wissenschaftlichen Einschätzung geht, und ob ihnen ihre Lebensmittelimitate schmecken oder guttun, kann kein Problem der Allgemeinheit sein. Die finanziert schließlich die DGE.

 

Fünf Millionen für die Aussage des Jahres

Ganz wüst wird Zinkant am Ende. Sie unterstellt der DGE, dass sie von Interessen geleitet ist und schlägt vor, den Laden aufzulösen:

„Aber die DGE genießt das Vertrauen. Oft wird es auch damit begründet, dass der Verein zu 75 Prozent staatlich finanziert wird. Das klingt so unabhängig. Vielleicht gehört ja doch einmal infrage gestellt, ob die öffentliche Hand jährlich mehr als fünf Millionen Euro in redundante Nährstoffpredigten investieren muss.“

Zur Beruhigung von Frau Zinkant kann man jetzt aber hervorheben, dass das Veganer-Papier so nutzlos nicht ist. Denn die Ernährungshüter destillieren aus der aktuellen Studienlage noch etwas heraus: Gleich welche vegetarische Ernährungsweise, sie ist einer maßvollen Mischkost mit Fleisch, Milch, Butter und Eiern nicht überlegen.

Wörtlich:

„Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse kann derzeit nicht von einem gesundheitlichen Vorteil von Vegetariern gegenüber sich vergleichbar ernährenden Mischköstlern mit einem geringen Fleischanteil in der Ernährung ausgegangen werden.“

Die vegetarische Fama, an der seit 2010 gestrickt wird, lautet ganz anders. Denn das Selbstverständnis und die PR-Maschinerie der Vegetarier-Veganer beruhen zu einem großen Teil auf dem angenommen Gesundheitsvorteil. Er heißt: Der Verzicht auf Tierprodukte schützt vor Übergewicht und schlimmen Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Herzinfarkt, Rheuma oder Gicht und verleiht ein längeres Leben.

Aber nochmal: Es ist nicht so. Mit Fleisch, Eiern, Speck, Milch und Butter kann man auch länger und gesünder leben.

Welche Erleichterung: Wir haben die Wahl. Und 80 Millionen Bundesbürger müssen sich nicht grämen, wenn sie Butter aufs Brot schmieren oder die Grillwurst auf den Rost werfen.

Allein dafür haben sich die fünf Millionen für die DGE dieses Jahr schon gelohnt.

 

©Johanna Bayer

Das DGE-Positionspapier zur veganen Ernährung

Der Kommentar von Kathrin Zinkant in der SZ

Das Video zum Zitat von Werner Bartens, 7.4.2015, SZ

Geld und so: Ja! Man kann jetzt spenden. Natürlich völlig freiwillig – 1 Euro würde schon reichen, mehr ist möglich. Einfach ins Sparschwein stecken, entweder rechts oben im Menü oder hier. Wer draufklickt, landet bei PayPal.