Archiv für den Monat: Januar 2015

Essen mit Kindern – erzählt von zuhause! In der SZ tobt der Wahnsinn am Familientisch

Kinder tarnen sich nur als unfertige Erwachsene – in Wahrheit kommen sie von einem anderen Stern: Ihre Körper funktionieren nicht normal, deshalb können und mögen sie die natürlichsten Dinge nicht, schlafen, zum Beispiel. Oder auf den Topf gehen und sich erleichtern. Lieber ärgern sie die Mutter. Dann halten sie bösartig ein, wie Psychoanalytiker genau wissen. Vor allem aber befriedigen sie einen der elementarsten Triebe des Menschen nicht: Sie wollen nicht essen.

Natürlich stimmt das alles nicht. Davon bin ich zutiefst überzeugt, nicht nur aus eigener Erfahrung. Es ist sogar genau umgekehrt: Ein normales, gesundes Kind ist müde, schläft, geht aufs Töpfchen und isst gerne, weil es Hunger hat, denn sein Körper wächst rasant. Nur wenn Mutter, Vater und sonstige Erziehungsberechtigte es dabei stören, etwa mit Beschimpfungen und schlechtem, lieblos serviertem Essen, klappt es nicht mit den natürlichen Trieben. Oder das Kind ist krank.

Eindrucksvoller Unterschied zwischen Mensch und Tier

Wie sollte es anders sein? Warum sollten Kinder die Bedürfnisse ihres Körpers nicht erfüllen wollen? Warum sollte ausgerechnet der Nachwuchs allesfressender Großaffen mit Attrappen und Ritualen zum Essen getrickst werden? Wo doch in der gesamten Tierwelt die Eltern von dem Moment an, in dem die Jungen auf der Welt sind, kaum damit hinterher kommen, den Kalorienbedarf der gefräßigen Brut zu befriedigen?

Aber natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Das bezeugen Regale voller künstlicher Kinderprodukte im Supermarkt unwiderlegbar: Wurst mit Gesicht, Käse mit bunten Flecken, Fruchtzwerge. Ebenso eindrucksvoll ist das Heer von Vorschlägen, wie man Kindern Gemüse, Fisch, Fleisch, Salat, Obst, Rohkost oder Käse unterjubelt. Also alles außer Pizza, Pommes und Nudeln mit Soße. Die Tipps reichen von albern über ekelhaft bis ungehörig: Geben Sie Gemüse lustige Namen, lassen Sie die Kinder mit dem Essen spielen, ruhig auch mal werfen (!), empfiehlt DER SPIEGEL.

Ist das wirklich normal?

Wie es dann beim Essen zugeht in der modernen Durchschnitts-Familie, beschreibt Katja Schnitzler in der Süddeutschen Zeitung. Da hat sie eine Kolumne „Der ganz normale Wahnsinn – Leben mit Kindern“, und sie klagt: „Essen mit Kindern könnte so schön sein!“.

Wenn es nicht so traurig wäre, würde man darüber lachen und rufen: “Hey, erzähl doch mehr von zuhause!” Aber leider ist die Szene ein Lehrstück für den entwertenden Umgang mit Kindern – und mit Essen. Ein Fall für die Super-Nanny: Die Tochter im Schulkindalter möchte Nudeln ohne Soße. Weil sie aber Nudeln mit Soße bekommt, fängt sie an, mit den Fingern die Soße von den Nudeln abzustreifen, der kleine Bruder springt vom Stuhl auf, um der Schwester zuzusehen, der Vater herrscht beide Kinder an, vor Schreck verschluckt sich die Tochter, beim Krampfhusten stößt sie ein Glas Wasser um, der Sohn kippt vom Stuhl, sein Nudelteller zerschellt, die Eltern müssen die Scherben aufkehren und die Mutter ist am Ende so entnervt, dass sie den Kindern den Nachtisch wegreißt und einen sehr unappetitlichen hysterischen Anfall bekommt.

Das mal als Abriss. Ich verstehe die Eskalation in keinem einzigen Schritt. Der Kern ist: Die Tochter will ihre Nudeln ohne Soße – normal. Warum klatscht die Mutter ihr trotzdem Soße drauf? Und warum zwingt sie das Kind, diese Nudeln mit Soße zu essen, warum macht sie nicht einfach einen neuen Teller? Wieso weiß eine Mutter nicht, was ihre Tochter mag? Und wenn sie es schon nicht weiß – was ist schwer daran, vor dem Servieren zu fragen: “Wie möchtest Du Deine Nudeln, Schatz?” Vor allem: Warum darf sich ein Schulkind, das mindestens 7 Jahre alt ist, nicht selbst am Tisch bedienen?

Moderne Eltern – am Rande der Ess-Störung

Ich hätte in der Familie auch nichts gegessen. Wobei der Fisch natürlich vom Kopf her stinkt, denn die Eltern haben selbst eigenartige Essgewohnheiten, wie die Autorin am Anfang offen beschreibt: Die Mutter macht bei der Arbeit keine Mittagspause, sondern verdrückt schnell ein Brot am Schreibtisch. Der Vater haut sich in der Kantine ohne Besinnung etwas rein und schmeckt nichts davon. Beide Eltern halten das für den ganz normalen Alltag: nichts oder achtlos essen, sich nicht entspannen, nichts schmecken. Wenn die Eltern keinen Wert aufs Essen und auf sich selbst legen, was erwarten sie dann von ihren Kindern?

Kein Wunder also, dass es in dieser modernen Musterfamilie normal ist, einem Kind, das sich verschluckt hat, zu sagen, man müsse jetzt seine „Sauerei“ wegwischen. Oder den Kindern das Essen wegzureißen, wenn sie sich – altersgemäß – um Süßigkeiten zanken. Da fegt die Mutter das ganze Dessert vom Tisch.

Bei uns gab es einmal sonntags Eistorte zum Nachtisch. Als die geteilt werden sollte, herrschten verschärfte Bedingungen – meine Schwester und mein Bruder verdächtigten sich gegenseitig der Gier und des Betrugs. Ich bin die Mittlere und galt als etwas neutraler, deshalb haben die beiden mich damit beauftragt, zu teilen. Ich zog mit dem Messer Linien ins Eis, sofort haben die anderen mit dem Lineal nachgemessen, ob die Stücke gleich groß sind. Sie waren es nicht, ich musste nachjustieren. Übrigens haben wir das unter uns in der Küche erledigt. Meine Eltern saßen derweil am Esstisch, tranken noch ein Glas Wein und amüsierten sich darüber, mit welcher Ernsthaftigkeit wir verhandeln. Als wir mit den geometrisch abgemessenen Stücken auf den Tellern wieder rauskamen, war alles geregelt.

Einblick in die Esskultur: amerikanische Verhältnisse

Aber zurück zur modernen Musterfamilie, in der die Mutter den Kindern das Dessert wegreißt. Nicht, dass der Nachtisch an sich zu retten gewesen wäre – denn es gibt eine Handvoll Gummibärchen. Wie bitte, Gummibärchen? Dieser künstlich gefärbte und aromatisierte, durch Düsen gedrückte Industrieschaumstoff? Ich meine, jetzt mal ehrlich, es ist schon okay, dass Kinder ab und zu Gummibärchen essen. Aber so etwas hat doch bei einem Familienessen nichts zu suchen? Wie sollen Kinder lernen, echte, gute Speisen von Industrieimitaten zu unterscheiden, wenn die Eltern nicht imstande sind, zum Nachtisch einen Quark anzurühren? Wie sollen Kinder Geschmack entwickeln und Freude am Essen haben, wenn die Familie solches Zeug aus der Tüte frisst und die Mutter es sich händevollweise in den Mund stopft?

Da sollte vielleicht doch mal das Jugendamt vorbeischauen. Wobei – natürlich ist ein einziges Abendessen nur eine Momentaufnahme. Sicher machen Mutter oder Vater sonst immer köstliche Nachspeisen aus guten Grundstoffen: Milch, Sahne, Eier, Vanille, Schokolade, reife Früchte? Leider sprechen die „Nachtischvorräte“ dagegen, die die Familie offensichtlich für den ständigen Gebrauch gleich kistenweise lagert. Gezuckerter Bauschaum ist also fester Bestandteil der Esskultur in der modernen Familie. Amerikanische Verhältnisse. Die Folgen sind bekannt.

Vom Umgang mit den wichtigsten Dingen

Wer also wissen möchte, wie man es nicht macht, sollte sich jetzt aufmerksam den lustigen Artikel in der SZ-Erziehungskolumne durchlesen. Ich empfehle ihn allen Eltern mit Kindern zur Abschreckung: Das ist weder normal noch natürlich. Und wenn so etwas mal vorkommt, sollte man nicht um Verständnis heischen und das eigene Niveau runterschrauben. Sondern lieber massiv gegensteuern, beim eigenen Verhalten: Weder mit Kindern noch mit Essen noch mit der kostbaren Familienzeit noch mit dem eigenen Körper geht man so um.

Erziehungskolumne in der SZ:  Der Beitrag über Essen mit Kindern 
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Essen: Müll für Deutschland – Galileo und NDR zeigen, wie es ist. Leider.

Eigentlich wollte ich nach der Sache mit dem Geschmack und dem Billig-Essen beim ZDF über etwas anderes schreiben. Aber da kommt am 4. Januar ProSieben daher und setzt mit Galileo noch einen drauf: Aus Uralt-Dosen mit jahrelang schon abgelaufenem Haltbarkeitsdatum lässt der dicke Zweimeter-Mann Jumbo Schreiner ein Menü zubereiten.

„Ein echtes Gourmet-Menü“ heißt es sogar im Filmtext, die Zutaten sind überalter Spargel aus dem Glas, angerührt mit verjährtem Suppenpulver; acht Jahre alte Nudeln und Schnecken von 1989, dazu abgelaufener Quark und Kirschkompott von 2008. Das Bratöl ist seit 15 Jahren fällig. Aber, sagt ein Lebensmittelexperte vor laufender Kamera, das ist alles noch genießbar, ein paar einfache Tricks zeigen, ob es noch geht. Wenn sich zum Beispiel bei Gläsern und Dosen der Deckel nach oben wölbt, ist Vorsicht geboten, die müssen weg.

Wohliges Gruseln

Spektakulär ist das Experiment schon, wohlig angegruselt schaut man zu. Aber es ist natürlich im Kern ekelhaft und sinnlos. Wer würde solche Dosen noch aufmachen wollen? Vielleicht im Krieg, wenn man im Keller verschüttet ist und dort vergessene Vorräte entdeckt. Aber dann wäre es egal, wie das Zeug schmeckt.

Tatsächlich bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht unbedingt, dass die Ware danach nicht mehr essbar wäre. Sondern nur, dass der Hersteller nicht mehr für das volle sensorischen und sonstige Qualitätsniveau garantiert. Das bedeutet: Aromen bauen sich ab, Fette werden ranzig, die Farbe vergraut, Schichten trennen sich. Es schmeckt halt nicht mehr und sieht unappetitlich aus. Den Inhalt runterwürgen, ohne bleibende Schäden davon zu tragen, das geht schon noch, oft Jahre später.

Die Profis schütteln den Kopf

Jedenfalls bringt Jumbo zwei Körbe mit Dosen und Packungen in die Küche des Hamburger Literaturhauses, in dem Oliver Schubert Küchenchef mit Gourmet-Anspruch ist. Schubert hat in einer Sterneküche gelernt und muss jetzt für ProSieben veraltete Dosen aufmachen. Das sind er und seine Leute sichtlich nicht gewöhnt, sehr amüsant ist, wie die Profis angewidert das Gesicht verziehen, wenn sie an den von Jumbo vorgestellten Zutaten riechen oder sie gar probieren müssen.

Nur mühsam halten sie sich zurück, offensichtlich ist abgesprochen, dass sie ihre Meinung nicht sagen dürfen – schade eigentlich. So ein spontaner und authentischer O-Ton wäre ganz lustig gewesen: zum Beispiel, dass sie nie Spargel aus dem Glas nehmen, oder Industriepulver als Suppengrundlage, egal, ob frisch oder von 1995. Und dass sie sowas am liebsten sofort in den Müll pfeffern würden. Denn selbstverständlich kann man kein „echtes Gourmet-Menü“ aus Dosen kochen, egal ob sie frisch oder abgelaufen sind. Das geht per definitionem nicht.

Was mit abgelaufener Ware geht

Aber die Küchenbrigade verkocht brav das Zeug, dann gibt es ein Testessen mit identischen Gerichten, nur die Zutaten unterscheiden sich – einmal frische Dosen, einmal abgelaufene. Aufgabe: Welcher Teller enthält die Ingredienzen aus den Uralt-Packungen? Testesser sind Jumbo selbst und der wortkarge Vijay Sapre, Herausgeber eines Feinschmecker-Magazins und Geschäftsführer des Literaturhaus-Restaurants.

Ergebnis: Beide erkennen, welcher Teller mit der frischen Ware gekocht wurde. Das ist wirklich keine Überraschung. Sichtbar wichtig ist Jumbo aber das zweite Ergebnis: Geht doch! Auch den anderen Teller aus den Uralt-Dosen kann man noch essen!

Es ist ganz wie beim ZDF. Und Vijay Sapre mag sogar die Suppe aus dem verjährten Dosenspargel lieber. Die Schlussbotschaft lautet folgerichtig: Man muss nicht alles wegwerfen. Auch aus seit Jahren abgelaufener Ware kann man noch was kochen.

Ist das noch Essen oder kann das weg?

So. Ich sage es jetzt ein für alle Mal: Wenn es sein muss, kann man alles essen. Hunger treibts rein – Reste, alte Ware, auch Angefaultes oder teilweise Verschimmeltes, da schneidet man halt großzügig was weg. Es gibt Leute, die fischen Lebensmittel aus Mülltonnen, gut abgekocht macht das nichts. Das aber ist keine Botschaft. Es ist auch nicht neu. Wir wussten es schon. Selbst Oma wusste es, die musste das vor allem ständig praktizieren. Zwangsläufig weiß es seit Jahrhunderten die ganze Welt.

Warum wird uns eigentlich so oft vorgeführt, dass selbst das schlechteste Essen irgendwie noch genießbar ist? Besonders seit der Teller-statt-Tonne-Welle scheint die kulinarische Landschaft in Deutschland nur noch aus Resteessen, Arme-Leute-Gerichten und Eintöpfen aus unverkäuflichem Gemüse zu bestehen. Wäre es nicht angebrachter, den Menschen zu raten, besser zu planen, weniger einzukaufen und auf billige Großpackungen zu verzichten?

Außerdem haben Experten vorgerechnet, dass das Gros der Lebensmittel eben nicht in den Privathaushalten aussortiert wird. Sondern in den Herstellungsketten von Landwirtschaft und Industrie. Trotzdem sind Beweise und Belobigungen dafür, dass das niedrigste mögliche Niveau beim Reste-Essen ausreicht, an der Tagesordnung. Das besorgen solche Sendungen, modische Restekochbücher, oder Rezepte für Gerichte, die „Stampf“, „Durcheinander“ oder „Allerlei“ im Namen tragen.

Deutschland ist der Müllplatz Europas

Diese Begeisterung für mieses Essen und das Entdecken des schlechten Geschmacks – alte Dosenware geht noch! – muss man wohl als das erkennen, was sie ist: ein deutsches Phänomen. Denn so wie die Franzosen mit Recht für ihre Esskultur berühmt sind, sind es die Deutschen mit Recht nicht.

Es ist sogar noch schlimmer. Deutschland ist, zum Beispiel was Gemüse angeht, „ganz krass der Müllplatz Europas“. Das sagt – wörtlich – ein Hamburger Gemüsegroßhändler im NDR, und zwar im „Lebensmittelcheck“ mit Fernsehkoch Tim Mälzer. Es bricht förmlich aus dem Mann heraus: Die Deutschen akzeptieren die miesesten Qualitäten und den schlechtesten Geschmack bei Gemüse. Sie kaufen, was sonst keiner will. Es geht ihnen nicht um Geschmack, sondern nur um Geld – und das wollen sie für Essen nicht ausgeben. Alles, was die anderen ablehnen, findet auf dem deutschen Markt reißenden Absatz.

Brisante Botschaft schnell entschärft

Das ist eine Bombe. Die Wahrheit, von einem, der es wissen muss. Und Tim Mälzer kann es nicht glauben. Erstaunlich, aber vermutlich eine abgekartete Sache. Denn was eine ordentliche ARD-Redaktion ist, duldet selbstverständlich keine Zuschauerbeschimpfung. Das könnte ja die Quote drücken. Außerdem kann eine Redaktion wohl kaum zulassen, dass ein hemmungsloser Gemüsemann das ganze Sendungskonzept kippt. Das stand nämlich unter dem Motto: „Wie gut ist unser Gemüse?“.

Nun, es ist das Mieseste in ganz Europa. Damit hätte Tim Mälzer eigentlich einpacken müssen. Ab nach Hause, neues Konzept überlegen, vielleicht eine ungeschönte Bestandsaufnahme machen, die Ursachen suchen und analysieren. Aber das widerspricht dem Nutzwert-Zwang in den neuen Check-Formaten – Tipps müssen her. Und der Zuschauer muss beruhigt werden, natürlich hat er Geschmack!

Also will Mälzer den Ruf der Deutschen mit einem Tomatentest auf dem Wochenmarkt retten. Tatsächlich gibt es dort die eine oder andere Oma, die weiß, wie früher eine Tomate geschmeckt hat. Aber die vielen anderen, die sich für die Supermarkt-Tomaten entscheiden, machen die Sache klar: Der Deutsche mag es geschmacksneutral und süßlich.

Süß, mild und neutral für die Masse

Tim Mälzer schiebt das auf die Einheitsware der bösen Discounter und glaubt, dass die den guten Geschmack verdorben haben. Aber das kann, wenn überhaupt, nur ein Teil der Wahrheit sein. Die ganze ist, dass die Masse auf schwach, schlapp und süßlich steht und nichts anderes akzeptiert. Dazu sind die Kunden nicht von den bösen Supermärkten verführt werden – sie wollen das so. Die Deutschen bestellen ja auch an der Dönerbude Soße ohne Knoblauch, obwohl der zum Gericht gehört. Sie verweigern bitteren Endiviensalat und Rosenkohl, dafür lieben sie Karotten, die möglichst süß und Zwiebeln, die möglichst mild sind.

Man darf sich nicht darüber täuschen, dass auch Gemüsesorten Produktentwicklungen sind, die nach Verbraucher-Trends gezüchtet und getestet werden. Die kommen nicht zufällig auf den Markt, sondern weil ein Kundenpanel sie für “lecker” befunden hat, oder weil bestimmte hergebrachte Sorten nicht so gut verkauft wurden. Die Discounter richten sich mit den Produkten, die sie anbieten, nur nach dem Geschmack der Masse.

Dabei bemüht sich die Tim-Mälzer-Show redlich und zeigt auch, wo es alte Gemüsesorten gibt; der Koch plädiert eindringlich für Geschmack und Ungewöhnliches. Aber was nützt das, wenn niemand sie kauft? Und es ist schade, dass die volle Brisanz der Botschaft des Gemüsemanns nicht gesehen wird: Die Geschmackskultur in Deutschland ist am Boden, und es wäre interessant, die Ursachen dafür zu erforschen. Denn auch in England, Frankreich oder Italien gibt es Supermärkte und Discounter.

Guter Geschmack geht nicht mit Essen light

Vorzuführen, wie man abgelaufene Ware notfalls verwerten kann oder dass man das Weihnachtsessen auch aus Dosenware machen kann, drückt den Standard noch weiter runter. Es rührt sozusagen an die niederen Instinkte so vieler, schlecht zu essen und das für ganz in Ordnung zu halten.

Das ist schwer bedenklich. Was hierzulande zu oft fehlt, ist der gute, authentische, echte Geschmack: Gemüse mit Bitternoten, Käse mit aromatischer Rinde oder mit dem Duft nach Kuh, Schaf oder Ziege, scharfe Paprika, weiche, aromatische Lageräpfel und würzige Karotten, echte Vanille statt Vanillin, mitsamt ihren Bitternoten.

Dagegen wäre es doch angebracht, sich zumindest um eine gute Ess- und Geschmackskultur zu bemühen. Und nicht vorzuführen, wie das Niveau noch weiter sinken kann. Ein Plädoyer für echtes Essen wäre ein Anfang, also für authentische Produkte: Gemüsesorten mit dem typischen Geschmack. Und Vollmilch, vollfetter Jogurt, Wurst, die nicht mit Jogurt gestreckt ist. Denn Fett gibt den Geschmack, und zwar den richtigen – nicht einen, der mit Ersatz- und Aromastoffen simuliert wurde.

Also bitte keine Light- und Mager-Versionen mehr, keine neuen, „milden“ oder süßen Sorten, keine von diesen unsäglichen Tipps, wie das Bittere aus dem Gemüse verschwindet (wässern!). Essen wir Lebensmittel mit Geschmack. Und kaufen wir nicht mehr so viele und so große Dosen im Sonderangebot. Dann kann man frisch kochen.

©Johanna Bayer

Das Galileo-Experiment mit Uralt-Dosen

Der NDR-Lebensmittelcheck Gemüse mit Tim Mälzer

Quarkundso.de: Beitrag über Weihnachtsessen aus Fertigpackungen beim ZDF

 

 

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